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Die gute Gattin und Mutter. Ein Katholisches Lehr- und Gebetsbuch.
ArmeSeele:
VI.
Sei stets in allem Erlaubten deinem Gatten gehorsam!
Es ist keine Anmaßung, wenn der Mann als Herr des Hauses auftritt und somit Gehorsam von seiner Gattin fordert. Denn der Mann ist das Haupt der Gattin und der Familie, ihm gebührt also die Herrschaft im Hause. GOTT Selbst hat ihm diese übertragen. „Du sollst,“ so hat nämlich der Herr Himmels und der Erde schon zu Eva gesprochen, „du sollst unter der Gewalt des Mannes stehen.“ (1. Mos. 3,16) Diese von GOTT verlangte Unterwürfigkeit der Frau unter den Mann spricht der Völkerapostel Paulus mit den deutlichsten Worten aus, indem er sagt: „Die Weiber sollen ihren Männer untertänig sein, wie dem Herrn! Denn der Mann ist das Haupt des Weibes, wie Christus das Haupt der Kirche ist.“ (Eph. 5, 22 und 23)
Darum ermahnt auch der Priester bei der Trauung die Braut, dem Mann Gehorsam zu leisten, und sie muss dieses feierlich versprechen. Hält nun die Gattin dieses feierlich abgelegte Versprechen nicht, will sie allein über das Hauswesen und die Familie regieren, will sie sich nicht nach den Wünschen ihres Mannes richten, sondern alles ihrem Willen und ihren Launen unterwerfen und immer das letzte Wort haben, so kehrt sie die von GOTT gewollte Ordnung um und stört den häuslichen Frieden. Ihre Anmaßung raubt dem Manne seine Rechte, verleidet ihm das traute Heim und zieht ihm den Spott und Hohn der Leute zu. Über solche schlimmen Frauen sagt die Heilige Schrift: „Besser ist es, in einer Wüste zu wohnen als mit einer zanksüchtigen und jähzornigen Frau.“ (Sprichw. 21, 19.) „Zusammenwohnen mit Löwen und Drachen ist nicht so arg, als mit einer schlimmen Frau.“ „Klein ist jede Bosheit gegen die Bosheit einer Frau.“ (Eccl. 25, 23 und 26, 10.) Christliche Gattin, sorge doch durch einen willigen und freudigen Gehorsam dafür, dass diese Worte der Heiligen Schrift auf dich niemals Anwendung finden!
Wie weit soll sich dieser Gehorsam erstrecken? Um selbst nicht zu viel oder zu wenig zu sagen, will ich lieber wieder den Heiligen Apostel Paulus sprechen lassen. Dieser nun lehrt folgendes: „Wie die Kirche sich Christo unterwirft, so sollen sich die Weiber in allem ihren Männern unterwerfen.“ (Eph. 5, 24.) Christliche Gattin merke dir wohl: „in allem,“ sofern nur nichts gegen GOTT und Seine Geboten befohlen wird; denn in sündhaften Dingen dürftest du dem Manne nicht gehorchen, du müsstest alsdann nach den Worten der Heiligen Schrift: „Man muss GOTT mehr gehorchen als den Menschen,“ handeln. Sonst aber ist nichts auszunehmen. Du musst, abgesehen von diesem Falle, in allem, möge es auch dem Eigenwillen und der Bequemlichkeit noch so sehr widerstreben, gehorchen. Sagt dein Gatte, du sollst zu Hause bleiben, du musst als gute Gattin gehorchen; du sollst zu einer bestimmten Zeit das Essen fertig haben, du musst gehorchen; du sollst zu der und jener Gesellschaft nicht hingehen; du musst gehorsam sein; du sollst die und die Arbeit vornehmen, du sollst die Kinder so und so bestrafen, so und so kleiden, vorausgesetzt, dass es eine anständige Mode ist, du musst gehorsam sein. In all diesen und ähnlichen Fällen, kurz, in allem Erlaubten darf die Gattin zu ihrem Manne nicht sagen: „Was du mir befiehlst, tue ich nicht, du hast mir nichts zu befehlen“; denn das wäre eine Lüge, Empörung und Sünde, das müsste Streit und Unfrieden verursachen und das Familienglück zerstören.
Es kann wohl hie und da vorkommen, dass eine Frau eine Sache besser versteht und mit den Anordnungen ihres Mannes nicht einverstanden sein kann, alsdann sind Vorstellungen und Einreden zur rechten Zeit, am rechten Orte und in passender Weise ganz angezeigt. Geschieht dieses mit Sanftmut, Liebe und Bescheidenheit, wo möglich unter vier Augen, so wird der Erfolg auch meistens nicht ausbleiben. Besteht der Mann aber dennoch auf seiner Anordnung, so muss die Frau schweigen, auch wenn sie Recht hat, und bedenken, dass es weit besser ist, Unrecht zu leiden und einen zeitlichen Schaden zu ertragen, als den Familienfrieden zu stören und in Unfrieden zu leben. Wären doch alle Frauen so klug! Wie manchen Mißhelligkeiten, wie manchem Streite und Zank, wie manchem Verdruß und Kummer würden sie vorbeugen!
