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Die Johannes-Apokalypse - Prophezeiung und Vision
velvet:
III. 6. DIE HURE „BABYLON“
Dann kam einer der sieben Engel, welche die sieben Schalen trugen, und sagte zu mir: Komm, ich zeige dir das Strafgericht über die große Hure, die an den vielen Gewässern sitzt. Denn mit ihr haben die Könige der Erde Unzucht getrieben,, und vom Wein ihrer Hurerei wurden die Bewohner der Erde betrunken. Der Geist ergriff mich, und der Engel entrückte mich in die Wüste. Dort sah ich eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das über und über mit gotteslästerlichen Namen beschrieben war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte. Die Frau war in Purpur und Scharlach gekleidet und mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückt. Sie hielt einen goldenen Becher in der Hand, der mit dem abscheulichen Schmutz ihrer Hurerei gefüllt war. Auf ihrer Stirn stand ein Name: Babylon, die Große, die Mutter der Huren und aller Abscheulichkeiten der Erde. Und ich sah, dass die Frau betrunken war vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Christi.
Offenb. 17, 1-6
Mit dem Untergang der Schöpfungswelt geht auch Rom und das römische Imperium unter
Auf das Ausgießen der siebten Zornesschale folgt die Vision über die Hure „Babylon“, ihre dämonische Machtgier und die Zerstörung der großen Stadt „Babylon“, des Imperiums der Macht, das mit der Schöpfungswelt untergeht. Die Hure „Babylon“ auf dem „Tier“ reitend und die große Stadt „Babylon“ sind Metaphern für das blutrünstige römische Imperium und ähnlich strukturierte „Imperien“ von Vergangenheit und Zukunft.
„Roma“ hängt als „Frau“ nicht Christus an, sondern sie wendet sich von ihm ab und „verehrt“ andere Götter, die Macht und Gewalt heißen und sie läßt sich selbst als „Göttin“ feiern.
Der Seher Johannes sieht die Hure in der „ Wüste“, wo die Dämonen hausen, reitend auf einem Drachen und trunken vom Blut der Heiligen, eine „mörderische Hure“. Sie wird in der wasserlosen Wüste verdursten, niemand wird ihr Wasser geben. Sie ist einsam und isoliert, sie wird „verdursten“, weil sie keinen Anteil am „Wasser des Lebens“ hat, das von Gott kommt. Sie ist diejenige, die an den vielen Gewässern sitzt, sie bedeuten die Massen der Menschen und die Nationen, die sie beherrscht und unterjocht - den ganzen Mittelmeerraum.
Aber an diesen Gewässern wird sie verdursten, sie können sie nicht tränken - innerlich ist sie bereits eine Wüste. Der Seher Johannes sieht „Rom“ in den Zeiten und Ereignissen, in denen es im Blutrausch war und keine Gerechtigkeit und Toleranz walten ließ.
Tafel 33:
Von oben, über dem Goldgrund des Himmels, wie von einem Balkon, läßt der Buchmaler den Seher Johannes hinabblicken auf das Geschehen. Der Finger des Deuteengels weist nach unten, wo die grüne Erde sich erhebt aus der Urflut, und auf ihr sitzt das siebenköpfige, zehnhörnige Ungeheuer, das „Tier aus dem Meer“.27) Es ist getaucht in die Farben von Braun und Schwarz und bräunlichem Rot, die Bärentatzen besitzergreifend auf die Erde gelegt. Blutrot die Zunge des Tieres, alle sieben Köpfe haben die Mäuler geöffnet, bereit zum Verschlingen, drohend hochgereckt sind die Köpfe gleich den Zacken einer Krone; schlangenartig gedreht ist der Schwanz des Drachen, ausdrückend seine Hinterlist, hochgereckt in hemmungsloser Gier nach Lust sein Fischschwanz.Die Mähne des Drachen gleicht den Wellen des Meeres, durch eine punktierte Linie abgesetzt vom Erdbraun des Drachen: Er vereinigt in sich Meer und Land. Königliches Gehabe paart sich mit Brutalität, Hinterhältigkeit und Gier. Auf dem Drachen thront die Hure „Babylon“, Inbegriff der hemmungslosen, gewalttätigen Machtgier, mit dem Füllhorn des Schreckens in der Linken: Ist sie schon im Blutrausch oder trinkt sie aus dem Becher das Blut der Martyrer, das sie trunken macht? Sie ist gehüllt in kostbaren, vornehmen, violetten Pupur mit blutrotem Gürtel. In den Borten des Kleides holt sie sich das Gold des Himmels herab,ihr Haupt ist umgeben vom Glorienschein der grünen Erde , die Haare hat sie hochgebunden wie Hörner, die Augen schreckerregend geöffnet.
Kontrastierend zu dem Ungeheuer, das gekleidet ist in die Farben dämonischer Zerstörungswut, sitzt die trunkene Hure da in Purpur gekleidet - unter dem Glanz der äußeren Gestalt aber bewegt sich darunter das Ungeheuer, es trägt die Hure auf seinem Rücken. Nur die weißpunktierte Zeichnung des Drachen und des Gewandes der Hure zeigen, dass sie zusammengehören: Weiß ist hier die Farbe des Todes, oder schmücken sie sich punktweise mit den Farben des Lichts und der Unschuld? Das Ungeheuer trägt den Kopf eines Löwen, es hat den Körper eines Drachen, vermischt mit den Attributen der Schlange, es trägt die Haare wie die bedrohlich schäumenden Wellen des Meeres, dem es entstieg, und sie wirken wie Schaumkronen, sein Höllenrachen zeigt sich als aufgesperrtes Löwenmaul.
Der Glorienschein der Frau im satanischen Grün wie in einem Fenster der Kathedrale von Chartres 25) drückt aus die betrogenen Hoffnungen der Menschen, die sich richteten auf das auf die grüne Erde gebaute Rom, auf den Inbegriff totaler Macht, und steht im Gegensatz zum Glorienschein des Deuteengels und des Sehers im göttlichen Goldgrund. Über die Grenze von Himmel und Erde hinweg ragt der Kopf des Ungeheuers und der Frau in das Gold des Himmels hinein, - eine „göttliche“ Pracht -, die Frau hält das Füllhorn in der Hand, das von außen die Farbe des Gewandes des Engels trägt, inwendig aber alle Gräuel der Erde enthält, an denen sie sich berauscht - das Füllhorn des Grauens. Schwarz und Braun sind die Grundfarben des Drachen, Schwarz symbolisiert hier die Nacht, Vernichtung und Tod, seine Trauer ohne Hoffnung - Braun aber, von Ocker bis Erdbraun, symbolisiert hier negativ Vernichtung, Sodom und Gomorrha, rauchende Feuer.
Die Weltmacht Rom, die Göttin „Roma“, ist eine Hure, denn diese Macht geht mit jedem, der ihre Macht erhält, und sie reitet auf dem römischen Imperium, der Abfolge des römischen Kaisertums, das sich wie ein Ungeheuer durch die Geschichte zieht. Die Hure „Rom“ veführt dazu, den römischen Kaiser und nicht den Gott der Christengemeinden zu verehren.
Im griechischen Mythos ist der Bock das Reittier der Aphrodite und des Dionysos, das Reittier von Göttern; die Göttin “Roma“, die luxuriöse Wollust, reitet auf dem Bock, der Bock aber ist in Wahrheit ein Drache, das Symbol des Todes und der Unterwelt.
Die Stadt auf den sieben Hügeln - das vormals weltbeherrschende Rom - ist eine Metapher für globale Machtgier und Gewalt. Die sie beherrschen, verkaufen sich für Geld, sind korrupt, schließen Allianzen mit Mördern, unterdrücken und versklaven die Völker und beuten sie aus. Diese Macht reitet auf einem siebenköpfigen Ungeheuer, das sie trägt; aus dem einen Kopf wachsen im Bild des Buchmalers sechs weitere gleich einer Hydra, die stolz ihre Häupter erheben, geschmückt mit den zehn Hörnern, den Zacken der Macht. Diese zehn Hörner sind wohl der Inbegriff der Vasallen und Verbündeten Roms oder auch dämonischer Geisterheere.
Das dämonische Ungeheuer trägt Rom, es trägt seine Köpfe wie eine Krone, und es hat Besitz ergriffen von der Erde. Stolz erhebt die „Hure Rom“ ihr Haupt, sie thront auf den sieben Hügeln und treibt es mit jedem, der ihren Reichtum und ihre Macht vergrößert, zu ihrer grenzenlosen Befriedigung und Lust. Sie ist die Antipode zur akokalyptischen Frau, die am Himmel steht und Christus gebiert. Der Seher Johannes sieht auf ihrer Stirn den Namen „Babylon“ geschrieben, (denn die römischen Huren trugen ein Stirnband , auf dem ihr Name geschrieben stand).
Der Dämon ist ihr Sitz, den Becher hat sie gefüllt mit den Gräueln der Endzeit, die es anbietet - das ist es, was sie für die Menschen gebiert - sie ist in den Purpur des Gewalthabers und in den scharlachroten Mantel des Krieges gehüllt, sie mordet Propheten und Heilige, und bringt Ausbeutung, Unfriede und Ungerechtigkeit über die Erde.
Am Ende aber wird das „Tier“ mit seinen zehn Vasallen (zehn Hörner) kommen, so erzählt die Offenbarung, und sich sogar gegen „Hure“ Rom wenden, ihr alles wegnehmen und sie vernichten (Offenb. 17,15-18). Hier wird im Text der Offenbarung angespielt auf die Legende, dass der wieder auferstandene Kaiser Nero am Ende wiederkommen werde an der Spitze der Partherheere und Rom vernichten werde.
Hinter dem Vordergründigen und Sichtbaren spielt sich im Hintergrund ab eine gigantische Schlacht zwischen dem „Lamm“ und der Welt des „ dämonischen Ungeheuers“, ein Kampf in der unsichtbaren Welt. Das „dämonische Ungeheuer“ hat seinen Sitz in den Gedanken, Wünschen und Plänen der Menschen, bricht immer wieder hervor und verwüstet die Erde, bis es wiederum hinabsinkt ins Vergessen, ehe es das nächst Mal wieder auftaucht aus dem dämonischen Chaos. Wie ein Chamäleon wechselt es Farben und Zeichen, neben dem gehakten, gedrehten Kreuz, fälschlich als“ neue Sonne“ bezeichnet - zeigt es als Erkennungszeichen auch Hammer und Sichel und führt endlose Massen in Krieg, in Lager und Gulags und hinein in maßlose Trauer und Marter und Sterben und Tod, in Verschwinden - Vergessen; und belauert uns aufs Neue in wechselnder Gestalt, raunend und lockend, mit freudiger Verheißung, in geheimnisvoller Anziehung gleich einer Hure, bis es sich entblößt, sein prunkvolles Kleid abstreift und sich zeigt in banaler Nacktheit, in wahrer Gestalt, den Menschen entwertend und erniedrigend, in plötzlich scheinendem Wandel zur Bestie mutiert, die alles verschlingt, was sich ihr nähert, als wäre sie ein schwarzes Loch im Universum, das alles in sich hineinzieht.
Schmal ist der Weg des Lebens zwischen Chaos und Erstarrung, der Weg zum Glück und zur Liebe zerbrechlich wie Glas, sorgsam muss man das Glück des Lebens hüten, damit es nicht zerspringt.
Gleichwie in einem verzerrten Spiegel erkennt man das Wahre oft nicht und läßt sich täuschen vom Trugbild, und zu spät erkennt man die Maske, hinter der sich das Dämonische verbirgt. Bricht es hervor, so ist es wie das Brechen des Dammes, und es begräbt, was sich ihm entgegenstellt, unter sich. Hinter der wahren Welt verbirgt sich, für uns unsichtbar, die dämonische Welt und wartet auf die Lücke, die wir ihm öffnen, um emporzutauchen, und die Macht zu ergreifen.
Zerbrechlich wie dünnes Eis ist die obere kulturelle Schicht, auf der wir uns bewegen; doch darunter brodelt es, bis es wieder hochkocht gleich einem Vulkan und Verderben ausspeit wie aus einem Füllhorn des Grauens, bis die Menschlichkeit wiederum die Oberhand gewinnt - die Menschlichkeit, geboren in Christus und vielerlei Propheten, vieler Couleur, in den Räumen der Zeiten und Völker. Neue „Babylons“, neue „Roms“ und viele kollektive Gewalten tauchen wieder und wieder auf im Wandel der Zeiten, wie ein „Tier aus dem Meer“ in kollektiver Maske.
Das“ Tier aus dem Meer“ hat Vergangenheit und Zukunft, aber keine Gegenwart, denn nur Gott ist gegenwärtig, er ist immer für die Menschen da, die Zeit des „Tieres“ aber ist eine begrenzte Zeit, ein Intermezzo. Es hat keine Dauer, es ist nur eine flüchtige Erscheinung: es war , und es kommt wieder, aber es hat keinen Bestand.
