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Die Augen der Got­tes­mut­ter

Predigt von Professor May 26.01.2025

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Ein ita­lie­ni­scher Maler hat ein Bild gemalt. Die Got­tes­mut­ter sitzt auf einem Stuhl, auf ihren Knien das Jesus­kind. Mit bei­den Armen hält sie es umschlun­gen, als wollte sie sagen: Mein ist das Kind­lein für alle Ewig­keit. Aber das Schönste an dem Bild sind die Augen der Got­tes­mut­ter. Fra­gend und ver­ste­hend, glück­se­lig und ernst zugleich schauen sie einen an, wohin man sich auch wen­den mag, als könn­ten sie in den Tie­fen unse­rer Seele lesen. Unser Blick, ent­zückt von der Far­ben­pracht des Bil­des und sei­ner wun­der­ba­ren Kom­po­si­tion, glei­tet immer wie­der über alles andere hin­weg, um auf den Augen Mari­ens ruhen zu blei­ben. Dar­über möch­ten wir heute nach­den­ken: über die Augen der Got­tes­mut­ter. Sie haben viel gese­hen, Erfreu­li­ches und Schreck­li­ches. Oft mag Maria mit dem Psal­mis­ten (25,15) gebe­tet haben: „Stets sind auf den Herrn meine Augen gerich­tet.“ Von ihm emp­fing sie die Wei­sun­gen und die Fügun­gen ihres Lebens. Und wei­ter: „Meine Augen erheb’ ich zu dir, der du thronst im Him­mel. Wie die Augen der Magd, so gehen meine Augen auf den Herrn, unse­ren Gott!“ (Ps 123,1-2). Wie alle from­men Israe­li­ten zog es sie nach Jeru­sa­lem, machte sie die Wall­fahrt zum hei­li­gen Ort, betend wie alle Pil­ger. „Ich freute mich, als man mir sagte: Wir wal­len zum Hause des Herrn“ (Ps 122,1). Der Anblick des Tem­pels war eine Erhe­bung und ein Glück für jeden from­men Israe­li­ten. Maria war fromm. Und so mag sie oft gebe­tet haben: „Eins nur erfleh’ ich vom Herrn: Zu woh­nen im Hause des Herrn, zu schauen sei­nen Tem­pel“ (Ps 27,4).

Über drei­ßig Jahre waren die Augen Mari­ens auf ihren Sohn gerich­tet. Diese Augen blick­ten im Stall von Beth­le­hem auf ihr Kind­lein, die Frucht ihres Lei­bes, vom Hei­li­gen Geist bewirkt, in ihrem Schoß zu Eli­sa­beth getra­gen. Jetzt schaute sie den, von dem der Engel sagte: „Du wirst emp­fan­gen und einen Sohn gebä­ren, und du wirst ihm den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Aller­höchs­ten genannt wer­den.“ Maria hat die Bot­schaft emp­fan­gen. Sie hat nicht gezwei­felt, dass sie in Erfül­lung gehen werde. Und jetzt ist die Stunde da, von wel­cher der Pro­phet Isaias gespro­chen hatte: „Ein Kind ist uns gebo­ren, ein Sohn ist uns geschenkt, auf sei­nen Schul­tern ruht Welt­herr­schaft.“ Eli­sa­beth hat Maria selig­ge­prie­sen, weil sie dem Engel geglaubt hat, der ihr das Wun­der ihrer gott­ge­wirk­ten Emp­fäng­nis ankün­digte. Maria zwei­felt auch in der Nacht von Beth­le­hem nicht. Sie blickt auf das win­zige Kind­lein, das in einer Fut­ter­krippe liegt, und sie schaut in ihm den unend­li­chen, ewi­gen Gott. Jetzt geht in Erfül­lung, was die­ses Kind, zum Mann her­an­ge­wach­sen, ver­kün­den wird: „Selig die Augen, die sehen, was ihr seht!“ Maria sah es von Anbe­ginn sei­nes Lebens. Bei der Dar­stel­lung Jesu im Tem­pel hörte Maria den grei­sen Simeon jubeln: „Meine Augen haben das Heil gese­hen, das Gott berei­tet hat vor dem Ange­sicht aller Völ­ker.“ Wie mag sie auf ihren Sohn geblickt haben, von dem sie aus Pro­phe­ten­mund sol­che Worte gehört hatte!

Die Augen Mari­ens waren stets wache Augen. Sie nah­men gewahr, was um sie vor­ging. Der zwölf­jäh­rige Jesus war ver­schwun­den bei der Heim­kehr von der Pil­ger­fahrt. Die Mut­ter geriet in Unruhe. Sie geht zurück nach Jeru­sa­lem. Ihre Augen spä­hen nach ihrem Sohn. Und sie for­schen nicht umsonst. Sie ent­deckt den Kna­ben am hei­li­gen Ort, im Tem­pel. Die Augen der Mut­ter suchen nicht ver­ge­bens ihr Kind.

Maria ist zu einer Hoch­zeit gela­den. Auch ihr Sohn ist anwe­send mit sei­nen Jün­gern. Die Augen Mari­ens schauen auf das Braut­paar, die Gäste und die Gast­ge­ber. Sie bli­cken scharf und zugleich lie­bend über die ver­sam­melte Gesell­schaft. Sie sieht, was die ande­ren nicht sehen. Der Wein, der alle fröh­lich macht, geht aus. Eine pein­li­che Situa­tion für den Gast­ge­ber, das Hoch­zeits­paar und die Gäste. Und was Maria sieht, das bewegt sie. Dem Man­gel muss Abhilfe geschaf­fen wer­den. Wein, mehr Wein, neuer Wein muss her­bei­ge­schafft wer­den. Aber woher und durch wen? Es gibt nur einen, der augen­blick­lich aus der Ver­le­gen­heit hel­fen kann. Sie geht ihren Sohn an: „Sie haben kei­nen Wein mehr.“ Das sind die Augen Mari­ens. Sie sehen die fremde Not. Sie sind auf­ge­schlos­sen für die Bedürf­nisse der Men­schen. Es könn­ten Leute sagen: Ob einem Braut­paar in einem gali­lä­i­schen Nest der Wein aus­geht, ist für die Welt­ge­schichte nicht von Bedeu­tung. Das stimmt. Aber Maria sieht es und hält es für wert genug, um von ihrem Sohn Hilfe zu erwar­ten.

Maria beglei­tete zwei­fel­los das öffent­li­che Wir­ken ihres Soh­nes. Wenn sie auch nicht in sei­ner stän­di­gen Gefolg­schaft war, so erfuhr sie doch von sei­ner Pre­digt und sei­nen Macht­ta­ten. Als Jesus aus Jeri­cho her­auf­zog, schritt er an zwei Blin­den vor­bei. Als sie hör­ten, Jesus komme vor­über, schrien sie laut: „Erbarme dich unser, Sohn Davids.“ Jesus blieb ste­hen und sprach sie an: „Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“ Sie ant­wor­te­ten: „Herr, dass sich unsere Augen auf­tun.“ Voll Erbar­men berührte Jesus ihre Augen. Da konn­ten sie auf der Stelle sehen und folg­ten ihm. Maria wird für die Wun­der, die Jesus an Blin­den wirkte, ein beson­de­res Auge gehabt haben. Denn sie wusste aus der Hei­li­gen Schrift, dass Hei­lun­gen von Blin­den das Kenn­zei­chen der mes­sia­ni­schen Zeit sein soll­ten. Und jetzt gescha­hen sie. Durch ihren Sohn.

O die Augen Mari­ens! Sie haben viel gese­hen, viel See­len­leid und See­len­freude in der Zeit, da Jesus in Paläs­tina wirkte. Es blieb ihr nicht erspart, ihn im Elend zu sehen. Als ihr Sohn Todes­angst litt am Ölberg, als sei­nen liebs­ten Jün­gern die Augen zufie­len und sie ihn allein wachen lie­ßen, da kam über ihr Auge gewiss kein Schlaf, da schaute sie angst­voll aus nach ihrem Sohne und sei­ner Qual. Wir dür­fen anneh­men, dass sie dem Zug folgte, in dem ihr Sohn durch Jeru­sa­lems Stra­ßen zur Stätte der Hin­rich­tung geführt wurde. Ja, sie wird ihren Sohn nicht aus den Augen gelas­sen haben. Und dann war man am Ziel. Maria stand auf dem Hügel Gol­go­tha. Über ihr der blei­che Leib ihres Soh­nes. Ihre Augen beob­ach­te­ten angst­voll jedes leise Zit­tern, das durch seine Glie­der ging, und jedes Zucken sei­ner Züge im Todes­kampf, und ihre Augen schau­ten tie­fer hin­ein und sahen einen Ozean von Schmerz in sei­ner Seele; sahen in jenen fürch­ter­li­chen Stun­den, was nie ein Mensch seit­dem gese­hen, so dass wir sie darob heute noch prei­sen als die sie­ben­fach gebe­ne­deite Schmer­zens­mut­ter. Ein Pro­phet in alten Zei­ten hatte ihren Schmerz geschaut und ange­kün­digt: „Bit­ter­lich muss ich wei­nen, mein Auge schwimmt in Trä­nen.“ Wie viele Trä­nen mögen aus die­sen Augen geströmt sein? Zu ihr flie­hen die Bedräng­ten die­ser Erde. Das Gret­chen in Goe­thes „Faust“ fleht vor dem Bild der schmer­zens­rei­chen Mut­ter: „Ach neige, du Schmer­zens­rei­che, dein Ant­litz gnä­dig mei­ner Not. Das Schwert im Her­zen, mit tau­send Schmer­zen, blickst auf zu dei­nes Soh­nes Tod.“ Sie weiß, die Augen Mari­ens, die das qual­volle Ster­ben ihres gelieb­ten Soh­nes anse­hen muss­ten, wen­den sich allen zu, die sie in ihrer Not anru­fen. Die Chris­ten­heit ver­traut auf die Augen Mari­ens. Sie fleht zu ihr: „Wende deine barm­her­zi­gen Augen zu uns, und nach die­sem Elend, zeige uns Jeus, die gebe­ne­deite Frucht dei­nes Lei­bes.“