„Aber,“ wirst du vielleicht einwenden, „mein Gatte ist beschränkt, unfähig, ungeschickt und unfähig der Geschäftsführung, es fehlt ihm zudem an aller Tatkraft.“ Wohlan, dann suche ihn zu ergänzen und hilf ihm in Liebe, aber vergiß niemals, dass er dennoch der Hausherr ist. -
Oder du denkst vielleicht: „Der Pater hat gut schreiben. Ich habe das Unglück, einen unzufriedenen, mürrischen, grausamen Mann zu haben, der mich nicht als seine Frau, sondern als Sklavin behandelt, einen Mann, der bis spät in die Nacht im Wirtshause sitzen bleibt und, wenn er dann halb betrunken nach Hause kommt, nur poltert, schimpft und flucht.“
Was soll ich dieser unglücklichen Frau antworten? Ich gebe zu, dass es leider Männer gibt, die ihre Pflichten gegen ihre Gattin schlecht erfüllen, selbst ganz vernachlässigen – wie ich das in dem Buche für die Männer „Der gute Gatte und Vater“ ausführlich auseinandergesetzt habe – aber damit ist noch keine Frau ihrer eigenen Pflichten enthoben, die zwar dadurch doppelt schwer werden. Doch zum Troste kann ich einer solchen unglücklichen Frau zunächst folgende schöne Worte des Heiligen Chrysostomus sagen: „Überherrlich wird deine Krone sein, wofern du deinen lieblosen, pflichtvergessenen, grausamen Mann liebevoll erträgst.“ Einem liebevollen, guten und sanftmütigen Manne wird sich freilich jede Frau unterwerfen wegen ihrer natürlichen Liebe zum Gatten; die Liebe jeder christlichen Frau soll aber eine übernatürliche sein, sie soll den Heiligen Willen GOTTES zum Beweggrunde haben. GOTT will, dass die Frau auch einem lieblosen Ehemanne unterwürfig und gehorsam sei. -
Ferner behaupte ich, gestützt auf die tägliche Erfahrung, eine Gattin kann kein besseres und sichereres Mittel anwenden, um alle Gewalt über das Herz ihres Gatten zu bekommen, als einen bereitwilligen und liebevollen Gehorsam. (Gehorsam schuldet die Gattin ihrem Manne auch in Bezug auf die eheliche Pflicht. Mag die Erfüllung derselben für die Frau ein Opfer sein, sie ist streng dazu verpflichtet, wenn ihr Mann sie verlangt, ja sie begeht eine schwere Sünde, wenn sie ohne hinreichenden Grund sich weigert. Der Apostel Paulus lehrt dieses deutlich mit den Worten: „Der Mann leiste dem Weibe die Pflicht, ebenso das Weib dem Manne. Das Weib hat nicht mehr Gewalt über ihren Leib, sondern der Mann; in gleicher Weise hat auch der Mann nicht mehr Gewalt über seinen Leib, sondern das Weib. Entziehet euch also einander nicht, es sei denn in gegenseitiger Übereinstimmung.“ (1. Kor. 7, 3.) Die Nichterfüllung der ehelichen Pflicht ist aber nicht bloß sündhaft, sondern sie kann auch die schlimmsten Folgen nach sich ziehen. Wie viele Männer sind schon alleine dadurch in Sünden und Laster gestürzt und sogar zu Ehebrechern geworden!
Cornelius a Lapide, ein berühmter Schriftausleger, erzählt uns folgendes: Eine eben in den Ehestand getretene Frau kam zu einem alten, erfahrenen Manne und fragte ihn, wie sie sich im Ehestande benehmen sollte, damit in dem selben immer glücklich wäre. Der verständige Ratgeber antwortete: „Willst du über dein Mann gebieten, so sei ihm gehorsam und tu alles gern, was er haben will; denn eine gute Frau beherrscht ihren Mann durch willigen Gehorsam.“
Ein herrliches Beispiel hierzu erzählt der Heilige Augustinus in seine Selbstbekenntnissen von seiner Mutter Monika. „Meine Mutter,“ sagt er, „gehorchte ihrem Manne als ihrem Herrn. Mit wie viel Sanftmut ertrug sie seinen Unglauben und all seine Fehler! War er zornig, so widerstand sie ihm mit keinem einzigen beleidigenden Worte. War er wieder ruhig, so gab sie ihm gelassen Rechenschaft über ihre Handlungsweise. Wenn manchmal vornehme Frauen unserer Stadt, deren Männer doch viel sanftmütiger waren als mein Vater, auf ihren Gesichtern die Spuren empfangener Schläge trugen und sich bitter über die Misshandlungen ihrer Männer beklagten, so sprach sie zu ihnen: Das habt ihr euren Zungen zuzuschreiben. Lächelnd aber mit vieler Weisheit stellte sie ihnen vor, dass sie von dem Tage der eingegangenen Ehe die Pflicht übernommen hätten, den Männern als ihren Herren unterwürfig zu sein.
Diese Frauen, die gar wohl die Rohheit meines Vaters kannten, konnten sich nie genug wundern, dass man nie hörte, er habe sein Weib geschlagen. Wenn sie dann meine Mutter im Vertrauen fragten, wie sie es anfinge, um ohne Streit mit einem so rohen Manne zu leben, so schilderte sie ihnen, wie sie ihrem Manne in allem Erlaubten fortwährend mit Freude und Liebe gehorsam sei. Einige Frauen, die ihrem Beispiele folgten, hatten sich niemals mehr über Misshandlungen von seiten ihrer Männer zu beklagen.“
Befolge, christliche Gattin, das Beispiel der Heiligen Monika! Lerne von ihr zu schweigen, besonders wenn dein Gatte schon etwas aufgeregt ist! Lerne von ihr, deinem Gatten in allem Erlaubten stets mit Freuden gehorsam zu sein! So allein wirst du den ehelichen Frieden, der das kostbarste Gut der Familie ist, immer bewahren; so allein wirst du das Herz deines Gatten immer mehr gewinnen.
Fortsetzung folgt!
ArmeSeele:
VII.
Liebe die Arbeit.