Das „Ungeheuer“ - ist es der kollektive Wunsch der Vielen, die das Ungeheuer schaffen, das sie dann selbst verschlingt ? Die kollektive Maske gebiert das „Ungeheuer“, das sich schließlich mit dem Szepter und der Krone schmückt. Ist die Mordlust und die Arroganz der Macht dem Menschen eingeprägt, steigert sie sich im Gleichklang zur kollektiven Bewegung, werden viele Rinnsale so zum Fluss?
„Der Mensch, der kleine Gott der Welt, er ist so sonderbar als wie am ersten Tag. Er (Gott) hat ihm den Schein des Himmelslichts gegeben, er (der Mensch) nennt`s Vernunft, doch dient´s ihm nur, um tierischer als jedes Tier zu sein“. (Goethe)
III. 7. DER STURZ „BABYLONS“
Danach sah ich einen anderen Engel aus dem Himmel herabsteigen; er hatte große Macht, und die Erde leuchtete von seiner Herrlichkeit. Und er rief mit gewaltiger Stimme: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große! Zur Wohnung von Dämonen ist sie geworden, zur Behausung aller unreinen Geister und zum Schlupfwinkel aller unreinen und abscheulichen Vögel. Denn vom Zornwein ihrer Unzucht haben alle Völker getrunken, und die Könige der Erde haben mit ihr Unzucht getrieben. Durch die Fülle ihres Wohlstandes sind die Kaufleute der Erde reich geworden.
Dann hörte ich eine andere Stimme vom Himmel her rufen: Verlass die Stadt, mein Volk, damit du nicht mitschuldig wirst an ihren Sünden und von ihren Plagen mitgetroffen wirst. Denn ihre Sünden haben sich bis zum Himmel aufgetürmt, und Gott hat ihre Schandtaten nicht vergessen. Zahlt ihr mit gleiche Münze heim, gebt ihr doppelt zurück, was sie getan hat. Mischt den Becher, den sie gemischt hat, doppelt so stark. In gleichem Maß, wie sie Prunk und Luxus lebte, lasst sie Qual unnd Trauer erfahren. Sie dachte bei sich: Ich throne als Königin, ich bin keine Witwe und werde keine Trauer kennen. Deshalb werden an einem einzigen Tag die Plagen über sie kommen, die für sie bestimmt sind: Tod, Trauer , Hunger. Und sie wird im Feuer verbrennen; denn stark ist der Herr, der Gott, der sie gerichtet hat.
Die Könige der Erde, die mit ihr gehurt und in Luxus gelebt haben, werden über sie weinen und klagen, wenn sie den Rauch der brennenden Stadt sehen. Sie bleiben in der Ferne stehen aus Angst vor ihrer Qual und sagen: Wehe! Wehe, du große Stadt Babylon, du mächtige Stadt! In einer einzigen Stunde ist das Gericht über dich gekommen. Die Kaufleute, die durch den Handel mit dieser Stadt reich geworden sind, werden aus Angst vor ihrer Qual in der Ferne stehen, und sie werden weinen und klagen: Wehe! Wehe, du große Stadt, bekleidet mit feinem Linnen, mit Purpur und Scharlach, geschmückt mit Gold, Edelsteinen und Perlen. In einer einzigen Stunde ist dieser ganze Reichtum dahin.
Offenb. 18, 1-8.9.10.15-17
Die „Hure Babylon“ als Frau wandelt sich in der Vision des Sehers Johannes dramaturgisch in die große Stadt „Babylon“, die zusammenstürzt und im Feuer vergeht. Die Frau ist die große Stadt, die Herrschaft über die Könige der Erde besitzt. Der Seher schildert nicht ihr Zusammenstürzen und ihr Vergehen, sondern das maßlose Erstaunen darüber, das bei Königen, Kaufleuten und Handeltreibenden sich zeigt und ihre Totenklage. Gott stellt die Gerechtigkeit wieder her, „er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“, heißt es im Magnifikat, „die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehen“.
Die große Stadt - nie hat sie sich in Liebe mit jemand vermählt, nie um jemand getrauert, sie dachte von sich: ich throne als Königin, ich bin keine Witwe und werde keine Trauer kennen. Mitleidlos sah sie den Untergang der anderen, von denen sie keine andere Stadt liebt, sie liebt nur sich selbst, sie denkt nur an sich. Nie hat sie jemand verloren, der ihr am Herzen lag - sie hat ein Herz von Stein in ihrer Brust.
Die trunkene Hure, die große Stadt „Babylon“, die untergeht, erinnert an das Gastmahl des trunkenen Königs Belschazzar, des Königs von Babel, von dem das Buch Daniel im fünften Kapitel erzählt: In seiner Weinlaune lässt er beim Mahl mit den Großen seines Reiches die geraubten goldenen Gefäße des Tempels von Jerusalem holen und trinkt daraus. Da erscheinen die Finger einer Menschenhand und schreiben an die Wand des königlichen Palastes: „mene - tekel - uparsin“: Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende - gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden - geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben.
„Belschazzar aber ward in derselbigen Nacht von seinen Knechten umgebracht“.
Tafel 34:
Im Bild des Buchmalers ragt der machtvolle Engel im Lichtglanz Gottes heraus aus der oberen Welt und schaut herab auf die auf den Kopf gestellte Stadt „Babylon“, sie steht kopf, das Unterste zu oberst. Links und rechts von der gekippten Stadt, mit Mauern und Türmen bewehrt, stehen die entsetzten, ratlosen und verwunderten Beobachter des Geschehens; Könige und Kaufleute sehen es von ferne. Die Stadt ist „verrückt“, das Meer ist oben, die Erde unten - untergegangen ist die große Stadt „Babylon“, im Urmeer versunken, nur ein Teil ragt noch heraus. Die Tore der Stadt stehen offen, sie ist verlassen, aus dem Himmel erscheint die Hand Gottes.
Als die Morgenröte aufsteigt, die Erde aufleuchtet von der Herrlichkeit Gottes, gehen Sodom und Gomorrha unter, erzählt das Buch Genesis im neunzehnten Kapitel. Das Volk Gottes, die frühchristliche Gemeinde soll ,wie Lot mit seinen Töchtern Sodom verließ, die Stadt „Babylon“ verlassen, damit sie nicht mit ihr untergehe. Sie soll sich lösen von der strukturellen Machtgier der Stadt, um nicht in ihre Schuld verstrickt zu werden. Es soll ein“ Exodus“ sein aus dem Herzen „Babylons“. Dreh dich nicht um wie Lots Frau in Sehnsucht nach der Stadt und lass ihre Reichtümer zurück!
Wie der Turm von Babel hat die Schuld sich aufgetürmt, versinnbildet in den Türmen der Stadt, die nach unten ragen. Zerstört ist Babels Turm, die Menschen „sprachlos“ wie die Bewohner von Babel, da Gott ihre Sprache verwirrte. Weltreiche, deren Türme in den Himmel ragen, werden versinken,vergehen vor Gottes Macht. Beim Mischen des Bechers erscheint das Menetekel an der Wand, die Tage der großen Stadt sind gezählt. Sie hat gelebt in Luxus und Pracht, Liebe und Erbarmen waren ihr fremd, sie scherte sich nicht um Vergangenheit noch um ihre Zukunft, sie lebte hinein in den Tag ohne Gott, sie genügte sich selbst und brauchte niemand. Jetzt soll die Gerechtigkeit sie ereilen, sie soll im Feuer verbrennen, der Tod ist ihr Los, Trauer ihr Anteil.
Der Handel mit Luxusgütern war ihr zentrales Interesse, nie hat sie an die Armen gedacht, und was sie brauchen zum Leben. Mit Königen und Herrschern, die ihre Völker unterdrücken, ging sie Bündnisse ein und eine „Liebesheirat“, ihr Geld und Kapital global zu mehren, mit Menschen hat sie gehandelt wie mit Waren, sie hat Sklavenhandel betrieben, sie hat Menschen wie Sklaven behandelt. Nichts war ihr heilig, ihr Gott war das Geld, das Kapital,der Gewinn, die Aktie und ihr Kurs - Ökonomie ohne Moral, Sexualität ohne Liebe. Die Dome und Türme der Banken, geschmückt mit feinstem Glas und erlesenem Marmor wie Kathedralen, vergehen in ihrer Pracht, auch wenn sie sich über alle erheben. Die große Stadt „Babylon“, bekleidet mit feinem Linnen und Purpur, geschmückt mit Gold, Edelsteinen und Perlen - in einer einzigen Stunde ist dieser ganze Reichtum dahin.
„Auch die Frucht, die dein Leben begehrt, ist von dir gegangen.Und alles Glänzende und Leuchtende hast du verloren, und nimmermehr wird man es finden“( Offenb. 18,14: Das Neue Testament, übers. v. Fridolin Stier, a.a.O.)
Alle komischen Vögel und Verkommenen haben bei ihr Unterschlupf gefunden. Sie ist die Hure der Völker, sie geht mit jedem, der ihr Vorteile verschafft, und ihr Luxus zieht sie alle in ihren Bann.
Wer sich auf sie einlässt, mit ihr „Handel“ treibt, verkauft seine Seele an sie.
Mischt für die Stadt den Becher, den sie gemischt hat für die Menschen, doppelt, der Segensbecher des Paschamahles soll für sie zum Todesbecher werden - doppelt soll ihr alles vergolten werden, was sie anderen angetan hat, damit die Gerechtigkeit wieder hergestellt werde. „Denn wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Ärgernis wird“, sagt das Mattäusevangelium, „bei dem wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in die Tiefen des Meeres versenkt würde“.
Dann hob ein gewaltiger Engel einen Stein auf, so groß wie ein Mühlstein; er warf ihn ins Meer und rief: So wird Babylon, die große Stadt, mit Wucht hinabgeworfen werden, und man wird sie nicht mehr finden.
Offenb. 18, 21
Das Licht der Lampe scheint nicht mehr in der Stadt, erzählt der Seher Johannes, ihr Lichtglanz ist erloschen, es wird dunkel um sie. Die Stimme von Braut und Bräutigam hört man nicht mehr in ihr, sie hat keine „Hochzeit“ mehr , sie hat keine Nachkommen mehr, keine Zukunft mehr. Bei Babylons Vernichtung stirbt auch die Musik: Die Musik von Harfenspielern, Flötenspielern, Trompetern hört man nicht mehr. Auch Gottes Stimme, die wie die Musik einer Harfe klingt, ist in Babylon nicht mehr zu hören. Freude und Phantasie sterben mit - alle Kreativität und Schaffensfreude stirbt mit. Alles verstummt, die Trauer läßt alles verstummen. Es herrscht Totenstille.
Tafel 35:
Im Bild des Buchmalers sieht man einen geflügelten Engel, er schreitet auf den Fluten des Urmeeres und versenkt einen Mühlstein im Meer. Am raschen Schwung seines Purpurgewandes erkennt man die drängende Eile - es ist keine Zeit mehr übrig - die Zeit ist erfüllt. Es steht in Kontrast sein goldener Glorienschein oben zum kreisrunden rötlichen Mühlstein unten, sein leichter Flügelschlag in Kontrast zur Schwere des Meeres. Noch ist der Mühlstein im göttlichen Bereich, doch noch in derselben Minute wird er versinken, seine eigene Schwere zieht ihn von selber nach unten - daneben die Leichtigkeit und Schwerelosigkeit des Engels, der geht auf den Fluten des Meeres.
Ist es „Rom“, “Babylon“, das versinkt oder eine Megapolis der Zukunft, in Traumbildern wechseln ambivalent Bedeutung und Bilder. Mit überlangen Fingern rollt der Engel den Mühlstein, sein rechter Flügel ragt aus dem goldenen Bereich über den Himmelsozean in den Feuerhimmel, während seine Füße auf dem Urmeer dahinschreiten. Die Megapolis wird hinabgeschleudert mit einem einzigen Wurf und wird spurlos verschwinden; die Geräusche der Arbeitsmaschinen verstummen, die freudigen Geräusche einer Hochzeitsnacht sind nicht mehr zu hören, die Musik verklingt, das Licht lischt aus - Totenstille.
In den Augen des Sehers Johannes versinkt die Welt und mit ihr „Rom“, die Manifestation der strukturellen Ungerechtigkeit und der Pervertierung der Macht, die von einem dämonischen Drachen getragen wird. Wer ist dieser dämonische Drache? Gibt es hinter dem Augenscheinlichen noch eine andere Wahrheit, die das Geschehen treibt? Das Dämonische ist da, wenn es auch vielleicht keine eigene persönliche Macht ist, keine wirkliche Gestalt hat - wir wissen es nicht -, es ist auch kein Bestandteil des Credo, aber es lebt doch und vor allem in den Herzen der Menschen. Es lebt nicht in den Herzen der Tiere, es hat sich mit der „Vernunft“ gepaart. Doch am Ende wendet sich die ganze Schöpfung gegen es, und es wird endgültig besiegt in einer „Entscheidungsschlacht“, die von Christus geführt wird. Es ist eine Entscheidungschlacht vor allem auch in den Herzen jedes einzelnen Menschen.