Aber wie ist es mit uns? Mit unse­ren Augen? „Wir aber, wir tap­pen nach der Wand wie Blinde, und wie die, die keine Augen haben, tas­ten wir.“ Sehen kön­nen! Man muss es ler­nen, lang­sam, müh­sam, aber wir müs­sen es. Du kommst mor­gens an deine Arbeits­stelle. Schau die Leute an, die dort tätig sind: den Ange­stell­ten in vor­ge­rück­ten Jah­ren, immer fürch­tend, abge­baut zu wer­den. Die Ange­stellte, den Lehr­ling – viel­leicht fällt es dir auf, dass sie blas­ser sind als sonst, dass sie sich müh­sam auf­recht hal­ten. Kannst du sehen? Und den Leh­rer, der vor sei­ner Kin­der­schar steht; den Arzt, auf den angst­voll die Bli­cke aller gerich­tet sind, wenn er durch die Sta­tion geht; was wird er über mei­nen Zustand sagen? Sie alle müs­sen sehen ler­nen. Und der Vater in sei­ner Fami­lie, und die Mut­ter, der es auf­fällt: mein Kind ist nicht wie sonst, in sei­ner Seele ist etwas nicht in Ord­nung. Sehen ler­nen! In man­cher Fami­lie hat die Mut­ter mona­te­lang den Keim des Siech­tums, und nie­mand hat es gemerkt. Meine Chris­ten! Ich habe heute nicht viel von euch ver­langt, keine gro­ßen Almo­sen, keine mate­ri­el­len Opfer, nur, dass ihr die Augen öff­net und sehen lernt. Kann man weni­ger ver­lan­gen?

Über die Straße einer gro­ßen Stadt ging ein Blin­der. Es war der Dich­ter Gott­lieb Kon­rad Pfef­fel. Da stieß er an einen Vor­über­ge­hen­den an. Ent­rüs­tet holte die­ser aus und gab dem Blin­den eine schal­lende Ohr­feige. Vom Ant­litz des Blin­den wich nicht der Glanz einer tie­fen Röte, aber seine dün­nen Lip­pen began­nen zu lächeln. „Ach, mein Herr“, sagte er leise, „wie betrübt wer­den Sie sein, wenn Sie hören, dass ich blind bin!“ Wie betrübt wer­den Sie sein! Gleich der Blick in die Seele des Belei­di­gers. Wer war der Blinde? Der mit den erlo­sche­nen Augen? Nein, son­dern der, der ihn geschla­gen. Wir wür­den oft nicht zum Schlage aus­ho­len, wenn wir in der Seele des ande­ren lesen könn­ten. Wir wür­den oft ein böses Wort unter­las­sen, wenn wir uns die Zeit näh­men, uns mit dem ande­ren zusam­men­zu­set­zen und ihm ins Auge zu schauen. Meine Lie­ben, alle kari­ta­ti­ven und sozia­len Bestre­bun­gen, so schön sie sind, sind umsonst, wenn wir nicht end­lich dazu kom­men, ver­ste­hend in die Seele der ande­ren hin­ein­zu­se­hen. Man­ches Mal, wenn man so recht erbost ist über jemand, sagt man sich in einer stil­len Stunde dar­auf, ob ich nicht ebenso gehan­delt hätte wie jener Mensch, wenn ich in sei­ner Lage wäre.

Ein Kind ver­rich­tete das Nach­ge­bet leise. Die Mut­ter fragte es: „Kind, was betest du? Warum sprichst du nicht laut?“ Das Kind ant­wor­tete schluch­zend: „Ich bete: Lie­ber Gott, schütze den Blin­den und auch das Hünd­lein, das ihn führt.“ Sie hatte einen Blin­den gese­hen, der sich von sei­nem Hund füh­ren ließ. Aber sie hatte ihn nicht nur erblickt, son­dern auch ver­stan­den. Maria sitzt auf ihrem Thron. Mit bei­den Hän­den umschlingt sie das Got­tes­kind. „Mein ist das Kind­lein für alle Ewig­keit!“ Und ihre Augen schauen uns an, for­schend und wis­send. Maria, Got­tes­mut­ter! Gib uns Augen, zu sehen, wie du geschaut hast, und gib uns ein Herz, zu ver­ste­hen, wir du ver­stan­den hast.

Amen.
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Gebete / Re: Heiliges Herz Jesu!
« Letzter Beitrag von DerFranke am 05. Februar 2025, 10:12:16 »
Gibt dazu ein gutes Gebetsbuch "Gebete mit Verheißungen"  mit dem Herz Jesu  Bild und vielen wirksamen Gebeten.
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Leiden >> Aufopfern >> Sühnen >> Beten >> Schweigen / Re: sühne für andere
« Letzter Beitrag von DerFranke am 31. Januar 2025, 16:13:42 »
Bei König  David war es z.B  so  wo Gott sagte   "Um deiner Väter willen sollst du gerettet werden"  Bibelstelle kenne ich nicht genau.
Diese müssen also ein gutes Leben geführt haben.

Stellvertretende Opfer kannst du dir auch anders erklären -  wenn du an das Fegefeuer glaubst  musst du ja ne Strafe bezahlen.
Wenn du den Parkschein nicht bezahlst und dir dafür  nen Strafzettel  verliehen wird  kann das auch deine Mutter übernehmen.

Es ergibt sich also aus dem logischen Zusammenhang.
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Hl. Augustinus (354-430)
Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
194. Predigt, 11. Predigt über die Geburt des Herrn (Sermons, trad. coll. Icthus, t.8, p. 98, rev.; ins Dt. übers. © Evangelizo)

Die gleiche Freude hat sich für mich erfüllt

Hört, Kinder des Lichts, die ihr angenommen worden seid auf das Reich Gottes hin; hört, geliebte Brüder; hört und bebt vor Freude im Herrn, ihr Gerechten, denn „den Redlichen ziemt der Lobgesang“ (Ps 33(32),1). Hört, was ihr schon wisst, betrachtet, was ihr gehört habt, liebt, was ihr glaubt, verkündet, was ihr liebt! [...]

Christus wurde geboren, Gott durch seinen Vater, Mensch durch seine Mutter. Er wurde geboren aus der Unsterblichkeit seines Vaters und der Jungfräulichkeit seiner Mutter. Aus seinem Vater ohne Mithilfe einer Mutter; aus seiner Mutter ohne diejenige eines Vaters. Aus seinem Vater ohne Zeit; aus seiner Mutter ohne Samen. Aus seinem Vater ist er Ursprung des Lebens; aus seiner Mutter ist er das Ende des Todes. Aus seinem Vater wurde er geboren, um die Ordnung der Tage zu lenken; aus seiner Mutter, um diesen Tag zu heiligen.

Er hat Johannes den Täufer vor sich her gesandt, den er geboren werden ließ, als die Tage begannen abzunehmen; er selbst hingegen wurde geboren, als die Tage länger wurden. Dadurch wurden die Worte dieses selben Johannes vorhergebildet: „Er muß wachsen, ich aber muss geringer werden.“ Und tatsächlich muss das menschliche Leben in sich selbst abnehmen und zunehmen in Jesus Christus, „damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2 Kor 5,15). Und damit ein jeder von uns diese Worte des Apostels Paulus wiederholen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20).
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Schul­dig wer­den an frem­den Sün­den

Predigt von Professor May

7.11.2010

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

„Ab occul­tis meis munda me et ab alie­nis parce servo tuo.“ So haben wir Pries­ter heute in unse­rem Gebet­buch gebe­tet. „Von ver­bor­ge­nen Sün­den rei­nige mich und laß mich mit frem­der Schuld nichts zu tun haben.“ Es gibt ver­schie­dene Arten von Sün­den, die eige­nen und die frem­den. Die eige­nen Sün­den sind die, die wir selbst bege­hen; die frem­den sind Sün­den, die andere bege­hen, an denen wir aber Schuld tra­gen, indem wir näm­lich zu den Sün­den raten, Sün­den anbe­feh­len, bewil­li­gen, loben, unter­stüt­zen, ver­tei­di­gen, dazu rei­zen und nicht bestra­fen. Das Thema unse­rer Über­le­gun­gen heute sol­len die frem­den Sün­den sein.