Arbeiten ist eine der wesentlichen Aufgaben des Menschen hier auf Erden. Denn „der Mensch ist zum Arbeiten geboren, wie der Vogel zum fliegen.“ (Tob. 5, 7.) GOTT will, dass jeder arbeite. Dazu hat Er ihm seine körperlichen Kräfte und geistigen Fähigkeiten gegeben. Sogar vor dem Sündenfalle, im Stande der Unschuld, musste der Mensch zu seiner Erholung arbeiten: „GOTT setzte den ersten Menschen in den Lustgarten, damit er ihn bebaue.“ (1. Mos. 2, 15.) Nach dem Sündenfalle unserer Stammeltern aber ist die Arbeit als Strafe, als Sühnungsmittel für unsere Sünden angeordnet worden. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du zur Erde wiederkehrst, von der du genommen bist.“ (1. Mos. 3, 19.) „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Geschäfte tun.“ (2. Mos. 26, 9.)
Die Arbeit ist also jedem und somit auch der christlichen Gattin von GOTT befohlen, und gemäß der Heiligen Schrift gehört Arbeitsamkeit zu den vorzüglichsten Eigenschaften einer braven Hausfrau.
Liebe daher, christliche Gattin, die Arbeit, und sei überzeugt, sie ist die Würze des Lebens, sie befördert die Gesundheit. Deshalb sei nie müßig und verliere nie deine Zeit mit endlosen Schwätzereien und nutzlosen Besuchen. Beschäftige dich immer in nützlicher und passender Weise. Frauen, die, anstatt mit Eifer und Fleiß der Haushaltung vorzustehen, ihre Zeit vor dem Spiegel und Putztisch, auf unnötigen Besuchen und in eitlen, oft sogar gefährlichen Unterhaltungen leichtsinnig vergeuden, solche Frauen untergraben den häuslichen Frieden und Wohlstand und stürzen sich selbst, ihre Männer und ihre ganze Familie ins Unglück. Nicht umsonst mahnt daher der Apostel Paulus: „Es sollen die Weiber in anständiger Kleidung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit sich schmücken, nicht mit geflochtenen Haaren, oder Gold oder Perlen, oder kostbaren Gewanden, sondern wie es sich ziemt für Weiber, die Gottesfurcht an den Tag legen, durch gute Werke.“ (1. Tim. 2, 9. - 10.)
Liebe die Arbeit! Nur durch fleißiges Arbeiten kannst du deinem Gatten das häusliche Heim recht wohnlich, angenehm und lieblich machen. Die Erfahrung zeigt, dass einem Familienvater, wenn er sieht, dass seine Gattin durch Trägheit und Verschwendung das Hauswesen vernachlässigt, das Leben verbittert wird, und dass er gerade deshalb leicht auf Abwege gerät. „Ich habe gefunden,“ sagte ein großer Sozialpolitiker, „dass in fast allen Fällen, wo die Frau ordentlich und fleißig ist, der Mann ebenfalls musterhaft dasteht und in geordneten Verhältnissen lebt, und dass auf der anderen Seite in den meisten Fällen der beste und fleißigste Arbeiter durch eine liederliche Frau herunterkommt und den moralischen Halt verliert.“
„Eine junge Frau begegnete einer gleichfalls erst kurz verheirateten Freundin. Wie geht es dir? Fragte die Freundin. - „Gut.“ - Und dein Mann? - „Während der ersten Zeit war er sehr liebenswürdig, nur Güte und Sorgfalt für mich. Aber jetzt fängt er schon an, sich ein wenig in Reserve zu halten.“ Die Freundin erwiderte ganz trocken: Der meinige ist schon in der Landwehr. Wie oft kommt das vor, und die Schuld liegt meist bei der Frau, wenn die erste Liebe erkaltet und der Mann zur „Landwehr“ übergeht. Weil sie nicht arbeitet, so bleiben eben die berechtigten Wünsche und Forderungen des Mannes unerfüllt; er muss unzufrieden werden.
Nur eine arbeitsame Frau gestaltet das Heim recht behaglich und angenehm; sie empfängt den heimkehrenden Gatten mit Liebe und Zärtlichkeit und mit dem frohen Bewußtsein, das Möglichste getan zu haben, um den Mann zu befriedigen: alles ist einladend und freundlich; die Kinder sind sauber und nett; das Essen ist wohl zubereitet und steht schon auf dem Tisch: überall weht dem Hausvater Friede und Freude entgegen. Wo ist ein Mann, der da nicht zufrieden wäre? Sein zufriedener Blick sagt es der arbeitsmüden Frau, dass er ihr in Liebe dankbar sei. Und dieser eine Blick versüßt und belohnt alle Mühe und Arbeit tausendfach.“
Liebe die Arbeit! Sie erwirbt dir viele Verdienste für den Himmel. GOTT belohnt alles, selbst das Geringste, was wir im Stande der Gnade zu Seiner Ehre tun, mit ewigen Gütern. Welch zahlreiche Verdienste kannst du dir somit durch fleißiges Arbeiten in einem Tage für die Ewigkeit sammeln! Wie viele Verdienste erst in deinem ganzen Leben!
Bedenke ferner, dass die Arbeit sehr ehrenvoll ist. Denn die Arbeitsamkeit macht uns GOTT ähnlich, welcher der Ewig Tätige und der stetige Erhalter und Lenker der Welt ist. Sie macht uns Christus ähnlich, welcher die Arbeit liebte. Er wurde Selbst ein Arbeiter, Er wählte zu Seiner Mutter eine Jungfrau aus dem Arbeiterstande, zu Seinem Pflegevater einen gewöhnlichen Zimmermann, Er verrichtete bis zu Seinem 30. Jahre körperliche Arbeiten und wählte zu Seinen Aposteln schlichte Männer aus dem Arbeiterstande.
