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Allgemeines => Neues & Wissenswertes => Thema gestartet von: amos am 07. Mai 2012, 10:18:16
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RUNDUMSCHLAG DER KIRCHE
Liebe Leserin, lieber Leser, in den letzten Tagen macht die katholische Kirche in den USA Schlagzeilen wie schon lange nicht mehr. Die vatikanische Glaubenskongegation hat die hiesigen Frauenorden unter die Aufsicht des Erzbischofs von Seattle, Peter Sartain, gestellt, da sie gegen die offizielle Lehre verstießen.
Gleichzeitig streiten die Bischöfe mit der Obama-Regierung über eine Klausel in dessen Gesundheitsreform, die weiblichen Angestellten kirchlicher Arbeitgeber freien Zugang zu Verhütungsmitteln gewährt. Die Republikaner im Kongress haben diesen Konflikt mit Anhörungen aufgeheizt, bei denen Kirchenvertreter ihre Vorwürfe publik machen konnten.
Doch auch die Konservativen müssen herbe Kritik einstecken: In einer Serie von Briefen an die republikanische Führung fordert die Bischofskonferenz in scharfer Form eine gerechte Verteilung der Lasten in Zeiten hoher Staatsschulden. Um Arme und Alte sei ein "Schutzwall" zu ziehen, während unnötige Ausgaben, etwa für das Militär, gestrichen und angemessen Steuern erhoben werden sollten.
Offensichtlich sucht die US-Kirche eine eigene Position, die sehr konservativ in Fragen der Sexualmoral ist, aber gleichzeitig soziale Anliegen nicht aus den Augen verliert. Wie die kritischen Reaktionen prominenter Katholiken und der Wissenschaft zeigen, hat die Öffentlichkeit jedoch bislang Mühe, diesen Balanceakt zu verstehen.
Andreas Mink
freier Journalist
in New York