Ers­tens: Zur Sünde raten. In der Hei­li­gen Schrift ist wie in einem Lehr­buch über jede Sünde etwas zu ler­nen, auch über die Sünde „zur Sünde raten“. Rebecca riet dem Jakob zum Betrug. Er sollte den Segen des Vaters erschlei­chen und damit ihn sei­nem Bru­der Esau weg­neh­men. Sie riet ihm zur Sünde. Kai­phas, der Hohe­pries­ter, riet, Jesus umzu­brin­gen. „Es ist bes­ser, dass einer stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht.“ So man­cher Mann, jawohl, so man­cher Mann und so man­che Eltern, jawohl, so man­che Eltern raten einer Toch­ter, einer Gat­tin, das Kind abzu­trei­ben. Im 15. Jahr­hun­dert regierte jahr­zehn­te­lang das Deut­sche Reich der Kai­ser Fried­rich III. Er war Vor­mund des jun­gen Königs Ladis­laus von Ungarn. Eines Tages tra­ten einige Kam­mer­her­ren zu ihm und sag­ten: „Bringe doch den Ladis­laus um, dann fal­len dir die bei­den König­rei­che Ungarn und Böh­men zu.“ Der König war ent­rüs­tet über die­sen Rat und ent­ließ seine Kam­mer­her­ren. Das ist in der Geschichte gesche­hen, aber es geschieht auch in der Gegen­wart. Nach dem Kriege erzählte mir einer mei­ner Leh­rer vom Gym­na­sium, ein evan­ge­li­scher Pfar­rer habe ihm eine Zeit­schrift emp­foh­len, in der die katho­li­sche Kir­che sys­te­ma­tisch kri­ti­siert und her­un­ter­ge­macht wird. In wel­cher Absicht? Nun, dass die­ser katho­li­sche Leh­rer vom Glau­ben abfiele.

Zwei­tens: Zur Sünde Befehl geben. Der ägyp­ti­sche Pha­rao ließ die neu­ge­bo­re­nen Juden­kna­ben töten. Hero­des gab den Befehl zum Kin­der­mord von Beth­le­hem. David befahl dem Joab, sei­nem Feld­herrn, den Urias, des­sen Frau er begehrte, dem Tode aus­zu­set­zen. Im Kriege gegen die Sowjet­union erließ das Ober­kom­mando der Wehr­macht den soge­nann­ten Kom­miss­ar­be­fehl. Nach die­sem Befehl waren die poli­ti­schen Kom­mis­sare der Roten Armee nach der Gefan­gen­nahme sofort zu erschie­ßen. Ein unglaub­li­ches Unrecht. In die­sen Tagen, meine lie­ben Freunde, ist ein Buch erschie­nen von Frau Elene Vil­lar, einer Ame­ri­ka­ne­rin. Sie erzählt darin ihre Lebens­ge­schichte. Es ist die Geschichte von 15 Abtrei­bun­gen in 17 Jah­ren – 15 Abtrei­bun­gen in 17 Jah­ren! Der Mann, mit dem sie jahr­zehn­te­lang Unzucht getrie­ben hatte, ein ame­ri­ka­ni­scher Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, wollte keine Kin­der und befahl ihr, ver­an­laßte sie, die Lei­bes­frucht zu töten. Zur Sünde Befehl geben.

Drit­tens: In die Sünde ande­rer ein­wil­li­gen. Die jüdi­schen auf­ge­hetz­ten Mas­sen begehr­ten den Tod Jesu, und Pila­tus wil­ligte trotz bes­se­rer Erkennt­nis ein. Aaron, der Bru­der des Moses, wil­ligte ein, als das Volk das Gol­dene Kalb begehrte als Göt­zen, den es anbe­ten wollte. Auch heute kom­men der­ar­tige Sün­den vor. Zum Bei­spiel Par­la­men­ta­rier, die sich durch die Frak­ti­ons­dis­zi­plin gewin­nen las­sen, einem schlech­ten Gesetze zuzu­stim­men. Sie haben viel­leicht beob­ach­tet, was in der Nacht zu Aller­hei­li­gen wie­der gesche­hen ist, an Hal­lo­ween, wie man das heute nennt. Da sind jugend­li­che Ban­den aus­ge­zo­gen, haben Häu­ser beschä­digt, haben Men­schen her­aus­ge­for­dert. Sie haben Ruhe­stö­run­gen vor­ge­nom­men, Schlä­ge­reien ver­ur­sacht. In Ham­burg mußte die Poli­zei über hun­dert Mal aus­rü­cken. Irgend­ein Anfüh­rer einer sol­chen Bande hatte andere dazu ver­lei­tet, und sie haben ein­ge­wil­ligt, mit­zu­ma­chen bei die­ser schreck­li­chen Hal­lo­ween-Feier.

Vier­tens: Zur Sünde ver­lei­ten. Wir ken­nen alle die psy­cho­lo­gisch meis­ter­hafte Erzäh­lung im ers­ten Buch der Hei­li­gen Schrift, wie die Schlange die Men­schen ver­führte, zuerst die Eva, und durch die Eva dann den Adam. Noch oft ist in der Hei­li­gen Schrift von Ver­füh­rung die Rede. Salo­mon war ein gro­ßer König, ein bedeu­ten­der Herr­scher. Aber er ließ sich ver­füh­ren von sei­nen frem­den Frauen. Er hatte einen gro­ßen Harem, und die Frauen woll­ten alle ihre Göt­zen, ihre hei­mi­schen Göt­zen in Jeru­sa­lem haben, und der König hat das gedul­det, er hat das hin­ge­nom­men. Er ließ Astarte, Mol­choch, Wil­koch und andere Göt­zen in Jeru­sa­lem, das doch eigent­lich dem wah­ren Gott geweiht war und gehörte, aus­brei­ten. „Ein böser Gesell führt zehn andere zur Höll.“ Das ist eine alte Erfah­rung. Wir haben es in der Wehr­macht erlebt, wie ein Feld­we­bel beim Aus­gang den Sol­da­ten sagte: „Dass mir kei­ner zurück­kommt, der sein Mäd­chen nicht umge­legt hat!“ Sie wis­sen, was das bedeu­tet. Ver­füh­rung auch durch viele Sen­dun­gen des Fern­se­hens. „Sex and crime“, sagt man, also Geschlechts­lust und Ver­bre­chen wer­den gezeigt, und so wer­den unsere Men­schen, unser Jugend­li­chen ange­lei­tet, wie man sich geschlecht­li­che Befrie­di­gung ver­schafft und wie man Ver­bre­chen begeht. Gleich­zei­tig wird ihnen das Wohl­le­ben und das Ver­gnü­gen vor­ge­führt, wird die Unsitt­lich­keit und die Arbeits­scheu ermun­tert. Das heißt: Zur Sünde ver­lei­ten. In mei­ner Jugend – ich weiß nicht, ob es heute noch so ist – gab es die Ange­wohn­heit, dass Jun­gen, die einen ande­ren ver­lei­ten woll­ten, zu ihm sag­ten: „Du traust dir nicht!“ Damit sollte er auf­ge­heizt wer­den, sich zu trauen, also Böses zu tun. „Du traust dir nicht!“

Fünf­tens: Die Sünde ande­rer loben. Im Buch Ezechiel ist die Rede von fal­schen Pro­phe­ten. Von ihnen wird gesagt: „Sie schauen Heils­ge­sichte, wäh­rend die Wirk­lich­keit heil­los ist.“ So machen es immer die fal­schen Pro­phe­ten. Sie suchen die Leute zu beru­hi­gen, statt sie auf­zu­rüt­teln und zu mah­nen. Der Herr hat sel­ber vor der Sünde derer gewarnt, die andere Sün­der loben: „Ihr baut den Pro­phe­ten Denk­mä­ler, nach­dem eure Väter sie getö­tet haben. Sie haben sie getö­tet, und ihr baut ihnen Denk­mä­ler, und so zeigt ihr damit, dass ihr die Taten eurer Väter bil­ligt.“ Die Sünde ande­rer loben. Das geschieht auch in der Öffent­lich­keit, meine Freunde. Den­ken Sie etwa an die Ver­lei­hung von Buch­prei­sen an Auto­ren, deren Bücher Schmud­de­leien sind. Ich habe nie begrif­fen, wie man den Nobel­preis an eine Mann wie den Herrn Grass ver­lei­hen konnte.

Sechs­tens: Die Sünde ande­rer nicht stra­fen. Da ist im Alten Bund die Rede vom Pries­ter Heli. Er hatte zwei Söhne. Diese Söhne beraub­ten das Opfer­gut, das die Israe­li­ten zum Opfe­r­al­tar tru­gen. Sie pick­ten sich das Fleisch aus dem Tie­gel, das an sich zum Opfer bestimmt war, ja sie for­der­ten das fri­sche Fleisch, das die Israe­li­ten zum Opfer brach­ten. Und der Pries­ter, Vater Heli, strafte sie nicht. Durch die Strafe wird der Ernst der Ver­ge­hen sicht­bar gemacht. „Wer nicht hören will, muss füh­len“, sagt der Volks­mund, und das ist rich­tig. Wenn die Strafe unter­bleibt, dann den­ken die Men­schen: Das ist erlaubt. Durch das Unter­las­sen der Strafe wird die Über­tre­tung des Geset­zes ermun­tert, wird gleich­sam zur Über­tre­tung ein­ge­la­den. Und da wäre an den Staat, an unse­ren Staat, an die Regie­rung und an das Par­la­ment die Frage zu rich­ten, wes­halb sie bestimmte schwere Sün­den nicht unter die Ver­ge­hen oder Ver­bre­chen ein­rei­hen und ent­spre­chend bestra­fen. Die Sünde ande­rer nicht stra­fen, die man pflicht­mä­ßig stra­fen müßte, ist Teil­nahme an einer frem­den Sünde.

