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römisch-katholisch => Eucharistie => Thema gestartet von: amos am 09. März 2012, 20:53:57

Titel: JESUS, DIR LEB ICH
Beitrag von: amos am 09. März 2012, 20:53:57
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JESUS, DIR LEB ICH,
Jesus, dir sterb ich,
Jesus, dein bin ich
im Leben und im Tod!

O sei uns gnädig,
sei uns barmherzig;
führ uns, o Jesus,
in deine Seligkeit!

Als Kind habe ich sie bewundert, die Männer und vor allem
Frauen, die, wie unsere Mutter, nach dem Kommunion-
empfang, das Gesicht in Händen, noch einige Zeit in ruhiger
Konzentration verharrten. Manche wiederholten dabei wohl
lautlos das Gebet: "Jesus, dir leb ich! Jesus, dir sterb ich! Jesus,
dein bin ich im Leben und im Tod", wie sie es als Kinder gelernt
hatten. Wir haben es nicht mehr gelernt.

"Jesus, dir leb ich! Jesus, dir sterb ich! Jesus, dein bin ich im
Leben und im Tod." Nicht wenige Angehörige der älteren Ge-
neration verbinden mit diesem Gebet oder Lied intensive Erin-
nerungen, Erinnerungen an  Momente der Innigkeit, der Stille,
des inneren Hörens.

Das Bekenntnis des Liedes, Jesus zu leben, ihm zu sterben,
ihm zu eigen zu sein im Leben und im Tod, hat tiefe biblische
Wurzeln. Der Apostel Paulus spricht davon, daß die Taufe ein
Existenzwechsel ist, ein Mitsterben und Mitauferstehen mit
Christus, so daß er sagen kann: "Nicht mehr ich lebe, Christus
lebt in mir" (Gal 2,20). Darum können wir diese Worte mit-
sprechen: "Jesus, dir leb ich! Jesus, dir sterb ich! Jesus, dein bin
ich im Leben und im Tod."

Dieses Bekenntnis, gesprochen, geflüstert oder gesungen,
laut, leise, lautlos, ist einerseits unbestritten ein christlicher
Spitzensatz, andererseits und ebenso unbestreitbar ist es ein
christlicher Grundlagensatz, ein christlicher Grund-satz. Auf
diesem Grund stehen wir, auf ihm ruht unser Glaube auf. Fester
Grund und Boden, und zugleich schwindelerregend, ein Ab-
grund. "Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir." Und darum
ist das Unmögliche möglich, wirklich: "Jesus, dir leb ich! Jesus,
dir sterb ich! Jesus, dein bin ich im Leben und im Tod."

Das Undenkbare, das wir immer von uns fernhalten, fernhal-
ten müssen, unsere Endlichkeit, Sterblichkeit, Verderblichkeit,
es ist hier gedacht. Nicht nur gedacht, sondern gesetzt, und
nicht nur unsere Sterblichkeit im allgemeinen - ja, gewiß, alle
Menschen sind sterblich - sondern unser konkreter Tod, unser
wirkliches Sterben, mehr noch, unser Gestorbensein. "Ich bin
mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, Christus
lebt in mir." (Gal 2,19-20)

Das vermeintlich Feste, Gewisse, die Tatsache, daß ich lebe,
wird erschüttert, und das Erschütterndste, mein Sterbenmüs-
sen, mein Sterben, mein Gestorbensein, wird gewiß. Doch der
immer gefürchtete und abgewehrte Tod ist im Zeichen des Kreu-
zes nicht, wofür wir ihn hielten, das Ende von allem, sondern
ein Aufbruch, ein Durchbruch zu ungeahntem Leben, zum Ge-
schenk einer von Todesangst befreiten Lebendigkeit.

"Jesus, dir leb ich! Jesus, dir sterb ich! Jesus, dein bin ich im
Leben und im Tod." Schwindelerregendes Bekenntnis und zu-
gleich Bekenntnis, das allen Schwindel aufdeckt, das von allen
allen Schwindel nimmt. Das Lied weiß von dem Gewicht dieses
Bekenntnisses, dieses Versprechens, und darum ist die zweite
Strophe eine einzige an Jesus gerichtete Bitte um Gnade, Barm-
herzigkeit, um Führung und Beistand auf dem Weg in das durch
ihn selbst eröffnete ewige Leben.

"Jesus, dir leb ich! Jesus, dir sterb ich! Jesus, dein bin ich im
Leben und im Tod." Ich habe sie immer bewundert, die Männer
und Frauen, die sich nach dem Empfang des eucharistischen
Brotes eine kurze Zeit der Stille und der Abgeschiedenheit nah-
men. Stille, um zu hören, Abgeschiedenheit, um die Gemein-
schaft zu spüren, die ihnen und uns allen geschenkt worden
war, denn "nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir".

Susanne Sandherr
Quelle: MAGNIFICAT
            Verlag Butzon&Bercker