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Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.

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ArmeSeele:
Die gute
Gattin und Mutter.
Ein Katholisches
Lehr- und Gebetbuch.

Herausgegeben
von
P. Heinrich Müller, S.V.D.

Mit bischöflicher Approbation



Druck und Verlagder Missionsdruckerei in Steyl
proftl. Kaldenkirchen (Khld.)
1901



I m p r i m a t u r.
Baarlo, die 9. m. Maii 1901.
Dr. J. H. Geenen, Libr. Cens.



HAUSSEGEN.
Wo Glaube, Da Liebe.
Wo Liebe, Da Friede.
Wo Friede, Da Segen.
Wo Segen, Da GOTT.
Wo GOTT, Keine Not.


Vorwort.
Dieses Lehr- und Gebetbuch soll dir, liebe Gattin und Mutter, behilflich sein, einerseits die Heiligkeit und den Ernst deiner Pflichten immer besser kennen zu lernen und zu würdigen, anderseits Trost und Stärke im Gebet zu finden. Zu diesem Zwecke wird im ersten Teile aufmerksam gemacht auf die großen und sehr wichtigen Pflichten, welche jede Gattin und Mutter zu erfüllen hat.
Der Verfasser hat in seiner mehr als 20jährigen Tätigkeit als Priester und Ordensmann bei Missionen, Exerzitien und in der Seelsorge in Stadt und Land nur zu oft Gelegenheit gehabt, bei Eheleuten die größte und verderbenbringendste Unkenntnis und Gleichgültigkeit in Bezug auf ihre Standespflichten zu entdecken. Um nun etwas zur Beseitigung dieser Verantwortungsvollen und folgenschweren Unwissenheit und Gleichgültigkeit beizutragen, hat derselbe seit Jahren sich angetrieben gefühlt, dieses Buch zu schreiben. Von den verschiedensten Seiten wurde er auch, besonders nach Herausgabe der Gebet- und Lehrbücher für Jünglinge, Jungfrauen und Studierende, dazu aufgefordert. Aber erst dann hat er sich entschlossen, dasselbe dem Drucke zu übergeben, nachdem mehrere in der Seelsorge erfahrene Welt- und Ordensgeistliche das Manuskript durchgesehen und erklärt hatten, das dieses Buch in praktischer Gediegenheit seinesgleichen suche und sehr großen Segen stiften werde in allen Familien, in denen es gelesen werde. Besonders hielt man es für ein empfehlenswertes Hochzeitsgeschenk.
In den Belehrungen wird auf die sehr großen Pflichten des Gattinnen- und Mutterberufes eingehend aufmerksam gemacht und der Gattin sowie der Mutter  Belehrung, Rat und Anweisung gegeben, wie sie ihre Lebensaufgabe nach dem Heiligen Willen GOTTES zu erfüllen habe. Überaus wichtig ist die Kenntnis dieser Pflichten. Die Erfahrung aller Zeiten beweist nur zu deutlich, dass das Glück oder Unglück der Ehegatten sowie ihrer Kinder vorzüglich davon abhängt, ob die Gattin und Mutter ihre Heiligen Pflichten treu erfüllt. Unermesslich groß ist ihr Einfluss auf den Gatten wie auf die Kinder. Wo eine gute Gattin und Mutter ist, da ist oder wird der Gatte gut, da sind die Kinder brav. -
„Gute Frauen,“ sagt das Sprichwort, „machen gute Männer.“ „Durch Freundlichkeit, Folgsamkeit, liebevolles Bitten, durch, wenn es sein muss, eine recht von Herzen kommende Träne können sie auf die Männer einwirken,“ sagte mit vollem Rechte der allverehrte und beliebte Zentrumsführer Windthorst. Nur ein ganz verkommener Mann hört nicht mehr auf die Stimme seiner guten Gattin. Und wer wollte nach Gebühr schildern, welchen Einfluss eine gute Mutter auf das zeitliche und ewige Glück ihrer Kinder ausübt!
Im zweiten Teile sind diejenigen Gebete und Andachtsübungen, welche für eine Gattin und Mutter bei den verschiedenen Lagen, Verhältnissen und Anliegen in der Ehe am passendsten  und wichtigsten sind, zusammengestellt.
Als letzte Heilige Messe wurde die Braut- oder Hochzeitsmesse, mit den Gebeten vor und nach der Trauung aufgenommen, damit dieses Lehr- und Gebetbuch desto eher als Brautgeschenk recht willkommen sei und bereits am Hochzeitstage benutzt werden könne.
Bei der Auswahl der übrigen Gebet und Andachtsübungen wurde besonders Rücksicht auf jene genommen, welche unsere Heilige Kirche mit Ablässen begnadigt hat, damit so der Gattin und Mutter Gelegenheit geboten werde durch die Ablässe ihre Sündenstrafen immer mehr zu tilgen und vielen armen Seelen Linderung, Trost und endlich Befreiung zu verdienen.
Gute Gattin und Mutter, benutze doch fleißig dieses Lehr- und Gebetbuch zu deinem eigenen Nutzen und zum Vorteil deines Gatten, deiner lieben Kinder und deiner ganzen Familie. Bete und lies recht oft darin, wenigstens jeden Sonntag, nicht allein in der Kirche, sonder auch zu Hause; aber ich möchte dich bitten, nicht zu viel auf einmal zu lesen, sondern jedesmal bloß einige Seiten und zwar langsam. Beherzige ernstlich die darin enthaltenen Wahrheiten, Mahnungen und Warnungen, befolge sie immer treu und sei überzeugt: Nur so wirst du in diesem Leben und besonders im Jenseits in alle Ewigkeit, mit deinem Gatten und deinen Kindern wahrhaft glücklich werden. Damit dieses desto eher geschehe, verspricht dir der Verfasser, deiner am Altare GOTTES zu gedenken. Mögest du auch seiner in deinem frommen Gebete nicht vergessen!

Ich widme dieses Buch der Allerseligsten Gottesmutter, welche durch Ihre gewissenhafte Erfüllung all Ihrer Standespflichten mit vollem Recht verdient hat, allen Gattinnen und Müttern als Muster zur Nachahmung vorgestellt zu werden. Demütig und inständig bitte ich Sie, allen, die dieses Lehr- und Gebetbuch gebrauchen, durch Ihre so Mächtige Fürsprache zu helfen, Ihrem erhabenen Tugendbeispiele immer mehr nachzufolgen.

Steyl, am Feste Maria Heimsuchung 1901.




Erster Teil.




B e l e h r u n g e n


für


die gute Gattin und Mutter



I.Habe immer eine recht große Hochschätzung vor der christlichen Ehe!