Sie­ben­tens: Zur Sünde ande­rer still­schwei­gen. Die Hohen­pries­ter gaben am drit­ten Tage nach der Bei­set­zung Jesu die Parole aus: „Die Jün­ger sind gekom­men und haben den Leich­nam gestoh­len.“ Und die Sol­da­ten schwie­gen dazu. Sie wuß­ten es ja bes­ser, aber sie lie­ßen sich durch Beste­chung zum Schwei­gen brin­gen. Die Pro­phe­ten wuß­ten, dass man zur Sünde nicht schwei­gen darf, die andere ver­üben. Johan­nes der Täu­fer schwieg nicht zu der Sünde sei­nes Lan­des­herrn: „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau dei­nes Bru­ders zu haben.“ Er bezahlte diese Mah­nung mit dem Tode. Als in Ber­lin 1938 die Syn­ago­gen brann­ten, da sprach der katho­li­sche Dompfar­rer Bern­hard Lich­ten­berg öffent­lich seine Miß­bil­li­gung aus: „Das ist auch ein Got­tes­haus!“ Er lan­dete im Gefäng­nis und wurde ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger über­führt, starb aber auf dem Wege. So bezah­len die­je­ni­gen ihren Frei­mut, die zur Sünde ande­rer nicht schwei­gen. Sie alle wis­sen, was heute an vie­len Stel­len in unse­rer Kir­che geschieht. Das Evan­ge­lium wird ver­bo­gen, die Ord­nung der Kir­che wird nicht eínge­hal­ten, die Lit­ur­gie wird ver­un­stal­tet. Aber viele Obere schwei­gen, sie schwei­gen zur Sünde ande­rer. Ich kenne eine Pfar­rei, in wel­cher der Ober­mi­nis­trant die Brüste von Minis­tran­tin­nen berührt, und der Pfar­rer weiß es, und er schweigt.

Ach­tens:  Zur Sünde ande­rer mit­hel­fen. Judas lie­ferte Jesus den Juden, den Fein­den Jesu des Herrn, aus. Sau­lus war an der Stei­ni­gung des Ste­pha­nus betei­ligt. Der König von Ita­lien, Vic­tor Emma­nuel, beauf­tragte ein­mal den deut­schen Künst­ler und Bild­hauer Ach­ter­mann, ihm eine Sta­tue der heid­ni­schen Lie­bes­göt­tin Venus anzu­fer­ti­gen. Der Künst­ler ant­wor­tete dem König: „Ganz Ita­lien hat nicht so viel Geld, um diese Arbeit zu bezah­len, ehe ich an eine sol­che Sta­tue einen Fin­ger rühre.“ Er fürch­tete, dass von der Sta­tue die Erre­gung uner­laub­ter Begier­den aus­ge­hen könnte, und daran wollte er sich nicht schul­dig machen. Heute machen sich viele schul­dig, hel­fen zur Sünde mit, indem sie feind­se­lige, schlechte Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten hal­ten. Damit hel­fen sie zur Sünde ande­rer mit, denn sie unter­stüt­zen ja mit ihrem Geld, dass die Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten erschei­nen kön­nen. Die Her­aus­ge­ber müß­ten die Zeit­schrif­ten und Zei­tun­gen ein­stel­len, wenn nie­mand sie abon­nie­ren würde. Hier­her, zur Sünde mit­hel­fen gehört das weite Feld der mate­ri­el­len Mit­wir­kung mit der Sünde ande­rer. Neu­lich hörte ich, dass Eltern ihre Auf­sichts­pflich­ten ver­säu­men, und das sagen nicht Pries­ter, son­dern Beauf­tragte des Jugend­am­tes. Eltern ver­säu­men ihre Auf­sichts­pflicht. Sie set­zen Kin­der vor den Fern­seh­ap­pa­rat, da sind sie beschäf­tigt, und man hat Ruhe. Oder sie sehen zu, wie Kin­der im Inter­net sur­fen und dort alles mög­li­che Schlechte auf­neh­men. Wenn die Eltern das dul­den, hel­fen sie zur Sünde der Kin­der mit.

Neun­tens: Die Sünde ande­rer ver­tei­di­gen. Vom König Achab wird berich­tet, dass neben sei­nem Palast ein Wein­berg war, der Nabod gehörte. Der König wollte die­sen Wein­berg haben. Er bot ihm an, ihn zu kau­fen. Aber Nabod sagte: Nein, das ist das Erbe mei­ner Eltern, das ver­kaufe ich nicht. Da gab ihm die Köni­gin Jez­a­bel einen Rat, näm­lich man sollte zwei fal­sche Zeu­gen fin­den, die aus­sa­gen, Nabod hat den König und Gott geläs­tert. Und tat­säch­lich, diese bei­den Kerle erschie­nen, sag­ten aus, Nabod habe das große Ver­bre­chen began­gen; er wurde gefan­gen­ge­nom­men und hin­ge­rich­tet. Der König nahm den Wein­berg. Das heißt die Sünde ande­rer ver­tei­di­gen. Wer homo­se­xu­elle Betä­ti­gung als eine erlaubte Weise geschlecht­li­chen Han­delns hin­stellt, der ver­tei­digt die Sünde ande­rer, der ver­wirrt die Gewis­sen, der hilft zur Aus­brei­tung des Las­ters.

Frem­der Sün­den, meine lie­ben Freunde, kön­nen sich leicht schul­dig machen Vor­ge­setzte, irdi­sche Macht­ha­ber, gesetz­ge­bende Kör­per­schaf­ten, Eltern, Arbeit­ge­ber, Her­aus­ge­ber von Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten. Wer sich einer frem­den Sünde schul­dig macht, ist min­des­tens so straf­bar wie der, der selbst sün­digt. Wer einen ande­ren zur Sünde ver­lei­tet, kann sogar noch straf­ba­rer sein. Außer­dem sün­digt er gegen die Nächs­ten­liebe. Er tut es dem Teu­fel gleich, dem Teu­fel, der nicht bloß selbst böse ist, son­dern der auch andere böse machen will. Fremde Sün­den sind ein düs­te­res Kapi­tel unse­res Lebens. Wir Pries­ter beten jeden Sonn­tag: „Ab occul­tis meis munda me et ab alie­nis parce servo tuo.“ Rei­nige mich von ver­bor­ge­nen Sün­den und laß mich mit frem­der Schuld nichts zu tun haben.

Im letz­ten Buch der Hei­li­gen Schrift, der Apo­ka­lypse, wird berich­tet, wie Gott die Engel aus­sen­det und wie sie aus allen Enden die Ver­füh­rer, die Ver­füh­rer und die Übel­tä­ter her­bei­brin­gen und in den Feu­er­o­fen wer­fen, wo Heu­len und Zäh­ne­knir­schen ist.

Meine lie­ben Freunde, hal­ten wir uns an die Mah­nung des Apos­tels Pau­lus: „Sei nicht jenem zum Ver­der­ben, für den Chris­tus gestor­ben ist.“ Sei nicht jenem zum Ver­der­ben, für den Chris­tus gestor­ben ist.

Amen.
16
Symeon der Neue Theologe (um 949-1022)
griechischer Mönch, Heiliger der Orthodoxen Kirchen
Hymne 51 (ins Dt. übers. © evangelizo)

Denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen

Dein Licht umhüllt mich, gibt mir Leben, o mein Christus, denn dein Anblick macht lebendig, lässt auferstehen. Von den Wirkungsweisen deines Lichts zu reden, vermag ich nicht; doch habe ich sein Wirken erfahren, und was ich weiß, mein Gott, ist dies: Selbst wenn ich krank bin, Herr, sogar in Bedrängnis und Betrübnis, in Fesseln gelegt, hungrig, im Gefängnis, von tausenderlei Leiden heimgesucht, ist es dein Licht, o mein Christus, das leuchtet und all dies zerstreut wie die Finsternis, und mit einem Mal taucht dein göttlicher Geist mich in die Ruhe, in das Licht und in des Lichtes seligen Genuss. […]
Denn wie es Nacht und dunkel wird, wenn die Sonne sinkt, und all die wilden Tiere aus ihren Verstecken kommen, um nach Beute suchen, so ist es, mein Gott, wenn dein Licht mich nicht mehr umhüllt: Sogleich bedeckt mich die Finsternis dieses Lebens und die Flut der Gedanken; die Bestien der Leidenschaften zerreißen mich und die Gedanken durchlöchern mich wie Pfeile.
Doch wenn du dich wieder meiner erbarmst, wenn du Gnade walten lässt, wenn du dein Ohr zu meinen Seufzern und Klagen neigst, wenn du meine Wehrufe hörst und meine Tränen annimmst, wenn du gnädig auf meine Erniedrigung schaust – trage ich doch die Last von Sünden, die ich nicht wiedergutmachen kann –, dann, o mein Christus, erscheinst du von weitem wie ein aufgehender Stern; nach und nach schwillt deine Größe an – dabei bist nicht du es, der sich solcherart verändert, vielmehr öffnest du den Geist deines Dieners, so dass er dich sehen kann.
Ein klein wenig lässt du dich sehen, dann, gleich der Sonne, mehr und mehr, denn je mehr die Dunkelheit entschwindet und vergeht, desto mehr meine ich dich kommen zu sehen, dich, den Allgegenwärtigen; und wenn du mich wie früher ganz umhüllst, Erlöser, wenn du mich ganz bedeckst, mich ganz umgibst, dann bin ich frei von meinen Übeln, der Finsternis enthoben.
17
Stille Nacht, hei­lige Nacht


