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römisch-katholisch => Fragen und Themen zum katholischen Glauben => Thema gestartet von: Admin am 03. Januar 2012, 09:54:39
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Warum wird heute so wenig vom Ewigen Lohn und einer Ewigen Strafe gepredigt?
Die Frage trifft tatsächlich ein heute viel vernachlässigtes Kernanliegen Jesu und des Chistentums. Früher hörte man - vor allem bei Volksmissionen - viel von einem ewigen Lohn im Himmel und von einer ewigen Höllenstrafe. Wenn heute weniger darüber gepredigt wird, so liegt dies zum Teil in einer Art Pendelreaktion: Was man früher zuviel tat, tut man heute zu wenig. Aber spricht nicht auch die Bibel gegen das Lohndenken? Ist es nicht GOTTES würdiger, wenn wir ihn nicht wegen des Lohnes, sondern selbstlos um seiner selbst willen lieben? "Die Liebe sucht nicht ihren Vorteil" (1 Kor 13,5). Das grosse moderne Vorbild dieser heroischen Liebe ist die Hl. Therese von Lisieux (t 1897). Ja, geisselte Jesus nicht erbarmungslos die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer, die Gott gegenüber ihre - so Paulus - „Gesetzeswerke” nach dem Prinzip „Ich gebe, damit du gibst" (do ut des) aufrechneten und ihn so zur Belohnung verpflichtet glaubten? - Bei der heutigen Predigtpraxis ist noch etwas anderes im Spiel: Man vermeidet möglichst alle Streitfragen, die bei protestantischen Mitchristen Anstoss erregen könnten. Luther hatte dem Menschen jede Möglichkeit abgesprochen, vor GOTT Verdienste zu sammeln. Der Mensch sei durch die Erbsünde radikal verdorben. Er könne nur äusserlich durch Anrechnung der Verdienste Jesu gerechtfertigt werden.
Aber trotz aller Einwürfe spielt das Lohnmotiv nicht nur im Alten, sondern auch im Neuen Testament eine überragende Rolle. Jesus stellt die Ideale der Bergpredigt geradezu unter das Motto: „Euer Lohn wird gross sein im Himmel (Mt 5,12). An anderer Stelle veranschaulicht er diese Verheissung durch die Gleichnisse von den Talenten und den zehn Jungfrauen. Beim Jüngsten Gericht wird er verkünden: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt 25,40). Nach diesem „Tun" fällt der Urteilsspruch aus: die zur Linken werden zu „Ewiger Strafe", die zur Rechten aber zum „Ewigen Leben" eingehen. "Denn ihre Werke begleiten sie" (Offb 14,13).
Wenn wir Ewigen Lohn verdienen können, so nicht deshalb, weil das in unsern eigenen Kräften läge. Jesus nimmt uns in der Taufe als Glied in seinen mystischen Leib auf und gibt uns - sozusagen als Seele unserer Seele - Seinen Hl. Geist (1 Kor 12). So sehr, dass Paulus ausrufen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20). Wenn wir Gutes tun, tut Christus es in uns. „Euer Lohn wird gross sein im Himmel" - wenn Jesus uns für die Erfüllung der Gebote den Himmel verspricht, ist er auch verpflichtet, sein eigenes Wort zu halten. Wenn mir ein Kind einen Dienst erweist, und ich verspreche ihm dafür ein Auto, so „schulde" ich ihm diesen „Lohn", nicht wegen der Grösse des Verdienstes, sondern weil ich das versprochen habe.
Worin wird der Lohn, das Ewige Leben, bestehen? Lohn, Himmel, Ewiges Leben sind nur andere Aussageweisen für unsere Teilnahme am Leben GOTTES als Kinder GOTTES. Für diesen Lohn lohnt sich jeder Einsatz, jedes Opfer.