GOTT selbst, der Unendlich Heilige, hat die Ehe im Paradiese eingesetzt. Nachdem Er Adam und Eva erschaffen hatte, segnete Er sie und sprach: „Wachset und mehret euch und erfüllet die Erde.“ (1.Mos. 1,28) Es war GOTTES Wille, dass dieser Bund zwischen einem Manne und Weibe eine innige, unauflösliche Lebensgemeinschaft bilde. Doch wurde im Alten Testamente infolge der Sünde und der Herzenshärtigkeit der Juden sowohl das Band der Einheit, als auch das der Unauflösbarkeit vielfach gelockert. Darum sprach der Göttliche Heiland zu den Juden Seiner Zeit: „Moses hat euch eurer Herzenshärtigkeit wegen erlaubt, eure Weiber zu entlassen; im Anfange war es nicht so.“ (Matth. 19,8)
Jesus Christus hat nun die ursprüngliche Einheit und Unauflöslichkeit des Ehebundes wieder hergestellt und verordnet, dass die Ehe wie im Anfange nur zwischen e i n e m  Manne und e i n e m  Weibe und zwar bis zum Tode des einen von beiden bestehen solle. Hinweisend auf diese ursprüngliche Einrichtung GOTTES sagt Er: „Was GOTT verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen.“ (Matth. 19,6) Und als Seine Jünger zu Haus Ihn um näheren Aufschluß darüber baten, sprach Er zu ihnen: „Wer immer sein Weib entlässt und eine andere nimmt, der begeht an ihr einen Ehebruch. Und wenn ein Weib ihren Mann entlässt und einen andern heiratet, so bricht sie die Ehe.“ (Mark. 10, 8-12)
So spricht der Höchste Gesetzgeber und Herr aller Völker. Wenn also ein christlicher Mann und ein christliches Weib diesen Bund gültig geschlossen und die Ehe vollzogen haben, so kann keine Macht der Erde, keine geistliche oder weltliche Gewalt, kein Bischof oder Papst, kein Gerichtshof oder Staatsgesetz dieses Band wieder lösen. Und hätte selbst nach solcher gerichtlichen Ehescheidung einer der Ehegatten aus Treulosigkeit oder Unwissenheit (z. B. der protestantische Gatte bei gemischter Ehe) eine neue Ehe geschlossen, so kann doch der andere Teil, falls er seine Seele retten will, keine zweite Ehe eingehen, bevor nicht das erste Eheband durch den Tod in Wirklichkeit gelöst ist. Auch wenn die Eheleute kirchlich geschieden sind, d. h. aus sehr wichtigen Gründen mit Erlaubnis der kirchlichen Obrigkeit getrennt leben, so kann doch kein Eheteil bei Lebzeiten des andern keine zweite Ehe gültig eingehen.
Diese unauflösliche Verbindung der Ehe hat Christus der Herr sogar zur Würde eines Heiligen Sakramentes erhoben. Die Ehe ist somit ebenso ein Sakrament wie die Taufe, Firmung und so weiter. Um den Göttlichen und sakramentalen Charakter der Ehe recht hervorzuheben, bedient sich der Heilige Paulus des schönen Vergleiches der Verbindung Christi mit Seiner Kirche. Gleichwie nämlich die Kirche alle Gnaden von ihrem Haupte, nämlich von Jesus Christus, erhält, so auch die Ehe in ihrer Stellung als Sakrament. Und nachdem der Heilige Völkerapostel die erhabene Würde der Ehe als Sakrament klargelegt hat, ruft er aus: „Die Ehe ist ein großes Sakrament; ich sage aber: In Christus und in der Kirche.“ (Eph. 5,32.)
Der gelehrte Cornelius a Lapide erklärt die Bedeutung dieser Worte des Apostels folgendermaßen: „Die Ehe Adams uns seiner Nachkommenschaft bis auf Christus war eine Vorbedeutung der zukünftigen Verbindung Christi mit der Kirche. Die eheliche Verbindung der Gläubigen des Neuen Testamentes aber ist ein Sakrament, nämlich das vollkommenste Zeichen jener schon vollzogenen Vereinigung der Heiligen Kirche mit Christus. Dieses Sakrament verleiht den Verehelichten Gnade und gegenseitige Liebe, damit diese wahre und vollkommene Liebe ein Abbild der Liebe zwischen Christus und Seiner Kirche darstelle.“
Wie nämlich Christus nur  e i n e  Kirche als die Seinige anerkennt und liebt, so soll auch der Gatte nur  e i n e  Gattin als die seinige ansehen und lieben, und diese soll nur  e i n e n   Gatten kennen und lieben, wie die Kirche nur  e i n e n   Christus, ihren Göttlichen Bräutigam, kennt und liebt. Ferner wie Christus mit der Kirche bis zum Ende der Zeiten vereinigt bleibt, so sollen auch die christlichen Eheleute bis zu ihrem Lebensende in Treue und Heiliger Liebe miteinander verbunden bleiben.
An dieser Lehre, dass die christliche Ehe ein Sakrament sei, hat unsere Heilige Kirche durch alle Jahrhunderte hindurch stets so fest gehalten, dass sie jeden, der dieselbe leugnet, von ihrer Gemeinschaft ausschließt. „Jeder Katholik“, schrieb Papst Pius IX, „weiß, dass die Ehe wahrhaft und eigentlich als eines der sieben Sakramente des neuen Bundes von Christus eingesetzt ist, und das es deshalb unter den Christen keine Ehe geben kann, die nicht zu gleicher Zeit ein Sakrament ist. Unter den Christen ist daher jede andere Verbindung zwischen Mann und Frau, die kein Sakrament ist, auch wenn sie in Kraft irgendeines Zivilgesetzes abgeschlossen wurde, nichts anderes als ein abscheuliches und verderbliches und von der Kirche von jeher verdammtes Konkubinat. Es kann also das Sakrament niemals von Ehebündnisse getrennt werden, und es steht der kirchlichen Gewalt allein zu, das zu bestimmen, was sich irgendwie auf die Ehe bezieht.“
Weil nun die Ehe ein Heiliges Sakrament ist, so sind auch mit ihrem Empfange Heilige Gnaden verbunden, und zwar vermehrt das Sakrament der Ehe, wie unsere Heilige Kirche lehrt, die Heiligmachende Gnade, und erteilt außerdem Licht, Kraft und Stärke zur treuen Erfüllung der vielen und schweren Pflichten der christlichen Eheleute. Nach der Lehre der Heiligen Väter hat das Ehesakrament, ähnlich wie die Heilige Priesterweihe, noch den besonderen Vorzug, dass die bei ihrem Empfange verliehenen Gnaden so lange wirken, als man sich in diesem Stande befindet.
Diese sakramentale Würde gibt der Ehe eine hocherhabene Heiligkeit, so dass wir mit Tertullian sprechen müssen: „Wie vermöchten wir das Glück jenes Ehebündnisses zu schildern, welches die Kirche stiftet, das Opfer bekräftigt, der Segen besiegelt, die Engel kundmachen und der Himmlische Vater genehmigt!“
Der Mann ist nicht mehr, wie im Heidentum, der Tyrann der Familie, sondern als lebendiges Abbild des Erlösers der geliebte Freund seiner Gattin und der besorgte Vater seiner Kinder; die christliche Frau bekleidet nicht mehr, wie im Heidentume, die entwürdigende Stellung einer Sklavin ihres Mannes, sondern wie die Kirche die zärtlich geliebte Braut des Erlösers ist, so ist sie die Freundin ihres Mannes und die gleichberechtigte Genossin seiner Freuden und Leiden.
Christliche Gattin, vergiss nie diese erhabene Würde der Ehe als Sakrament! Erinnere dich stets an all diese Gnaden, die du im Heiligen Sakrament der Ehe empfangen hast! Bedenke immer, dass deine Ehe ein getreues Abbild der wundervollen Vereinigung Jesu Christi mit Seiner Heiligen Kirche sein soll!
Der Gedanke hieran wird dir eine große Ehrfurcht und Hochschätzung vor deinem Stande einflößen, er wird dich antreiben, ihn immer Heilig zu halten, er wird dich in allen Gefahren beschützen, er wird dir helfen, all deine Standespflichten treu zu erfüllen, mit einem Worte, er wird eine unvergessliche Quelle Göttlicher Gnaden für dich sein.