Gefährlich ist es, wenn Menschen selbst sich zu Richtern aufschwingen, sich an Gottes Stelle als Richter setzen, und die Fackel des Hasses gegen Türme schleudern, die sie für „Babylons“ Türme halten. „Babylons“ Türme sind nicht World-Trade-Centers oder Minarette, urbane Zentren aller Coleur, Finanzzentren oder religiöse Zentren, sondern die „Türme“ sind zuerst in den Herzen und Köpfen der Menschen errichtet in ihren Gedanken und Plänen, man kann sie nicht bombardieren, - der Endpunkt der Welt wird von Gott selbst gesetzt. Er braucht keine fliegenden Bomben, sondern nur den leichten Flügelschlag seines Engels, um Gerechtigkeit zu schaffen.
Wenn Gott aber die Gerechtigkeit hergestellt hat, wird großer Jubel im Himmel herrschen ( Offenb. 19, 1-10 ).
IV. DAS ENDGÜLTIGE GERICHT
- DAS GERICHT ÜBER DIE DÄMONISCHEN MÄCHTE
- DIE HERSTELLUNG DER GERECHTIGKEIT
IV. 1. CHRISTUS ERSCHEINT ZUR ENTSCHEIDUNGSSCHLACHT:
DIE HEERE DES HIMMELS
Dann sah ich den Himmel offen, und siehe, da war ein weißes Pferd, und der , der auf ihm saß, heißt: „Der Treue und Wahrhaftige“; gerecht richtet er und führt er Krieg. Seine Augen waren wie Feuerflammen, und auf dem Haupt trug er viele Diademe; und auf ihm stand ein Name, den er allein kennt. Bekleidet war er mit einem blutgetränkten Gewand; und sein Name heißt „Das Wort Gottes“. Die Heere des Himmels folgten ihm auf weißen Pferden; sie waren in reines, weißes Linnen gekleidet. Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit ihm wird er die Völker schlagen. Und er herrscht über sie mit eisernem Szepter, und er tritt die Kelter des Weines, des rächenden Zornes Gottes, des Herrschers über die ganze Schöpfung. Auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte trägt er den Namen: „König der Könige und Herr der Herren“. Dann sah ich einen Engel, der in der Sonne stand. Er rief mit lauter Stimme allen Vögeln zu, die hoch am Himmel flogen: Kommt her! Versammelt euch zum großen Mahle Gottes. Fresst Fleisch von Königen, von Heerführern und von Helden, Fleisch von Pferden und ihren Reitern, Fleisch von allen, von Freien und Sklaven, von Großen und Kleinen!
Offenb. 19, 11-18
Nach dem Untergang der Schöpfungswelt und des römischen Imperiums erscheint der auferstandene und erhöhte Christus in seiner Macht: die Parusie.
Im weit geöffneten Himmel erscheint Christus in der Vision des Sehers auf einem weißen Pferd im blutgetränkten Gewand, mit Diademen auf dem Haupt, und er führt die Heere des Himmels in die Entscheidungsschlacht gegen das Heer der Dämonen und ihre Anhänger. Es ist ein mythisches Heer, das mythologisch der „wiedererstandene“ Nero heranführt, aber der eigentliche Anführer des dämonischen Heeres ist das „Tier“. Der wiederkehrende Nero kommt nach der Legende aus dem Osten, nachdem die „Grenze“ des Euphrat, der Euphrat ausgetrocknet ist, und er zieht das Heer des Abgrunds hinter sich her. Der auferstandene Christus kommt wieder und mit ihm kommen die himmlischen Heere. Sind es die Heere der Engel oder die Scharen der Martyrer und Bekenner, die von Gott selbst in weiße Gewänder gekleidet sind? Die letzte Entscheidungsschlacht beginnt. Es ist die Schlacht, die in den oberen Gefilden tobt mit imaginären Heeren. Die Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, die auf Seiten Gottes stehen, werden zu bewaffneten Heeren für Christus - die Ängste, das Grauen, der Schrecken stehen ihm gegenüber als gewaltiges Heer. Es geschieht der Zusammenprall von Hoffnung auf Leben mit dem Grauen vor dem Untergang, der endgültigen Vernichtung. Die einen sind bewaffnet mit den Waffen des Lichts, die anderen mit den Waffen der Finsternis.
Die Könige der Finsternis - die Machthunger, Ausbeutung, Arroganz, Gewinnsucht, Unterdrückung, betrügerische Ideologie versinnbilden - stehen denen gegenüber, die Zeugnis ablegen für ihren Glauben an Christus, die eintreten für Menschenrechte, Gerechtigkeit, Teilen der Güter und Menschenfreundlichkeit.
Der Seher erlebt eine neue Vision, die aus dem Blickwinkel der letzten Schlacht zwischen Christus und den Dämonen das Geschehen betrachtet. Das Geschehen steuert dramaturgisch seinem Höhepunkt entgegen: Nachdem die große „Stadt“, „Babylon“, die unterdrückende große Gewaltmacht, die sich jeweils geschichtlich in einer bestimmten Machtausprägung konkretisiert, gestürzt ist, wird auch die sich durch die Geschichte hinziehende globale Gewaltstruktur, das „Imperium“, das „Tier aus dem Meer“ und die dazugehörige religiöse Ideologie, das „Lügentier“ vernichtet, und am Ende der große „Urdrache“ und der „Tod“.
Die Entscheidungsschlacht zwischen Christus und den dämonischen Heeren ist eine Schlacht jenseits der Geschichte. Der Reiter auf dem weißen Pferd, der aus dem geöffneten Himmel kommt, versinnbildet die Gerechtigkeit, er sorgt dafür, dass die Wahrheit ans Licht kommt, er steht in Treue zu den Seinen. Das scharfe Schwert, das aus seinem Mund kommt, bedeutet das Gericht, das er vollführen wird. Es bezieht sich auf Jesaja 11,4 b: „ Er schlägt die Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet die Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes“.
Aber es findet gar kein Kampf statt, denn die Macht des „Wortes Gottes“ braucht keinen Kampf, weil die Feinde Gottes vor ihm vergehen; sie vergehen vor dem „Wort Gottes“ wie Schnee in der Sonne.
Seine Name ist unbekannt, niemand kann ihn benennen, niemand kennt ihn ganz, niemand kann über ihn bestimmen, niemand hat Gewalt über ihn. Sein Gewand ist blutgetränkt, er ist es, der die Kelter des Zornes Gottes tritt, damit Gerechtigkeit werde. Die ihm folgen sind bekleidet mit dem weißen Gewand der Gerechtigkeit. Er trägt viele Diademe, er ist der König der Könige und Herr der Herren. Er hält blutiges Gericht über die Feinde Gottes. Es ist die „Rache“ Gottes an denen ,die Unrecht getan haben. Er herrscht mit eisernem Szepter, er ist der Hirt der Völker und regiert sie mit eisernem Stab, wie es im sechzigsten Kapitel des Propheten Jesaja heißt – es ist ein Gerichtsbild. Seine Augen sind lodernde Feuer, weil „ Zorn“ ihn verzehrt über das, was den Seinen angetan wurde, und weil er die richtende „Macht“ Gottes besitzt.
Der Reiter auf dem weißen Pferd versinnbildet die Parusie: Der Himmel öffnet sich und Christus erscheint als endzeitlicher Richter des Weltgerichts.
Der Engel in der Sonne ruft die Aasgeier zum „blutigen Mahl“, das gegenübergestellt ist dem „himmlischen Hochzeitsmahl“, er ruft sie noch bevor die Entscheidungsschlacht geschlagen ist.
Tafel 36:
Im Bild des Buchmalers halten im oberen Bildteil die drei Reiter des Himmels, der wiederkehrende Christus und sein Gefolge, spielerisch die Zügel der Pferde, die leichtfüßig dahintraben, ganz in Gegensatz gestellt zu den schwergebeugten Königen im unteren Bildteil, die den dämonischen Mächten angehören. Sie haben die Völker unterdrückt, nun werden sie selbst gebeugt. Sie sind in Rot und Purpur gekleidet, ihre Augen aber sind geschlossen, sie sehen nicht mehr das Licht der Sonne, sie sind eingetreten in das Reich der Dunkelheit. Mit leichtem Flügelschlag sitzen auf den beiden Königen, die vielleicht die „unterdrückende Macht“ und die „religiöse Ideologie“ versinnbilden, die beiden Adler, als seien sie soeben gelandet und hacken mit Gier auf sie ein, festgekrallt auf Körper und Kopf. Die Gewalt und die Gier, die sie zeigten, kommt in Gerechtigkeit jetzt über sie. Der Engel bläst die Posaune des Untergangs. Die Flügel der Adler haben die Farbe des ersten Pferdes, das den ersten Reiter trägt, sie sind die Geister des Himmels, die Gerechtigkeit üben. Die Gerechtigkeit aber kommt vom wiederkehrenden Christus am Ende der Tage.
Leicht halten die drei Reiter, Christus und sein Gefolge, die Zügel in der Hand, die Pferde wissen von selbst ihren Weg, unaufhaltsam traben sie vorwärts auf der grünen Straße der Hoffnung: Ihr Schwung erinnert an Musiknoten - sie reiten wie in beschwingter Musik. Nur bei dem ersten Pferd sieht man alle vier Beine, bei den beiden anderen nur drei, das vierte Bein geht synchron mit dem Vorhergehenden. Sie gehen mit eigenem Takt, Christus, der ein Diadem trägt, schwingt das Szepter wie einen Taktstock, er ist es, der den Takt angibt. Denn wie soll Christus am Ende anders erscheinen als in Gestalt der Musik, er schreibt die Melodie der Endzeit.
Die Gangart der hinteren Pferde ist der Gangart des ersten Pferdes vollständig nachgebildet, sie gehen synchron, sie tanzen im Takt. Der erste Reiter hat Steigbügel, die beiden anderen nicht. Körperhaltung und Zügelhaltung sind synchron, im selben Rhythmus nach vorne bewegen sich die Heere des Himmels. Der letzte Reiter trägt einen grünen Zweig in der Rechten,- die Hoffnung; sein Mantel flattert im Wind, als sei er in drängender Eile, den Kopf hält er weit nach vorne gestreckt.
Er trägt den grünen Zweig der Hoffnung wie die Taube Noachs, die das neu auftauchende Land ankündigt. Freudig ist die Gangart der Pferde, sie halten den Schweif wie im Triumphe erhoben - kein Kriegszug, mehr ein Triumphzug ist es, begleitet von unhörbarer Musik, der Musik der Endzeit. Sie sind nicht die Reiter der Apokalypse, sondern die Reiter des Neubeginns, der neuen Schöpfung, sie heißen Sieg, Leben und Hoffnung.
Für die dämonischen Mächte aber heißt es, dass die Gerechtigkeit vorangeht, ihr aber folgen der Tod und die Pest, die über die feindlichen Mächte kommen. Hinuntergedrückt bis unter den Boden der Erde werden die Könige im unteren Bereich, wie ihr blutroter Mantel zeigt, haben sie ein blutiges Handwerk betrieben, - während im oberen Bereich die die siegreichen Reiter reiten. Die Reiter bewegen sich im goldenen Bereich, sie stehen im Lichtglanz Gottes, die Füße ihrer Pferde stehen auf der grünen Erde - die Könige unten aber wird die Erde begraben.
Das Schwert, das aus dem Mund des ersten Reiters kommt, ist das Wort der Entscheidung. Unerbittlich und zwangsläufig geht die Geschichte der Menschen mit Gott ihren Gang, nichts kann sie aufhalten. Der Mensch selbst soll sich entscheiden für die eine oder andere Seite. Die Menschen selbst sprechen ihr Urteil, und es vollzieht sich an ihnen, zum Bereich des Todes zu gehören und zum „Aas“ zu werden oder das Leben zu haben. Es ist der Entscheidungskampf, der sich im Innern des Menschen abspielt, ob die Dämonen des Blindseins, des Taubseins, des Stummseins gegenüber Gott, aus dem Menschen weichen.
Christus, der Logos, reitet voraus, er wird die Erde richten mit seinem Wort. Die Entscheidungsschlacht ist der Kampf des „richtenden“ Wortes, der Kampf der neuen Geburt, wo die Wehen zu ihrem Abschluss kommen, die neue Geburt des Volkes Gottes bevorsteht, und das messianische Reich des „tausendjährigen“ Friedens ausbricht, das die Völker herbeisehnen. Das Heer der Reiter des Himmels tötet die Chaosmächte und ihr Gefolge mit dem Schwert des Wortes Gottes, sie vergehen vor Gott in einem einzigen Augenblick.
