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GEDICHTE
amos:
KARNEVAL
Auch uns, in Ehren sei's gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.
Wie reizend fand man dazumal
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leer gemacht,
Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann können gleich die frömmsten Frau'n
Sich negativ an uns erbau'n.
Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach' uns an, doch nur von fern
(Ein Auge zu, Mundwinkel schief ;))
Durchs umgekehrte Perspektiv.
Wilhelm Busch
Gine:
jhlcu jhlcu jhlcu Supi Idee Amos.
Ich habe auch etwas, einen Auszug:
Ich hab Dich sooooo lieb!
Ich könnt Dir ohne Bedenken einen Backstein
aus meinem Ofen schenken...
J.Ringelnatz
amos:
ENTSAGUNG
Eins ist, was altergraue Zeiten lehren,
Und lehrt die Sonne, die erst heut getagt:
Des Menschen ewges Los, es heißt: entbehren,
Und kein Besitz, als den du dir versagt.
Die Speise, so erquicklich deinem Munde,
Beim frohen Fest genippter Götterwein,
Des Teuren Kuß auf deinem heißen Munde,
Dein wärs? Sieh zu! ob du vielmehr nicht sein.
Denn, der Natur alther notwendge Mächte,
Sie hassen, was sich freie Bahnen zieht,
Als vorenthalten ihrem ewgen Rechte,
Und reißens lauernd in ihr Machtgebiet.
All, was du hälst, davon bist du gehalten,
Und wo du herrschest, bist du auch der Knecht,
Es sieht Genuß sich vom Bedarf gespalten,
Und eine Pflicht knüpft sich an jedes Recht.
Nur was du abweist, kann dir wieder kommen.
Was du verschmähst, naht ewig schmeichelnd sich,
Und in dem Abschied, vom Besitz genommen,
Erhälst du dir das einzig deine: Dich!
Franz Grillparzer
amos:
CRUCIFIXUS
Am Kreuz hing sein gequält Gebeine,
Mit Blut besudelt und geschmäht;
Dann hat die stets jungfäulich reine
Natur das Schreckensbild verweht.
Doch die sich seine Jünger nannten,
Die formten es in Erz und Stein,
Und stellten's in des Tempels Düster
Und in die lichte Flur hinein.
So, jedem reinen Aug ein Schauder,
Ragt es herein in unsre Zeit;
Verewigend den alten Frevel,
Ein Bild der Unversöhnlichkeit.
Theodor Storm
Das Kreuz, ein Bild der Unversöhnlichkeit?
Ja, Theodor Storm (1817-1888) spricht
hier aus, was man in der Routine des Glau-
bensbekenntnisses vergessen kann. Das
Kreuz bleibt auch als Zeichen der Erlösung
das Kreuz: Ein Folterinstrument, erfunden
um einen Menschen langsam zu Tode zu
quälen. In der römischen Antike wurden
die Christen auch wegen ihres Zeichens
abgelehnt. Macht Theodor Storm sich
dieses Urteil zu eigen? Der Dichter war
Kind seiner Zeit und schwankte zeitlebens
zwischen Atheismus und Sehnsucht nach
Glauben. Auf jeden Fall erinnert er daran,
dass Karfreitag nicht Ostern - und der
Tod Jesu am Kreuz keine schnell erledigte
Durchgangsstation auf dem Weg zur Auf-
erstehung ist.
amos:
OSTERN
Vom Erdenstaub zu reinen, blauen Lüften
Dringt weit der Blick in ersten Frühlingstagen,
Und höher steigt der mächt'ge Sonnenwagen,
Die Erde sehnt nach Blättern sich und Düften,
Und heilige Geschichten uns dann sagen
Was sich geahnet in des Herzens Klüften.
Er ist erstanden aus den Todesgrüften,
Und wie vergebens war der Menschen Zagen,
Ja so ersteht die Welt der Himmelsgaben
Mit jedem Jahr neu, die Knospen brechen,
Und nichts ist unsrer Liebe zu erhaben,
Sie giebt uns alles in den Wonnebächen,
Die nach dem Eisgang Flur und Aug' durchgraben,
Das Unsichtbarste will zum Lichte sprechen.
Achim von Arnim
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