Fortsetzung folgt!

ArmeSeele:
II.
Zeige immer eine echt christliche Liebe gegen deinen Gatten!
Christliche Gattin, deine erste Pflicht gegen deinen Gatten ist eine wahre christliche Liebe. Niemand auf der Welt darf dir jemals so lieb und teuer sein als dein Gatte. Ihm allein musst du nach dem lieben GOTT dein Herz schenken. Ihm allein in allen deine Worten und Handlungen zu gefallen suchen. Was deinen Mann bewegt in Freud oder Leid, Hoffnung und Enttäuschung, das sollst du liebevoll mit ihm teilen; deines Mannes Freude muss deine eigene Freude, deines Mannes Leid dein eigenes Leid sein. Du musst mit ihm  e i n  Herz und  e i n e  Seele sein.
Diese Liebe zum Gatten verlangt zunächst GOTTES strenges Gebot: „Dieses ist Mein Gebot, dass ihr euch einander liebt, wie Ich euch geliebt habe.“ (Joh. 13,14) Wenn wir nun als Christen schon alle Menschen lieben müssen und zwar nach den Worten der Ewigen Wahrheit wie uns selbst, um wieviel mehr musst du alsdann gegen deinen Gatten, der dir am nächsten steht, fortwährend eine große Liebe zeigen!
Diese Liebe verlangt das Verhältnis, in welchem du zu deinem Gatten stehst. Du hast ihm diese Liebe wiederholt versprochen, versprochen bei deiner Verlobung mit Worten, die dich binden mit einer schweren Verpflichtung, versprochen in feierlichster Weise an den Stufen des Altars in jenem ernsten Augenblicke, als du ihm deine Hand zum unauflöslichen Ehebundes reichtest. Endlich verlangt dein eigenes Glück und das Wohl deiner ganzen Familie, dass du deinen Gatten liebst. Zeigt eine Gattin sich kalt und lieblos gegen ihren Mann, so wird auch dieser bald seine Liebe zu ihr verlieren. Ist aber die Liebe aus der Ehe verschwunden, so zieht Unfriede, Missmut, Hass, Argwohn, Zank, Feindschaft, Eifersucht, Untreue und Verwirrung aller Art in die Familie ein. Das Leben wird dann zur Last und Qual, jedes Kreuz und Leiden doppelt schwer, auf dem ganzen Hause ruht der Fluch GOTTES, es wachsen die Kinder ohne ordentliche Erziehung heran und bereiten den Eltern nur Kummer und Verdruss. Weder Reichtum noch Ehre, weder Ansehen noch Gesundheit, weder Vergnügungen noch Festlichkeiten können die Liebe ersetzen. Und wäre auch dein Haus voll Gold und Silber, ohne Liebe ist es eine Hölle. Nur wo echt christliche Liebe die Herzen vereint, kann man glücklich sein.
Diese Liebe, diese wahre christliche Liebe der Eheleute beruht aber nicht so sehr in natürlichen Gründen, sondern vielmehr in der Liebe zu GOTT, welcher allen Gatten gegenseitige Liebe streng gebietet. Darum ist sie, wie der Göttliche Wille, zunächst beständig, unwandelbar und unzerstörbar. Man kann auf dieselbe das Wort des Apostels anwenden: „Die Liebe hört nie auf.“ In der Ehe gibt es manches, was aufhört: Die Jugend hört auf, die Wohlgestalt hört auf, die Lebenskraft hört auf, aber eines ist, was nie aufhören darf, die gegenseitige Liebe. Christliche Gatten, dauert auch dein Ehestand 30, 40, 50 oder 60 Jahre, ist dein Gatte gebrechlich und von Alter und Krankheit entstellt, du musst ihn so lieben wie am Tage der Vermählung. Deine eheliche Liebe darf nie und unter keinen Umständen aufhören; sie muss beständig und unzerstörbar sein.
Diese Liebe zum Manne darf aber nie größer sein als die Liebe zu GOTT. Es gibt Verhältnisse, wo die Gattin sagen muss: „Man muss GOTT mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apgsch. 5,29) Wenn der Mann verlangte, dass die Gattin an Ungerechtigkeiten, an sündhaften Vergnügungen, an Feindschaften Anteil nehmen sollte, so müsste sie mit aller Entschiedenheit Widerstand leisten.
Die wahre Liebe ist, wie die Heilige Schrift sagt, ferner geduldig. „Die Liebe ist geduldig; sie erträgt alles, sie leidet alles, sie lässt sich nicht erbittern.“ (1. Kor. 13, 4. 7.) Eheleute sind noch ganz besonders zu dieser geduldigen Liebe verpflichtet, weil sie durch die Heiligsten Bande miteinander verknüpft sind. Bemerkst du aber, christliche Gattin, Fehler an deinem Gatten, so darfst du dich nie kränkender Vorwürfe oder Schmähworte gegen ihn bedienen, sondern du musst den gelegenen und günstigen Augenblick abwarten, um ihn in Sanftmut und Liebe auf seine Fehler aufmerksam zu machen. Nur liebevolles, freundliches Ermahnen kann den Fehlenden gewinnen, während rohe Beschimpfung ihn nur erbittert. Immer wahr bleibt, was der Heilige Franz von Sales sagt: „Mit einem einzigen Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem ganzen Fass Essig.“ Alles heftige Aufbrausen, alles Schelten und Schimpfen kann nur Verderben anrichten, aber „ein gutes Wort – zu passender Zeit- findet einen guten Ort.“ Eine verständige Frau schweigt daher geduldig, wenn der Mann gereizt und zornig oder gar berauscht ist. Sie ist nicht so einfältig, Feuer dadurch löschen zu wollen, dass sie Öl hinein gießt. Zur rechten Zeit aber weiß sie ein liebevolles Wort und auch eine ernste Bitte anzubringen; und selten ist ein Mann so roh, dass er einer geduldigen, guten, liebevollen Frau lange widerstehen könnte.
