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römisch-katholisch => Priestertum / Klerus / Vatikan (Hl. Vater) => Thema gestartet von: velvet am 18. Februar 2012, 17:28:38
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Neuer Kardinal Woelki
Konservativer im Arbeiterkittel
REUTERS
Kardinal Woelki: Kirchenfürst für die kleinen Leute
Priester, Bischof, Kardinal: In kürzester Zeit hat sich Rainer Maria Woelki zum mächtigen Kirchenfürsten empor gearbeitet. Und doch bleibt er schwer greifbar - auf der einen Seite Gefolgsmann der Konservativen, auf der andern ein unprätentiöser Mann, der im Berliner Arbeiterviertel Wedding lebt.
Berlin/Rom - In der Menge der kirchlichen Würdenträger fällt er gar nicht unbedingt auf - allenfalls seine schlaksige Figur und das jugendliche Äußere unterscheiden ihn von den anderen 214 Kardinälen. Doch bei genauerer Betrachtung sticht Rainer Maria Woelki deutlich heraus: mit 55 Jahren der jüngste Kardinal überhaupt.
Bei der Zeremonie am Samstag im Petersdom erhob ihn Papst Benedikt XVI. zusammen mit 21 weiteren Anwärtern in den Kardinalsstand - bereits ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt als Erzbischof in Berlin. Er selber hatte die Ernennung als große Überraschung bezeichnet. Doch so verwunderlich scheint seine steile Karriere in der katholischen Kirche gar nicht mehr zu sein. Woelki galt schon immer als zielstrebig.
Woelki wurde am 18. August 1956 in Köln geboren. Er studierte katholische Theologie und Philosophie in Bonn und Freiburg. Im Alter von 28 Jahren erhielt er 1985 die Priesterweihe. Ab 1990 war Woelki, der zwei Geschwister hat, für sieben Jahre Sekretär des erzkonservativen Kölner Erzbischofs Kardinal Joachim Meisner.
Anschließend übernahm er als Direktor die Leitung des Collegiums Albertinum in Bonn, das Studienhaus der Priesterkandidaten für das Erzbistum. 2003 erhielt Woelki die Bischofsweihe und wurde kurz darauf Domkapitular des Kölner Erzbistums.
Erfahrener Seelsorger
Woelki ist promovierter Theologe und gilt als erfahrener Seelsorger. Im Erzbistum Köln war er für den Pastoralbezirk Nord zuständig, der etwa 850.000 Katholiken zählte. Das Gebiet umfasst unter anderem Wuppertal, Düsseldorf, Neuss, Solingen und den Oberbergischen Kreis.
Während seiner Amtszeit in Köln erwarb er sich auch den Ruf als Verfechter einer streng konservativen Glaubenslehre. Seine Kritiker fühlten sich zunächst auch bestätigt, als sich Woelki nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Berlin durch Papst Benedikt XVI. sehr deutlich gegen Homosexuelle wandte. Er schaffte es jedoch, die Einwände zu zerstreuen. Nach einem Gespräch mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) im vergangenen September zeigten sich jedoch beide Seiten zufrieden und versöhnlich.
Auch sonst zog er die Berliner schnell auf seine Seite. Er ließ sich im Arbeiterbezirk Wedding nieder und machte in den vergangenen Monaten in erster Linie durch seelsorgerische Tätigkeit von sich Reden. Selbst Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, ein bekennender Homosexueller, zählt inzwischen zu seinen Vertrauten. Seine Ernennung zum Kardinal wollte er denn auch vor allem als Auszeichnung für die Berliner und die Hauptstadt sehen.
Des ungeachtet bleibt Woelki uneingeschränkt ein Gefolgsmann von Papst Benedikt und von dessen konservativer Lehre. Eine Revolution der Kirche ist von ihm nicht zu erwarten. Auch in der Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit den Missbrauchsfällen in ihren Reihen stellte sich Woelki hinter den Papst. Das Kirchenoberhaupt habe klare Richtlinien für die Aufarbeitung der Fälle gegeben. "Seine entschiedene Position und seine Haltung in der Frage des Umgangs mit Missbrauchsfällen sind über jeden Zweifel erhaben", sagte Woelki im September.