Predigt von Professor May 26.12.2024

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Am 24. Dezember 1818 erschien in der Kir­che des klei­nen öster­rei­chi­schen Dörf­chen Obern­dorf am Ufer der ver­eis­ten Salz­ach ein Mann in schwar­zem Geh­rock. Er hieß Franz Gru­ber und war ein­und­drei­ßig Jahre alt. In Arns­dorf war er Schul­meis­ter und in Obern­dorf Orga­nist in der Kir­che. Er rückte die Orgel­bank zurück, setzte den Fuß auf das Pedal und drückte die Tas­ten. Doch aus den Pfei­fen kam kein Ton. Bevor er fest­stel­len konnte, woran das lag, hörte er ein Geräusch an der Tür, und als er sich umwandte, erblickte er sei­nen Freund Joseph Mohr, Aus­hilfs­pfar­rer, der vor­über­ge­hend in Obern­dorf die Auf­ga­ben des Geist­li­chen wahr­nahm. „Grüß Gott, Joseph“, rief Gru­ber. „Was gibt es?“ Der junge Pries­ter, sechs­und­zwan­zig Jahre alt und von fröh­li­cher Wesens­art, hob hilf­los die Arme und winkte sei­nem Freund, ihm zu fol­gen. Er führte Gru­ber in den Raum hin­ter dem Pfei­fen­werk, wo die Leder­bälge das Instru­ment mit Wind ver­sorg­ten, und zeigte auf ein Loch in dem abge­nutz­ten Leder. „Hier – das habe ich heute Mor­gen ent­deckt. Das muss eine Maus durch­ge­nagt haben. Beim ers­ten Pedaltritt fiel das ganze Ding zusam­men.“ Gru­ber besah sich den Scha­den und erschrak. Eine Weih­nachts­messe ohne Musik – das war undenk­bar. „Da sit­zen wir ja schön in der Pat­sche. Was machen wir bloß?“ „Ja, weißt du“, sagte Mohr fast schüch­tern, „ich habe da näm­lich ein klei­nes Gedicht gemacht.“ Er räus­perte sich und fügte eilig hinzu: „Eigent­lich ist es der Text zu einem Lied.“ Der Leh­rer lachte. Es war kein Geheim­nis, dass Mohr sol­che Lie­der liebte. Seine Mut­ter war eine arme Nähe­rin in Salz­burg gewe­sen. Der Mann hatte sie ver­las­sen. Als sie ihren klei­nen Sohn Joseph tau­fen las­sen wollte, fand sich kein Pate. Schließ­lich war es der Hen­ker, der sich bereit erklärte, den Klei­nen über das Tauf­be­cken zu hal­ten. Spä­ter über­nahm es einer der Kir­chenäl­tes­ten, für die Erzie­hung des Jun­gen und auch für die Aus­bil­dung im Pries­ter­se­mi­nar zu sor­gen. Gru­ber hielt das Gedicht in der Hand und las die ers­ten Zei­len. Ein selt­sa­mes Gefühl ergriff ihn. Ihm war, als sprä­che es direkt und unmit­tel­bar zu ihm, still und ein­fach mit bewe­gen­den Wor­ten. Sie rühr­ten ihn an, wie ihn noch nie­mals etwas ange­rührt hatte. Und schon begann er, einer fer­nen Melo­die zu lau­schen, die erst gebo­ren wer­den sollte. Als er schwieg, sagte Mohr fast ent­schul­di­gend: „Ich dachte nur, weil doch die Orgel kei­nen Ton her­gibt, ob du viel­leicht für unsere Gitar­ren etwas zusam­men­stel­len könn­test. Für die Kin­der müsste dann halt ein ein­fa­cher Refrain dabei sein.“ „Ja, ja, das könnte gehen“, sagte Gru­ber. „Lass es mir nur hier, ich nehme es mit nach Hause und werde sehen, was ich machen kann.“ Eine Stunde lang stapfte Gru­ber durch den hohen Schnee heim nach Arns­dorf; in sei­nem Kopf wuchs eine Melo­die, wuchs und tönte und ließ alles ringsum ver­stum­men. Er sah und hörte nichts ande­res. In ihm füg­ten sich die Worte zur Melo­die und zum Lied: „Stille Nacht, hei­lige Nacht, alles schläft, ein­sam wacht.“ Wie der taube Meis­ter Beet­ho­ven hörte er deut­lich alle Noten­fol­gen im Kopf und im Her­zen. „Hol­der Knabe im locki­gen Haar. Schlaf in himm­li­scher Ruh.“ Zu Hause, in sei­nem ein­fa­chen Zim­mer mit dem gescheu­er­ten Fich­ten­holz­bo­den, dem Por­zel­lan­ofen, den weni­gen Möbeln und dem Kru­zi­fix an der Wand setzte er sich sogleich an das Spi­nett. Aus den Wor­ten quoll die Melo­die, wuchs und strömte unauf­halt­sam in rei­chem Fluss. Gru­ber war beglückt und ange­tan. Am Nach­mit­tag ver­sam­mel­ten sich alle im Arbeits­zim­mer des Pries­ters unter immer­grü­nen Tan­nen­zwei­gen: der Pries­ter, der Schul­meis­ter, zwölf kleine Jun­gen und Mäd­chen mit leuch­ten­den Augen. Die bei­den Män­ner stimm­ten die Gitar­ren und unter­wie­sen die Kin­der in dem neuen Gesang. Die Kin­der san­gen fröh­lich und begeis­tert, und die Män­ner blick­ten sich befrie­digt an. Ein wenig holp­rig noch, die dritte Zeile etwas schwie­rig, aber das war leicht zu ver­bes­sern; sie wür­den es schaf­fen. Hei­lig­abend! Oben auf dem Schnee lag eine feste Kruste, dar­un­ter war die Masse so tro­cken, dass alles knirschte unter den schwe­ren Schrit­ten der Kirch­gän­ger. Froh klang ihr „Grüß Gott“ durch die stille Nacht. Die Luft war kalt und kris­tall­klar und stach ein wenig beim Ein­at­men. Hoch am Him­mel hin­gen die Sterne. Glo­cken­klang tönte vom hohen wei­ßen Turm der Kir­che von St. Niko­las. Drin­nen spie­gel­ten sich zahl­rei­che Ker­zen. Lie­be­voll war der Raum geschmückt mit Tan­nen­zwei­gen. Auf den har­ten Holz­bän­ken hatte die Gemeinde Platz genom­men. Ein Rau­nen der Über­ra­schung ging durch die Rei­hen, als die zwölf Kin­der mit Mohr und Gru­ber vor dem Altar erschie­nen. Die bei­den Män­ner tru­gen ihre Gitar­ren. Gru­ber nickte. Die Sai­ten vibrier­ten, und nun füll­ten der Tenor des Pries­ters und der Bass des Schul­meis­ters das alte Kirch­lein. Zum ers­ten Mal erklang das Lied „Stille Nacht, hei­lige Nacht“. Atem­los lauschte die Gemeinde. Alle Her­zen wur­den warm. Das Geheim­nis der Weih­nacht bewegte die Gläu­bi­gen. Sie ver­miss­ten den Klang der Orgel nicht mehr. Ein ein­fa­ches Lied, ein schlich­ter Gesang war gebo­ren wor­den, der die Her­zen anrührte und sie zum Krip­pen­kind führte. Nie­mand in der Gemeinde, gewiss nicht der Dich­ter und der junge Musi­ker, die es erdacht hat­ten, ahnte, dass es um die Welt gehen sollte. Nie­mand wusste, dass ein paar Stun­den lang die Flamme des Genies in zwei ein­fa­chen Män­nern gebrannt hatte, von denen man nie wie­der hören sollte, und dass durch den Zau­ber ihrer gemein­sa­men Tat an einem Weih­nachts­abend in dem klei­nen öster­rei­chi­schen Dorf ein Stück Unsterb­lich­keit geschaf­fen wor­den war. Dass ihr Werk nicht der Ver­ges­sen­heit anheim­fiel, war einem Zufall zu ver­dan­ken. Im fol­gen­den Früh­jahr kam der Orgel­re­stau­ra­tor Karl Mau­ra­cher vom Zil­ler­tal her­auf, um die beschä­digte Orgel zu repa­rie­ren. Er unter­hielt sich mit Gru­ber und fragte, wie sie am Weih­nachts­abend bei der Christ­messe ohne Orgel aus­ge­kom­men seien. Gru­ber erzählte es ihm. „Es war ja nur ein klei­nes Lied­chen“, sagte er. „Ich weiß nicht mal, wo ich es hin­ge­legt habe. Mohr ist auch nicht mehr hier. War­ten Sie, es kann eigent­lich nur da hin­ten sein.“ In einem klei­nen Schrank lag ein Häuf­chen stau­bi­ger Akten und Papiere. Und dort lag auch das Lied. Mau­ra­chers Augen folg­ten den Noten, die Lip­pen beweg­ten sich, und aus sei­ner brei­ten Brust kam ein tie­fes Brum­men. „Da ist was dran“, sagte er halb­laut, „darf ich’s mal mit­neh­men?“ Gru­ber, erfreut über die späte Aner­ken­nung, sagte lachend: „Aber natür­lich! Neh­men Sie es gern mit. Wenn Sie unsere Orgel repa­riert haben, wird kei­ner wie­der danach fra­gen.“ Mau­ra­cher steckte Werk­zeug und Leder­fli­cken in die Tasche und ver­ab­schie­dete sich. Gru­ber schloss die Tür und ver­gaß den Vor­fall. So kamen Worte und Melo­die von „Stille Nacht“ hin­un­ter ins Zil­ler­tal und began­nen ihre nie endende Reise um die Welt. Das Lied kam als Volks­lied von Öster­reich nach Deutsch­land. Das Lied wan­derte über die Gren­zen, zog mit Emi­gran­ten über den Ozean. Es brei­tete sich aus über die ganze Erde. Bald san­gen Chris­ten von Kanada bis Tokio von der stil­len, hei­li­gen Nacht. Erst spä­ter wur­den Gru­ber und Mohr als Urhe­ber aner­kannt; doch sie erhiel­ten nie auch nur einen Pfen­nig dafür. Gru­ber und Mohr star­ben so arm, wie sie gelebt haben. Doch Gru­bers alte Gitarre singt noch heute für ihn. Denn sie ist erhal­ten geblie­ben und wurde in der Fami­lie ver­wahrt. An jedem Weih­nachts­abend wird sie nach Obern­dorf gebracht. Die Kin­der stel­len sich auf unter den ver­schnei­ten Tan­nen­bäu­men vor der klei­nen Gedächt­nis­ka­pelle, die dort steht, wo einst die alte Kir­che von St. Niko­las stand. Die Kapelle wurde zum Geden­ken an die bei­den Män­ner erbaut, die der Chris­ten­heit ihr schöns­tes Weih­nachts­lied schenk­ten. Und dort erklingt all­jähr­lich das Lied, das wie kein ande­res die Her­zen der Men­schen auf der gan­zen Erde bewegt, das Lied „Stille Nacht, hei­lige Nacht“. Ich wage die Vor­her­sage: Solange an Weih­nach­ten noch „Stille Nacht, hei­lige Nacht“ gesun­gen wird, solange ist das Licht, das die Krippe von Beth­le­hem umstrahlt, noch nicht erlo­schen.