Die Arbeitsamkeit macht uns den Heiligen ähnlich. Die Allerheiligste Jungfrau Maria, die Königin Himmels und der Erde, der Heilige Joseph, der Heilige Paulus, kurz, alle Heiligen und edlen Personen, selbst aus den vornehmsten Ständen, liebten die Arbeit. Denke nur an die Heilige Elisabeth, Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn. Alle ihre freie Zeit war neben dem Gebete der Arbeit geweiht. Sie verpflegte die Kranken, sie verfertigte und flickte Kleider für Arme und verrichtete die gewöhnlichsten häuslichen Arbeiten. Deshalb sei auch du mit deiner Arbeit zufrieden und arbeite fleißig, um deine Familie in Ehren und standesgemäß zu ernähren.
Bist du vielleicht wegen mühsamer, schwerer und niedriger Arbeit viel geplagt, so zürne oder murre deshalb nicht, sondern sprich oft, besonders dann, wenn es schwer wird: „Das tue ich aus Liebe zu meinem für mich gekreuzigten Heilande.“ Die oft erneuerte gute Meinung wird die Beschwerden der Arbeit und des Lebens versüßen und dir einen hundertfältigen, ewigen Himmelslohn erwerben.
Ein Jesuitenbruder verlangte auf seinem Sterbebette nach seinem Himmelsschlüssel. Niemand wusste, was er wollte, man reichte ihm dieses und jenes hin, ohne ihn zu befriedigen. Er verlangte nach seiner Nadel, mit der er stets treu gearbeitet hatte.
Möge allen christlichen Frauen der Besen, das Putztuch und die Nadel Himmelschlüssel werden! Möchten alle die Arbeit lieben und aus Liebe zu GOTT und ihrer Familie recht fleißig sein, und so das Lob verdienen, welches GOTT der Heilige Geist dem tugendhaften, fleißigen Weibe spendet: „Wie von ferne, ja von den äußersten Grenzen kommend ist ihr Wert. Es vertraut auf sie ihres Mannes Herz, und es wird ihm nicht an Gewinn fehlen. Sie vergilt ihm Gutes, und nicht Böses, alle Tage ihres Lebens. ...Sie hat acht auf den Wandel ihres Hauses und isst ihr Brot nicht müßig. Ihre Kinder kommen empor und preisen sie überselig; und ihr Mann, er lobt sie. Viele Töchter haben sich Reichtümer gesammelt; du aber hast sie alle übertroffen! Betrügerisch ist die Anmut und eitel die Schönheit: ein Weib aber, dass den Herrn fürchtet, wird gelobt werden.“ (Spr. 31, 1. - 22.)
Fortsetzung folgt!
ArmeSeele:
VIII.
Hüte dich vor Eifersucht!
Das Gift der ehelichen Liebe, das Grab der Einigkeit und des häuslichen Glückes ist oft die Eifersucht. Sie ist, wie das Sprichwort sagt, eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft; sie entsteht aus unbegründetem Mißtrauen und falschem Argwohn gegen den andern Eheteil. Die Eifersucht sucht jedem unbedachten Worte, jedem unvorsichtigen und harmlosen Scherze eine schlimme Bedeutung beizulegen; dieser schlimme Fehler, diese schreckliche Leidenschaft nimmt den Eheleuten, wie die tägliche Erfahrung lehrt, alle Freude, alle Liebe, allen Frieden und alles Glück.
„Mag der Gatte zu Hause bei der Arbeit, auf Besuch oder Reisen sein, immer verfolgt sie dieser böse Geist,“ sagt der Heilige Ehrysostomus, „und bringt das Gemüt in Unruhe und Pein. Die Krankheit der Eifersucht ist eine der bittersten Todesarten, da sie dem, der damit behaftet ist, keinen Augenblick Ruhe lässt, ihn beständig quält und ihn langsam, aber sicher auftreibt. Speise und Trank schmecken ihm nicht, der Schlaf flieht sein Lager, keine Freude, kein Trost vermögen die Fieberhitze seiner Leidenschaft zu kühlen.“
„Was ist doch elender als ein Mensch, welcher von Natur aus oder aus andern täuschenden Ursachen von dem Übel der Eifersucht ergriffen wird? Wer an diesem Übel leidet, ist nicht besser daran als ein vom Teufel Besessener oder ein im Kopf Verrückter. Er springt aus und ein und zürnt über alle. Vergnügen hat er keines, er ist bei allem voll Niedergeschlagenheit, Trauer und Bitterkeit. Überall verfolgt ihn sein Übel und lässt ihm keine Ruhe.“
„Die eifersüchtige Gattin findet immer Anlass und Nahrung für ihren falschen, ungerechten Argwohn, ein Verdacht treibt den andern. Tag und Nacht findet der Mann keine Ruhe vor ihr. Verlässt der Mann das Haus, um seine Geschäfte zu besorgen, einen Freund zu besuchen, sich eine kleine Erholung zu gönnen, dann quält sich die unglückliche Frau mit allerlei Verdacht: Wohin geht er? Warum aber dorthin? Wer ist noch da? Ist er munter und freundlich, sogar entgegenkommend, so hält sie ihn für falsch; ist er verstimmt und unfreundlich, so argwöhnt sie wieder Böses. Und so weiter.