Der Engel in der Sonne, er ist riesiger als die Sonne und strahlender als sie - er ruft die Himmelsgeister, die herrschen über die Lüfte, und diese vertilgen alles, was zu den Chaosmächten gehört.
Diese werden nicht mehr auferstehen, sie sind das Gefolge des Urdrachens, des Urbilds des Todes, und der „Ur-Tod“ wird verbrennen und sich in Nichts auflösen.
velvet:
IV. 2. DER SIEG ÜBER DAS „TIER AUS DEM MEER“ UND DAS „LÜGENTIER“ AUS DER ERDE
- DIE FESSELUNG DES „URDRACHEN“
UND SEINE AUFLÖSUNG
Dann sah ich das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um mit dem Reiter und seinem Heer Krieg zu führen. Aber das Tier wurde gepackt und mit ihm der falsche Prophet; er hatte vor seinen Augen Zeichen getan und dadurch alle verführt, die das Kennzeichen des Tieres angenommen und sein Standbild angebetet hatten. Bei lebendigem Leib wurden beide in den See von brennendem Schwefel geworfen. Die übrigen wurden getötet mit dem Schwert, das aus dem Mund des Reiters kam; und alle Vögel fraßen sich satt an ihrem Fleisch. Dann sah ich einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf seiner Hand trug er den Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette. Er überwältigte den Drachen, die alte Schlange - das ist der Teufel oder der Satan -, und er fesselte ihn für tausend Jahre. Er warf ihn in den Abgrund, verschloß diesen und drückte ein Siegel darauf, damit der Drache nicht mehr verführen konnte, bis die tausend Jahre vollendet sind. Danach muss er für kurze Zeit freigelassen werden. Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis freigelassen werden. Er wird ausziehen, um die Völker an den vier Ecken der Erde, den Gog und den Magog zu verführen und sie zusammenzuholen für den Kampf; sie sind so zahlreich wie die Sandkörner am Meer. Sie schwärmten aus über die weite Erde und umzingelten das Lager der Heiligen und Gottes geliebte Stadt. Aber Feuer fiel vom Himmel und verzehrte sie.Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie gequält, in alle Ewigkeit.
Offenb.19, 19-21; 20, 1-3.7-10
Der Teufels-Drachen und alle gottfeindlichen Mächte werden vernichtet.
In der Vision des Sehers Johannes werden zuerst die „Könige“ und ihr Gefolge vernichtet,- dann das „ Tier aus dem Meer“ und der falsche Prophet, das „Tier aus der Erde“ überwältigt - und schließlich der Urdrache und sein Vasalle, der Tod.
Tafel 37:
Im Bild des Buchmalers sind das „Tier aus dem Meer“ und der falsche Prophet, der kein Kleid mehr trägt und seiner Macht entblößt ist, aneinandergekettet und werden ins „Feuer“ geworfen.
Die, die niemand bekleidet haben, sie sind am Ende selbst ohne Kleid und nackt. Von der oberen Ebene stoßen die Soldaten Gottes mit ihren Lanzen, die mit dem Kreuz geschmückt sind, nach unten in den Rachen des sich aufbäumenden Meeresdrachen, der sich mit geöffnetem Maul nach oben stemmt. Dem falschen Propheten stehen die Haare wie Speerspitzen vom Kopf ab, das Gesicht hat er verzweifelt nach unten gerichtet, die Arme sind in Kreuzform gefesselt, ebenso wie die Beine überkreuzt sind. Die Zähne des Drachen und des falschen Propheten sind gefletscht. Der Reiter auf dem braunen Pferd stößt mit seinem Schwert nach unten auf die Gefolgsleute der beiden.
Tafel 38:
Im Bild des Buchmalers wird in der oberen Hälfte die „Fesselung“ des Urdrachen, der Widderhörner trägt, und seines Synonyms, des Satan gezeigt, die Personifikation der Bosheit und der Bösartigkeit in „menschlicher“ Gestalt. Sie führen letztlich auch den unbarmherzigen „Tod“ in ihrem Gefolge. Vielleicht will der Buchmaler auch die Figur des „Lügenpropheten“, des falschen Propheten, den „Verführer“ darstellen (vgl. Offenb. 13,11ff.: Das Tier aus der Erde), den er mit der Gestalt des „Satan“ identifiziert. Es wandeln sich Bild und Bedeutung. In der Offenbarung (20,1-6) ist nur von der Fesselung des Urdrachen, des Satan die Rede, also von einem einzigen Wesen.
Der geflügelte Drache wird vom Engel mit einem eisernen Band an den nackten Satan gefesselt. Er, der nie Erbarmen gekannt hat – kein Erbarmen verhüllt ihn – steht da in obszöner Nacktheit. Noch ist der Drache am Rande des Feuers und der Satan noch draußen, sie blicken voller Angst in das drohende Feuer – aber gleich werden sie in das Feuer gestossen. Dem Satan, dem Lügenpropheten, dessen Kopf an den Kopf des Drachen mit eisernen Ketten gefesselt ist, und dessen Hände nun gebunden sind – stehen in Angst vor dem Feuer, vor dem Vergehen, die Haare zu Berge.
Urdrache und Satan haben den goldenen Bereich Gottes endgültig verlassen und sind im Bereich der Dunkelheit, vom Feuer erhellt. Sie sind zusammengekettet im „nie“ erlöschenden Feuer, damit sie beide „nie“ zurückkehren. Die „Gevattern“ des Grauens und des Todes, sie verwandeln sich in das, was sie waren. Worin sie Schicksal waren, wird zu ihrem eigenen Schicksal, sie werden am Ende zu dem, was ihr Kern ist. Sie werden identisch mit ihrer Bestimmung, sie werden zur Nicht-Existenz, sie werden zum „Nichts“, sie verflüchtigen sich, sie haben verloren gegen das Leben.
Im unteren Bild wird gezeigt, wie dem Urdrachen, dem Satan, im Mythos nach „tausend“ Jahren noch einmal die Fesseln gelöst werden (Offenb. 20 f.). Ein riesiger dämonischer Engel, der nur halb bekleidet ist, die dunklen Flügel noch gehoben, als sei er eben angekommen und in drängender Eile, hat seine Hände im Feuerberreich und hält die Enden der Ketten noch fest, die er gleich lösen wird. Der Drache bewegt sich im Feuer wie im Tanze. Sein Begleiter, der Satan, der an ihn gefesselt ist, ist die Personifikation seiner falschen Einflüsterungen, seiner Verführungskunst, die ja den Tod in sich birgt. Sie gehören untrennbar zusammen,sie sind ein einziges Wesen. während der Drache ins Feuer schaut, dreht die Gestalt des Satan sich zurück, er blickt zurück zu dem dämonischen Engel, der sie noch einmal befreien wird. Sie schauen sich in die Augen – Analogie des Kopfes mit den gesträubten Haaren – es ist, als wären sie Brüder, aus demselben Geschlecht. Noch einmal zieht der Urdrache, der Satan mit den Seinen zu einem letzten mythologischen Kampf gegen das Lager der Heiligen und Gottes geliebte Stadt – aber es findet kein Kampf mehr statt, denn Feuer fällt vom Himmel. Die Elemente selbst greifen ein. Der Urdrache, der Satan, der Tod und die Unterwelt werden endgültig im „Feuersee“ verbrennen, wo auch das „Tier“ und der falsche Prophet sind.
Die Apokalypse ist ein Hoffnungsbuch, wo „unerbittlich“ und „zwingend“ die Gerechtigkeit zum Durchbruch kommt, und wo das Leben, das von Gott kommt, sich stärker erweist als „Tod und Teufel“. Die Weltenuhr tickt - die Gerechtigkeit geht ihren Gang. Angst und Plagen, Not und Grauen, Leid und Schmerz werden hinübergeführt in die himmlische Stadt Gottes.
Das eine sind die Wehen, die der Geburt vorangehen, der Geburtsvorgang ist die Entscheidungsschlacht, die Geburt aber selbst ist das, was hervorgeht, das „Neue Jerusalem“, das aus dem geöffneten Himmel herabsteigt. Die „apokalyptische Frau“ ist in Wehen, sie „gebiert“ die Menschen des himmlischen Jerusalem, die von Gott verwandelt werden, - Gott selbst schafft es von oben, er ist der „Vater“ dieses Kindes. Der Drache aber hat Unheil, Verfolgung, Not und Tod geboren. Die Ankunft des Volkes Gottes am Ende der Geschichte verbindet sich mit der vom Himmel herabsteigenden Stadt Gottes.
Die Wehen haben eingesetzt und unaufhörlich geht die Geburt voran, nichts kann sie aufhalten, Plagen - Posaunenstöße - Zornesschalen begleiten sie. Die Wehen sind wie galoppierende Pferde, sie werden immer schneller, lauter und nähern sich immer mehr, bis der Geburtsschrei erfolgt - der Engel ruft aus der Sonne. „Galoppierende“ Wehen, das Keuchen der Frau unter Schmerzen, der geöffnete Muttermund, Blut und Tränen - das Kind wird herausgeschwemmt in einem Zug und erblickt das Licht der Welt - die Freude steigt vom Himmel wie ein Vogel. Es ist die neue Geburt des Volkes Gottes.
Dramaturgisch läßt der Verfasser der Apokalypse in seiner Vision am Ende noch ein „Zwischenreich“ entstehen, ein „tausendjähriges“ Reich, in dem Christus mit den Martyrern herrscht, und das dem Gericht über die Toten, dem letzten Gericht vorangeht. Doch dieses Reich ist nur ein mythisches Reich, das den Vorrang der Martyrer und von allen, die Zeugnis abgelegt haben für ihren Glauben, bekundet. Nach der „Entscheidungsschlacht“ ist „tausend“ Jahre Sabbatruhe, Gott hat sein Werk vollendet und ruht aus. Es ist ein Verweilen im Ablauf des Geschehens vor dem letzten Akt, es ist dramaturgischer Zwischenakt bei diesem Schauspiel, ein „Intermezzo“, bis das Finale kommt, der letzte Paukenschlag erfolgt. Noch einmal bäumt sich der alte Drache auf, und es findet ein mythischer Kampf statt, in dem Gog und Magog, alle dämonischen Kräfte, Geisterheere, Totenheere, die Heere des Todes und des Grauens, noch einmal aus allen vier Himmelsrichtungen und von den Enden der Erde zusammengeholt werden, noch einmal steigen sie herauf, um gegen das Lager der Heiligen und Gottes geliebte Stadt zu kämpfen. Aber der alte Drache und sein Anhang können die Stadt Gottes nicht verschlingen, und Feuer fällt vom Himmel und verzehrt die dämonischen Heere, die Armeen des Todes, ohne dass ein Kampf stattfindet. Der alte Drache vergeht im Feuer, er verbrennt im Weltenbrand; er verbrennt mit der alten Schöpfung, die auch Tod und dämonische Bosheit in sich birgt, denen sie zur Wohnstatt geworden ist.
IV. 3. DAS „LETZTE GERICHT“
- DIE GERECHTIGKEIT
- DIE VERNICHTUNG DES TODES UND SEINER WELT
Dann sah ich einen großen weißen Thron und den, der auf ihm saß; vor seinem Anblick flohen Himmel und Erde, und es gab keinen Platz mehr für sie. Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, die Großen und die Kleinen. Und Bücher wurden aufgeschlagen. Die Toten wurden nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war. Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren; und der Tod und die Unterwelt gaben ihre Toten heraus, die in ihnen waren. Sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken. Der Tod und die Unterwelt aber wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod: der Feuersee. Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen.
Offenb. 20, 11-15
Der Weltenrichter richtet die Toten, er stellt die Gerechtigkeit her. Der Tod wird vernichtet.
Mit der Urschlange, dem Urdämon, kam der Tod in die Welt, er verführte die Menschen , Adam und Eva. Und sie mißtrauten ihrem Schöpfer und wollten sein ihr eigener Gott und erkannten sich, als ihnen die Augen aufgingen, als Sterbliche , vom Tod bestimmt, so erzählt das Buch Genesis. Der Urdämon führt mit sich den Tod. Darum stirbt mit der alten Schlange, der hinterlistigen Verführerin, der alten Anklägerin des Menschen vor Gottes Thron, - auch der Tod, den sie im Gefolge führt.
Der Tod, der „Sensenmann“, die Angst, zu vergehen, nicht mehr zu sein, wieder zu Staub zu werden - ist eine gewaltige Kraft des Nichts - die „Leere“. Dieses „Jedermann“ scheint unbesiegbar der Schöpfung eingepflanzt, es ist der unsichtbare ständige Begleiter der apokalyptischen Reiter, der Partner aller dämonischen Plagen, die den Menschen überkommen.
