Christsein - Mystik - Gaben, Charismen, Früchte. > Christsein im Alltag
Gedichte von Cordula Wöhler
Caelum:
"Waldruh"
Als wär´ ich ein Mal wieder
Ein müd´geword´nes Kind,
Dem alte Wiegenlieder
Zur Nacht gesungen sind, -
So ruh´ im Waldesgrunde
Ich unter Baumeshut,
O, diese eine Stunde
Macht viele schwere gut!
Und all die lieben Lieder
Der Kindheit, - längst entfloh´n, -
Vernehm ich deutlich wieder
Heut´ in der Bienen Ton!
So träumerisch und leise -
Musik für Ohr und Herz! -
Lullt diese süße Weise
In Schlummer allen Schmerz.
Und lichte Traumgebilde
An mir vorüber zieh´n,
Gedanken lieb und milde,
Waldblumen gleich erblüh´n;
Die Hände still sich falten,
Das Herz - so ganz allein! -
Träumt still vom Ruhehalten
Im ew´gen Friedenshain!
Caelum:
"Ernste Fragen"
Wo zieht es hin, das ferne Schiff,
Das westlich nun taucht nieder;
Zerschellt´s an fernem Felsenriff,
Sieht´s wohl die Heimat wieder?
Wo fliegt sie hin, die Möwe dort,
Im Flug, dem hohen schnellen?
Ist es zum sicher´n Ruheort?
Zum Grab tief in den Wellen?
Wo zieht es hin, das Menschenherz
Mit seinem heißen Sehnen,
Auf seiner Fahrt durch Lust und Schmerz,
Durch Lächeln und durch Tränen?
Der Möwe Ziel, des Schiffes Port,
Wohl kaum kann ich´s nicht dir künden,
Der Seele Fahrt - will´s Gott! - soll dort
Im ew´gen Hafen münden!
Caelum:
"Schwalben-Ankunft"
O Gott, da sieht mein Aug´ sie wieder,
Die Schwalben - meine Schwalben! - heut!
Mit Tränen netzt sich meine Lider,
Und doch - wie sehr mein Herz sich freut!
Willkommen denn zu tausendmalen,
Willkommen heut im Heimats-Nest!
Gelt, bei des Frühlings Sonnenstrahlen
Hielt´s drüben euch nicht länger fest?
Ihr hattet langen Weg zu eilen,
Und doch gelang die Fahrt so gut,
Denn euren Flug - viel hundert Meilen,
Ihr tatet ihn in Gottes Hut!
So fandet ihr den Pfad, den rechten,
Nie wurden eure Schwingen lahm,
Daß sie zum alten Nest euch brächten,
Nach dem schon längst euch Heimweh kam!
Und du, o Herz?! - Was an den Schwalben
Die Gotteshand so treu getan,
Das tät´ sie nicht auch Deinethalben,
Brächt nicht auch dich auf rechte Bahn?
Sie bracht´ Gott hin nach fernen Landen
Und führt sie wieder heut zurück,
Daß hier sie - wie im Süden - fanden,
Was ihres kleinen Lebens Glück!
Und dich, o Herz?! - Dich wird er leiten
Viel treuer noch, ja Schritt für Schritt,
Wird Dir den rechten Platz bereiten
Im fremden Land, - Er selbst geht mit!
Und einst vielleicht blüht noch hienieden
Der Lenz, der wieder heim Dich trägt,
Daß in dem Nest - für Ihn gemieden -
Dein Haupt zur letzten Ruh´ sich legt!
Und käm´ der Lenz Dir nie auf Erden, -
Ein schön´rer harrt einst droben Dein,
Da soll Dir eine Heimat werden,
Die alles Glück Dir wird verleih´n!
Da wirst Du dann es ganz verstehen,
Wie gut es Gott mit Dir gemacht,
Wie jenen Pfad Du mußtest gehen,
Der Dich an´s rechte Ziel gebracht!
Caelum:
"Auf dem Friedhof"
Ich bin durch Sturm und Regen
Geeilt an diesen Ort,
Auf ungangbaren Wegen
Trieb mich die Sehnsucht fort;
Die mir vorüber gingen,
Sah´n mich verwundert an:
"Wie mit dem Sturm nur ringen
Dies schwache Kind da kann!
Kaum konnten sie sich halten,
Die starken Männer dort;
Mich zogen die Gestalten
Der Toten mächtig fort!
Als gäb der Sturm mir Flügel,
Trieb´s mich zum Friedhof hin,
Bis hier zum ersten Hügel
Ich nun gekommen bin!
So ist der Friedenshafen
Nach rauhem Pfad erreicht!
Wie sie so still hier schlafen,
Welch´ Glück dem ihren gleicht!
Hier stört des Sturmes Wehen
Die stillen Schläfer nicht,
Hier werden froh erstehen
Sie einst beim Osterlicht!
Auf jenen Hügel nieder
Hab´ still ich mich gesetzt, -
So bin ich einmal wieder
Bei euch, Ihr Toten, jetzt!