Der Mann erträgt in Geduld manches unfreundliche Wort, manche Launen und Schwächen, indem er weiß oder denkt, es sei nicht so über gemeint: Aber ungerechter Verdacht empört ihn, er kann ihn nicht ertragen, nicht vergessen. Weil unschuldig, hält er es nicht selten unter seiner Würde, sich zu rechtfertigen und die Sache aufzuklären, und so ist die unüberbrückbare Kluft zwischen beiden fertig. Eine Frau, die ihren Mann mit Eifersucht quält, verwundet sein Selbstgefühl und seine Liebe tödlich. Er wird den Familienkreis fliehen, außerhalb des Hauses Zerstreuung suchen und vielleicht dem Laster sich ergeben. Wie können da ehelicher Friede, gedeihliche Kindererziehung bestehen? Ein falscher Argwohn ist leider zu oft die Ursache der unglücklichen Ehe.
Gestatte daher, christliche Gattin, um keinen Preis dieser so verderblichen Leidenschaft Zutritt in dein Herz. Hege keinen Zweifel gegen die Treue und Tugend deines Gatten, leihe nicht dein Ohr der Zuflüsterung, Verdächtigung oder Andeutung. Böse Zungen richten sehr viel Unheil in der Welt an, und ist nun die Frau aus Eifersucht den Lästerungen gegenüber nicht taub, so wird sie dem ungünstigen Geschwätz über ihren Mann gar leicht Gehör schenken, obwohl das Gerede jeglichen Grundes entbehrt.
Leider weiß der Teufel, dem natürlich die Zerstörung des ehelichen Friedens überaus lieb ist, durch boshafte Menschen die Sache oft so fein und schlau anzufädeln, dass der Schein der Untreue vorhanden ist; er facht das Feuer des Mißtrauens und der Uneinigkeit an, und die eifersüchtige Gattin glaubt in jedem Schritte und Blicke des Gatten Beweise seines geteilten Herzens zu finden, und aus ist es mit dem Hausfrieden und dem ehelichen Glücke.
Christliche Gattin, widerstehe daher gleich anfangs jedem lieblosen, eifersüchtigen Gedanken; sei immer überzeugt von der unverbrüchlichen Treue deines Mannes. Eine in schwacher Stunde auftauchende Befürchtung schwinde sofort vor der Erinnerung an die Beweise seiner Liebe und Tugend. Glaubst du aber einen wohlbegründeten Zweifel und Verdacht zu haben, so unterlass es nicht, sobald als möglich, zur rechten Zeit und auf passende Weise deinen Gatten zur Rede zu stellen und dich mit ihm zu verständigen.
Wie nun die Gattin sich einerseits vor der unseligen, verderblichen Eifersucht hüten muss, so ist sie wie auch ihr Gatte andererseits verpflichtet, alles aufzubieten, um in den Reden, Briefen, Handlungen und im Verkehr mit Personen des andern Geschlechtes jeden Schein der Untreue sorgfältige zu vermeiden. Und zwar ist diese Pflicht um so strenger, je leichter der andere Eheteil zur Eifersucht geneigt ist, weil eben die Ehegatten ganz besonders die Pflicht haben, sich einander zu ertragen und in ihren Eigenheiten zu schicken.
Was sollst du daher als gute Gattin tun?
Begib dich gegen den Willen deines Mannes niemals in ein fremdes Haus oder eine Gesellschaft. Gegen Personen des anderen Geschlechtes vermeide bei aller Freundlichkeit und Höflichkeit jede Vertraulichkeit und jede Zärtlichkeit oder einen allzu freundlichen Umgang, besonders mit noch jüngeren Dienstboten des Hauses, und beobachte immer einen gewissen Ernst und eine gewisse Zurückhaltung im Verkehrt mit denselben. Gleich giftigen Schlangen fliehe jene Personen und Gesellschaften, die sich mit unkeuschen Reden und Scherzen abgeben. Hüte dich vor jeder Gefallsucht anderen gegenüber; nur GOTT und deinem Gatten darfst du durch deine Kleidung, deine Unterhaltung, durch dein ganzes Wesen zu gefallen suchen und sonst niemand in der Welt. Gegen deinen Gatten zeige dich immer recht freundlich und liebevoll und verweigere ihm nie ohne dringende Notwendigkeit, worauf er ein Heiliges Recht hat. Benimm dich niemals gleichgültig, kalt oder abstoßend gegen ihn, sondern beweise stets, dass seine Anwesenheit dir lieb und angenehm ist.
Die Gottselige Anna Taigi (+ 1837) war die Frau eines einfachen Mannes in Rom. Im Verkehr mit andern beobachtete sie immer einen gewissen Ernst und eine gewisse Zurückhaltung. Oft ward sie von hohen, fürstlichen Personen um Rat gefragt; kam aber ihr Mann von der Arbeit nach Hause, so ließ sie jene stehen, um diesen zu bewillkommen und zu erfrischen.
Christliche Gattin, folge dem schönen Beispiel der Gottseligen Taigi immer treu nach! Vermeide sorgfältig jeden Schein der Untreue! Sollte der Mann jedoch trotz aller Vorsicht sich eifersüchtig zeigen, dann tröste dich mit dem Bewußtsein deiner ehelichen Treue und opfere dem lieben GOTT das schwere Kreuz auf zum Besten des Gatten. Nimm die unverdiente Handlungsweise ihm nicht übel, suche deine Unschuld durch noch größere Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit gegen ihn zu beweisen und bitte GOTT, dass dein Mann zur Einsicht komme. Verliere niemals die Geduld; denn du kennst ja das Sprichwort: „Geduld überwindet alles“ - also auch die Eifersucht deines Mannes.
Fortsetzung folgt!
ArmeSeele:
IX.
Meide die Verschlossenheit!