Wird dir, christliche Gattin, dieses geduldige Ertragen der Fehler und Unvollkommenheiten deines Gatten recht schwer, so bedenke, dass du ihn nicht seiner Eigenschaften wegen, sondern aus Pflicht lieben musst. Er ist nun einmal nach deiner eigenen Wahl durch die Heiligsten Bande mit dir verbunden. Er ist und bleibt dein Mann. Ertrage daher seine Gebrechen im Geiste der Buße, und du kannst so hier dein Fegfeuer abbüßen. Erinnere dich auch an die schöne Krone, welche den Friedfertigen im Himmel bereitet ist.
Willst du jedoch deine Lage nicht von dieser Seite betrachten, dann wirst du viel leiden und zwar nicht bloß ohne Trost, ohne Aussicht auf ewige Vergeltung, sondern auch mit der begründeten Befürchtung, ewig für deine Lieblosigkeit bestraft zu werden, so dass du eine doppelte Hölle zu erleiden hast, eine Hölle hier auf Erden und eine Hölle in der Ewigkeit.
Vergiss ferner nicht, dass du auch selbst deine Fehler und Unvollkommenheiten hast, und das somit die Gerechtigkeit verlangt, dass du ebenso nachsichtig die Fehler deines Gatten erträgst, wie du wünschest, dass er die deinigen ertrage.
Denke endlich öfters daran, wieviel Geduld und Langmut GOTT stets mit deinen Vergehen und Sünden hat.
Christliche Gattin, ist deine Liebe zum Gatten eine wahre, so wird dieselbe auch tätig sein. Sie wird dich veranlassen, gegen deinen Gatten immer freundlich, gefällig und zuvorkommend zu sein, sie wird dich antreiben, in deinem Benehmen und Reden alles zu vermeiden, was als Härte und Gefühllosigkeit aufgefasst werden könnte, und gern jede Gelegenheit zu benutzen, deinem Gatten eine Freude zu bereiten. Du wirst zum Beispiel deinem Gatten ein aufmunterndes Wort sagen, wenn er zur Arbeit geht, ihn freundlich grüßen, und durch die Kinder grüßen lassen, wenn er zurückkommt, ihm ab und zu, namentlich am Namenstage, ein Geschenk, wie es deine Vermögensverhältnisse erlauben, machen, zur Zeit einer Krankheit als tröstender Engel an seinem Lager stehen, dich immer gern mit ihm liebevoll unterhalten und durch fortwährende Zeichen der Aufmerksamkeit ihn zu erfreuen suchen.
Die tätige Liebe muss aber noch besonders dadurch zeigen, dass die Gattin mit Fleiß und eingehender Umsicht Sorge trägt für die gute Zubereitung der Nahrung, für eine musterhafte Ordnung und Reinlichkeit im Hause, für eine vernünftige Sparsamkeit in der Haushaltung und für die Erhaltung des häuslichen Friedens.
Was wird denn die gute Gattin zur Erhaltung des häuslichen Friedens tun?
Ist der Mann wegen irgendeines Vorfalles aufgebracht, macht er ihr bittere und wohl auch unverdiente Vorwürfe, so wird sie alles vermeiden, was ihn noch mehr zum Zorne reizen könnte, und in liebevoller Geduld abwarten, bis der Sturm sich wieder gelegt hat. Sind gegenseitige Mißhelligkeiten und kleine Streitigkeiten, was ja in den besten Familien vorkommen kann, ausgebrochen, dann überschüttet sie ihren Gatten nicht mit Vorwürfen und Klagen, sondern sie zeigt, dass sie aus Liebe zum Frieden auch zu schweigen und nachzugeben versteht, und das sie nicht das letzte Wort haben muss. Sie sagt nicht: „Ich habe Recht.“ Alle streitsüchtigen Menschen pochen auf ihr Recht. Die christliche Frau aber legt ihr Recht auf den Altar der Liebe und des Friedens nieder und schweigt. Und was auch immer vorfallen mag, niemals beklagt sie sich bei andern, selbst nicht bei ihren Eltern und vertrautesten Freundinnen und um keinen Preis bei ihren Kindern.
O gäbe es doch recht viele solche Frauen! Wie viele Männer wären dann glücklicher, als sie es jetzt sind! O wie viele sind allein deshalb Trinker geworden und haben ihre Familie ins Elend gestürzt, weil ihre Frauen mürrisch und unfreundlich waren und aus kleinlicher Rachsucht sich oft tagelang in ein peinvolles Schweigen hüllten oder durch endlose Vorwürfe denselben das Leben verbitterten!
Christliche Gattin, möchtest du doch fortwährend dir alle Mühe geben, die gegenseitige Liebe, welche im Ehestande so notwendig ist, zu unterhalten, zu pflegen und zu nähren durch Freundlichkeit, durch liebevolles Benehmen und tausenderlei kleine Aufmerksamkeiten! Sei überzeugt, dass du desto mehr das Herz deines Mannes gewinnest, je freundlicher und liebevoller du gegen ihn bist! Sei überzeugt, dass du als liebevolle Gattin von einem unendlichen Segen für deinen Gatten, deine Kinder und deine ganze Familie sein wirst, und dass du nur so wahrhaft glücklich sein kannst!


Fortsetzung folgt!