Der Urdämon ist janusköpfig - seine Rückseite heißt „Tod“ - der mächtige Purpurglanz des Drachen verwandelt sich blitzschnell in die hohlen Augen des Todes , in Moder und Verfall. Langfristig sind wir alle tot und vergessen, sind wir hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Der Begleiter des Todes ist das „Vergessen“ - die Angst wohnt im Menschen, nicht in das Buch des Lebens eingeschrieben zu sein. Das Buch des Lebens aber ist die „Erinnerung“. Ich vergesse dich nicht, sagt der Herr, ich habe dich in meine Hand geschrieben. Kein Haar fällt von eurem Haupt, ohne dass Gott es bemerkt, heißt es in der Bergpredigt im Mattäusevangelium. Deshalb könnt ihr sorglos leben wie die Lilien auf dem Feld und die Vögel des Himmels. Die Bergpredigt ist ein prophetisch- endzeitliche Predigt, eine apokalyptische Predigt: Selig werden gepriesen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, es ist die letzte der Seligpreisungen; die Gerechtigkeit wird am Ende siegen.
Die Kraft, die das Böse in den Herzen der Menschen hervortreibt, sie wird im nie erlöschenden Feuer verbrennen, nie kehrt der Urdämon zurück und mit ihm der Tod; sie können nicht mehr von den Toten auferstehen, weil sie unumkehrbar auf ewig verbrennen und sich „immerwährend“, unendlich in Rauch auflösen. Nie wird dieses Feuer erlöschen und aufhören, sie zu verbrennen, und die Angst wird von den Menschen genommen, dass der Tod zurückkehre.
Es sind Bilder der Sehnsüchte, der Hoffnungen und der Ängste, es sind Urgestalten der Sehnsucht und der Angst, die in den Visionen der Apokalypse auftauchen. Dem Menschen ist eingebildet das Trauma der Geburt, das Hinausgeworfen- und Gestoßenwerden in eine fremde Welt aus der Geborgenheit des Mutterschoßes - aber auch das Hineingleiten ins Licht. Er kennt seine Schuldverfallenheit, kennt Krankheit, Vergehen und Tod; der Tod ist das Hinausgeworfenwerden aus dem Leben, das Vergrabenwerden und das Zerfallen. Und es wohnt die Sehnsucht in ihm nach Heimat und Geborgenheit, die Hoffnung auf eine Zukunft über den Tod hinaus. Er erkennt die Verwandlung im Alter, das sich Selber- Fremd-Werden, das Abwerfen der Hülle, das Vor-sich-selber-Grauen - man verwandelt sich allmählich selbst in den Tod, wie das Buch Kohelet beschreibt. Er kommt nicht zu dir, du wirst es selbst: er wächst aus dir heraus, der Totenkopf ist schon in dir.
Kann man am Ende das alte Kleid des Leibes abwerfen wie einen Kokon, kann man sich am Ende verwandeln? Gibt es eine neue Geburt aus Gott? Gibt es eine neue bunte Welt, unvergänglich wie Edelstein, ein Diamant, von innen heraus strahlend, wenn das Licht ihn erfasst? Ist er, Christus, das Licht einer neuen kommenden Welt, die uns erwartet?
Das Meer und die Unterwelt gibt seine Toten heraus, heißt es in der Apokalypse, sie steigen herauf aus der Unterwelt beim letzten Gericht; der Weltenrichter sitzt auf einem großen weißen Thron, der Gottes Lichtfülle versinnbildet und die Toten, stehen vor seinem Thron im himmlischen Gerichtssaal. Die alte Erde und der alte Himmel fliehen vor ihm, den es gibt keinen Platz mehr für sie, ihre Zeit ist zu Ende.
Der Seher sieht Himmel und Erde vor der Macht des Weltenrichters fliehen. Das Einzige, was Bestand hat, der einzig Souveräne ist der Thronende, auf den der Blick durch das Entschwinden des Universums konzentriert wird. Er ist nun die einzige Wirklichkeit, alles andere hat keinen Bestand mehr. Gottes Macht zwingt das Meer und die Unterwelt, alle menschen- und gottfeindlichen Mächte zur Herausgabe der Toten.29) Die Toten werden gerichtet nach ihren Werken, die im Buch des Lebens verzeichnet sind, werden einziehen in Gottes neue Welt als Auferstandene.
Bei jedem Menschen bricht bei seinem Sterben seine persönliche Welt zusammen, für ihn geht die Welt unter (wie bei einer Eintagsfliege am Ende eines einzigen Tages, wenn die Sonne versinkt), für ihn entschwindet das ganze Universum. Und er tritt ganz allein Christus gegenüber, weil für ihn die ganze Welt, das ganze Universum entschwunden ist und Christus für ihn die einzige Wirklichkeit ist. Die „Bücher der Werke“ werden aufgeschlagen , und Christus richtet die Menschen nach ihren Werken mit seinem Wort. Mit seinem Wort stellt er die Gerechtigkeit in der Schöpfung wieder her, alles, was an Ungerechtigkeit über die Geschöpfe Gottes gekommen ist, wird er „richten“ und gerademachen. Mit seinem Wort wird er alles heilen, denn Gott ist ein heilender, ein rettender, ein barmherziger Gott.
Es ist eine ungeheure Vorstellung, wenn es am Ende so wäre, dass alles Leid, das Menschen anderen Menschen zugefügt haben, alles globale Morden, jede Art der Unterdrückung und Versklavung, jedweder Terror, jedwede Zerstörung eines anderen Menschen, - alles, was nie offenkundig wurde - für immer ungesühnt bleiben würde, wenn es am Ende doch keine ausgleichende Gerechtigkeit gäbe. Wieviele globale Täter und Mörder würden die „Herren“ der Geschichte bleiben, denn nie wurden sie verurteilt, denn nicht alle Schuld rächt sich auf Erden. Wieviele Täter würden nie mit ihren Taten konfrontiert werden, wieviele Opfer würden nie Genugtuung erfahren - bis in alle Ewigkeit blieben die Schicksalsfragen der Opfer offen und ohne Antwort. Nie würden die Opfer Heilung erfahren. Alle Greueltaten, die von Menschen in der Geschichte verübt wurden und werden, nie würden sie ohne ausgleichende Gerechtigkeit am Ende ihre Auflösung erfahren; alles, was je an Unvorstellbarem Menschen anderen Menschen antun, würde unwiederbringlich in der Vergessenheit versinken, wenn es nicht am Ende der Tage an das helle Licht des Tages Gottes kommen würde. Was Menschen je an zugefügtem Leid in ihrem Herzen trugen, soll es nie ans Licht kommen und vor Gott offenkundig werden? Geht am Ende mit dem Gericht Gottes ein alter Menschheitstraum derer in Erfüllung, die Opfer geworden sind?
Können die Ereignisse der menschlichen Geschichte am Ende von den Menschen im Lichte der Wahrheit gesehen werden, wenn die Schleier der Lüge, der Täuschung und des gesellschaftlichen Betruges fallen,und die Geschehnisse und alles,was Menschen widerfahren ist, ungeschminkt und klar hervortritt und Schuld und Unschuld menschlicher Verstrickungen sich klären? Das „letzte Gericht“ ist die Frage eines letztendlichen Gerechtigkeit, die global und individuell den Menschen widerfahren soll, den Tätern wie den Opfern.
Den Armen und den Kindern, all denen, die besonders missachtet wurden im damaligen Israel, wird die Königsherrschaft Gottes in besonderer Weise zugesprochen (Mt 5,3; Mk 10,14). Alle, die Jesus nachfolgen, werden bei der Neuschaffung auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten, heißt es im Mattäusevangelium (Mt 19,28), es sind die Menschen der Bergpredigt:
die Armen, die Barmherzigen, die zu Unrecht Verfolgten ...und die Kinder. Aus dem Munde der Unterdrückten werden die Unterdrücker ihr Urteil hören, ihre Taten schlagen auf sie zurück. Es werden auf dem Richterstuhl sitzen alle, die gehungert haben, denen das Lebensnotwendige fehlte, - alle, die sich nicht wehren konnten und denen ihr zukommender Platz im Leben, in der Gesellschaft verwehrt wurde, - alle, die keine Lebenschancen erhielten, die Heimatlosen und Besitzlosen, -alle, die auf Gewalt verzichteten und Feindesliebe lebten. Die Seliggepriesenen der Bergpredigt werden ihr Urteil sprechen mit Christus, dem Weltenrichter, über die Gewalttätigen und Mörder, die erbarmungslos mit denen umgegangen sind, die dem Herzen Gottes nahe sind und über die Mächtigen, die die Völker unterdrücken und ihre Macht mißbrauchen, alle Lebenschancen für sich usurpieren, und mitleidslos nur ihren Vorteil und Gewinn suchen, - damit allen Gerechtigkeit widerfahre.
„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleider gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.“(Mt 25,42 f.)
Im Gleichnis von den Zehn Jungfrauen (Mt 25,1-12) erzählt das Mattäusevangelium, dass zehn Jungfrauen mit brennenden Lampen auf den „Bräutigam“ warteten, der zur „Hochzeit“ kommt. Aber die Zeit zog sich hin bis zu seiner Ankunft, und die fünf törichten Jungfrauen merkten, dass ihre Lampen zu erlöschen drohten, weil das Öl ausging. Und sie sprachen zu den klugen Jungfrauen: gebt uns von eurem Öle, denn unsere Lampen erlöschen. Aber niemand kann dem anderen von dem etwas geben, was er selbst für das Reich Gottes vorgesorgt hat, man kann es nicht teilen. Und sie gingen zu den Krämern, um das fehlende „Öl“ nachträglich zu kaufen, aber als sie zurückkamen, waren die Türen des „Hochzeitssaales“ geschlossen - die „Hochzeit“ findet ohne sie statt. Sie stehen „draußen“ vor der Tür - es ist die Endzeit - sie haben sich selbst ausgeschlossen, sie kommen „zu spät“, sie stehen draußen in der Finsternis, das Urteil ist gesprochen - ein dramatisches Bild für das „zu wenig“ und „zu spät“ beim herannahenden Ende. Das Entscheidende im Leben kann man nicht „nachträglich“ besorgen, man muss es „jetzt“ tun.
Die nicht im Buch des Lebens verzeichnet sind, erzählt die Apokalypse, werden in den „Feuersee“ geworfen, sie „verbrennen“ wie Spreu, sie kehren nie mehr zurück, weil das „Feuer“ nicht aufhört, sie zu „verbrennen“. Weil es nicht erlischt, können sie nicht zurückkehren - ein Bild für die Unumkehrbarkeit des Geschehens, - sie werden verschlungen vom Schlund des Vergessens, ein Schlund, der sie auslöscht wie Feuer trockenes Holz. Es steht hinter dem Bild die Angst des Menschen vor dem „Verschwinden“, vor dem sich „Auflösen“, - die Angst, für immer fern von Gott, fern vom Leben zu sein, ins „Vergessen“ Gottes zu gehen - eine ins „Unendliche“ gesteigerte Existenzangst.
Es geht nicht um die wirkliche Realität, dass Menschen, Geschöpfe Gottes, am Ende „spurlos ins Nichts verschwinden“, sondern um die reale Möglichkeit, dass es so sein könnte, die der Verfasser der Apokalypse in seiner Vision sieht - es ist ein finales Schreckensbild des Sehers Johannes. In jedem Menschen sind Spreu und Weizen, die Spreu aber wird verbrennen.
Für die Menschen aber, denen Christus das Leben zuspricht, wird der „Tod“ und „Hades“, der Gott der Totenwelt, für immer vernichtet sein und nie mehr zurückkehren können.
velvet:
V. DIE NEUE SCHÖPFUNG
- DAS NEUE JERUSALEM ALS „STADT“
UND PARADIESESGARTEN
„Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie ein Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat; da hörte ich eine laute Stimme von Thron her rufen: Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt.
Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen mit den sieben letzten Plagen getragen hatten. Er sagte zu mir: Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. Da entrückte er mich in der Verzückung auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis. Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf.
Und er zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Throne Gottes und des Lammes aus. Zwischen der Straße der Stadt und dem Strom, hüben und drüben, stehen Bäume des Lebens. Zwölfmal tragen sie Früchte, jeden Monat einmal; und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt stehen. Es wird keine Nacht mehr geben, und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen in alle Ewigkeit.“
Offenb. 21, 1-6.9-12.; 22,1-3.5
Die Auferstandenen werden mit Christus in der Stadt Gottes wohnen, die herabsteigt vom Himmel.