Amen.
18
Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407)
Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer
Homilien über das Evangelium nach Matthäus, Nr. 7, 5

Folgen wir den Sterndeutern

   
Machen wir uns auf den Weg wie die Sterndeuter. Mögen auch alle anderen erschrecken: Wir wollen freudig hineilen zum Kind. Mögen auch Könige oder Völker sich uns in den Weg stellen, so kümmert uns das wenig: Wir dürfen in unserem Eifer nicht erlahmen; wir wollen allem drohenden Unheil entgegentreten. Hätten die Magier das Kind nicht gesehen, wären sie der Gefahr, die ihnen von König Herodes drohte, nicht entkommen. Bevor ihnen das Glück widerfuhr, dieses Kind zu betrachten, waren sie voller Furcht, von Gefahren umgeben und zutiefst verunsichert. Nachdem sie das Kind angebetet hatten, zogen Friede und Sicherheit in ihre Herzen ein.
Lassen also auch wir eine verkommene Stadt, einen blutrünstigen Despoten und alle Reichtümer dieser Welt hinter uns, und ziehen wir nach Bethlehem, dem geistlichen „Haus des Brotes“. Wenn du ein Hirte bist, dann komm nur, und du wirst das Kind im Stall sehen. Wenn du ein König bist, dann werden dir – falls du nicht kommst – deine prächtigen Kleider und dein würdevolles Auftreten nichts nützen. Wenn du ein Gelehrter bist wie die Sterndeuter, dann wird all dein Wissen dich nicht retten, falls du nicht kommst, um deine Ehrfurcht zu bekunden. Wenn du ein Fremder oder gar ein Barbar bist, wirst du am Hof dieses Königs Aufnahme finden. [...] Es genügt, mit Ehrfurcht und Freude zu kommen, mit diesen beiden Empfindungen, die in einem wahrhaft christlichen Herzen wohnen. [...]
Bevor du dieses Kind anbetest, lass alles los, was dich belastet. Wenn du reich bist, dann lege ihm dein Gold zu Füßen, das heißt, gib es den Armen. Diese Sterndeuter aus der Fremde sind von so weit her gekommen, um das neugeborene Kind zu sehen: Wie könntest du […] dich weigern, ein paar Schritte zu gehen, um einen Kranken oder einen Gefangenen zu besuchen? [...] Die Sterndeuter brachten Jesus ihre Schätze dar – und du hast nicht einmal ein Stück Brot für ihn? (vgl. Mt 25,36f). Als sie den Stern sahen, wurden ihre Herzen von Freude erfüllt; du siehst Christus in den Armen, denen es an allem fehlt – und du setzt dich darüber hinweg und bist nicht berührt?   
19
Die Seele

Predigt von Professor May

3.11.2024

Im Namen des Vaters und des Soh­nes und des Hei­li­gen Geis­tes. Amen.

Geliebte im Herrn!

I.
Der Glaube der Kir­che hat nie einen Zwei­fel daran gelas­sen, dass jeder Mensch eine geis­tige Seele besitzt, die unzer­stör­bar ist und auch nach dem Tod des Lei­bes wei­ter­lebt. „Der Leib unse­res Herrn Jesus Chris­tus bewahre deine Seele zum ewi­gen Leben.“ So spricht der Pries­ter, wenn er einem Gläu­bi­gen die kon­se­krierte Hos­tie reicht. Hier ist von der Exis­tenz der Seele des Men­schen und von ihrer Unver­gäng­lich­keit die Rede. Katho­li­sche Chris­ten beten: O Gott, gib den Ver­stor­be­nen die ewige Ruhe; sie beten für die armen See­len im Feg­feuer. Sie wis­sen um die Gemein­schaft der Hei­li­gen in der strei­ten­den, in der lei­den­den und tri­um­phie­ren­den Kir­che. Nun ist aber die Seele weder zu sehen noch zu grei­fen. Und es gibt Men­schen und Ver­ei­ni­gun­gen, wel­che die Exis­tenz der Seele leug­nen. Der mate­ria­lis­ti­sche Monis­mus aner­kennt nur die Wirk­lich­keit des Stof­fes und bestrei­tet das Dasein einer unstoff­li­chen, geis­ti­gen Seele. Sind wir wehr­los gegen­über dem Bestrei­ten der geis­ti­gen Seele? Oder kön­nen wir nicht nur aus dem Glau­ben, son­dern auch mit der Ver­nunft bewei­sen, dass wirk­lich jeder Mensch eine Seele besitzt? Wir wol­len heute ver­su­chen, die­sen Beweis zu füh­ren. Es ist wahr. Die Seele ent­zieht sich in ihrem eigent­li­chen Sein und Wesen der anschau­li­chen Erfah­rung. Aber sie offen­bart sich in der rei­chen Man­nig­fal­tig­keit ihres Erle­bens und Tätigs­eins. Die­ses ist wie jedes andere Tat­sa­chen­ge­sche­hen empi­risch fass­bar und kon­sta­tier­bar. Von ihm aus kann man dann durch schluss­fol­gern­des Den­ken zur Erkennt­nis der Natur und des Wesens der Seele vor­drin­gen. Sie offen­bart sich hier als ein sub­stan­ti­el­les, geis­ti­ges, indi­vi­du­el­les Sein, die das ganze mensch­li­che Sein und Leben bedingt. Die Men­schen­seele offen­bart sich in ihren Äuße­run­gen und Betä­ti­gun­gen als Sub­stanz, d.h. als ein in sei­ner Exis­tenz selb­stän­di­ges wirk­li­ches Sei­en­des, das im Wech­sel sei­ner Zuständ­lich­kei­ten und Qua­li­tä­ten Bestand hat und mit die­sen in leb­haf­tem Wirk- und Bezie­hungs­zu­sam­men­hang steht.

II.
Woher kommt der Gedanke? Aus dem Gehirn? Eine medi­zi­ni­sche Zeit­schrift schrieb in einer Stu­die über „Seele und Gehirn“: Nach der Fest­stel­lung Claude Ber­nards (1813-1878), des berühm­ten Bio­lo­gen, hat „die Behaup­tung, der Gedanke sei nichts ande­res als eine Aus­schei­dung des Gehirns, keine andere Bedeu­tung als die Behaup­tung, die Zeit sei eine Aus­schei­dung der Uhr“. Der Gedanke ist nichts Stoff­li­ches, son­dern etwas Geis­ti­ges. Darum stammt er nicht aus dem Kör­per (Gehirn), son­dern von der Seele (Geist). Der Kör­per ist nur der „Sende- und Emp­fangs­raum“ der Seele. Das Gehirn spielt die Rolle einer Tele­fon­zen­trale. Die Geist­seele ver­hält sich zum Gehirn wie der Künst­ler zum Instru­ment. Sie sind nicht das­selbe, aber auf­ein­an­der ange­wie­sen, von­ein­an­der abhän­gig. Nie­mand bestrei­tet die Unent­behr­lich­keit des Gehirns für unser Leben. Aber das Gehirn ist nicht die Seele; es ist ein Werk­zeug der Seele. Die Akte unse­res Erken­nens, Den­kens und Wol­lens rich­ten sich nach Geset­zen, die nichts mit den phy­si­ka­lisch-che­mi­schen Geset­zen zu tun haben, denen die Pro­zesse in unse­rem Orga­nis­mus unter­lie­gen. Die Gesetze, nach deren sich das logi­sche Den­ken rich­tet, sind völ­lig ande­rer Art als die der mole­ku­la­ren Gehirn­vor­gänge. Dass ich diese und keine ande­ren mora­li­schen Wert­ur­teile fälle, hat nichts mit che­mi­schen Umwand­lun­gen im Ner­ven­sys­tem zu tun, wenn diese auch uner­läss­li­che Vor­be­din­gung dafür sein mögen, dass es über­haupt zum Den­ken und Urtei­len kommt. Die geis­ti­gen Akte, aus denen Werke her­vor­ge­hen, fol­gen einer eige­nen, neuen Gesetz­lich­keit, die mit den natur­wis­sen­schaft­lich fass­ba­ren Pro­zes­sen, die sich im Men­schen abspie­len, nichts zu tun hat.