ArmeSeele:
III.
Bewahre deinem Gatten unverbrüchliche Treue!
Hat eine Gattin eine wahre Liebe zum Gatten, dann wird sie auch bis in den Tod die Treue, die ewige Treue, die sie ihrem Gatten am Fuße des Altars vor dem Allerheiligsten, in Gegenwart von Zeugen und dem Stellvertreter GOTTES auf die feierlichste Weise versprochen hat, unverbrüchlich halten. Wie der Trauring, den sie bei dieser Gelegenheit erhalten hat, und den sie als beständige Mahnung immer trägt, kein Ende hat, so muss auch ihre eheliche Treue ohne Ende sein. Sie wird vor dem geringsten Gedanken an eine Untreue zurückschrecken und bei jeder Versuchung und Gefahr alles aufbieten, um nicht im geringsten untreu zu sein, sie wird immer viel lieber sterben wollen als sündigen.
„Du sollst nicht ehebrechen,“ lautet das sechste der zehn Gebote GOTTES, und nach der Bestimmung des Allerhöchsten, des Herrn Himmels und der Erde, unseres zukünftigen Richters, stand im Alten Testamente die Todesstrafe auf den Ehebruche. „Beide sollen sterben, der Ehebrecher und die Ehebrecherin,“ befiehlt GOTT im Alten Testamente. (5. Mos. 22,22) Selbst bei manchen heidnischen Völkern wurde der Ehebruch mit dem Tode bestraft, und es geschieht dieses auch jetzt noch zum Beispiel bei manchen afrikanischen Volksstämmen. Wenn nun auch im neuen Bunde diese zeitliche Strafe nicht mehr besteht, so ist jetzt die Verletzung der ehelichen Treue dennoch ein weit größeres Verbrechen als im Alten Testamente, weil die Ehe von Jesus Christus zu einem Heiligen Sakramente erhoben worden ist.
Der Ehebruch ist eines der allergrößten und verabscheuungswürdigsten Verbrechen, deren der Christ sich schuldig machen kann. Er ist ein Bruch jenes Ehrwürdigen Bundes, den GOTT im Paradiese zwischen Adam und Eva, zwischen Mann und Weib gestiftet; er ist ein Bruch jenes Erhabenen Bundes, dem der Erlöser die Würde eines Heiligen Sakramentes verlieh; er ist ein Bruch jenes Heiligen Bundes; der das getreue Abbild der Gnadenvollen Verbindung Christi mit der Kirche sein soll; er ist ein Bruch jenes Feierlichen Bundes, den die Eheleute am Fuße des Altars, im Angesichte GOTTES und der Kirche geschlossen haben. Und dieser Ehrwürdige, Erhabene, Heilige und Feierliche Bund wird gebrochen aus Antrieb der niedrigsten und schmählichsten Leidenschaft, mit schnöder Verletzung der ehelichen Liebe und Treue, mit himmelschreiender Ungerechtigkeit gegen die rechtmäßigen Kinder und die ganze Familie.
Was Wunder, wenn eine solche Treulosigkeit, ein solch verabscheuungs-würdiges Verbrechen von GOTT, dem Dreimal Heiligen, schon hier auf Erden und ganz besonders im Jenseits furchtbar bestraft wird! David beging einmal die Sünde des Ehebruchs, und dennoch sprach der Herr durch den Propheten Nathan zu ihm: „Das Schwert soll nicht weichen von deinem Hause für und für.“ (2. Kön. 12,10) Und die Drohung des Herrn ging buchstäblich in Erfüllung. Das Schwert des Aufruhrs und des Bruderzwistes wütete fort und fort im Schoße der Familie Davids.
Die Ehebrecher, die GOTT in Seiner Langmut und Barmherzigkeit wie ehedem den gefallen König David durch schwere zeitliche Strafe zur Bekehrung führt, sind noch glücklich zu nennen, da sie so der furchtbarsten ewigen Strafe entgehen, die der Ehebrecher harren nach den Worten der Heiligen Schrift: „Ehebrecher werden das Haus GOTTES nicht erlangen!“ (1. Kor. 6,9) „Der Unkeuschen Anteil wird sein im Pfuhle, der von Feuer und Schwefel brennt.“ (Off. 22,8)
So zart und innig ist das Band, welches christliche Eheleute umschlingt, dass sie nach dem neunten Gebote GOTTES sich nicht einmal in Gedanken und Begierden einander untreu werden dürfen, wie unser Göttlicher Heiland ausdrücklich lehrt, indem Er versichert: „Wer eines andern Weib“ - oder eines andern Mann - „mit Begierde nach ihr“ - oder nach ihm - „ansieht, der hat im Herzen schon die Ehe gebrochen,“ (Matth. 5, 28) das heißt in der Absicht, mit dem Wunsche, mit ihr – oder mit ihm – zu sündigen ansieht, der hat sich eines Ehebruches in Begierde schuldig gemacht.
Christliche Gattin! Sorge doch dafür, dass du immer fest entschlossen bist, viel lieber die allergrößten zeitlichen Verluste zu erleiden, selbst dein Leben hinzugeben, als dich des Treuebruches auch nur im geringsten schuldig zu machen. Sei daher beständig wachsam und misstraue deinen Neigungen zu andern und anderer zu dir, auch wenn sie noch so unschuldig scheinen, oder dir sogar wegen Verwandtschaft, Dankbarkeit und so weiter als berechtigt vorkämen. Weiche jedem Schatten einer ehelichen Untreue mit Entsetzen aus. Fliehe fortwährend mit Sorgfalt jeden unnötigen Verkehr, und besonders jeder Vertraulichkeit mit einer Person des andern Geschlechtes. „Wer die Gefahr liebt, kommt darin um.“ (Eccli. 3,27) Dieser Ausspruch des Heiligen Geistes gilt nicht bloß für ledige, sondern auch für verheiratete Personen. Daher verabscheue jede ungeziemende Freiheit, jeden unpassenden Scherz, jede Vertraulichkeit mit einer Person anderen Geschlechtes und nimm von niemand als von deinem Gatten irgend einen Beweis der Liebe an und gib auch keiner andern Person einen solchen Beweis.
Sei stets bescheiden und sittsam in deiner Kleidung, in deinen Blicken, im Reden, im Lachen und in deinem ganzen Benehmen; sprich niemals ein unanständiges, unkeusches Wort und betrage dich nie leichtsinnig und flatterhaft. Denn dieses ist der Würde des Ehestandes zuwider und bahnt den Weg zur Sünde. Meide das Alleinsein mit einer Person des anderen Geschlechtes, zumal im Verborgenen oder zur Nachtzeit oder bei Lustbarkeiten. Hüte dich vor Schmeichlern und der gefahrvollen Gefallsucht, unterdrücke das Verlangen, außer deinem Gatten noch andern zu gefallen. Sei vorsichtig auf Reisen, auf der Eisenbahn, verlange ein Damen-Coupé und kehre nur in recht anständige Gasthäuser ein.
Sei behutsam in deinem Umgange, in deinen Worten und in deinen Gedanken. Etwaige frühere Verhältnisse seien ganz und gar vergessen und jede verkehrte Neigung mutig und entschieden unterdrückt.
Meide mit der größten Vorsicht alle Gelegenheiten zur ehelichen Treulosigkeit. Oft entsteht gerade dadurch das Schlimmste, dass man nicht vorsichtig ist, dass man mit der Gefahr spielt. Lass du dich, christliche Gattin, durch das Unglück anderer warnen, fliehe sofort und für immer die nächste Gelegenheit, und wäre sie dir auch so lieb wie dein Auge, so notwendig wie deine Hand oder dein Fuß.
Dulde in deinem Hause keinen Verwandten, keinen Dienstboten, überhaupt keine Person des andern Geschlechts, die dir leicht zum Stein des Anstoßes werden könnte; sieh doch bei diesem so überaus wichtigen Punkte auf keinen noch so großen irdischen Nutzen oder Schaden. Unterlass und verhindere mit aller Entschiedenheit jeden Versuch, welcher für dich die nächste Gelegenheit zur Sünden werden kann.
Arbeitest du in fremden Häusern, so zeige, dass du nur deine Arbeit, aber nicht deine Ehre verdungen hast, und lass dir nicht das geringste Unpassende gefallen. Wirst du unversehens überfallen, so bist du streng verpflichtet, dich aus allen Kräften zu wehren und zwar noch mehr zu wehren, als wenn dein Leben in Gefahr stände. Du sollst auch um Hilfe schreien, und wenn du weißt, dass du in die Sünde einwilligen würdest, wofern du nicht um Hilfe riefest, so bist du streng in deinem Gewissen verpflichtet, um Hilfe zu rufen. In einem solchen Falle wäre es gar keine Entschuldigung, wenn man sagte: „Ich wollte kein Aufsehen machen,“ oder: „Ich schämte mich.“ Die Tugend braucht sich doch nicht zu schämen.
Mit dieser Vorsicht, mit dieser Entschiedenheit und Flucht der nächsten Gelegenheit verbinde eifriges Gebet und öfteres Andenken an den Tod.
Nur so kannst du, gute Gattin, hoffen, die eheliche Treue inmitten einer verdorbenen Welt immer treu zu bewahren. Möge der Liebevolle Gnadenspender, GOTT der Heilige Geist, dir diese große Gnade verleihen!


