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"Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."

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Tina 13:
Stundenbuch vom Sinai (9. Jahrhundert)
Kanon zu Ehren des Kreuzes und der Auferstehung, SC 486 (Sinaiticus graecus 864; trad. Sr Maxime Ajjoub, éd. du Cerf, 2004, p. 387-389; ins Dt. übersetzt © evangelizo)

Das kostbare Blut des [göttlichen] Wortes hat die Welt neu geschaffen

Dieser Tod, von dem die Menschheit getroffen wurde, weil sie von der Frucht des Baumes aß, ist heute durch das Kreuz entmachtet worden: Denn der Fluch, den unser ganzes Geschlecht von unserer Ahnfrau geerbt hatte, wurde ausgelöscht durch den Spross der reinsten Muttergottes, derjenigen, die von allen Mächten des Himmels verherrlicht wird.
 
In deiner menschlichen Natur hast du deine Passion auf menschliche Weise erlitten, nicht in deiner göttlichen Natur, Herr, denn, unmöglich für deine Göttlichkeit, hast du im angenommenen Fleisch all deine Leiden ertragen: So verherrlichen wir dich in beiden Naturen, Herr.
 
In einem Heilsplan des Erbarmens vernichtet sich der Meister für mich und erduldet die Leiden des Fleisches, um meine Nichtigkeit auszufüllen; durch seine Göttlichkeit lässt er aus seinen Leiden für mich die Leidensunfähigkeit hervorgehen und krönt meine Schande mit Ehre, er, den alle Mächte des Himmels verherrlichen.
 
Durch deine göttliche Herablassung, Herr, wurde der Hades gefangen genommen, und die Toten sprangen aus ihren Gräbern, denn du bist jetzt das wahre Leben, das der Herrschaft des Todes und der Macht des Hades ein Ende setzt, du, den alle Mächte des Himmels verherrlichen.
 
Wurdest du auch als lebloser Körper in das Grab gelegt, Meister, so hast du dich doch kraft deiner Göttlichkeit als frei unter den Toten erwiesen und den ersten Menschen samt seinem ganzen Geschlecht durch deine verehrungswürdige Auferstehung mit dir aus der Verderbnis des Hades auferstehen lassen: Darum verherrlichen wir dich mit den Engeln, dich, den Einzigen, den Erlöser. […]
 
Du, Allheilige, die du das Ewige Wort geboren hast, das in deinem Schoß auf außergewöhnliche Weise Mensch geworden ist, ihn, der durch sein kostbares Blut die Welt neu geschaffen hat und sie erleuchtet, wenn das Kreuz erhöht wird, jetzt verherrlichen dich alle Mächte des Himmels.

Tina 13:
Stundenbuch vom Sinai (9. Jahrhundert)
Makarismen/ Seligpreisungen der Auferstehung, SC 486 (Sinaiticus graecus 864; trad. Sr Maxime Ajjoub; éd. du Cerf, 2004, p. 401-405)

„Freut euch, Christus ist aus dem Grabe auferstanden!“

Höre Adam, und freue dich mit Eva, denn der, der euch einst beraubte und durch seine Täuschung gefangen nahm, wurde am Kreuz Christi entmachtet.
Heute hast du, o Christus, durch deine Macht die Herrschaft des Todes beseitigt, und durch deine Auferstehung, du Geber des Lebens, hast du die Seelen der Menschen erlöst, du unser Erlöser.
Wie die Scharen der Engel im Himmel, so feiern auch die Menschen auf Erden dank deiner Güte, Herr, die heiligste Auferstehung.
Heute ist Christus aus dem Grabe auferstanden, aus dem er die Unverweslichkeit für uns Sterbliche hervorsprudeln lässt, und in seiner Barmherzigkeit eröffnet er mit den Trägerinnen der wohlriechenden Salben die Freude der Auferstehung.
Erwecke uns aus dem Grab der Sünde, uns, die wir von einer Menge Leidenschaften getötet wurden, o Erlöser, der du durch deine Auferstehung die Tyrannei des Todes zerstört hast, du wahrer Menschenfreund.
Freut euch, ihr weisen Duftträgerinnen, ihr Frauen, die ihr als erste die Auferstehung Christi gesehen habt und seinen Aposteln die Auferstehung der ganzen Welt verkündet habt.
Ich bete dich an, Vater ohne Anfang, der du das Leben bist; ich bete auch deinen ewigen Sohn an, der das Leben ist; Leben und Lebensquelle ist der Heilige Geist: Ich verherrliche das einzig wahre Leben.

Tina 13:
Hl. Petrus Chrysologus (um 406-450)
Bischof von Ravenna, Kirchenlehrer
Predigt 31, Nr. 8 zur Auferstehung des Herrn; PL 52, 427

