28.08.2012
Brutal verstümmelter Leichnam eines elfjährigen pakistanischen Christen gefunden
Redaktion Kopp-online
Gerade als die öffentliche Hysterie im Zusammenhang mit der Verhaftung einer am Down-Syndrom erkrankten jungen Christin wegen angeblicher Gotteslästerung langsam abebbte, wurde die grausam entstellte Leiche eines elfjährigen Christen in der Provinz Punjab aufgefunden. Die Leiche Samuel Yaquubs war schwer verstümmelt. Nase und Lippen waren abgetrennt und der Magen entfernt worden. Darüber hinaus wurden seine Beine verstümmelt. Nach Polizeiangaben wurde der Körper später verbrannt und konnte kaum identifiziert werden. Angehörige identifizierten die Leiche anhand der Stirn des Jungen.
(http://info.kopp-verlag.de/data/image/redaktion/2012-08/Brutal%20verstuemmelter%20Leichnam%20eines%20elfjaehrigen/Bild_1.jpg)
Yaquub wohnte in der christlichen Siedlung in Faisalabad und wurde seit dem 20. August vermisst.
Zum letzten Mal war er auf dem Weg zum nahegelegenen Markt gesehen worden. Seine verstümmelten Überreste wurden am muslimischen Feiertag Eid ul-Fitr gefunden, der das Ende des Fastenmonats Ramadan markiert.
Ermittlungsbeamte versuchen nun herauszufinden, ob im Vorfeld der Tat Vorwürfe wegen Gotteslästerung gegen das Kind erhoben worden waren. Yaquub galt als Waise, aber die britische Tageszeitung The Telegraph berichtete, seine Mutter sei in der örtlichen Presse mit der Bemerkung zitiert worden, es habe keine derartigen Vorwürfe gegeben. »Wir haben weder Telefonanrufe wegen eines Lösegeldes erhalten, noch wurde uns mitgeteilt, Samuel habe Gotteslästerung begangen«, sagte sie.
Wenn einer christlichen Gemeinde vorgeworfen wird, die Gesetze gegen Gotteslästerung verletzt zu haben, drohen oft brutale Folgen, berichtete die Nichtregierungsorganisation World Public Forum.
Der Tod des elfjährigen Jungen ereignete sich nur eine Woche, nachdem eine junge Christin, die am Down-Syndrom leidet, unter dem Vorwurf der Blasphemie verhaftet wurde, weil sie angeblich Seiten aus dem Koran verbrannt habe. Riftah Masih wurde von Muslimen aus der Nachbarschaft geschlagen, als diese angeblich sahen, dass sie beim Kochen einige Seiten aus dem Heiligen Buch verbrannte. Einige Hundert Christen flohen aus Furcht vor weiteren Gewalttaten aus ihren Häusern und Wohnungen, nachdem die Moscheen über den angeblichen Zwischenfall über Lautsprecher berichteten und Hunderte erboster Muslime auf die Straßen stürmten.
In Pakistan werden Personen, die der Gotteslästerung beschuldigt werden, sofort verhaftet und den meisten wird eine Freilassung auf Kaution verweigert, um Ausschreitungen der wütenden Menge zu verhindern. Die Beschuldigten werden zu ihrem eigenen Schutz grundsätzlich in Einzelhaft untergebracht, um Übergriffe seitens der anderen Häftlinge oder sogar des Wachpersonals zu verhindern.
Wie die Washington Post berichtet, verlassen selbst diejenigen, die vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen werden, dennoch oft Pakistan, weil es zu den Ländern gehört, in denen die Scharia, das islamische Recht, am schärfsten und striktesten angewendet wird.
Bisher wurden keine Todesurteile wegen Gotteslästerung vollstreckt, aber gegen die Christin Asia Bibi, Mutter von fünf Kindern, wurde vor zwei Jahren die Todesstrafe verhängt, aber noch nicht vollstreckt. Möglicherweise wird sie begnadigt.
Shahbaz Bhatti, selbst Christ und Minister, sowie das Mitglied der pakistanischen Regierungspartei, Salmaan Taseer, wurden beide ermordet, weil sie sich im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Bibi gegen die Gesetze gegen Gotteslästerung aussprachen.
Im vergangenen Monat wurde ein Mann, dem vorgeworfen wurde, den Koran entweiht zu haben, von einem Mob aus dem Polizeirevier geholt und zu Tode geprügelt.
Ali Dyan Hasan, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, erklärte: »Die Gesetze [des Landes gegen Gotteslästerung] haben diese rechtlichen Instrumentarien und Möglichkeiten geschaffen, die jetzt in verschiedenster Weise benutzt werden, um einzuschüchtern, Zwang auszuüben, zu schikanieren und zu verfolgen.«