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römisch-katholisch => Fragen und Themen zum katholischen Glauben => Thema gestartet von: Logos am 01. September 2012, 23:39:46

Titel: Gesetzesreligion, Pharisäer etc.
Beitrag von: Logos am 01. September 2012, 23:39:46
Liebe Mitchristen,

die heutige Predigt war sozusagen eine Herausforderung für mich. Es geht ja darum, wie Jesus die Pharisäer getadelt hat wegen ihrer Einhaltung der Gesetze. Bisher meinte ich immer, es zu verstehen, warum Jesus die Pharisäer so hart angegangen hat, also nicht nur in diesem Beispiel.
Doch was der Priester dann predigte, das führte einerseits zu Verunsicherung bei mir und gleichzeitig regte sich ein gewisser innerer Widerstand. Da fiel dann irgendwann das Wort Gesetzesreligion in Verbindung mit dem Christentum. D.h. in dem Sinne, dass es leider auch das Christentum als Gesetzesreligion geben kann. Ich habe eben gegoogelt, was dieser Begriff eigentlich bedeutet, bin da jetzt aber nicht wirklich schlauer geworden. Außer dass das Judentum und der Islam mitunter so genannt werden. Bzw. etwas geholfen hat mir die Seite juedisches-recht.de, wo es u.a. heißt:

"In neuerer Zeit wird vielfach mit einer Umbiegung des ursprünglichen Gegensatzes zwischen Judentum und Christentum das erstere als Religion des Gesetzes dem letzteren als Religion der Liebe entgegengestellt."

Andererseits heißt in der heutigen Lesung aus dem Buch Deuteronomium:

Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; ihr sollt auf die Gebote des Herrn, eures Gottes, achten, auf die ich euch verpflichte. Ihr sollt auf sie achten und sollt sie halten.


Wahre Nächstenliebe (im christlichen Sinne!) ist doch nur durch gleichzeitige Einhaltung der Gebote Gottes möglich. Sonst kommt man - im wahrsten Sinne des Wortes  hlczq schneller als man denkt in Teufels Küche!

Weiter ging es in der Predigt von wegen von Menschen gemachte Gebote... die dann vielleicht auch zu der bestimmten Zeit durchaus ihren Sinn oder Berechtigung  hatten... (so sinngemäß) Dass damit anscheinend die Gebote der Katholischen Kirche gemeint sind, wurde mir spätestens an der Stelle klar, was es doch damals für einen Aufschrei gab, als es hieß Handkommunion statt Mundkommunion, wo es doch nur auf die innere Haltung ankommt...

Ich weiß nicht, ob ich mich irre, ich wollte es wäre so!, aber mir kommt das vor, als ob das Beispiel mit den Pharisäern sozusagen als Rechtfertigung für noch anstehende (?!) Änderungen in der katholischen Lehre verwendet wird.
Titel: Antw:Gesetzesreligion, Pharisäer etc.
Beitrag von: velvet am 02. September 2012, 11:46:25
Liebe Logos,
 mit Deiner Vermutung liegst Du wohl richtig. Soweit mir bekannt ist bekamen die Priester eine extra Weihe für Daumen und Zeigefinger, mit der sie die Hostien anfassten, damit sollte der Leib Christi nicht verunreinigt und dem Gläubigen direkt in den Mund gelegt werden. Die Handkommunion läßt es zu, dass die Hand der Gläubigen den Leib Christi verunreinigt und ich weiß auch nicht, ob diese Weihen bei den Priestern heute noch stattfinden. Hier ein Video zu dem Thema:

http://youtu.be/5FKqYKowoSI (http://youtu.be/5FKqYKowoSI)

Ein weiterer Link zu unserer Webseite hier: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=heilige%20mundkommunion&source=web&cd=3&cad=rja&ved=0CC4QFjAC&url=http%3A%2F%2Fkath-zdw.ch%2Fmaria%2Fkommunionhelfer.html&ei=ASRDUJHyM4n54QTtnIDoCQ&usg=AFQjCNF5EHRi6xkXTSXN1zLfRV5CjmiheQ (http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=heilige%20mundkommunion&source=web&cd=3&cad=rja&ved=0CC4QFjAC&url=http%3A%2F%2Fkath-zdw.ch%2Fmaria%2Fkommunionhelfer.html&ei=ASRDUJHyM4n54QTtnIDoCQ&usg=AFQjCNF5EHRi6xkXTSXN1zLfRV5CjmiheQ)

http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=heilige%20mundkommunion&source=web&cd=4&cad=rja&ved=0CDMQFjAD&url=http%3A%2F%2Fkath-zdw.ch%2Fmaria%2Fhl.eucharistie.html&ei=ASRDUJHyM4n54QTtnIDoCQ&usg=AFQjCNEcZNrpPXI5gGRt47WoA1otlyFGYQ (http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=heilige%20mundkommunion&source=web&cd=4&cad=rja&ved=0CDMQFjAD&url=http%3A%2F%2Fkath-zdw.ch%2Fmaria%2Fhl.eucharistie.html&ei=ASRDUJHyM4n54QTtnIDoCQ&usg=AFQjCNEcZNrpPXI5gGRt47WoA1otlyFGYQ)
Päpstliche Liturgiereform: Bei Papstmessen generell nur mehr Mundkommunion