In mehrdeutigen Bildern, Metaphern und Symbolen beschreibt der Verfasser der Apokalypse die Herabkunft des“ Neuen Jerusalem“, einer „Gegenstadt“ zu „Babylon“. Die Stadt „Babylon, die „Hure Babylon“, ist untergegangen, das „himmlische Jerusalem“ aber steigt auf die Erde herab und wird zur „Braut“ des „Lammes“. Einer der Engel, der die Zornesschalen trug, führt den Seher Johannes in einer Vision auf einen hohen Berg und lässt ihn wie Mose in das Neue Land hineinsehen und zeigt ihm die Neue Stadt, die vom Himmel herabkommt auf die neue Erde, denn Gott hat bereits einen neuen Himmel und eine neue Erde geschaffen. Einer der Engel der „Passion“ verwandelt sich in einen Engel der „Auferstehung“. Ist die ganze Apokalypse eine Passionsgeschichte in mehreren Akten, wo durch Schmerz und Leid und Tod hindurch die Neue Stadt geboren wird ?
http://www.johannes-apokalypse.de/tafel39_small1.jpg
Tafel 39:
Im Bild des Buchmalers zieht der Engel mit ausgestreckter Hand den Seher Johannes auf den Berg, um ihm die vom Himmel herabsteigende Stadt Gottes zu zeigen. Aber der Buchmaler stellt nicht die Stadt selbst dar, sondern nur die Mauern der Stadt mit zwölf niederen Türmen, deren rote Dächer wie Sahnehäubchen wirken. Die Mauern bilden eine Mandorla, in deren Mitte das „Lamm Gottes“ steht, das eher die Gestalt eines Widders hat. Es steht wuchtig da und hat seine Füße auf die versiegelte Buchrolle gesetzt, es hat von ihr Besitz ergriffen; nur Christus, das „ Lamm“, kann die Siegel lösen und die Buchrolle entschlüsseln. Das Entsiegeln der Buchrolle führt die Kinder des Lichts zur Neuen Schöpfung. Der wiederkehrende Christus ist das Zentrum der Neuen Schöpfung, doch ist die Stadt ein Geheimnis, und nur das „ Lamm Gottes“ kann das Geheimnis der Stadt aufdecken. Noch sind die Tore der Stadt geschlossen, die Türme der Stadt zeigen keine Tore, denn das „Lamm Gottes“ ist für die Menschen das Tor zum neuen Himmel und zur neuen Erde, nur der wiederkehrende Christus kann den Menschen den Zugang verschaffen zur Stadt Gottes. Wie ein Ring umschließen die Mauern der Stadt das „Lamm Gottes“, - das Bild eines Siegelrings, - noch ist versiegelt die neue Erde, noch ist die Stadt ein Geheimnis der Zukunft, sie ist erst am Kommen; von ferne kann man sie kommen sehen, herabsteigen vom Himmel. Wenn sie da ist, wird sie sich über die ganze Erde erstrecken.
Die Neue Stadt ist die Antipode zu „Babylon“, das untergegangen ist. Die „apokalyptische Frau“, das Volk Gottes, das in Wehen liegt, bringt die Menschen des himmlischen Jerusalems „hervor“, sie selbst verwandelt sich in das „himmlische Jerusalem“ - von oben wird es von Gott geschenkt. Sie ist geschmückt wie eine Braut zur Hochzeit mit dem „Lamm“, dem wiederkehrenden Christus. Das „ himmlische Jerusalem“ steigt herab auf die bereits neu geschaffene Erde, es ist die Wohnstätte Gottes, in ihm erscheint die Herrlichkeit Gottes und es umfasst die ganze Erde. Das Volk Gottes, das unter messianischen Wehen an dem Endpunkt seiner Geschichte angekommen ist, wird von Gott verwandelt, und vereinigt sich mit der vom Himmel herabsteigenden Stadt; es zieht ein in das Gelobte Land.30)
Er, der auf dem Thron sitzt, in der Mitte der Stadt, spricht: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende“. Alle Buchstaben des griechischen Alphabets sind zwischen dem ersten und dem letzten Buchstaben eingeschlossen, alle Worte sind daraus gebildet. Die ganze Schöpfung von Anbeginn ist damit gemeint, denn durch das“ Wort“, den Logos, ist alles entstanden. Der Logos ist die menschgewordene Weisheit Gottes, die von Anfang der Schöpfung schon beim Vater war. Christus, der Logos, war schon von Beginn an beim Vatergott. Gott ist es, der die Erde schuf (Alpha) und sie vollendet (Omega). Gott ist es selbst, der die Geschichte der Welt und der Geschichte schreibt, den Sinn sie hineinlegt, er ist das Alpha und das Omega, und am Ende werden die Rätsel gelöst, der Lebensdurst der Menschen wird gestillt mit dem Wasser des Lebens, das von Gott kommt. Die“ Buchrolle“, die versiegelte Geschichte, enthält die Frohe Botschaft, aber auch das Gericht - nur Christus kann ihren Inhalt entschlüsseln. Gott ist das Alpha und das Omega, Anfang und Ende des Alphabets und somit alles Geschriebenen, aller Schriften, aller Weissagungen, aller gesprochenen Worte; mit seinem Wort hat er Himmel und Erde geschaffen, Beginn und Ende der Schöpfung ist er. Er versinnbildet die Reihenfolge der Buchstaben - geschriebene, buchstabierte Geschichte, die an ihr Ende kommt wie das gesprochene Alphabet.
Im Bild der neuen Erde umgibt eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf die Neue Stadt, die vom Himmel herabgestiegen ist. Der Paradiesesgarten ist in das Zentrum der Stadt, wo Gott wohnt, integriert. Die Sternbilder, die vom Himmel gefallen sind, schmücken die Grundpfeiler, die Grundfesten der Stadt als Edelsteine, die Lichter der Apostel, auf denen die Stadtmauer gründet, verbinden sich mit dem Glanz der Sterne - die Sterne selbst bilden die Grundfesten der Mauer, weil man sie am Himmel nicht mehr braucht. Sonne und Mond verbinden sich mit Christus und sind das neue Licht in Gottes Welt, er selbst ist die Sonne der Stadt. Die Grundsteine der Stadtmauer sind die zwölf Sterne Israels, Abbild der zwölf Stämme Israels 31), Abbild der zwölf Apostel. Sie sind das zur Mauer gewordene alt-und neutestamentliche wandernde Volk Gottes, das an sein Ziel gekommen ist. Die Grundsteine, die Grundfesten der Stadtmauer sind mit wunderbaren, farbigen Edelsteinen geschmückt, die in Verbindung stehen mit den Tierkreiszeichen der Sterne. Die mit zwölf Edelsteinen besetzten Mauern sind die Einfassung, in der Mitte aber sitzt die Stadt als“ Diamant“, ein kostbarer Jaspis. Der Sternenhimmel ist auf die neue Erde herabgestiegen, um sie zu schmücken.
Die Neue Stadt ist viel größer als die sie umschließenden Mauern, sie sprengt die Mauern der Stadt und weist über sie hinaus. Gottes Neue Stadt mit den offenen Toren lädt alle Völker und Religionen ein, in die Stadt einzuziehen zur Wallfahrt der Völker: „Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold“, heißt es beim Propheten Jesaja (Jes 6o). Sie kommen wie die Magier, von denen das Mattäusevangelium erzählt, dass sie ihre Geschenke trugen zur Krippe in Bethlehem, - jetzt aber kommen sie als Könige zu Gottes Herrlichkeit, zu seinem Lichtglanz. Die Stadtmauer ist eine lebendige Mauer, aus den Menschen des wandernden Gottesvolkes, der Kirche gebaut. Die Stadt aber ist das Leben selbst, sie ist ein lebendiges Wesen.
Das Leben, das von Gott kommt, sprengt die Mauern der Stadt, greift über sie hinaus. Das „Leben“ ist viel größer als die „Kirche“, es weitet sich aus auf alle Völker und Religionen. Im Innersten des Lebens aber sitzt Gott, er ist der Ursprung des „Lebens“.
Die zwölf Türme der Stadt sind keine Wachtürme mehr, sie sind in schmückendes Beiwerk der Mauer verwandelt, es ist eine lebendige Mauer aus lebendigen Steinen gebaut. Die Türme sind zum Wahrzeichen geworden, zum Orientierungspunkt, zu Leuchttürmen, die den Völkern den Weg weisen durch die Stürme der Zeit. Auf den Mauern der Stadt stehen Engel, - keine Soldaten, sie sind die Wächter der Stadt. Engel, Lichtwesen bewachen die Stadt und schützen sie, kein Dämon nähert sich mehr den Toren der Stadt, das Licht hat die Finsternis verdrängt. Sie erwarten die Jungfrauen mit den brennenden Lampen, - die wachsam gebliebenen Knechte, -die Könige, die den hellen Stern suchen, - die Seliggepriesenen der Bergpredigt, - sie alle geleiten sie in die Stadt.
Die zwölf Tore sind offen, sie sind kostbare Perlen, die der Kaufmann im Gleichnis des Mattäusevangeliums (Mt13, 45-46) sucht, - er sucht nach dem geöffneten Tor des Himmels - jedes Tor ist eine kostbare Perle, - es ist ein Zugang für dich persönlich bestimmt, einer ist dein Zugang, von welcher Seite du auch die Stadt betreten willst und von wie weither du auch kommen magst von allen Enden der Erde.
Eine bunte Welt zieht ein durch die offenen Tore der Stadt, von überall her und durch alle zwölf Tore, - durchsichtig und klar ist die Stadt, Arglist und Hinterhalt sind ihr fremd, die Lust des Raubtieres ist verloren gegangen, das Kind spielt am Schlupfloch der Natter, der Löwe sitzt neben dem Kalb und frisst Gras, Lamm und Wolf weiden nebeneinander. Die ungeheure Fresslust, wo einer den anderen frisst, ist verschwunden; die Bewohner der Stadt leben nicht voneinander, sie leben von Gott und den Früchten, die er schenkt. „Homo homini lupus“, es gilt nicht mehr. Alle Gewalttätigkeit und Unterdrückung ist entschwunden.
Stadt und sie umkränzende Mauer sind durchsichtig wie Glas, die Mauer steht auf Edelsteinen, die glitzern wie die Sterne am Himmel, man hat die Sterne vom Himmel auf die Erde geholt. Das Licht der Sterne ist der Grund der Stadtmauer, Sonne und Mond sind schmückendes Beiwerk für die Herrlichkeit Gottes, die die Stadt erhellt, -das Firmament bildet die Straßen der Stadt, es schimmert wie Gold und ist klar wie Glas, und die Bewohner sind die Heiligen Gottes.
Die Menschen, die Zeugnis geben für Wahrheit und Gerechtigkeit, bevölkern die Stadt, sie sind die Söhne und Töchter des Vaters, seine Kinder, und auch sie sind „durchsichtig“ geworden wie die Stadt, keine Arglist und keine Täuschung wohnt mehr in ihnen. In der Stadt gibt es keine Traurigkeit, keine Angst, keine Aggression, keinen Schmerz,- nur die Sehnsucht, die Liebe bleibt. Die Perlen der Stadt sind auch die geweinten Tränen der Menschen, die Unrecht erlitten haben, und diese Tränen haben sich in Perlen verwandelt, sie sind die offenen Tore der Stadt.
Die Stadt ist quadratisch angelegt, ein Quader, ein Riesenwürfel des „Glückspiels“ - endgültig sind die Würfel gefallen, „aureae jactantur“ sagten die Römer, wenn eine Sache entschieden war. Der letzte Würfel ist gefallen, das „Spiel“ Gott - Mensch - Teufel ist zu Ende.“ Glück“ für die Guten, sie haben gewonnen, „Pech“ für die Schlechten, sie haben verloren; erlöst sind die Guten, gebunden die Schlechten, sie verbrennen wie Spreu; das „Pech“ der „Pechmarie“ im Märchen wird über sie ausgegossen und bleibt an ihnen haften. „Goldene Stadt“ - und „Feuersee“ stehen einander gegenüber, die Stadt - ein Würfel aus Gold und Edelstein - ein „Glückswürfel“ - und glücklich, wer gewonnen hat und zu dessen Gunsten am Ende der Würfel gefallen ist ... ein Spiel der himmlischen und dämonischen Mächte um die Seele des Menschen - ein faustisches Spiel.
Doch ist es nicht Zufall, es ist Gnade, die das Mühen des Menschen um Sinnfindung und Gottsuche begleitet. Der Mensch, der auf Seiten Gottes steht, findet am Ende sein Glück, Gott lässt es ihn finden. Selbst, wenn er alles verloren hat, was er sich an Reichtümern im Leben erworben hat, so wird er doch am Ende bei Gott glücklich sein, ein „Hans im Glück“.