„Das Leben,“ sagt eine amerikanische Schriftstellerin, „besteht aus zwei Zuständen, aus Sprechen und Zurückhalten, und jedes hat seine Pflichten. Liebe, Freude, Hoffnung, Vertrauen, Mitgefühl sollen wir kundgeben, Neid, Zorn, Bosheit, Rache, Unfreundlichkeit sollen wir zurückhalten und unterdrücken.“ Aber es gibt Eheleute, die den Fehler begehen, die Zurückhaltung auch auf dasjenige auszudehnen, was kundgegeben werden soll; sie denken nicht daran, das diese Verschlossenheit eine glückliche Ehe unmöglich macht. Ein wahres Glück kann nur in den Familien sein, wo die Eheleute aufrichtig und offen gegeneinander sind, wo der gegenseitigen Liebe und Achtung, der Freude und dem Mitgefühl offener Ausdruck gegeben wird.
Christliche Gattin, meide daher gegen deinen Mann alle Verschlossenheit. Erkenne mit Freude und Dankbarkeit seine Sorgen und Mühen für die Familie an. Teile liebevoll mit ihm Freud und Leid, Hoffnung und Enttäuschung. Sei gegen ihn in allem offen und aufrichtig; gib ihm Rechenschaft über deine eigenen Arbeiten, deine Ausgaben, deine Haushaltung; suche ihm nichts zu verhehlen, sage ihm alles, was dazu beitragen kann, den Frieden und die Eintracht zu bewahren, sonst sind Mißverständnisse und Unfriede unausbleiblich; dein Mann muss überzeugt sein, dass er unbedingt auf dich bauen kann.
X.
Verabscheue die Tadelsucht und die Unduldsamkeit!
Ein gefährliches Spiel der Eheleute ist es, wenn der eine am andern witzelt, spöttelt, tadelt, wenn er auch in der harmlosesten Absicht die Schwächen oder Fehler oder Übereilungen desselben zum Gegenstande seiner Witzeleien macht, namentlich noch, wenn es geschieht vor einem Dritten. Es beleidigt immer, weil sie der schuldigen Rücksicht und Liebe ganz widerstreben, um so mehr, als der Witz oder Spott oder Tadel vom Munde desjenigen kommt, mit dem man durch die Heiligsten Bande verknüpft ist. Und wie oft wird in dieser Beziehung gefehlt!
Hat der Mann zum Beispiel etwas verloren, zerbrochen, zu teuer gekauft oder zu wohlfeil verkauft, so sagt die Frau ironisch: „Hab ich etwas zu bewahren, so geb ich es nur meinem Manne, der verliert oder zerbricht es nicht; auch in An- und Verkauf hat er Verstand und ist er geschickt; nie wird er zu teuer oder zu billig verkaufen, und so weiter.“ Wenn solche oder ähnliche Sticheleien bei jeder Gelegenheit und sogar vor Fremden wiederholt werden, so wird dieses auch dem sanftmütigsten Manne unerträglich werden. Die kluge, verständige Frau wird sich daher vor diesem lieblosen Tadel in acht nehmen. Selbst wenn es sich nach ihrer Ansicht um etwas Wichtiges, aber doch Geschehenes handelt, so wird sie es liebevoll zu vergessen suchen und nach dem bekannten Sprichwort verfahren: „Was man nicht kann ändern, muss man lassen schlendern,“ da ja Geschehenes nicht ungeschehen gemacht werden kann.
Die Gattin muss sich ferner hüten, bei kleinen Mißhelligkeiten sich soweit zu vergessen, dass sie ihrem Gatten droht oder Worte und Ausdrücke gegen ihn gebraucht, die ihn erniedrigen. Wird dieses auch zuerst schonend überhört, mit Schweigen oder Lächeln verziehen, so wird es doch nicht so leicht vergessen, und es lockert Anhänglichkeit, Achtung und Liebe. Auch soll die Frau niemals ihre Mißstimmung, Erbitterung, ihren Groll oder Ärger gegen ihren Mann durch liebloses Tadeln auslassen, wenn sie von anderswoher in diese Gemüts-stimmung gebracht worden ist; es ist eine leider alltägliche Erfahrung, dass Eheleute ihre inneren Erbitterungen über andere Personen gegeneinander auslassen, weil sie dieselben nicht an Fremden, die sie dazu brachten, zum Ausdrucke kommen lassen dürfen. Es ist aber ohne allen Zweifel unliebsam und ungerecht, wenn die Gattin ihren Gatten zum Blitzableiter ihrer bösen Laune und ärgerlichen Stimmung durch liebloses Tadeln macht. Deshalb verabscheue die Tadelsucht!
Nicht weniger gefährlich als die Tadelsucht ist die Unduldsamkeit. Die Unduldsamkeit gegen die Eigentümlichkeiten, Unvollkommenheiten und Fehler des anderen Eheteiles ist eine der häufigsten Ursachen der unglücklichen Ehe. Dagegen liegt in dem gegenseitigen Verzeihen, Nachgeben und Zuvorkommen, in dem „Ineinanderschicken“ gleichsam eine Kraft des Glückes für Eheleute, und nur so können Gatten miteinander glücklich sein. Beide haben nämlich ihre kleineren oder größeren Eigentümlichkeiten, Unvollkommenheiten und Fehler. Daher werden sie nur dann miteinander glücklich sein können, wenn sie sich ineinander schicken, sich nichts in Bitterkeit und Hass nachtragen, sondern immer in Sanftmut und Geduld einander alles schnell und gern verzeihen.