(http://www.katholisches.info/wp-content/uploads/Mundkommunion-als-w%C3%BCrdiger-Kommunionempfang-300x228.jpg)

(Vatikan) Zum ersten Mal seit der Liturgiereform wurde bei einer Papstmesse die Heilige Eucharistie generell nur als Mundkommunion gespendet. Die von Papst Benedikt XVI. zelebrierte Mitternachtsmette im römischen Petersdom war erneut eine Premiere für einen würdevollen Umgang mit dem Allerheiligsten. Nicht nur der Papst teilte die Kommunion nur in den Mund aus, sondern allen Priestern war eine entsprechende Anweisung erteilt worden.

Es handelt sich um die zweite bedeutende Neuerung dieses Pontifikats beim Kommunionempfang. Eine Stärkung des Bewußtseins, daß Christus in der Heiligen Eucharistie real präsent ist und daher der Umgang mit dem Allerheiligsten zentrale Beachtung und besondere Ehrfurcht von jedem Gläubigen verlangt, sieht Papst Benedikt XVI. vor allem in einer ehrfürchtigen und würdevollen Form des Kommunionempfangs. So kehrte Papst Benedikt XVI. bei päpstlichen Liturgien zur ausschließlichen Mundkommunion zurück.

Seit 2008 wird die vom Papst gespendete Heilige Kommunion nur mehr knieend empfangen und dazu die Patene verwendet. Nun machte der Papst die Mundkommunion zur normalen und ausschließlichen Form des Kommunionempfangs bei päpstlichen Liturgien. Entsprechende Anweisungen wurden den kommunionspendenden Priestern im Petersdom erteilt.

Die päpstlichen Sicherheitskräfte der Basilika machten die Gläubigen, die sich zum Empfang der Heiligen Kommunion einreihten, darauf aufmerksam. Nur wenigen unaufmerksamen Gläubigen, die gewohnheitsgemäß dennoch ihre Hände vorstreckten, mußten die Priester zu verstehen geben, daß der Empfang nur in den Mund möglich ist.

Auf die Neuerung machte der amerikanische Priester John Zuhlsdorf auf seinem Blog Father Z’s Blog aufmerksam.

Wegen ihres entscheidenden Vorbildcharakters kommt der päpstlichen Liturgie weltweit eine besondere Bedeutung zu.

(Messainlatino/Giuseppe Nardi, Bild: CTV/Summorum pontificum)

Hier noch die Erklärung des Begriffs "Gesetzesreligion" (Wickipedia)

Gesetzesreligion

Der Begriff der Gesetzesreligion beruht auf der paulinisch-augustinischen und später auch lutherischen Gegenüberstellung des „toten Gesetzesbuchstabens“ mit dem erlösungsspendenden Glauben und wird seit dem 19. Jahrhundert verwendet. Demnach werden alle Religionen als Gesetzesreligionen bezeichnet, die durch eigene menschliche Leistung das Heil bewirken wollen und auf den Menschen hauptsächlich durch verpflichtende Ge- und Verbote einzuwirken suchen. Eine Definition, auf welche Religionen dies zutrifft, kann je nach theologischem Standpunkt unterschiedlich ausfallen. Eine klare Zuordnung ist aus religionswissenschaftlicher Perspektive nicht möglich. Christliche Theologen bezeichnen oftmals Judentum und Islam als Gesetzesreligionen, um diese damit von ihrem Ideal des Christentums abzugrenzen. In vielen christlichen Konfessionen sind die Merkmale einer Gesetzesreligion jedoch ebenfalls ausgeprägt. Auch dem Judentum und dem Islam ist der Gedanke der erlösenden Gnade Gottes nicht fremd. Auch hier spielen Glaube, Gesinnung und Nächstenliebe eine Rolle. Je nach Strömung werden unterschiedliche theologische Schwerpunkte gesetzt. Im orthodoxen Judentum wurde auch versucht, den Begriff der Gesetzesreligion positiv zu besetzen. Der Islam wird von Außenstehenden auch aufgrund der nicht vorhandenen Trennung von Religion und Staat und des islamischen Gesetzes (Scharia) als Gesetzesreligion bezeichnet.