Die Neue Stadt ist eine Wunschvorstellung, die prolongiert wird aus der Mühsal des Lebens, der Freude am Schönen, der Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und Glück - dem Wunsch nach Harmonie mit Gott. Die Gier soll zu Ende sein, ein Übermaß an Reichtum, Gold und Edelsteinen soll uns umgeben, kein Hunger und kein Durst soll mehr herrschen, das „Raubtier“ soll seine Fresslust verlieren und der „Krieg“ der Geschöpfe sich in ewigen Frieden verwandeln. Lasst uns drei Hütten bauen, heißt es in der Verklärungsgeschichte vom Berg Tabor im Mattäusevangelium, für Christus, Mose und Elia eine, damit die Menschen dort in der „ jetzigen Endzeit“ in Frieden wohnen können, und nicht auf die neue Welt Gottes zu warten brauchen. Gott hat seine Hütte in Bethlehem bereits unter uns gestellt - am Ende wird er in der Neuen Stadt unter uns wohnen. Die Menschen suchen die Neue Stadt, die Neue Erde als Inbegriff ihrer Sehnsucht und Phantasie, sie suchen die „ewige Heimat“, sie wollen am Ende „nach-Hause-kommen“, sie wünschen sich überbordenden Reichtum, ihr Schicksal soll vergoldet werden, sie wollen offene Tore, Empfangen werden wie der verlorene Sohn vom barmherzigen Vater, ein Fest ohne Ende soll es sein.
Es sollen die Stummen reden, die Lahmen gehen, die Tauben hören, keine kleinen Tode des Abschiednehmens mehr sein, sondern das Reiseziel endgültig gefunden werden. Es soll ein Hochzeits-Mahl sein mit einer Feier ohne Sorgen, Lachen ohne Trauer, ein Leben, bei dem der Tod nicht mehr mit am Tisch sitzt.
Unablässig leuchtet das Licht in der Neuen Stadt und fließt das Wasser des Lebens, unaufhörlich ist der Glanz der Ewigkeit. Nichts ist mehr verborgen, alles erstrahlt im hellen Lichte Gottes, es gibt keine geheimen Gedanken, keine versteckten Wünsche mehr. Alle Gebrechen und Nöte sind wunderbar geheilt, alle Sehnsucht gestillt, alle Tränen getrocknet, alles Leid verwandelt in einer bunten Welt voller Glanz. Alle Tore sind offen, weil alle Bedrohung gewichen ist, die Freiheit geht spazieren durch die Tore der Stadt und trifft ihre Freundinnen. Es ist eine Stadt, in der die Zeit verwandelt ist, die Zukunft ist zur Gegenwart geworden.
Tafel 40:
Die Neue Stadt, das Neue Jerusalem wird einerseits als wunderschöne, kostbare Stadt dargestellt, andererseits aber auch im letzten Kapitel der Apokalypse in einem varianten Bild als Paradiesesgarten, der in die Stadt integriert ist.
Im Bild des Buchmalers schwebt der Seher Johannes über dem grünen Land der Hoffnung, auf dem die Bäume des Lebens wachsen, sie tragen ständig Früchte, und ihre Blätter heilen die Menschen von all ihrem Leid und von ihren Tränen, von Krankheit und Tod. Der „Fluch“ Gottes, das Arbeiten im Schweiße seines Angesichtes, das Gebären unter Schmerzen, das Sterbenmüssen nimmt ein Ende. Die überlangen Finger der rechten Hand streckt der Engel dem Seher entgegen, der seine Hände bittend nach vorne ausgestreckt hält. Der Kopf des Engels ist umrahmt vom Schein des Lichtglanzes Gottes in den Farben des Regenbogens, wobei die smaragdgrüne Farbe korreliert mit dem Grün der Neuen Erde. Der Seher trägt das Kleid in den Farben des Thrones Gottes, er trägt das Kleid Gottes, das Kleid des Himmels.
Von dem, der auf dem Thron sitzt im Goldgrund des Himmels, - es ist der Thron Gottvaters und des wiederkehrenden Christus, - strömt das Wasser des Lebens in breitem Fluß unablässig herab auf die neue grünende Erde und bewässert sie. Wie die Morgenröte leuchtet hinter ihm der Himmel, er ist die aufgehende Sonne.
Hinter dem Seher stehen die Bäume des Lebens, voll mit Früchten, die den Bewohnern der Neuen Erde ewiges Leben schenken, jeden Monat tragen sie Früchte.
Es ist der Traum des Menschen, zu essen vom Baum des Lebens und zu verlieren die Angst vor dem eigenen Tod. Deshalb steigt seine Sehnsucht hinauf zu den „ewigen“ Sternen, die am Himmel stehen und als ewige Lichter scheinen. Der Mensch hat seine Geborgenheit verloren und sehnt sich zurück in das längst vergangene Paradies. Er sucht den Ort, wo sein ewiger Lebensdurst gestillt wird von der Quelle, die hervorbricht unter Gottes Thron und den Garten bewässert, wo die Bäume des Lebens immerwährend Früchte tragen, die ewiges Leben schenken. Wie Adam und Eva wollen die Menschen mit Gott im Abendwind spazierengehen. Keine Schlange soll sie mehr verführen mit Hinterlist - Arglist und Misstrauen sollen verschwinden, auch Tränen und Not.
Von Angesicht zu Angesicht werden sie Gott schauen, den niemand je gesehen hat. Er ist kein verfremdetes Spiegelwesen mehr, sondern er ist herausgetreten aus dem Spiegel, sein Thron steht im Licht der Morgenröte, er ist selbst das aufgehende Licht der Sonne, und er lässt die Menschen sich lagern auf dem Grün der Neuen Erde wie die Menschen der Brotvermehrung. Der Herr ist mein Hirte, heißt es im Psalm, nichts wird mir fehlen, er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Das Lukasevangelium erzählt im Gleichnis, wie der barmherzige Vater den verlorenen Sohn wieder als Erben aufnimmt, obwohl er seinen Erbanspruch im Lebensrausch schon verspielt hat. Er schenkt ihm sein Erbe umsonst, er hat keinen Rechtsanspruch mehr, zu wohnen im Hause des Vaters. Die Kinder Gottes werden am Ende das Himmelreich erben - es wird ihnen umsonst geschenkt. Der Frau am Jakobsbrunnen verheißt Jesus im Johannesevangelium lebendiges Wasser, das ihren Durst für immer stillt. Er verheißt es ihr, weil sie am „Verdursten“ war im „Leben“ wie Hagar, die Magd Abrahams in der Wüste.
Der Mensch hat Angst vor der „Sintflut“ des Lebens, Angst, unterzugehen in den Wirnissen seiner persönlichen Geschichte, kein Land mehr zu sehen und zu verdursten mitten auf dem Meer, umgeben von den Mächten des Chaos. Dieses Wasser, das von Gott kommt, ist nicht das Unheilswasser der Sintflut, das ständig den Menschen bedroht in der Zeit seines Lebens, sondern es ist das Wasser des Lebens, das in jedem, der davon trinkt, zur sprudelnden Quelle wird.
Wenn die Wüste austrocknet und das Wasser der kleinen Oase „verschwindet“, begreifen dies die Tiere nicht. Sie suchen das Wasser irgendwo in der Wüste, - es war doch gerade noch da - wie kann es verschwinden? Aber auch die Menschen begreifen es nicht, wenn ihr „Lebenswasser“ plötzlich zu Ende geht, und sie suchen nach dem „Wasser des Lebens“, aber sie können es erst finden, wenn das „Wasser von oben“ kommt, ihnen von oben geschenkt wird, ansonsten verdürsten sie in der „Wüste“.
Urplötzlich und gewaltig wird die Neue Welt Gottes auf die Erde kommen, wie der Regen urplötzlich kommt über die ausgetrocknete Wüste und sie über alle Maßen überschwemmt mit Wasser, auf dass sie blühe und sich verwandle in einen Garten.
Der Schluss des Apokalypse mündet in einen Gottesdienst, wo die urchristliche Gemeinde den auferstanden Christus bittet: „marana tha“, komm, Herr! Die Christen bitten den auferstanden Christus, er möge beim Gottesdienst in ihrer Mitte erscheinen , und er möge bald kommen als Weltenrichter am Ende der Tage (Offenb. 22, 20) und die Erde verwandeln.32)
Sie werden ermutigt, in Treue zu Christus zu stehen, dann werden sie Anteil haben am „Baum des Lebens“, und sie werden vom „Wasser des Lebens“ trinken.
Sehnsucht:
„Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.“
(Joseph von Eichendorff:“Mondnacht“)
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Anmerkungen:
1) Der Codex der „Bamberger Apokalypse“ befindet sich in der Bamberger Staatsbibliothek (Ms.Bibl.140). Er ist in lateinischer Sprache verfasst, besteht aus 106 Pergamentblättern und enthält als Buchschmuck 57 Miniaturen und 103 ganzseitige Initialen. Im vorderen Teil enthält die Handschrift des Codex den Text der Apokalypse (fol 1-58r) mit 49 ganzseitigen oder in die Schriftpassagen inserierten Miniaturen, daran schließt sich ein Evangelistar. (Ingo F. Walther und Norbert Wolf, Codices illustres, Köln 2001, S. 118f.)
2) Vgl. Rudolf Hoppe, in: Apokalypse, herausg. von Herbert W. Wurster u. Richard Loibl, Passau 2000, S. 162
3) Johannes-Apokalypse im Text der Einheitsübersetzung, Katholische Bibelanstalt, Stuttgart 1980
4) Vgl. Rudolf Hoppe, a.a.O., S. 139-158
5) An die Gemeinde von Laodizea schreibt der Seher: „Wärest du doch kalt oder heiß.Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien“ (Offenb. 3,15 f). In Hierapolis, in der Nähe von Laodizea waren heiße Quellen, die beim Abfließen lauwarm wurden, und als lauwarmes Wasser nicht mehr zu gebrauchen waren, weder zum Trinken noch zum Waschen. Laodizea war auch bekannt wegen seine Textilproduktion (Kleider) und berühmt waren seiner Banken,und es gab auch eine pharmazeutisch-medizinische Schule (s. Heilung der Augen) dort (vgl. dazu Alexander Sand, in: Bibel heute, Die Apokalypse des Johannes, 33. Jahrg., Stuttgart 1997, S. 59 ff.)
6) Siehe Elisabeth Schüssler Fiorenza, Das Buch der Offenbarung, Stuttgart 1994, S. 51
7) Vgl. ebd. S. 57
8) Vgl. Sacharja 4,10: Die sieben Augen Gottes schweifen über die Erde
9) Vgl. Martin Gutl, Der tanzende Hiob, Graz 1975, S. 120
10) Vgl. Hans Urs v. Balthasar, Die Apokalypse, in: Ja, ich komme bald, Die Endzeit im Licht der Apokalypse, Herausgeber: Informationszentrum Berufe der Kirche, Freiburg 1985, S. 120 f.
11) Nach dem altorientalischen Mythos besitzt der höchste Gott Bücher oder Tafeln, in denen oder auf denen das Geschick der Welt geschrieben steht. ( Elisabeth Schüssler Fiorenza, a.a.O. S. 82)
12) Vgl. Hans Urs v. Balthasar, a.a.O., S. 120
13) Vgl. ebd. S. 121
14) Vgl. ebd. S.121
15) Vgl. ebd. S. 122
16) Der Moloch Rom beutete die unterworfenen Provinzen aus und zog allen Reichtum und Luxus in die römische Metropole. Die „Bürger“ Roms beherrschten im 1. Jahrh. n. Christus das römische Kaiserrreich, waren dem Kaiserkult zugetan, der römischen Staatsideologie, der römischen Götterreligion. Die Christen, die ja das römische Bürgerrecht kaum besaßen, waren lediglich verachtete oder verfolgte Untertanen ,vielfach der Unterschicht zugehörig, die auf die Herstellung der Gerechtigkeit durch Gott hofften, letztlich auf die Herstellung der Gottesherrschaft.
Der Verfasser der Apokalypse sieht die Herrschaft Roms natürlich aus einer bestimmten Sicht, aus einer bestimmten Perspektive und aus seiner Situation heraus und zwar in der Zeit gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus. Er sieht sie als kosmopolitisch ausbeutende und unterdrückende Macht, die besonders Christengemeinden feindselig gegenübersteht und sie bedroht. Er kann deshalb der Herrschaft Roms und der Römer nichts Positives abgewinnen. Aus wissenschaftlich fundierter weltgeschichtlicher Sicht kann man die römische Herrschaft natürlich im Nachhinein etwas anders akzentuiert sehen. Ob es unter Domitian überhaupt echte Christenverfolgung gab, ist ungesichert, aber es gab eine Bedrohung der Christengemeinden.