So wohl mir eure Nähe
Im Sturm des Lebens tut,
Wie wenn in Krankheitswehe
Das Kind im Wieglein ruht!
Dürft´ immer doch ich bleiben,
Und brauchte nie zurück
In all dies leere Treiben
Von Erden-Gram und Glück!
Bin längst schon satt der schalen
Und trügerischen Welt,
Und sehn´ mich nach den Strahlen
Des Licht´s aus Sions Zelt.
Doch wär´ auch all mein Leben
Dem Gang im Sturme gleich,
Den ich bestand soeben, -
Ich weiß, auch ich erreich´
Einst diesen Friedenshafen,
Wo mich kein Sturm mehr schreckt,
Und wenn ich ausgeschlafen,
Das ew´ge Licht mich weckt!
Caelum:
"Das Pelikansnest"
Nach einer wahren, in Amerika stattgefundenen Begebenheit im Winter 1869.
Kommt, Will und Annie, eilen wir nun zum Walde schnell,
Um Reisig dort zu sammeln so lang es heut noch hell,
Lieb´ Mütterlein muß frieren ist krank und ach so arm!
Wir hatten schon so lange kein Feuer hell und warm!
So spricht zu den Geschwistern die kleine Margaret,
Die kaum acht Sommer zählte, und mit den Kleinen geht -
An jeder Hand ein´s haltend - vom Hüttlein sie zum Wald,
Und drinnen bleibt die Armut und draußen ist´s so kalt!
Sechs kleine Füßchen eilen behend nun durch den Schnee, -
O guter Engel Gottes, mit diesen Kindern geh´!
Es ist so kalter Winter, es ist so weiter Gang,
Es sind so dunkle Wälder, der Tag ist nicht mehr lang.
Sie merken´s kaum, die Kleinen, wie bald die Nacht schon naht,
Wenn nur die kranke Mutter noch heut ein Feuer hat; -
Ein großes Bündel Reisig ist bald des Fleißes Frucht,
Nun soll es heimwärts gehen, nun ist genug gesucht!
Doch ach! wie hat so schnelle die Nacht verdrängt das Licht!
Wie düster steh´n die Bäume, wie fällt der Schnee so dicht!
Wie ist der Pfad verschwunden, der aus dem Wald sie bringt,
Wie laut der Eulen Rufen nun aus dem Dickicht dringt!
Die beiden Kleinsten weinen, - kaum schleppt ihr Fuß sich fort,
Und Gretchen sucht zu trösten mit freundlich mildem Wort,
Sie spät mit bangem Blicke nach allen Seiten aus,
Doch Schnee und Nacht verhüllen den Weg zum Vaterhaus!
Schon wimmern die Geschwister vor Hunger, Frost und Schmerz,
Fast bricht vor Leid und Liebe klein Gretchens treues Herz,
Schnell zieht sie dann vom Leibe ihr wärmendes Gewand,
Und hüllt hinein die Kleinen mit sorglich linder Hand.
Sie weiß so lieb zu reden von Still- und Ruhigsein,
Bis fast die kleinen Herzen sie lullt in Schlummer ein;
Von Moos und Laub und Reisig sodann ein Nest sie baut,
Und bettet dort die Beiden wie Vöglein warm und traut.
Die Flocken fallen dichter und dunkler wird die Nacht,
Doch bei dem Nest im Walde der Engel Gottes wacht;
Er schützt den Schlaf der kleinen so zarten Vögelein,
Küßt leis´ die Stirn der Einen, und führt sie himmelein! -
Ist das ein bitt´rer Jammer Nachts in der Witwe Haus!
Am andern Morgen gehen viel gute Leute aus,
Und suchen rings im Walde, und spähen hier und dort,
Bis endlich sie gefunden im Schnee den rechten Ort!
"Ei seht, welch´ seltsam Nestchen, wie kein´s wir je geschaut, -
Ein wundersamer Vogel hat das führwahr gebaut!"
Gesund und schlafend treffen sie dort zwei Vöglein an,
Und dicht dabei - erfroren - den treuen Pelikan! -
Weit über Land und Meere flieg hin, mein schlichtes Lied,
Wo diese reine Blume aus Zeit und Leben schied,
Wo sie im dunklen Walde der rauhe Frost geknickt,
Und wo den kleinen Hügel kein reiches Denkmal schmückt!
Da bring´ dem Kind der Armut, mein Lied, der Liebe Gruß,
Blüh´ Du als Immortelle an seines Grabes Fuß,
Und ob in unser´n Tagen kein Mund mehr von ihm spricht,
Mögst Du noch heut ihm sagen: "Ein Herz vergaß Dich nicht!"
Wie wenig wahre Liebe auf dieser Welt doch wohnt,
Doch solcher Seelen wegen Gott wohl sie schützt und schont! -
Erfleh´, verklärte Kleine, uns wahren Opfersinn,
Und Lieb´, so stark wie Deine, führ´ auch zum Herrn uns hin!
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