III.
Schon die bloße Tat­sa­che des see­li­schen Lebens in sei­nen Haupt­äu­ße­run­gen des Wahr­neh­mens, Den­kens und Wol­lens ver­langt not­wen­dig ein wirk­li­ches, rea­les Etwas, ein Sei­en­des, wel­ches alle diese Vor­gänge erlebt und diese Fähig­kei­ten ent­fal­tet. Jede Tätig­keit hat zu ihrer Vor­aus­set­zung ein Täti­ges. Eine sub­jekt­lose Tätig­keit ist ein schlecht­hin unvoll­zieh­ba­rer Gedanke. Dazu kommt Fol­gen­des. Die meis­ten unse­rer see­li­schen Erleb­nisse sind nicht etwas bloß Momen­ta­nes, Flüch­ti­ges, son­dern erstre­cken sich über eine gewisse Zeit. Emp­fin­dun­gen, Denk­be­we­gun­gen und Stre­bun­gen des Wil­lens dau­ern an. Die Ver­fol­gung eines hohen Zie­les kann die ein­zelne Seele Tage, Wochen, ja auf Jahre hin­aus den­kend und wol­lend in akti­ver Span­nung hal­ten. Den­ken Sie an das Erler­nen eines Beru­fes oder an die Absol­vie­rung eines Stu­di­ums. Sol­che Dauer see­li­scher Erleb­nisse und Tätig­kei­ten über län­gere Zeit hin ist nicht mög­lich ohne ein kon­stan­tes, behar­ren­des, die ein­zel­nen Akte über­dau­ern­des und sie zur Ein­heit zusam­men­fas­sen­des Sub­jekt. Ohne sol­chen Bestand eines see­li­schen Seins im Men­schen wären so bedeut­same Mensch­heits­auf­ga­ben wie Unter­richt, Erzie­hung und Wis­sen­schaft durch­aus unmög­lich. Erfolg­rei­cher Unter­richt kann nicht sein ohne das Fort­dau­ern und Behar­ren eines geis­ti­gen Sub­jek­tes, das den Inhalt des Unter­richts in sich auf­nimmt und erkennt­nis­mä­ßig sich zu eigen macht. Erzie­hung und Bil­dung haben nur dann Sinn und Aus­sicht auf Erfolg, wenn es ein wirk­li­ches blei­ben­des Sub­jekt gibt, das den erzieh­li­chen Beein­flus­sun­gen zugäng­lich ist. Darin offen­bart sich eine wirk­li­che, in ihrem Sein selb­stän­dige und behar­rende, d.h. sub­stan­ti­elle Seele.

IV.
Die geis­tige Seele des Men­schen hat, obwohl die tat­säch­li­che Ver­bin­dung mit dem Leib nicht Bedin­gung ihrer Exis­tenz ist, als Wesens­form des Lei­bes eine wesens­not­wen­dige Bezie­hung zu ihrem Leib. Als sol­che Form bil­det sie im sinn­li­chen Erken­nen und Stre­ben eine Wirk­ein­heit mit dem Kör­per; sie ist auch im geis­ti­gen Tun, solange die Ver­bin­dung mit dem Kör­per dau­ert, wenigs­tens indi­rekt an stoff­li­che Vor­be­din­gun­gen ihres geis­ti­gen Tuns gebun­den. Doch es will beach­tet wer­den: Die Zel­len ändern sich und ver­ge­hen, doch der Mensch, der bleibt. Der Kör­per erneu­ert sich voll­stän­dig inner­halb von sie­ben Jah­ren. Jeder von uns hat heute einen ande­ren Leib als vor zehn oder zwan­zig Jah­ren. Der Kör­per hat einen tota­len Stoff­wech­sel durch­ge­macht. Das Fleisch, das Blut, die Ner­ven, das Gehirn sind sich nicht gleich­ge­blie­ben. Aber eines ist geblie­ben trotz allen Wech­sels: das Bewusst­sein, dass ich der­selbe bin. Das „Ich“ ist die Seele. Nie­mand könnte sagen: Ich habe vor zehn oder zwan­zig Jah­ren das getan, wenn der Stoff die­ses „ich“ wäre. Ist der Stoff nicht mehr da, dann ist auch das dama­lige „ich“ nicht mehr vor­han­den. Wäre das rich­tig, dann könnte ich auch nicht mehr für Taten von frü­her ver­ant­wort­lich gemacht wer­den, da ich ein ganz ande­rer gewor­den bin. Den­ken Sie an fol­gen­den Fall: Erich Mielke trat mit 18 Jah­ren der KPD bei und wurde in deren „Selbst­schutz“ lei­tend tätig. Der Ermor­dung von zwei Poli­zei­of­fi­zie­ren ange­klagt, floh er 1931 zuerst nach Bel­gien und danach in die Sowjet­union. In der DDR war er maß­geb­lich am Auf­bau des Staats­si­cher­heits­diens­tes betei­ligt und erhielt den höchs­ten Rang eines Armee­ge­ne­rals. Mord ver­jährt nicht. Nach der Wende wurde er (am 26.​10.​1993) vom Land­ge­richt Ber­lin für die Erschie­ßung der Poli­zis­ten 1931 zu einer Frei­heits­strafe von sechs Jah­ren ver­ur­teilt. Der Mielke von heute ist der­selbe wie der Mielke von ges­tern. Er kann sich nicht her­aus­re­den: Ich bin nicht der Mielke von 1931. Was ist also die Brü­cke, die sich unbe­rührt vom stän­di­gen Fluss des Stof­fes über allem Wech­sel der Mate­rie wölbt, über alle Ände­rung von Jugend-, Man­nes- und Grei­sen­al­ter? Es ist das Bewusst­sein des eige­nen Ich. Die­ses aber ist nicht Sache des Stof­fes, der Mate­rie, son­dern ein Selbst­zeug­nis des Geis­tes, der Seele.

V.
Dass der Mensch mehr ist als eine bloße Stoff­wech­sel­ma­schine, zeigt seine Fähig­keit, ins Über­sinn­li­che, also rein Geis­tige vor­zu­sto­ßen. Der Mensch kann nicht bloß sehen, er kann auch ein­se­hen. Er kann in abs­trak­ten Begrif­fen den­ken und reden, was über das Ver­mö­gen mate­ri­el­ler Kräfte hin­aus­geht. Sinn­lich vor­stel­len lässt sich ein Ein­zel­mensch, z. B. Goe­the, nicht aber der All­ge­mein­be­griff „Mensch“. Die Seele kann es. Ich gehe noch wei­ter. Die Seele kann nicht nur Über­sinn­li­ches erken­nen, son­dern auch durch Über­sinn­li­ches in sich Lust- oder Unlust­ge­fühle her­vor­ru­fen. Ja, der Mensch kann um der rein geis­ti­gen Güter wil­len auf sinn­li­che Güter ver­zich­ten. Pflan­zen und Tiere kann man nicht für geis­tige Ideale begeis­tern. Sie besit­zen zwar ein Gehirn, aber kei­nen Geist, keine Seele. Mit dem Erfas­sen und Erstre­ben über­sinn­li­cher geis­ti­ger Werke (z. B. Tugen­den) hängt auch des Men­schen sitt­li­ches Stre­ben und kul­tu­rel­ler Fort­schritt zusam­men. Das hebt ihn über das Tier hin­aus und macht ihn zur Krone der Schöp­fung. Auf sei­ner geis­ti­gen Selbst-Tätig­keit beruht letzt­lich die geis­tige Selbst-Stän­dig­keit und damit die vom Stoff unab­hän­gige geis­tige Unsterb­lich­keit der Seele.

VI.
Es ist durch­aus unzu­rei­chend, allein das Bewusst­sein und die geis­ti­gen Tätig­kei­ten des Men­schen als Seele zu bezeich­nen. Hand­lun­gen und Befind­lich­kei­ten bedür­fen eines Trä­gers. Bewusst­sein im eigent­li­chen Wort­sinn besagt eine Art Begleit-Wis­sen um das eigene see­li­sche Sein und seine augen­blick­li­chen Befind­lich­kei­ten. Durch die­ses Begleit-Wis­sen kann der Mensch um seine Lebenstä­tig­kei­ten wis­sen, kann er seine Erleb­nisse haben. Das reflexe, d.h. aus­drück­lich gemachte Bewusst­sein macht es uns mög­lich, zwi­schen Ich, Akt und Objekt zu unter­schei­den, uns gleich­sam von ihnen zu dis­tan­zie­ren, nach ihren gegen­sei­ti­gen Bezie­hun­gen, nach dem logisch-for­ma­len, erkennt­nis­theo­re­ti­schen, ethi­schen Wert der Akte zu fra­gen und so zur Geis­tes­kul­tur zu gelan­gen. Die For­men des refle­xen Bewusst­seins eig­nen nur dem geis­ti­gen Wesen, und die Fähig­keit dazu gehört zum Wesen des sich selbst besit­zen­den, bei sich sei­en­den Geis­tes. Das Bewusst­sein ist nicht bloße Begleit­erschei­nung der Mate­rie, son­dern ver­weist auf eine sub­stan­ti­elle Seele. Die Seele ist nicht Bewusst­sein, son­dern sie hat es. Die Seele ist eine Sub­stanz, das heißt das eine und behar­rende Sub­strat der vie­len und wech­seln­den Bewusst­seins­vor­gänge. Die kör­per­li­che Welt weist stets die Eigen­schaf­ten der Aus­deh­nung und der räum­li­chen Zusam­men­set­zung auf. Das Bewusst­sein ist keine aus­ge­dehnte Größe. Liebe und Hass sind mehr und ande­res als mess­bare elek­tro­che­mi­sche Ver­än­de­run­gen des Gehirns. Das Bewusst­sein ist eine ein­zig­ar­tige, neue, unräum­li­che Qua­li­tät.