Fortsetzung folgt!

ArmeSeele:
IV.
Übe immer treu und gewissenhaft die standesgemäße Keuschheit!
Die Bewahrung der standesgemäßen Keuschheit ist für jeden Menschen die schönste Zierde und eine der allerwichtigsten und notwendigsten Tugenden sowohl für das zeitliche als auch Ewige Glück; sie ist ein so hohes Gut, ein so wertvoller Schatz, dass alles Gold und Silber, alle wertvollen Diamanten und Schätze dieser Welt mit diesem kostbaren Kleinode gar nicht zu vergleichen sind; sie ist jene Tugend, von deren Hochschätzung und Bewahrung nicht nur vorzüglich das Glück der Familie, die Heiligkeit der Ehe und das Wohl der ganzen menschlichen Gesellschaft abhängt, sondern auch in einem solchen Grade unsere ewige Glückseligkeit, dass nach der Lehre vieler großen Heiligen die allergrößte Zahl der Verdammten wegen der Nichtbeachtung der Keuschheit in der Hölle sind.
Nicht ohne Grund ruft uns daher Jesus, der Liebhaber keuscher Seelen, der Allwissende GOTT, zu: „Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden GOTT anschauen.“ Nicht ohne Grund ist die Heilige Schrift, das Buch der Ewigen Wahrheit, unerschöpflich im Lobe der Reinheit: „Gnade über Gnade ist eine heilige und schamhafte Frau. Alles, was man hochschätzt, ist mit ihr nicht zu vergleichen. Wie die aufgehende Sonne an GOTTES hohem Himmel, so ist die Schönheit des guten Weibes zur Zierde ihres Hauses.“ (Eccl. 26, 19-22) Und an einer andern Stelle heißt es: „Wer die Reinheit des Herzens liebt, hat den König zum Freunde.“ Urteile nun selbst, christliche Gattin: Kann es ein größeres Vorrecht und Glück geben, als Jesum, den Allerhöchsten König, den Allmächtigen, den Liebenswürdigsten, den Freigebigsten zum Freunde zu haben!
Die Herzensreinheit, versichern die Lehrer des geistlichen Lebens, übertrifft so sehr die restlichen Tugenden, wie der Diamant die andern Edelsteine, sie ist die Lilie und die Perle unter den Tugenden; mit ihr ist das Gewissen in Ruhe, Heiterkeit strahlt auf dem Antlitze, Freude wohnt in der Seele, sie verleiht einem ruhigen Tod und die unendlich große, Ewig dauernde Seligkeit als sicheren Lohn.
Nichts sollst du daher, christliche Gattin, höher schätzen und sorgfältiger bewahren als die standesgemäße, Heilige Keuschheit. Was du deshalb zur treuen Bewahrung derselben in Bezug auf Personen des anderen Geschlechtes tun sollst, habe ich dir im vorigen Kapitel bereits gesagt; was aber die Heilighaltung deiner Ehe angeht, ist folgendes zu bemerken: Es ist den Eheleuten, wie weltlich gesinnte Menschen meinen, durchaus nicht alles und jedes erlaubt, sondern sie können sich auch miteinander gegen die standesgemäße Keuschheit sogar sehr schwer versündigen, wie das im Brautunterricht auseinandergesetzt wird. (Sind Eheleute im Zweifel, ob für sie etwas Sünde ist, so dürfen sie im Zweifel nicht handeln, sondern müssen sich zuvor Sicherheit verschaffen.) Darum ruft die Heilige Schrift allen Eheleuten warnend zu: „Die Ehe sei ehrbar in allem und unbefleckt in allem; denn die Unzüchtigen und Ehebrecher wird GOTT richten.“ (Hebr. 13,4) Und an einer andern Stelle heißt es: „Wir sind Kinder der Heiligen und können nicht zusammenkommen wie die Heiden, die GOTT nicht kennen.“ (Tob. 8,5.) Ebendaselbst steht geschrieben: „Diejenigen, die so in den Ehestand treten, dass sie GOTT von ihrem Herzen ausschließen und ihren Begierden frönen, wie die Tiere, welche keinen Verstand haben, über diese hat der Teufel Gewalt.“ (Tob. 6,17.) „Das ist,“ sagt der Völkerapostel Paulus, „der Wille GOTTES, eure Heiligung, dass ein jeder von euch seinen Leib in Heiligkeit und Ehre zu besitzen wisse, nicht in leidenschaftlicher Lust, (die Peinen der Eheleute, welche im Leben nicht die standesgemäße Reinheit bewahrt, schildert die Gottselige Maria Anna Josepha a Jesu Lindmahr also: „Im Jahre 1709 bin ich vom Heiligen Schutzengel an einen mir unbekannten Ort geführt worden. An diesem Orte sah ich einen großen See, der mit Schwefel und Pech angefüllt war. In diesem See sah ich nichts, weil er an der ganzen Oberfläche wie von starken Sieden heftig aufwallte. Als ich wieder zu mir kam, begab ich mich ins Gebet vor meinen Ecce homo und bat den Heiligen Geist und die Seligste Jungfrau um Erleuchtung, was dieses Gesicht bedeute. Es wurde mir geoffenbart, dass dieses eine Stelle des Fegfeuers sei und eine ganz unaussprechliche, unbeschreibliche Pein für eine gewisse Gattung von Menschen, und das in diesen See die Menschen ganz versenkt seien, die im Ehestande den fleischlichen Lüsten sich ganz ergeben und ein mehr viehisches als menschliches Leben geführt haben.“ P. Frz. Jos. Rock. O. S. B. ; Leben und Wirken der M. A. Jos. a Jesu Lindmahr II, 149) wie die Heiden, die GOTT nicht kennen. Denn nicht hat uns GOTT zur Unlauterkeit, sondern zur Heiligung berufen.“ (1. Thess. 4, 3-8.)
Die Ehegatten sollen also nie vergessen, dass sie Menschen, Christen, Kinder GOTTES und Tempel des Heiligen Geistes sind, sie sollen immer denken an die Allgegenwart des Dreimalheiligen GOTTES und an die Gegenwart ihrer Heiligen Schutzengel und überzeugt sein, dass der ganze Himmel desto mehr Freude an ihnen hat, und das sie desto mehr Segen in der Familie haben, je Heiliger sie ihre Ehe halten.
Glücklich, überaus glücklich die Kinder, die Eltern haben, welche ihre Ehe immer recht Heilig halten! Leicht wird es solchen Kindern, die so wichtige, so notwendige Tugend der Herzensreinheit zu bewahren (die Gottselige Anna Katharina Emmerich sagt hierüber: „Ich hatte die Belehrung, welch großen Einfluß die Reinheit der Eltern, ihre Enthaltsamkeit und Abtötung auf die Kinder haben.“ P. Schmöger O. Ss. R.: Leben Jesu von A. K. Emmerich, S. 84.) und die Ewige Seligkeit zu erlangen. Bedauernswert aber die Kinder, welche keine braven, keuschen Eltern haben, die Heilige Keuschheit zu üben und in den Himmel zu kommen! Möchten dieses doch alle Ehegatten recht bedenken!