Vermutlich durch die 10 Gebote und das Gebot der Nächstenliebe, wie auch der Sakramente kann dieser Begriff für unseren Glauben angewandt werden, was aber zu einer Veränderung dieser Grundlage nicht berechtigt.

Liebe Grüsse

velvet
Titel: Antw:Gesetzesreligion, Pharisäer etc.
Beitrag von: Botschafter am 02. September 2012, 17:09:01
Hallo Logos

Die Handkommunion wurde als Ausnahme erlaubt.

Innerkirchliche Kräfte benutzten dies, um aus der Ausnahme die Regel zu machen mit dem Ziel, die Eucharistie zu banalisieren, die Realpräsenz JESUS im allerheiligsten Altarssakrament zu verbergen, damit den Mahlscharakter hervorzuheben um sich so den Protestanten anzugleichen.

Das Gleiche gilt für die Pastoralassistenten und verh. Diakone als Gegenpriester. Vorallem das duale Zelebrieren der Eucharistie im benachbarten Vorarlbergischen finde ich sehr grässlich. Aber die Bischöfe, die Bischöfe, sie hören auf ihre Einflüsterer, wegen ihrer Karriere und ihrem schönen Leben... Dem HERRN sind die Mieltlinge am Altar ein Gräuel, siehe Myrtha Maria Grub: http://myrtha-maria.blogspot.ch/ (http://myrtha-maria.blogspot.ch/)
Titel: Antw:Gesetzesreligion, Pharisäer etc.
Beitrag von: Logos am 04. September 2012, 23:28:00
Liebe Velvet,

danke für die Links, insbesondere auch für das Video. Nach solchen Priestern muss man wohl heute schon im Internet suchen, sie sind mittlerweile Rarität, scheint mir.

Ich kann es für mich nur so erklären: entweder wird tatsächlich nicht mehr an die Realpräsenz geglaubt oder die äußerliche Ehrfurcht (kniende Mundkommunion) gilt als pharisäerhaft, wo es doch nur um die richtige Einstellung des Herzens geht. Nur dann frage ich mich allerdings, wozu wir denn überhaupt noch in der Kirche knien?!

Also, wenn ich mir überlege, was ich alles so anfasse, bevor ich überhaupt in die Kirche zur Hl. Messe gelange und da soll ich mit meinen dreckigen Pfoten...?? Kann das denn jetzt Pharisäertum sein, wenn ich mich gegen diese Form des Kommunionsempfangs total sträube? Natürlich darf es dabei auch nicht an der entsprechenden inneren Haltung fehlen, aber ist es nicht gerade die äußere Form, welche die entsprechende innere Einstellung fördert? Wer von uns will etwa von sich behaupten, dass er mit den Händen in der Taschen zur Kommunion schreitet und trotzdem volle Ehrfurcht für das Allerheiligste empfindet?

Demnach werden alle Religionen als Gesetzesreligionen bezeichnet, die durch eigene menschliche Leistung das Heil bewirken wollen

Dann kann es sich schon mal nicht um den katholischen Glauben handeln.

Zitat
und auf den Menschen hauptsächlich durch verpflichtende Ge- und Verbote einzuwirken suchen

Dann scheint es also auch unter den Christen solche Glaubensrichtungen zu geben, das würde dann die Sache erklären. Somit auch das Gegenteil zu der sog. Allerlösung, bei der die menschliche Leistung gar nicht zählt und die Einhaltung der Gebote erübrigt sich ja von selbst.

LG
Logos
Titel: Antw:Gesetzesreligion, Pharisäer etc.
Beitrag von: Logos am 05. September 2012, 00:45:58

Die Handkommunion wurde als Ausnahme erlaubt.

Und dass es noch heute gilt, das wissen vermutlich nur noch die wenigsten Gläubigen.

Zitat
Innerkirchliche Kräfte benutzten dies, um aus der Ausnahme die Regel zu machen mit dem Ziel, die Eucharistie zu banalisieren,

Ziel erreicht - würde ich sagen.  >:( Fragt sich nur, wie lange es dauert bis...

Zitat
die Realpräsenz JESUS im allerheiligsten Altarssakrament zu verbergen,

diese dann auch tatsächlich geleugnet wird!

So gibt es also wirklich zumindest im deutschsprachigen Raum keinen einzigen Bischof, der sich offen für die Mundkommunion ausspricht und das obwohl diese weder durch das 2. Vatikanische Konzil "abgeschafft" wurde und der Papst selber nur noch kniende Mundkommunion zulässt? Nicht einer der als konservativ geltenden Bischöfe hat den Mut dazu?!

Buch Jeremia 23,1-6.

Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen - Spruch des Herrn.
Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert. Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten - Spruch des Herrn.

Johannes 10,11-18.:

Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

Maranatha