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Der Tod, ein Tabu?
Hemma:
Liebe Leser/innen!
In den österr. Fernsehnachrichten hat man heute von zwei Erfrorenen im Land berichtet, einer davon war ein Mann aus der Steiermark, der morgens in einem Schulpark von Schülern entdeckt wurde.
Da sagte der Sprecher dann: "Die Lehrer der Schule reagierten geistesgegenwärtig und zogen die Vorhänge schnell zu, auch wurde gleich psychologische Hilfe eingesetzt".
Ich dachte mir, früher wurden die Kinder auch mit dem Tod konfrontiert. Sicher haben wir uns nicht unbedingt darum gerissen, Leichen zu sehen, aber jetzt scheint der Tod ein Tabuthema für Kinder zu sein, während gegen seelenzerstörenden Medienkonsum etc. kaum jemand protestiert.
Was meint denn Ihr?
LG, Hemma
Gine:
Liebe Hemma,
da sagst Du was dass ich teile.
Ich denke wenn Eltern verantwortungsbewusst ihren Kindern in der Erziehung auch den Tod näher bringen würden, so dass eben keine Angst davor entsteht, würden Kindern und später Teenager mit diesem Thema umgehen können ohne dass Psychologen hinzugezogen werden müssten.
Sicherm in einigen Ausnahmen wäre dass aus speziellen Gründen dennoch der Fall aber in der Mehrzahl eben nicht.
Auch ist es schade dass der Tod derartig aus dem Leben verschwindet und vielleicht notwendige Abschiedszeiten den Angehörigen in der heutigen Zeit geraubt werden.
Ich erinnere mich dass meine Oma mir erzählte dass zu ihrer Zeit es als normal galt den geliebten Verstorbenen zu Hause 3 Tage und zwei Nächte aufgebahrt wurden. Somit konnten die Angehörigen ordentlich Abschied nehmen. Gerade dieses "Abschied nehmen" ist aber wichtig . Ja ich weiss, manchen Mensch wäre nicht geheuer dabei, aber mal Hand aufs Herz, wer schürt denn Gruselmärchen über Tote die wieder aufstehen um Lebenden zu schaden? Der Wiedersacher!
--- Zitat ---während gegen seelenzerstörenden Medienkonsum etc. kaum jemand protestiert.
--- Ende Zitat ---
Das ist etwas was mich wirklich aufregt! Du hast so Recht!
Ich finde es eigenartig das bei so manchen Medien, wie z.B. Computerspiele (teilweise zu Recht) , die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle Deutschland) und weiss der Himmel welche Institutionen noch, sich aufspielen mit Jugendschutz, aber im Deutschen Fernsehen gibt es Sender die regulär, nicht verschlüsselt, zu empfangen sind wo sich Prostituierte total nackt stundenlang räckeln , Nahaufnahmen von fast allen Körperregionen bis auf das Geschlechtsteil (und auch das wird nur ganz knapp verpixelt) alles zu sehen ist und kein Jugendschutz weit und breit.
Das finde ich absolut untragbar.
Überhaupt das Thema Sexualität in den Medien zu einer Ware verkommen ist wo es um alle möglichen und unmöglichen Details geht die nichts aber auch rein gar nichts damit zu tun haben was man in Liebe miteinander sexuell teilen kann.
deine Gine
Logos:
Liebe Hemma,
spontan wollte ich etwas anderes schreiben, aber irgendwas bewog mich dazu, mir vorher die entsprechende Pressemeldung durchzulesen. Okay, es heißt also, dass die Schüler selbst die Leiche entdeckt haben. Das ist natürlich schon etwas "heftig". Denn man weiß ja auch nicht, wie alt diese Schüler waren - ist ja auch wieder ein Unterschied, ob 7 oder 15 Jahre alt. Und so gesehen, will ich jetzt auch nichts mehr gegen die psychologische Hilfe sagen, was ich zuerst total überzogen fand.
Aber Deine Frage finde ich natürlich trotzdem "aktuell". So denke ich, dass man Kinder durchaus, wenn auch behutsam, mit dem Tod konfrontieren sollte. Um sie darauf vorzubereiten, denn dieser gehört mit zu Leben wie Tausend andere Dinge auch. Aber so wie ich es mitbekomme, läuft es in der heutigen Erziehung so ab, dass man von Kindern und Jugendlichen nach Möglichkeit alles "Unangenehme" fernhält und dann sollen sie mit 18 oder 20 plötzlich von selber mit allem klarkommen oder wie? Ganz zu schweigen davon, dass, wie Du selbst darauf anspielst, dagegen anscheinend keine Bedenken bestehen, welchen psychischen Schaden junge Menschen von Gewaltszenenen in Filmen etc. davontragen können. Oder von TV-Sendungen, in denen sich Menschen freiwillig! erniedrigen, sich regelrecht zum Affen machen lassen und das noch mit ersichtlichem Stolz.