Fortsetzung folgt!

ArmeSeele:
V.
Betrachtungen der Gottseligen Emmerich
über den Ehestand.
Sehr schöne Lehren über den Heiligen Ehestand hat uns die Gottselige Anna Katharina Emmerich (die Gottselige Emmerich wurde geboren am 8. September 1774 in der Diözese Münster. Ihre Jugend verfloss in harten Arbeiten und Leiden für andere. Am 18. November 1803 wurde sie Augustinernonne im Kloster Agnetenberge zu Dülmen. Nach Aufgebung dieses Klosters war sie fast beständig krank und bettlägerig. Am 24. Dezember 1812 empfing sie die Heiligen fünf Wunden des Herrn, von welcher Zeit an sie ohne leibliche Nahrung lebte. Die Dornenkrone des Herrn hatte sie schon im Jahre 1798 empfangen. Von erster Jugend an hatte sie Gesichte, welche erst die letzten fünf Jahre ihres Lebens von Brentano aufgeschrieben wurden. Sie starb in Dülmen am 9. Februar 1824. Ihr Andenken ist dort und in vielen andern Orten in großer Ehre. Auch viele wunderbare Gebetserhörungen auf ihre Anrufung sind bekannt geworden. Möge sie bald der Zahl der Seligen und Heiligen einverleibt werden, damit der Kirche aus ihren Beispielen und Lehren noch mehr geistlicher Nutzen zufließe!) in ihren frommen Betrachtungen über den Ehestand gegeben, welche so viel der Erbauung und des Trostes in sich bergen, dass man sie nicht genug frommen Ehegatten zur Beherzigung empfehlen kann.

