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Verehrung - Heilige - Biographien => Heilige und Biographien => Thema gestartet von: velvet am 25. April 2012, 12:49:19
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Katharina von Siena gehört zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein zu den weiblichen Schutzpatroninnen Europas. Papst Paul VI. verlieh ihr im Jahr 1970 den Titel einer Kirchenlehrerin. Sie ist zusammen mit Teresa von Avila die erste Frau, die diesen Ehrentitel erhielt. Allein dies zeigt schon die große Bedeutung, die diese Heilige bis in unsere Zeit hat.
Der Name "Katharina" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "die allzeit Reine". Katharina wurde als 24. Kind des Färbers Jacopo di Benincasa und seiner Frau Lapa geboren. Mit sechs Jahren hatte sie ihre erste Vision. Sie sah Jesus Christus im Ornat des Papstes, umgeben von Petrus, Paulus und Johannes. Sie lebte schon als Kind asketisch und legte mit sieben Jahren das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Im Alter von zwölf Jahren sollte sie heiraten, weigerte sich aber, da sie sich durch das Gelübde der Jungfräulichkeit bereits mit Jesus Christus verlobt hatte. Das nahm ihr besonders die Mutter übel. Der Zwist mit der Mutter endete nach drei Jahren, als der Vater über Katharinas Kopf eine weiße Taube schweben sah.
Mit 16 Jahren trat sie dem Dritten Orden der Dominikanerinnen, den sogenannten Mantellaten, bei. Sie lebte zunächst sehr zurückgezogen, ernährte sich von Kräutern und Wasser, fastete wochenlang, betete und übte sich im Schweigen, geißelte sich blutig und schlief wenig.
Blickt man auf ihr Leben, so sieht man, wie sie Christus immer ähnlicher wurde. In einer mystischen Vision erlebte sie 1367 ihre Vermählung mit Christus und tauschte ihr Herz mit ihm. Den Ehering sah sie ihr Leben lang an ihrem Finger.
Wir beten ja: "Heiligstes Herz Jesu, bilde unser Herz nach deinem Herzen!" Katharina durfte diese Gleichförmigkeit ihres Herzens mit dem Herzen Jesu erfahren, nicht mehr ihr Herz schlug fortan in ihr, sondern das Herz des Herrn, so wie sie nicht mehr nach ihrem Willen, sondern ganz nach dem Willen Jesu lebte.
Auf dieses Ereignis hat sie sich durch harte Jahre der Askese, des Fastens und der Enthaltsamkeit vorbereitet. Erst als sie ganz zu Christus gefunden hat, ist sie bereit, auch für die Menschen zu wirken, ohne dass sie sich dabei an die Welt verlieren und ihre Verbundenheit mit Christus eine Einschränkung erfahren würde. Sie wird vielmehr Christus noch ähnlicher, was sich letztlich auch am Empfang der Stigmata zeigt.
Katharina gab nun ihr zurückgezogenes Leben auf und widmete sich mit äußerster Hingabe der Pflege von Kranken und Armen. Sie beteiligte sich auch aktiv - und das war damals sehr ungewöhnlich für eine Frau - an den aktuellen Geschehnissen der Politik, vor allem der Kirchenpolitik. Ihr Leben war von tiefer Christushingabe erfüllt und von der Liebe zur Kirche geprägt. Gerade die Kirche befand sich damals in einer schwierigen Situation. Die Zeit war bestimmt von Bürgerkriegen, Machtkämpfen und Familienfehden und der Papst residierte in Avignon. Es kam zum großen abendländischen Schisma. Katharina versuchte zwischen den zerstrittenen Parteien zu vermitteln. Ihr Leben lang - am Ende mit Erfolg - setzte sich für die Rückkehr des Papstes aus Avignon nach Rom ein.
Von Katharina sind 381 ihrer Briefe erhalten als Zeugnisse mystischer Theologie. Als ihr literarisches Hauptwerk gilt das "Buch über die göttliche Vorsehung". In dieser Schrift richtet Katharina vier Bitten an den Herrn: um die Gnade der Buße für sich selbst, um die Reform der Kirche, um den Frieden in der ganzen Welt und vor allem zwischen den Christen, und darum dass die göttliche Vorsehung sich aller Menschen annehme.
Mehrfach musste sie ihre Visionen und ihr ungewöhnliches Verhalten vor dem Ordenskapitel der Dominikaner in Florenz rechtfertigen, konnte jedoch immer wieder die Bedenken ausräumen. Bewunderung weckten Katharinas Briefe zu spirituellen Fragen. Bald scharte sich eine Gemeinschaft von Gläubigen um sie. Katharina arbeitete weiter hingebungsvoll für Arme und Kranke in Siena. Bei der Pflege von Pestkranken steckte sie sich 1374 an, ließ sich aber nicht von ihrem Tun abhalten. Einem frierenden Bettler gab sie eines Tages ihren Mantel; kritisiert, dass es unschicklich sei, ohne Mantel auf die Straße zu gehen, antwortete sie: "Ich will mich lieber ohne Mantel als ohne Liebe finden lassen."
1375 erfolgte vor einem Kreuz in Pisa ihre Stigmatisierung. Auf wunderbare Weise erscheinen an ihrem Körper die Wundmale Jesu, bis zu ihrem Tod waren sie allerdings nur für Katharina selbst zu erkennen. Die letzten Jahre ihres Lebens ernährte sie sich nur noch von der Eucharistie. Ihr körperlicher Zustand verschlechterte sich. Sie starb am 29. April 1380 in Rom, der Überlieferung nach in der Peterskirche, die sie unter großen Mühen noch täglich aufgesucht hatte.
Katharinas Leichnam ist in der Kirche der Dominikaner in Rom, S. Maria sopra Minerva, in einem Glasschrein aufbewahrt. Ihr Körper war, als er 1430 exhumiert wurde, noch immer unversehrt. Mit päpstlicher Erlaubnis wurde der Leichnam zerteilt, um Reliquien zu erhalten; dies wurde zum letzten Mal 1855 wiederholt, als ihre Überreste noch immer erstaunlich gut erhalten waren. In der Basilika San Domenico in Siena werden in einem Marmor-Ziborium ein in Silber gefasster Finger und der Kopf der Heiligen aufbewahrt.