VII.
Am deut­lichs­ten offen­bart sich die Seele als sub­stan­ti­elle Ein­heit in der wesen­haf­ten Ein­heit des mensch­li­chen Bewusst­seins­le­bens. Aus dem unmit­tel­ba­ren Bewusst­sein um sein Ich nimmt jeder Mensch die see­li­schen Erleb­nisse als seine Erleb­nisse in Anspruch. Wenn wir sagen: Ich denke, ich nehme wahr, ich will etc., stel­len wir allen die­sen ver­schie­de­nen geis­ti­gen Akten ein gemein­sa­mes Prin­zip der­sel­ben gegen­über, das sich zu ihnen als ihr Sub­jekt ver­hält. Sol­ches Ich­be­wusst­sein, das mit allen see­li­schen Erleb­nis­sen untrenn­bar ver­bun­den ist, ver­langt not­wen­dig ein sie erle­ben­des, von ihnen ver­schie­de­nes Sub­jekt, das eine wirk­li­che Seele sein muss. Die Seele steht als etwas Selb­stän­di­ges, hin­ter und über den ein­zel­nen See­len­tä­tig­kei­ten, geht ihnen vor­aus, ist von ihnen ver­schie­den, bringt sie her­vor und trägt sie.

VIII.
Diese Betrach­tung der Seele wird bestä­tigt durch die Ver­gleich­bar­keit der man­nig­fal­ti­gen Bewusst­sein­s­er­leb­nisse eines jeden Men­schen. Damit Ver­glei­chung mög­lich wird, müs­sen die zu ver­glei­chen­den Erleb­nisse bewusst auf­ge­fasst wer­den, und zwar von ein und dem­sel­ben die Ver­glei­chung üben­den Sub­jekt. Die­ses Sub­jekt muss ein Abwä­gen und Abschät­zen des einen gegen das andere, eben das Ver­glei­chen vor­neh­men. Die­ses Ver­glei­chen (z. B. von Auf­sät­zen der Schü­ler einer Klasse) kann infol­ge­des­sen nicht eine Tat der ver­gli­che­nen Erleb­nisse selbst sein. Sie for­dern ein akti­ves Sub­jekt, wel­ches die Erleb­nisse als sei­nen Besitz hat und sie ver­glei­chend ein­an­der gegen­über­stel­len kann, ein Sub­jekt also, das von den Erleb­nis­sen selbst ver­schie­den ist, aus eige­ner Kraft sie zusam­men­fasst und eint. Das aber kann nichts ande­res sein als die reale, von den Erleb­nis­sen ver­schie­dene und unter­schie­dene, sie habende, sie eini­gende und ver­glei­chende Seele. Diese Ver­glei­chung kann nicht bloß bei gleich­zei­ti­gen Erleb­nis­sen statt­ha­ben. Sie ist auch in wei­tem Umfang eine sol­che gegen­wär­ti­ger Erleb­nisse mit ver­gan­ge­nen, ja mit ver­gan­ge­nen unter sich mög­lich. Das ver­langt: Das see­li­sche Sub­jekt muss im Ablauf und Wech­sel der ein­zel­nen Erleb­nisse fort­dau­ern und iden­tisch ein und das­selbe blei­ben. Diese Fort­dauer wird beson­ders klar aus der Tat­sa­che, dass wir längst ver­gan­gene see­li­sche Erleb­nisse immer wie­der klar und deut­lich als die unse­ri­gen erken­nen und in der Erin­ne­rung fest­hal­ten und weit­hin nach Belie­ben wie­der repro­du­zie­ren kön­nen. Sol­ches ist nur mög­lich, wenn das Sub­jekt des augen­blick­li­chen Bewusst­seins und das Sub­jekt beim ehe­ma­li­gen ers­ten Erleb­nis schon aktu­ell gewe­se­nen nume­risch ein und das­selbe ist. Nur eine ste­tige blei­bende Seins­ein­heit, eben die reale Seele, gibt den Grund ab für die hier sich offen­ba­rende Bewusst­seins­ein­heit. Nichts garan­tiert mehr die Ein­heit und die Dauer die­ses mensch­li­chen Bewusst­seins­sub­jek­tes (das wir Seele nen­nen) als die Tat­sa­che der Erin­ne­rung im Ich­be­wusst­sein. Die­ses fasst das ganze Leben eines jeden Men­schen zu einer gro­ßen per­sön­li­chen Ein­heit zusam­men. Diese Ein­heit wird nicht ein­mal durch Unter­bre­chun­gen des aktu­el­len Bewusst­seins im Schlaf oder durch Zustände der Bewusst­lo­sig­keit auf­ge­ho­ben oder auch nur bedeut­sam ver­än­dert. Die Erin­ne­rung geht mit uns. Den­ken Sie an die Gene­ral­beicht über einen län­ge­ren Abschnitt des Lebens oder an eine Lebens­beicht.

Man­che Men­schen, mit denen man über die Seele und ihre Unver­gäng­lich­keit spricht, sagen: Es ist noch nie­mand her­über­ge­kom­men. O doch! Einer ist von drü­ben her­über­ge­kom­men, sogar zwei­mal, ein­mal bei sei­ner Men­schwer­dung und das andere Mal bei sei­ner Auf­er­ste­hung von den Toten: Jesus Chris­tus, der Sohn Got­tes, der Sohn der Jung­frau Maria. Die Ret­tung der unsterb­li­chen See­len vor der Ver­damm­nis war das Ziel sei­nes Lebens, Lei­dens und Ster­bens. Von daher kommt es, dass wir gläu­big spre­chen dür­fen: Jeder Mensch besitzt eine unsterb­li­che Seele, das Embryo und der Fötus, der Geis­tes­kranke und der Greis. Dar­auf beruht ihre Würde und ihre Unver­letz­lich­keit. Es gibt eine Seele. Sie ist unzer­stör­bar. Die Ver­nunft macht uns ihrer Geis­tig­keit und Unzer­stör­bar­keit gewiss. Für uns Chris­ten ist der Tod nicht Ende, son­dern Voll­endung. Uns wird das Leben nicht ent­ris­sen, son­dern ver­wan­delt. Wenn die Her­berge unse­res Erden­wan­dels in Staub zer­fällt, steht die ewige Hei­mat im Him­mel bereit. Unsterb­lich­keit der Seele – kein Wahn, son­dern ver­nünf­ti­ges Wis­sen, ja durch Chris­tus selige Gewiss­heit. Wie sagt unser Herr und Hei­land? „Ich sage euch, mei­nen Freun­den: Fürch­tet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber danach keine Macht haben, ein Übri­ges zu tun. Ich will euch zei­gen, wen ihr fürch­ten sollt: Fürch­tet den, der, nach­dem er getö­tet hat, die Macht besitzt, in die Hölle zu sto­ßen. Ja, sage ich, den sollt ihr fürch­ten.“

Amen.
20
Hl. Bernhard von Clairvaux (1091-1153)
Zisterziensermönch und Kirchenlehrer
Erste Predigt für den Vigiltag von Weihnachten (ins Dt. übers. © Evangelizo)

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“

Hört, ihr Himmel! Erde, horch auf! (Jes 1,2). Jedes Geschöpf, vor allem aber der Mensch, erbebe vor Ehrfurcht und breche in Jubel aus: „Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird zu Betlehem in Judäa geboren!“ [...] Könnte man der Erde eine süßere Nachricht verkünden? [...] Hat man jemals so etwas gehört, hat die Welt jemals Ähnliches vernommen? „Zu Betlehem in Judäa wird Jesus Christus, der Sohn Gottes, geboren.“ Was sind das für unscheinbare Worte, um die Herablassung des Wortes auszudrücken, da das Wort Gottes ein kleines Kind geworden ist. Doch welche Süßigkeit liegt in diesen Worten! [...] „Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird zu Betlehem geboren.“ Das ist die Geburt einer Heiligkeit ohnegleichen: eine Ehre für die ganze Welt, eine Freude für alle Menschen wegen des unermesslichen Glücks, das sie ihnen bringt; Erstaunen für die Engel wegen der Tiefe dieses Geheimnisses von unvergleichlicher Neuheit (vgl. Eph 3,10). [...]
„Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird zu Betlehem in Judäa geboren.“ Wacht auf und lobsingt Gott, ihr, die ihr im Staub liegt! (Jes 26,19 LXX). Seht, der Herr kommt und mit ihm sein Heil; seht, es kommt der Gesalbte des Herrn, sein Messias; seht, er kommt in seiner Herrlichkeit. [...] Selig, wer sich von ihm anziehen lässt und „dem Duft seiner Salben nachläuft“ (vgl. Hld 1,4 LXX): Er wird „die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater“ (Joh 1,14) sehen.
Ihr alle, die ihr verloren seid, atmet auf! Jesus kommt, um zu retten, was verloren war. Ihr Kranken, werdet wieder gesund: Christus kommt, um den Balsam seiner Barmherzigkeit auf die Wunde eures Herzens zu streichen. Erbebt vor Freude, ihr alle, die ihr vor Sehnsucht brennt: Der Sohn Gottes steigt zu euch herab, um euch zu Miterben seines Reichs zu machen (vgl. Röm 8,17). Ja, Herr, ich bitte dich, heile mich, so bin ich heil, hilf mir, so ist mir geholfen (Jer 17,14); verherrliche mich, so werde ich wirklich in der Herrlichkeit sein. Ja, „lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen“ (Ps 102(103),1). [...] Der Sohn Gottes wird Mensch, um die Menschen zu Kindern Gottes zu machen.
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La Salette 1846



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