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römisch-katholisch => Predigten und Vorträge => Thema gestartet von: hiti am 06. März 2012, 15:41:57
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Liebe Leser/innen!
Unser Reichtum
von P. Marie Eugene Grialou
Am liebsten würde ich mit Ihnen nur über geistliche Dinge sprechen. Aber ich kann nicht anders, als am Anfang die Situation unserer Welt zu erwähnen, einer Welt, die unruhig ist, aufgewühlt. Was ist der Grund dieser Unruhe? Sie kennen ihn, vielleicht sogar besser als ich.
„Starke Ideologien gewinnen an Einfluss. Diese haben wohl die Absicht, unsere alte, christliche Kultur zu zerstören. Sie verbergen nicht, dass sie eine neue Auffassung von der Kultur, ja vom Menschen vertreten. Durch phantastische Versprechungen verführen sie nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Massen, die nach Glück verlangen. Wenn wir darin auch nur ein rein menschliches Streben erkennen können, ist es trotzdem möglich, dass in den Ideologien mehr als das verborgen ist, nämlich tatsächlich ein Wirken des Bösen, der sowohl die geistlichen Werte als auch die Kirche, die diese Werte vertritt, verderben möchte.
Angesichts dieser Bedrohungen machen wir uns Sorgen und vielleicht haben wir recht. Was wird uns die Zukunft bringen? Was wird in fünfzehn, zwanzig Jahren aus uns, aus unserem Land, aus Europa und der Welt werden: Man kann es nur schwer voraussehen. Wir haben aber den Eindruck, dass noch nie dagewesene Ereignisse auf uns zukommen.
Was uns die Geschichte lehrt
Wenn wir die Geschichte der Welt und der Völker etwas genauer betrachten und über sie nachdenken wollten, würden wir sogleich sehen, dass sie aus nichts anderem als aus solchen Umstürzen besteht. Bei allen Erschütterungen, Umstürzen und Kämpfen der Kulturen und Weltreiche geht für gewöhnlich die stärkste geistige Kraft als Sieger hervor. Sie mag vorübergehend unterliegen, wie zum Bespiel die griechische Kultur, als sie vom römischen Weltreich besiegt wurde. Aber schließlich taucht sie wieder auf und beweist ihre Stärke. Das höhere Wissen ist auf jeden Fall der Gewinner bei den Kämpfen unter den Menschen.
Doch da ist noch mehr. Die Ausbreitung des Christentums beruht auf anderen, nämlich geistlichen Kräften. Jesus hat auf Erden gelebt. Vor seinem Sterben, vor seiner scheinbar größten Niederlage auf Golgota, sagt er: Ich habe die Welt besiegt. Ihr, ihr werdet zu kämpfen haben, man wird euch überwinden, töten, aber habt Vertrauen: Ich habe die Welt besiegt!(vgl Joh 16,33) Überlegenheit des Intellekts - Überlegenheit der geistlichen Kräfte. Ja, die Kirche, der wir angehören, wird den Angriffen nicht erliegen! Sie wird alles überdauern, alle Umwälzungen, Revolutionen, Umstürze, Niedergänge, woher immer sie rühren mögen, seien sie von den Kräften des menschlichen Verstandes oder von den Kräften der Hölle angeführt. Diesen Schluss dürfen wir daraus ziehen!
Unser größter Reichtum
Diese Bedrohungen werden gewiss in mancher Hinsicht ihr Ziel erreichen. Was können wir tun, wenn wir uns deshalb Sorgen machen?
Wir - vor allem wir Christen - haben die große Pflicht, uns unserer geistlichen Kräfte bewusst zu werden und unsere Hoffnung - nicht nur die Hoffnung für uns selber, sondern auch für die Gesellschaft - auf diese Kräfte zu setzen. Sorge und Beunruhigung sollten uns zur Vertiefung und größeren Wertschätzung dieser Kräfte führen. Lassen wir uns zur geistlichen Wirklichkeit, zu Gott führen! Bei ihm liegt unsere größte Hoffnung, die Hoffnung auf unsere persönliche Rettung und auf die Rettung der Menschheit.
Unser größter Reichtum ist unser Glaube an Gott. Ja, wir glauben an Gott! Unser Gott ist das in sich ruhende Sein, der unendliche Geist, der keinen Anfang und kein Ende kennt. Er ist der Geist der Liebe. Liebe ist sein innerstes Leben. Er zeugt seinen Sohn, sein Licht, sein Wort, Ausdruck seiner selbst. Der Vater und der Sohn erkennen sich gegenseitig. In dieser Erkenntnis bringen sie den Heiligen Geist hervor, den Geist der Liebe.
Gott ist der Ursprung von allem, was existiert. Er ist Ursprung und Ende aller Dinge. Weshalb? Weil er Liebe ist. Aus Liebe hat er geschaffen. Er schuf die unbelebte Natur. In ihr ist etwas von ihm, gleichsam eine entfernte Spur, sagt Johannes vom Kreuz, denn die Materie ist Energie. Gott hat alles geschaffen, was lebt. Darin liegt schon mehr Ähnlichkeit mit ihm und der Macht seiner Liebe. Vor allem aber hat Gott den Menschen geschaffen, Höhepunkt der ganzen Schöpfung und Ausdruck seiner tiefsten Liebe. In den Menschen hat er einen Hauch von seinem Leben, „den Lebensatem", eingesenkt, sagt die Heilige Schrift. Dieser Hauch trägt eine Ähnlichkeit mit Gott in sich.
Wir sind geliebt
Nichts ist Gott so teuer wie der Mensch. Er ist sein Geschöpf und bevor er ihn schuf, hat er ihn erdacht, hat er ihn geliebt. Sehen Sie, das ist unser Reichtum: Gott hat uns geliebt! Er hat uns aus Liebe erschaffen! Und weil er uns liebt, will er uns zu sich holen. Seiner Liebe genügt es nicht, dass er uns ins Dasein gerufen hat; sie ist erst ganz gesättigt, wenn wir einmal bei ihm sind. Sehen Sie, wie reich wir sind!
Was bedeuten schon die Umwälzungen, die Bedrohungen, die irdischen Mächte, was bedeutet gar die Macht des Verstandes im Vergleich zu diesem liebevollen Gedanken Gottes? Er hat uns geschaffen, damit wir zu ihm zurückkehren. Ja, das ist unser Reichtum, das unsere Hoffnung: der Gedanke Gottes, die Liebe Gottes - seine Liebe nicht nur zur Menschheit insgesamt, sondern zu jedem einzelnen von uns.
Wie hat Gott uns diese Liebe gezeigt? Er hat der ganzen Schöpfung, vor allem aber uns Menschen ein Ziel gesetzt: sich selbst. Er tat es, indem er uns Gnade schenkte, Teilhabe an seinem Leben. Dies ist die große Geste der Liebe Gottes zum Menschen in seiner Schöpfung.
Hermann
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;qfykkg Sehr schöner Beitrag Hermann fckjc