Diese Betrachtungen sind niedergelegt in einem dreibändigen Werke: „Das Leben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi,“ welches Pater Schmöger Redemptoristen-Provinzial, nach den von Brentano hinterlassenen Papieren im Jahre 1860 mit Approbation des hochwürdigsten Bischofs Blum von Limburg herausgegeben hat. Im dritten Bande dieses Werkes auf Seite 267 und den folgenden heißt es:
„Gegen vier Uhr nachmittags sah ich Jesum unter der Laube des Festhauses lehren und erzählen. Er stand etwas höher als die vielen Zuhörer. Die Frauen standen im Hintergrunde, und ich fürchtete, sie möchten nicht alles hören können. Der Herr war von diesen Leuten gefragt worden, woher Er sei, und Er antwortete immer in Parabeln, und sie glaubten ganz einfältig... So kam Er endlich auf die Ehe und ihre Gesetze und die Mäßigung in derselben, und wie viele Menschen tief unter den Tieren ständen in diesem Triebe, und wie er müsse gezügelt werden, damit er Früchte trage...
„Am folgenden Tage lehrte Jesus wieder öffentlich vom Weinbau, vom hacken, düngen, schneiden, und zwar auf eine ganz wunderbar tief belehrende Weise in Bezug auf die Ehe.“
Vom Eheweibe lehrte Er: „Sie könne nur dulden und leiden, und müsse es; …..Sie könne durch Arbeit in ihrer Seele in sich und in ihrer Frucht alles ausgleichen. Sie erziehe die Frucht in sich....., und all ihr Tun gereiche dem Kinde zum Heile oder Schaden.“ (Auch Alban Stolz weißt in seinem Werke „Erziehungskunst“ VI, 25 und 26 hierauf hin, indem er sagt: „Eine Mutter, welche in gesegnetem Zustande ist, soll auch aus Rücksicht auf ihr Kind niemals schlechten Gedanken und Stimmungen irgend einer Art nachhängen und in einer christlichen Gemütsverfassung sich möglichst zu erhalten suchen. Eine christliche Mutter sollte daher mehrmals während dieser Zeit auch aus Rücksicht auf ihr Kind die Heiligen Sakramente empfangen. Indem sie nämlich dadurch sich selbst religiös erneuert und stärkt, wird ihre geheiligte Stimmung auch diesem Kinde zu gut kommen. Ich hörte einmal von einer Frau, welche während dieser Zeit ein schweres Familienkreuz hatte, dass die deshalb sehr viel gebetet habe. Der Knabe, welcher aus dieser Zeit stammt, zeigte später, da er etwas herangewachsen war, außerordentliche Frömmigkeit. - Eine alte Witwe in den Rheinlanden bekam die Nachricht, dass sich ihr Sohn erhängt habe, aber bald gefunden und abgeschnitten worden und noch am Leben sei. Die Frau war sehr bestürzt und jammerte: „Wenn ich den Selbstmord meines Sohnes nur nicht selbst verschuldet hätte!“ Auf Befragen darüber erzählte sie, dass sie, während sie mit diesem Sohne gesegnet war, in der Nacht vom Hause fort gegangen sei, um sich im Rhein zu ertränken. Es sei ihr nämlich das Elend, in welches der des Trunke ergebene Mann sie versetzte, ganz unerträglich vorgekommen; nur eine plötzliche Warnung im Gewissen habe sie zurückgehalten. Es sei nun wohl anzunehmen, dass ihre eigenen Selbstmordgedanken in dem Kinde sich festgesetzt haben.)
„Jesus sagte noch sehr vieles und Bestimmtes von der Ehe, und ich war von der Wahrheit und dem Bedürfnisse dieser Lehren sehr ergriffen.“
Einige Tage später sprach sie: „Jesus lehrte auch noch lange von der Liebe (der Eheleute) untereinander, und wie sie Anker ineinander werfen sollten, dass der Sturm der Welt sie nicht zerstreue und einzeln vernichte. Auch sprach Er in Parabeln vom Weinbau, Überfluss der Triebe, Schneiden der Zweige, Mäßigung und so weiter. Zu den Neuverehelichten von der Liebe und der Reinheit derselben, auf dass sie reine Früchte brächten. Er wolle nur noch dem neuen Ehepaar den Weinberg anlegen und sie lehren die Reben pflanzen, und dann werde Er scheiden, Seines Vaters Weinberg zu bauen.
„Dieses Alles lehrte Er so einfach und so künstlich, dass sie immer in der Ahnung des Wirklichen mehr wuchsen, und doch in der Einfalt blieben. Er lehrte sie im ganzen Leben und in der Natur ein verborgenes, Heiliges Gesetz erkennen, das durch die Sünde entstellt worden sei.“
An einem folgenden Tage erzählte sie: „Ich sah heute unsern Herrn bei der Braut der Eltern. Er lehrte noch vieles von der Ehe und der reinen Liebe, welche reine Früchte bringe, und von dem Überflüssigen im Menschen, welches gebändigt werden müsse, sonst treibe er Holz statt Früchte.“
„Er ging nachher mit den Männern hinaus, und sie mussten Ihm Reben bringen. Er wollte sie lehren die Reben zu pflanzen..... Dabei lehrte Jesu wieder von der Ehe, welche nur geordnet und in der Bändigung, Enthaltung und in Verbindung mit Arbeit, Schmerzen und Sorgen reine und süße Früchte bringe.....
„Jesus wurde mit den Leuten hier immer vertrauter, Er sprach heute vieles von der Liebe und der Mäßigung in einer Einkleidung von der Saat. Man müsse mäßig in der Saat sein, sonst ernte man taube und brandige Frucht und Unkraut.“
„Er ging auch zu zwei Parteien, welche im Begriffe standen, in unerlaubten Verwandtschaftsgrade zu heiraten; ein Paar war blutsverwandt. Jesus ließ sie zu Sich berufen und sagte ihnen ihr Vorhaben, und dass sie es aus Absicht zeitlichen Besitzes täten, und wie es nicht erlaubt sei. Sie waren sehr erschrocken, dass Er ihre Gedanken wusste, denn niemand hatte es Ihm gesagt, und sie gaben ihr Vorhaben auf.“
Zwei Tage später: „Jesus lehrte an diesem Tage noch vieles von der Ehe und immer unter Bildern von Weinstock und Saat. Er wendete sich dabei besonders zu dem jungen Ehepaare und sagte zu Salathiel: „Du hast dich von der Schönheit deines Weibes bewegen lassen! Bedenke aber, wie schön muss eine Seele sein, dass GOTT Seinen Sohn zur Erde sendet, mit dem Opfer Seines Leibes die Seele zu retten! Wer aber dem Leibe dient, dient der Seele nicht. Die Schönheit gebiert die Begierde, und die Begierde verdirbt die Seele durch Übersättigung. Diese unmäßige Befriedigung ist die Schlingpflanze, welche den Weizen und die Reben erstickt und verdirbt.“
Drei Tage danach erzählte sie: „Heute am Mittage sah ich Jesus mit Salathiel und seiner Frau in einem Hause zu Kebar über den Ehestand reden. Er ermahnte sie recht im einzelnen und sagte ihnen, wie sie zusammen leben müssten nach allen Bedingungen, um ein guter Weinstock zu werden. Sie sollten sich rein halten von Begierden und bei jeder Handlung der Ehe bedenken, warum sie es tun. Wo bloße Begierde sie treibe, würden sie bittere Früchte der bösen Begierde hervorbringen. Er warnte sie vor dem Überfluss in allen Dingen, ermahnte sie zum Gebet und zur Gottwohlgefälligen Entsagung, und sich zu hüten vor dem Rausche des Weines. Er sprach von gegenseitigem Vertrauen und dem Gehorsame der Frau. Der Mann solle nicht schweigen, so sie frage; er solle sie ehren und schonen als ein schwaches Gefäß. Er solle nicht misstrauen, so er sie mit andern reden sehe, und sie solle nicht eifern, so er mit einer andern rede; doch soll keines dem andern Ärgernis geben. Sie sollten keinen dritten Zwischenträger zwischen sich dulden, und alles mit Liebe untereinander abhandeln. Er sprach sehr strenge über die bloße Befriedigung der Begierde und schilderte die Ehe und ihre Erfüllung in den gefallenen Menschen für fromme Eheleute als eine Handlung, welche von dem Gefühle der Buße und Erniedrigung begleitet sein müsse. Sie sollten nie zusammenkommen ohne Gebet und Überwindung und sollten die Früchte GOTT empfehlen.“
Wie wunderbar schön sind alle diese Lehren! Möchten diese angeführten, sehr schönen Lehren über den Ehestand zur größeren Heilighaltung desselben beitragen! Ohne allen Zweifel würde dieses zum zeitlichen und ewigen Glücke sowohl der Eltern als auch der Kinder und zum Wohle der ganzen menschlichen Gesellschaft sein.


Fortsetzung folgt!

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