Diese Nachsicht verlangt auch schon die Gerechtigkeit. Denn wie ein jeder wünscht, dass man mit seinen eigenen Fehlern Nachsicht und Geduld habe, so verlangt es schon die Gerechtigkeit, dass man dieses auch mit den Fehlern anderer tue, und je näher einer dem andern steht, desto mehr ist man zu dieser Nachsicht verpflichtet. Ohne allen Zweifel gilt somit für Eheleute an erster Stelle die Ermahnung des Heiligen Paulus: „Der eine trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Gal. 4, 2.)
Und wäre auch einmal das Blut in Aufwallung geraten und der eine heftig gegen den andern geworden, so sei damit die Sache abgetan, kein Zwist bleibe zwischen beiden unbeendigt und unversöhnt, man lasse die Sonne nicht über den Zorn untergehen. Sofort vergebe man sich gegenseitig Unbill, Hitze, Heftigkeit, Übereilung, und denke später an das Vorgefallene auch nicht im geringsten mehr. Ist ein Fehler einmal bereut, ist der Fehlende anders geworden, so darf man ihm denselben nie mehr, auch nicht mit einer Silbe vorwerfen; sonst ist an keinen ehelichen Frieden und eben deshalb auch an kein eheliches Glück zu denken. Sehr oft fehlt hierin gerade die Gattin. Mancher Mann kommt nur deshalb zum Trunke und Spiele und oft noch zu schlimmeren Dingen, weil seine Frau zu Hause ihm das Leben durch mürrisches und zänkisches Wesen und unvernünftiges „Predigen“ verbittert. Dass unter solchen Verhältnissen und Umständen eine rechthaberische, zänkische und streitsüchtige Frau zuletzt auch von Mißhandlungen des gereizten Mannes zuweilen nicht verschont bleibt, ist sehr leicht zu begreifen.
Eine Frau ging einst zu einem Einsiedler, der im Rufe eines Wuntertäters stand. Nachdem sie ihm ihr Leid geklagt, insbesondere die grausame Behandlung, die sie täglich von ihrem Manne zu erdulden hatte, bat sie ihn um Rat und das rechte Heilmittel. Der Einsiedler hatte schweigend zugehört, ging dann in seine Zelle und brachte ein Krüglein Wasser herbei und sagte: „Dies ist das rechte Mittel. Nimm einen Schluck jeden Abend, wenn der Mann ins Haus tritt, und behalte den Schluck solange im Munde, als du nur kannst; in kurzer Zeit wird dein Mann dich in Ruhe lassen.“ - Die Frau ging und tat nach der Anweisung des Einsiedlers, und der gute Erfolg blieb nicht aus. Der Mann wurde ruhig und schlug die Frau nicht mehr. Überfroh hierüber, eilte sie deshalb zum Einsiedler, ihm zu danken und mehr von diesem kostbaren Wasser zu erbitten. „O,“ sprach der Einsiedler, „nimm das Wasser nur aus deinem Brunnen, halt es nur gut im Mund, dann kannst du nicht schelten und widersprechen, sondern musst stillschweigen, und das macht, dass dein Mann sich auch stillhält und nicht aufbraust.“
Christliche Gattin, lerne von dieser Frau schweigen und dich fügen und deinem Gatten nie zu widersprechen, wenn er gereizt und aufgeregt ist. Sei überzeugt, dass nur durch Liebe, Versöhnlichkeit und Nachgeben, aber keineswegs durch Zank, Unduldsamkeit und Trotz der eine Eheteil den andern auf bessere Wege bringen kann. Biete daher deinem fehlenden Manne liebevoll die Hand, um ihn von seinem Irrtum, seinen Unvollkommenheiten und Fehlern zurückzuhalten. Stürmt dein Mann, so wirst du als verständige Gattin schweigen, weil du weißt, dass bei der Aufregung deine Vorstellungen keinen Anklang und Annahme finden; du wirst selbst Härte und unverdienten Vorwurf mit Geduld ertragen, um nicht durch Widerspruch die Erregtheit oder Erbitterung deines Mannes noch zu vergrößern. Und was wird die Folge einer solchen Handlungsweise sein? Dein Mann wird bald zur ruhigen Besonnenheit zurückkehren, er wird sich seiner Lieblosigkeit gegen dich erinnern, sich schämen und sich in Zukunft vor einem ähnlichen Fehler hüten. Auch wird er gegen deine Fehler und Unvollkommenheiten nachsichtiger und aus Dankbarkeit selbst da zum Nachgeben bereit sein, wo du im Unrecht wärest.
Noch wirksamer als nachgeben ist das gegenseitige Zuvorkommen. Liest du die Wünsche des andern in dessen Augen und erfüllst sie mit Güte und Liebe, bevor der Gatte es erwartet, so erhält die geringfügigste Kleinigkeit einen hohen Wert für denselben, und er wird die Gabe mit Liebe zu erwidern suchen. Dieser gegenseitige zärtliche Wettkampf, es dem andern in Liebe und Gunst zuvorzutun, macht die Eheleute glücklich.
Christliche Gattin, du wünschest nichts sehnlicher, als mit deinem Gatten in Frieden zu leben; daher fliehe immer sorgfältig die Tadelsucht und die Unduldsamkeit, welche den Familienfrieden und das Familienglück vollständig zerstören!
Fortsetzung folgt!
ArmeSeele:
XI.
Sorge für Sauberkeit und Ordnung!