„Fasst mich doch an und, begreift“

Als der Herr nach seiner Auferstehung bei verschlossenen Türen in die Mitte der Jünger trat (vgl. Joh 20,19), glaubten sie nicht, dass er in seinen wirklichen Leib zurückgekehrt war. Vielmehr nahmen sie an, dass nur seine Seele in einer körperlichen Gestalt zurückgekommen sei, vergleichbar den Bildern, die Träumenden im Schlaf erscheinen. „Sie glaubten, einen Geist zu sehen.“ [...]
„Was seid ihr so bestürzt, warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an.“ Seht an, das bedeutet: Schaut genau hin. Warum? Weil das, was ihr seht, kein Traum ist. Seht meine Hände und meine Füße an, da ihr mit euren überwältigten Augen noch nicht in mein Gesicht schauen könnt. Seht die Wunden meines Fleisches, da ihr die Werke Gottes noch nicht sehen könnt. Betrachtet die Wundmale, die mir meine Feinde zugefügt haben, da ihr die Offenbarungen Gottes noch nicht wahrnehmen könnt. Fasst mich an, damit eure Hände euch den Beweis liefern, da eure Augen derart geblendet sind. [...] Untersucht die Löcher in meinen Händen, erforscht meine Seite, öffnet meine Wunden; denn ich kann meinen Jüngern um des Glaubens willen nicht verweigern, was ich meinen Feinden zu meiner Qual nicht verweigert habe. Berührt mich, fasst mich nur an […], prüft mich bis auf die Knochen, um euch von der Realität des Fleisches zu überzeugen, und lasst diese noch offenen Wunden bezeugen, dass ich es bin. [...]
Warum glaubt ihr nicht, dass ich auferstanden bin, da ich doch vor euren Augen viele Tote ins Leben zurückgerufen habe? [...] Als ich am Kreuz hing, hat man mich mit den Worten beleidigt: „Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. […] Er soll vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben!“ (Mt 27,42). Was ist schwieriger: die Nägel herauszuziehen und vom Kreuz herabzusteigen oder den Tod mit Füßen zu treten und aus der Unterwelt zurückzukommen? Seht, ich habe mich selbst gerettet; ich habe die Ketten der Unterwelt gesprengt und bin wieder aufgestiegen zur Oberwelt.

Tina 13:
Hl. Hildegard von Bingen (1098-1179)
Benediktiner-Äbtissin und Kirchenlehrerin
Liber divinorum operum, Teil I, 4. Vision, Kap. 22, 25 (hrsg. v. Abtei St. Hildegard, Eibingen, Beuroner Kunstverlag, 2. Auflage 2013, S. 116–119; leicht angepasst)

„Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts“ (Joh 6, 63)

Die Seele im menschlichen Leib soll vom Anfang ihres Wirkens bis zu dessen Ende die sieben gleichbleibenden Gaben des Heiligen Geistes mit Eifer verehren. Zu Beginn ihres Tuns soll sie sich an die Weisheit wenden, und am Ende soll sie die Furcht des Herrn haben. In die Mitte soll sie die Stärke stellen, indem sie sich in den himmlischen Dingen mit Verstand und Rat wappnet und in den irdischen mit Wissenschaft und Frömmigkeit umgibt, die sie zu ihrer Hilfe in gleicher Ehrfurcht umfassen muss. Daher muss sie nämlich dafür sorgen, dass sie sich zuerst weise ausbreitet, zuletzt sich aber furchtsam in Ehrfurcht zurückhält und dazwischen sich mit Tapferkeit, verbunden mit der Zierde der Einsicht und des Rates, schmückt und sich auch mit Wissenschaft und Frömmigkeit verbindet.

Die Bewegung der vernunftbegabten Seele und das Werk des Leibes (opus corporis) mit seinen fünf Sinnen, was den ganzen Menschen ausmacht, haben das gleiche Maß, da die Seele den Leib nicht mehr bewegt als jener wirken kann, und der Leib nicht mehr ausführt, als durch die Seele veranlasst wird. Auch die einzelnen Sinne des Menschen trennen sich nicht voneinander, sondern halten in hoher Kraft zusammen und erleuchten den ganzen Menschen, sowohl in seinem oberen als auch unteren Bereich zu allem Guten.

In ähnlicher Weise entsendet das Wissen der Seele die Tränenfeuchtigkeit, wenn die Sünden in ihr erkalten und andauernde Rechtschaffenheit mit den übrigen guten Werken ihr die Wärme der himmlischen Sehnsucht eingibt. So kommen auch der Stärke, die jedem Gläubigen den Tau der Heiligkeit einträufelt, die übrigen Tugenden zur Hilfe. Und wenn so die Seele vom Tau und der Wärme des Heiligen Geistes durchtränkt wird, unterwirft sie sich das Fleisch und zwingt es, zusammen mit ihr Gott zu dienen. […] So geben auch alle inneren Organe des Menschen der Seele Kräfte für ihre Aufgaben; während sie, um die Gerechtigkeit zu vollenden, die Sünden verachtet, steigt sie mit der Vernunft wieder empor.

Tina 13:
Hl. Leo der Große (?-um 461)
Papst und Kirchenlehrer
7. Predigt über die Passion; PL 54, 355-357 (in Lectures chrétiennes pour notre temps, fiche F12; trad. Orval; © 1972 Abbaye d'Orval; ins Dt. übers. © evangelizo)

„Dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten“ (Joh 10, 16)

Durch den Heiligen Geist wurde er von einer jungfräulichen Mutter geboren, und durch denselben Geist macht er seine allreine Kirche fruchtbar, damit durch die Geburt in der Taufe eine unzählbare Schar Kinder von Gott gezeugt werde. Von ihnen heißt es, dass sie „nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1,13). In ihm wird die Nachkommenschaft Abrahams gesegnet, durch die Annahme der ganzen Welt an Kindes statt, und in ihm wird der Patriarch zum Vater der Völker, wenn die Kinder der Verheißung aus dem Glauben und nicht aus dem Fleisch geboren werden.
Ohne irgendein Volk auszuschließen formt er aus allen Nationen unter dem Himmel eine einzige Herde heiliger Schafe. Jeden Tag erfüllt er, was er versprochen hat: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten“ (Joh 10,16).
Auch wenn es vor allem Petrus war, zu dem er sagte: „Weide meine Schafe“ (Joh 21,17), ist es dennoch der eine Herr, der alle Hirten betreut. Und die, die zum Felsen Christus kommen, nährt er auf so fetten und gut bewässerten Weiden, dass unzählige Schafe, gestärkt durch die Fülle seiner Liebe, nicht zögern, für den Namen ihres Hirten zu sterben, so wie der Gute Hirte sein Leben für seine Schafe geben wollte.

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