17) In Ephesus, der Metropole in der römischen Provinz Asia, kam es häufig zu Erdbeben. Der Sonnenfinsternis in Verbindung mit einem Erdbeben maßen die Menschen große Bedeutung zu. Ephesus zählte in seiner Blütezeit im 1./2. Jahrh. n. Chr. ca. 200 000 Einwohner. Die Christengemeinde unter der Leitung von Timotheus, der 96 n. Chr. von Anhängern des Dionysoskultes erschlagen wurde, spielte in Ephesus keine große Rolle. Im Jahr 96 n. Chr. wurde der römische Kaiser Domitian ermordet. Ephesus hatte ihm zu Ehren einen Kaisertempel errichtet, Domitian ließ sich schon zu Lebzeiten als Gott verehren, als Inkarnation des Gottes Apollo. Der Kaiserkult spielte in der Provinz Asia zur Regierungszeit Domitians anscheinend eine große Rolle.
18) In Ephesus stand ein Standbild des römischen Kaisers Domitian, dem man Weihrauch opferte als Zeichen der Verehrung. Wer nicht opfern wollte, konnte der Kaufmanngilde nicht angehören und keinen Handel treiben, weil er nicht das „Zeichen“ des Kaisers trug. Die bekennenden Christen waren somit stark benachteiligt, ihnen war die wirtschaftliche Lebensgrundlage entzogen.
19) Die Göttin „Roma“ galt als die Mutter der Götter und auch des Apollo. Der römische Kaiser Domitian sah sich als eine Inkarnation des Apollo. Mit dem Namen des Heuschreckenherrschers Apollyon, einem Synonym für Apollo, will der Verfasser sagen, dass die dämonischen Wesen den römischen Kaiser zum König haben (vgl. Elisabeth Schüssler Fiorenza, a.a.O., S. 94).
20) Die Heuschreckenplage ist latent vorhanden, jederzeit kann sie ausbrechen wie ein Chaos wegen der zahlreich gelegten Eier, die vor sich hinschlummern. Der klirrende Flügelschlag erinnert an klirrende Schwerter, sie tragen einen „Panzer“ und wirken wie eine Armee. Sie vermehren sich plötzlich ungeheuer, wenn es viel regnet.
21) Die Skorpione kommen in der Dunkelheit heraus, jagen in der Nacht, lähmen mit dem Gift ihres Stachels das
Opfer und fressen es schnell auf. Sie kämpfen auch gegeneinander, nur beim „Liebestanz“ der Skorpione, der Paarung, sind sie sanft zueinander. Sie vermehren sich stark und haben gleich bis zu hundert Junge. 400 Millionen Jahre Erfahrung haben die Skorpione im Überlebenskampf.
22) Die griechische Göttin Artemis steht in einer gewissen mythologischen Verbindung zur apokalyptischen Frau: Sie ist die Göttin des Mondes, die darum den Bogen führt, der über Leben und Tod entscheidet. Sie wurde besonders in der Metropole Ephesus verehrt. Man hatte ihr dort früher ein Heiligtum errichtet (Artemisium).
In dem Heiligtum versteckte sich Kleopatras Schwester (1. Jahrh. v. Chr.), weil ihr Kleopatra nach dem Leben trachtete. König Krösus hatte im 7. Jahrh. vor Christus zu Ehren von Artemis einen Tempel errichten lassen, der als eines der sieben Weltwunder galt.
Artemis war die Schutzgöttin der Insel Patmos, die der Stadt Milet in Kleinasien vorgelagert ist. Nach der griechischen Mythologie ließ sich die Göttin, die Königin über alles Leben in der Natur, auf der höchsten Stelle der Insel nieder. Nach der Legende hatte Leto, als sie von Zeus schwanger war, die Eifersucht Heras herausgefordert. Hera hatte den Drachen Python ausgeschickt, um sie zu verfolgen. Nachden Leto diesem entkommen war, gebar sie Artemis. Leto gebar auch den Zwillingsbruder von Artemis, Apollo. Apollo hatte einen Sohn, Asklepios. Dieser suchte ein Mittel, um die Menschen von dem Tod zu befreien, sie unsterblich zu machen, aber Zeus tötete ihn mit einem Blitz.(vgl. Bibel heute, Heft 131, Stuttgart 1997). /// In der ägyptischen Mythologie wird die Göttin Isis vor der Geburt ihres Kindes, des Sonnengottes Horus, von dem roten Drachen Typhon verfolgt, und sie gebiert ihren Sohn auf einer Insel im Nildelta. Horus tötet dann später den Drachen Typhon.- Wenn am Himmel die Sonne ins Sternbild der Jungfrau tritt, das vielfach mit Isis gleichgesetzt wurde, dann steht am Nachthimmel der Vollmond zu ihren Füßen. Am Himmel steht dem Sternbild der Jungfrau das Sternbild der Wasserschlange Typhon gegenüber. Eine alte mythologische Tradition erzählt von der Himmelsgöttin, die täglich die Sonne gebiert, und von dem Finsternisdrachen, der diese zu verschlingen trachtet.(vgl.J. Roloff, a.a.O, S.123 ff.).
23) Die Vorstellung des Urdrachen könnte hier mythologisch zwei Wurzeln haben: Zum einen den Mythos vom Kampf im Himmel (Offenb. 12,7-12), wo der Drache auf die Erde gestürzt wird, zum andern die Vorstellung vom Untier des Urchaos, das aus dem Urmeer auftaucht und die bestehende Ordnung gefährdet, die Sonne verfinstert und in die Welt und Zeit der Menschen einbricht, das Erwachen der Urschlange aus dem Schlaf (vgl. Jonageschichte).
Die feuerspeiende, geflügelte Riesenschlange lebt im Meer und erhebt sich selten in die Lüfte, sie geht auch an Land.
Gottvater, der Himmel und Erde geschaffen hat, ist der Sieger über die chaotische Gewalt, weil er das Licht schuf aus dem Chaos (Gen 1). Christus ist Herr über das Chaos, weil ihm Wind und Wellen gehorchen (Erzählung vom Seesturm), und er wandelt über das Wasser, weil er über die Mächte des Chaos hinweggehen kann.
Das nächtliche Gefängnis der Sonne ist mythologisch das Meer, in dem die Sonne versinkt. Durch das Meer führt der Weg der Sonne vom Untergang bis zum Aufgang. Licht- und Schattenwelt kämpfen gegeneinander, das Licht aber besiegt die Schattenwelt, weil die Sonne immer wieder aufgeht. In der Unterwelt, der Schattenwelt, ist die Welt der Toten, ihr „Gefängnis“ - das Licht, Christus,ist die neue Sonne, er hat die Schlüssel zur Unterwelt, er befreit die Toten aus der Schattenwelt. Er ist es, der auf den Wellen des „Meeres von Galiläa“ geht, er geht nicht unter,er ist stärker als der Tod.
24) In Ephesus hatte der römische Statthalter eine Statue des Kaisers Domitian errichten lassen, in dem der Seher den wiedererstandenen Nero erblickte. Vielleicht konnte diese Statue auch durch eine Mechanik sprechen und Feuer herabregnen lassen. Die Menschen sollten staunen und die Gottähnlichkeit des Kaisers anerkennen.(vgl. Dieter Bauer, in: Bibel heute, Heft 131, 1997, S. 86ff.).
Das „Zeichen“ des Kaisers Nero ist die Zahl 666, insofern Kaiser Domitian der neue „Nero“ ist, kann diese Zahl auf ihn übertragen werden (vgl. Heinz Giesen, Johannesapokalypse, 1996, S. 112). Wenn man „neron kaisar“ (Kaiser Nero) in hebräischen Buchstaben schreibt, wo jedem Buchstaben auch eine Zahl zugeordnet ist, so ergibt die Gesamtzahl der hebräischen Buchstaben die Zahl 666 ( vgl. J. Roloff, a.a.O.).
25) Vgl. Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Frankfurt a. M. 1959, S. 1482-1493.
26) Vgl. Exodus 15, 1-21: ...Rosse und Wagen warf er ins Meer (...) da standen Wogen als Wall, Fluten erstarrten im Herzen des Meeres...
27) Leviathan, die gewundene Schlange und Drache zugleich, bezeichnet in mythischer Sprache das Meer, die gottfeindlichen Mächte.
28) Vgl. Gerd Heinz-Mohr, Lexikon der Symbole, Düsseldorf-Köln, 3. Aufl. 1974, S. 101
29) Siehe Rudolf Hoppe, a.a.O. , S. 155.
30) Der Verfasser der Apokalypse orientiert sich bei der Vorstellung vom Neuen Jerusalem an der früheren Metropole Babylon, möglicherweise auch an der Stadt Ephesus. Ephesus besaß einen riesigen Marktplatz und prächtige Bauten mit Straßen aus Marmor. In der Stadt ensprang auch eine Quelle. Die Stadt, die am Meer lag, eine riesige Metropole, war durch Handel reich geworden, sie erlebte ihre Blüte im 1./2. Jahrh. n. Chr. und schwelgte im Reichtum. Überall standen Büsten des Kaisers und seiner Gemahlin.
31) Die Brustkette des jüdischen Hohenpriesters trug zwölf Edelsteine, die die zwölf Stämme Israels symbolisieren.
32) Das „marana tha“, Komm, Herr, erinnert an die Emmauserzählung (Lk 24,13 ff), wo die zwei Jünger den Fremden dringlich zum Mahl einladen und im Fremden beim Mahl, im Brechen des Brotes, den auferstandenen Christus erkennen. Die Emmauserzählung vom Gang nach Emmaus ist eigentlich ein „Gang“ durch den frühchristlichen Gottesdienst mit folgendem Aufbau:
- Kyrie: „Trauer“ - Herr, hab Erbarmen mit uns
- Erzählung über Jesu Leben, über seine Kreuzigung und der Auferstehungsbericht (Zwiegespräch?)-
- Prophetische Schriften (Altes Testament)
- Gebet - Bittruf: Marana tha (Komm, Herr) oder dringliche Einladung an den Herrn (vgl. Emmausjünger)
- Lobpreis und Brotbrechung
- Verkündigung an die anderen, Aufruf zur Weiterverkündigung : Geht hinaus und sagt es weiter
Wahrscheinlich war es ursprünglich ein Abendgottesdienst: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend
werden, und der Tag hat sich schon geneigt. Da trat er ein, um bei ihnen zu bleiben. (Lk 24,29)
Der biblische Text der Johannesapokalypse ist entnommen der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Katholische Bibelanstalt, Stuttgart 1980
Literaturangabe zur Johannes-Apokalypse:
Heinz Giesen, Johannesapokalypse, Stuttgart 1986, 4. Aufl. 1996
Hubert Ritt, Offenbarung des Johannes, in: Die Neue Echter Bibel, Bd. 21, 4. unveränderte Aufl., Würzburg 2000
Jürgen Roloff, Die Offenbarung des Johannes, 3. Aufl., Zürich 2001
Elisabeth Schüssler Fiorenza, Das Buch der Offenbarung, Stuttgart-Berlin-Köln 1994
Hans Urs von Balthasar, Die Apokalypse, in: „Ja, ich komme bald“, Die Endzeit im Licht der Apokalypse, herausg. vom Informationszentrum Berufe der Kirche, Freiburg 1985
Apokalypse, Zwischen Himmel und Hölle, herausgegeben von Herbert W. Wurster und Richard Loibl, Begleitheft zur Ausstellung in Passau, Passau 2000
Die Apokalypse des Johannes, in: Bibel heute, 33. Jahrg., 3. Quartal 1997, Heft 131, Verlag Kath. Bibelwerk Stuttgart
Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Katholische Bibelanstalt, Stuttgart 1980
Das Neue Testament, übersetzt von Fridolin Stier, München 1989
Quellenangaben:
Der biblische Text der Johannes-Apokalypse, der Offenbarung des Johannes, wurde entnommen aus: Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Katholische Bibelanstalt, Stuttgart 1980.
Die Erlaubnis für die Übernahme von Bildern des Buchcodex der „Bamberger Apokalypse“ erfolgte durch das freundliche Entgegenkommen der Staatsbibliothek Bamberg, bei der die Urheberrechte liegen ( Staatsbibliothek Bamberg Msc. Bibl. 140 ). Der Buchcodex der „Bamberger Apokalypse“ befindet sich in der Staatsbibliothek Bamberg.
Die vollständige Anzahl der Bilder des Buchcodex der „Bamberger Apokalypse“ ist im Internet zu finden unter:
Category Bamberg Apocalypse – Wikimedia Commons.
Die im vorliegenden Manuskript verwendeten Bilder der „Bamberger Apokalypse“ wurden mit freundlicher Genehmigung des Zentrums für Berufungspastoral, Freiburg, entnommen aus dem Buch: „Ja, ich komme bald“, Die Endzeit im Licht der Apokalypse, Freiburg 1985.
amos:
http://web.de/magazine/wissen/mensch/16847322-apokalypse.html
velvet:
Lieber Amos,
irgendwie passt diese New Age Parodie nicht zur zur Geheimen Offenbarung des Johannes. Was willst Du uns damit sagen?
Liebe Grüsse
velvet
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