Logos:
Jetzt ist zwischendurch auch Gines Beitrag erschienen und auch hierzu möchte mich gerne äußern.
--- Zitat ---Ich erinnere mich dass meine Oma mir erzählte dass zu ihrer Zeit es als normal galt den geliebten Verstorbenen zu Hause 3 Tage und zwei Nächte aufgebahrt wurden.
--- Ende Zitat ---
Liebe Gine, ich bin zwar kein junger Hüpfer mehr, aber ich gehe davon aus, dass Deine geliebte Oma zu einer älteren Generation gehört. Und trotzdem sage ich: so habe ich es als Kind selbst erlebt. Zwar nicht persönlich, aber so am Rande in der Nachbarschaft eben. Als Kind bekommt man doch so einiges mit bzw. so bin ich eben aufgewachsen. Wenn ich auch sagen muss, die Vorstellung von einer aufgebahrten Leiche mitten in der Wohung, und wenn es auch der liebste Mensch war, war mich für der echte Horror. Das mag aber auch an der nötigen "Vorbereitung" gelegen haben, denn eine solche Tradition war bei uns damals bereits selber am Aussterben.
Und dennoch, wenn ich an den Umgang mit dem Tod bzw. den Verstorbenen heute denke, dann kommt mir eines in den Sinn: wenn man sich heutzutage schon um den lebenden Nächsten kaum noch kümmert, was will man da erst in Bezug auf die Toten erwarten? Allerheiligen so wie ich es noch kenne: man begab sich in der Dämmerung zum Friedhof und als die Dunkelheit endgültig hereinbrach, erhellten zahllose Grablichter diesen Ort. Es herrschte eine ganz besondere Atmosphäre, man ging quasi von Grab zu Grab - entferntere Verwandten, ehemalige Bekannte oder Nachbarn. Man hielt hier und da ein kleines Gespräch und harrte mind. 1-2 Stunden aus, nicht nur eben mal so im Vorbeigehen eine Kerze anzünden und paar Blümchen niederlegen.
Der 1. November ist in der Stadt, in der ich jetzt lebe, wohl eher als Westfalentag denn als Allerheiligen bekannt. D.h. vollgestopfte Geschäfte, denn unsere Nachbarn aus NRW nutzen diesen Tag nur allzu gern, um ihrem Konsumrausch nachzugehen, ohne sich scheinbar Gedanken darüber zu machen, warum der 01.11. (in einigen Bundesländern glücklicherweise sogar noch als gesetzlicher) als Feiertag gilt. Auf den Friedhöfen selbst herrscht dagegen himmlische Ruhe... ;qfykkg
Gine:
Juhu liebe Logos, fckjc
ja da sagst was...
Gut zugegeben, auch ich hätte natürlich ein etwas "schummeriges" Gefühl und ich denke es muss ja icht ganze 3 Tage sein, nur vielleicht einen Tag und eine Nacht wenigstens...
Ich habe so den Eindruck gewonnen dass in unserer heutigen Gesellschaft auch der Friedhof recht stiefmüttlerich behandelt wird. (Nicht von der Pflege sondern als Ort des Gedenkens und der Verarbeitung des Abschieds). Ich gehe manchmal einfach so auf den Friedhof um all derer zu gedenken die da liegen. Ich frage mich dann welche Schiksale mögen hier ruhen, wieviele Jahrzehnte (oder Jahrhundert) Kummer, Sorgen, Liebe, Verzweiflung, Glück usw...
Dann spreche ich manchmal insgeheim ein Gebet für all die Seelen.
Einmal sah ich ein Grab, total verwahrlost und einsam und ich dachte zu mir warum kümmert sich keiner.... da bin ich hin und habe etwas Ordnung gemacht und eine Rose hingelegt.
Der Fried-Hof ist eine besondere Stätte, für den Menschen. Ich glaube es sollte in den Schulen einen Unterricht geben wo man die Bedeutung und auch Möglichkeiten eines Fried-Hofs zur Diskussion stellt vor Schülern.
deine Gine
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