Ohne Sauberkeit und Reinlichkeit ist dein Haus, christliche Gattin, unbehaglich, das Verweilen darin lästig; Sauberkeit aber macht auch eine ärmliche Hütte wohnlich und angenehm. „Es gibt kaum etwas Undelikateres,“ heißt es in „Monika“ XIII, 143, „als wenn eine Frau, und sei es auch die Frau eines schlichten Arbeiters, mit ungekämmten Haaren beim Frühstück sitzt und nur notdürftig gekleidet ist; würde sie als Verlobte sich so vor dem Bräutigam haben sehen lassen? Gewiss nicht! Als Frau darf sie es ebensowenig, ja noch viel weniger; sie muss stets trachten, ihrem Manne zu gefallen, damit er das, was er zu Hause vermisst, nicht anderswo suche. Damit soll nicht gesagt sein, dass die Frau putz- und gefallsüchtig sein soll, GOTT bewahre! Sei sie noch so ärmlich, nett gekleidet und reinlich kann sie doch sein. Ebenso ist es auch mit ihrer Hauswirtschaft. Wenn die Möbel noch so dürftig sind, und es ist alles rein und sauber, der Fußboden blendend weiß, das Geschirr blank, so macht das einen wohltuenden, anheimelnden Eindruck, und gewiss geht dann der Mann vom Geschäfte gern in sein trauliches Heim.“
„Arbeit und Armut entschuldigen nicht die Unsauberkeit; bei den meisten häuslichen Arbeiten kann man nett und reinlich gekleidet sein, und Wasser gibt der liebe GOTT in Hülle und Fülle. Sei damit nicht sparsam und halte immer reinlich Zimmer und Möbel, keine Unreinlichkeit und keine zerrissene Kleidung an deinen Angehörigen, - vor allem nicht an dir selbst. Dein Haar sei geordnet, Hals und Gesicht gewaschen, deine Kleider reinlich und ganz. Es ist für den Mann schwer, eine Frau zu achten und zu lieben, von der sein Auge sich fast mit Ekel abwendet, weil er sie so oft unreinlich und unordentlich angezogen sieht. Sauberkeit aber gefällt immer, bewahrt die Gesundheit, fördert die Sittsamkeit und den häuslichen Sinn und schützt vor Krankheit.
Nicht minder wichtig als Sauberkeit und Reinlichkeit ist die Ordnung. Ordnung erhält den Menschen, oder wie ein altes Sprichwort sagt: Ordnung ist das halbe Leben. Alles sei an seinem richtigen Platze, alles geschehe zur rechten Zeit. Nach diesen beiden Grundsätzen müssen die Eheleute fortwährend handeln. Aufstehen und Schlafengehen, Beten und Arbeiten, Essen und Erholung, alles habe seine bestimmte Zeit, in all diesem müssen die Eheleute Ordnung beobachten.
Ordnung erspart Verdruss, Zeit und Geld; was ohne Ordnung geschieht, geschieht nicht nach dem Willen GOTTES, welcher die höchste Ordnung ist. In allem, was Er schafft und wirkt, ist Plan und Ordnung; Er liebt und will die Ordnung. Daher ermahnt dich der Apostel: „Tu alles wohlanständig und mit Ordnung.“ (1. Kor. 14, 40.) Wer mit Ordnung lebt, erfüllt seine Pflichten treuer, leichter und verdienstlicher, weil dies, zumal im Anfange, manche Opfer und Selbstüberwindung erfordert.
Die Ordnung führt zu GOTT: Im Himmel herrscht lauter Ordnung. Fange also schon hier ein Leben der Ordnung an, das du in der Ewigkeit fortsetzen kannst. GOTT wirst du dadurch wohlgefälliger, deinen Hausgenossen angenehmer, deinem zeitlichen und ewigen Wohle ist es nützlicher. Wenn du die Ordnung aufrecht erhältst, wird die Ordnung auch dich aufrecht erhalten.
Wie überaus wichtig es für jede christliche Familie ist, sich streng an eine gute, Gottwohlgefällige Lebensordnung zu halten, hat der Hochwürdigste Herr Bischof von Mainz, v. Ketteler, in einem Hirtenschreiben vom Jahre 1871 mit folgenden Worten ausgesprochen: „Der Hausvater, die Hausmutter haben nicht nur die Pflicht, für sich selbst, sonder auch für ihr Haus und für alle, die dazu gehören, eine christliche Haus- und Familienordnung einzuführen. Eine solche christliche Haus- und Familienordnung, die das ganze Familienleben für Eltern, Kinder und Dienstboten regelt, in welcher alles seine rechte Stelle, seine rechte Zeit, seinen rechten Ort hat: Gebet, Gottesdienst, Arbeit, Erholung, Aufstehen und Schlafengehen; wo alle, an der Spitze der Hausvater selbst sich dieser Ordnung pünktlich unterwerfen in dem Bewusstsein, dass diese Ordnung GOTTES Wille ist, und dass also alle Geschäfte des Tages bis auf die kleinsten nach GOTTES Willen eingerichtet werden müssen – ich sage, eine solche Hausordnung ist das Wichtigste in der ganzen Erziehung, das eigentliche Fundament derselben, ohne welches sie nie ihren vollen Einfluss auf das Kind üben wird. Wohl dem Kinde, welche in einer solchen Heiligen Zucht des christlichen Familienlebens von Jugend auf heranwächst; sie allein bildet den wahren Christen; sie allein bildet den festen Charakter; sie erzeugt Pflichttreue; sie bildet eine strenge Gewissenhaftigkeit, da in einer solchen Ordnung jedes Tagesgeschäft eine Pflichterfüllung gegen GOTT wird; sie erzieht so recht eigentlich den Menschen für den Himmel.“
Christliche Gattin, befleißige dich denn immer sowohl der Sauberkeit, als auch der Ordnung, und suche auf solche Weise deine Wohnung so einladend und anziehend zu machen, dass dein Gatte nirgends lieber ist, als zu Hause im Familienkreis.
Fortsetzung folgt!
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