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Christsein - Mystik - Gaben, Charismen, Früchte. => Christsein im Alltag => Thema gestartet von: hiti am 22. Februar 2011, 16:59:31

Titel: Die Demut
Beitrag von: hiti am 22. Februar 2011, 16:59:31
Liebe Leser/innen!

Der Weg, den Franz von Sales empfiehlt, beginnt so, wie man sich das wahrscheinlich erwartet: Mach dir klar, dass du im Vergleich zur Größe und Herrlichkeit Gottes ein Nichts bist. Sieh auf deine Fehler und Schwächen und erkenne, dass du ohne Gottes Hilfe überhaupt keine Chance hast.

Franz von Sales geht aber noch einen Schritt weiter, und darin unterscheidet er sich wesentlich von den Ansichten seiner Zeitgenossen. Er meint nämlich: Betrachte auch deine guten Seiten, deine Fähigkeiten und Stärken, sei dir aber bewusst, dass diese nicht aus dir selbst kommen, sondern Geschenke Gottes sind.

Damit entspricht Franz von Sales ganz einer modernen Definition über die Demut, die besagt: „Demut ist Wahrheit“. Demut ist jene Tugend, die dir die Kraft gibt, dich selbst so anzunehmen, wie du bist: Deine Fehler und Schwächen ebenso wie deine Stärken. Weder vor dir selbst noch vor deinen Mitmenschen und schon gar nicht vor Gott ist es notwendig, irgendwelche Masken aufzusetzen.

Der demütige Mensch lebt so wie er ist. Er hat überhaupt keinen Grund, eitel oder stolz zu sein, denn weder der Blick auf seine Fehler und Schwächen, noch der Blick auf seine Vorzüge und Talente würden einen solchen Stolz rechtfertigen.

Hermann
Titel: Re:Die Demut
Beitrag von: hiti am 24. Januar 2012, 12:46:56
Liebe Leser/innen!

Am Gedenktag des Franz von Sales noch ein Gedanke zur Demut, die so vergessene Tugend:

Er schreibt an eine Ordensschwester:
„Die Art, wie Sie sich demütigen, ist gut. Wenn Ihre Demut Sie jedoch zu Mutlosigkeit, Unruhe, Ärger oder Melancholie führen sollte, dann üben sie eine falsche Demut, dann beschwöre ich sie, diese Versuchung zurückzuweisen.“

Wer sich also ärgert oder in Unruhe verweilt, übt die FALSCHE Demut, das ist gar keine Demut.

Weiters ist Demut ohne Hochherzigkeit zweifellos falsche Demut.
Wohl soll sie bekennen: Ich bin nichts und kann nichts, aber dann sofort der Hochherzigkeit das Wort lassen, die sagt: Unmögliches gibt es für mich nicht, wird es auch nie geben, denn ich vertraue auf Gott, Er vermag alles.

Der Demütige ist also auch nicht mutlos oder melancholisch.

Hermann
Titel: Re:Die Demut
Beitrag von: Gine am 24. Januar 2012, 13:04:58

Lieber Herman,
genau das habe ich früher nie verstanden gehabt.
Ich lag damals falsch mit meiner Einschätzung über die Demut.
Erst durch das tiefe Tal, das ich durchschritt, kam ich zu einer neuen Demut, ein Zustand in dem man sich selber nicht mehr leid tut , nicht ärgerlich oder sich herabgesetzt fühlt, wenn man einsieht das man selber im Grunde genommen...ja... ein winziges Licht ist.
Die Demut die ich früher glaubte zu haben stand mir eher im Wege zu Gott.
Die Demut die ich heute empfinde lässt mich mich wertig fühlen und dennoch einsichtig-selbstverständlich-sinngebend-hingebend.
Ich kann das nicht anderst ausdrücken , ist sehr schwer so ein Gefühl in Worte zu kleiden.

 fckjc