Hl. Leopold von Österreich - Landespatron
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Leopold – ein echt österreichischer Heiliger
Im Zuge der Vereinigung der beiden Franziskanerprovinzen Tirol und Wien stellt sich der Orden unter den besonderen Schutz des hl. Leopold. Der Heilige ist auch der Schutzpatron für Österreich.
Über 150 Ortsnamen in Österreich haben die Beifügung Sankt: von St. Aegid über St. Florian bis zu St. Wolfgang usw. Und das „heilige Land“ ist nicht einmal Tirol, sondern die Steiermark. Ein Drittel der Sankt-Namen betrifft Orte in diesem Bundesland.
Dieses Sankt gibt zugleich den Patron oder die Patronin dieser Orte bzw. ihrer Pfarrkirche an. Jede Pfarre hat ihren eigenen Heiligen, ihren Schutzpatron. Die Heiligenverehrung beginnt schon in der frühen Kirche. Vor allem Märtyrer waren hoch angesehen. Diese Vorbilder christlichen Lebens, die für den Glauben ihr Leben hingaben, wurden beim oder unterm Altar beigesetzt. Ihr Opfer verbindet sich mit dem Opfer Christi zum Segen und Schutz für die Gemeinde. Eine Kirche war stolz, solche Zeugen und ihre Reliquien zu haben. Sie galten als von Gott Geheiligte. Sie waren – zunächst ohne kanonische Heiligsprechung – Heilige wegen ihrer Verbundenheit mit Christus im Leben und im Sterben.
Fürsprecher für alle Lebensbereiche.
Wie man im Leben gute und einflussreiche Menschen als Schützer braucht, so betrachtete man die Heiligen erst recht als Fürsprecher bei Gott und Schützer auf Erden. Sie wurden zu Patronen für Kirchen, Orte und Menschen. Freigelassene, Arme, Kinder usw. brauchten Schutz und Hilfe, rechtlichen und sozialen Beistand. Gott ist Vater, Pater aller. Seine Vaterschaft und Väterlichkeit geht über auf Menschen, die so zu Paten, zu Patronen werden. Je größer die Nähe zu Gott, somit die Heiligkeit, besonders durch das Martyrium, umso mehr war ihr Patronat geschätzt und verbreitet. Von Anfang an waren darum besonders Stefan, Laurentius, die Apostel, die Märtyrer des Messkanons oder die Nothelfer zu Patronen geworden. Später wurden die Patrone zu „Spezialisten“. Sie hatten ein oder mehrere Patronate – bis zu zehn und mehr – für bestimmte Stände, Gruppen, Berufe, Gebiete. Es gab und gibt Patrone für Gutes wie Gesundheit, Ernte, Erfolg usw. oder gegen Übel wie Unwetter, Krankheiten, Unheil und allerlei Nöte. Leben und Legende der Heiligen, ihre Namen und ihre Attribute, Erfahrungen und Erhörungen machten sie zu Patronen für bestimmte Anliegen, Umstände und Ressorts. St. Nikolaus wird zum Patron der Kinder, St. Florian gegen Feuergefahr, Christophorus für Fahrzeuge usw. Der heilige Leopold ist ein spezifisch österreichischer Heiliger. Darum ist er der Landespatron von Österreich. Der große Markgraf an der Wiege des Landes von 1075-1136 wird am 15. November jedes Jahres gefeiert. Besonders in Klosterneuburg, wo sein Grab ist. Das Fasslrutschn zählt bei den Besuchern zum populären Brauchtum im Stift.
Die „Schleierlegende“
Über die Gründung des Stifts Klosterneuburg berichtet eine Sage, die sogenannte „Schleierlegende“. Als Markgraf Leopold III. von Österreich im Jahr 1105 seine Agnes ehelichte, riss ein Windstoß den Brautschleier mit sich, als die Frischvermählten auf den Söller der Burg auf dem Leopoldsberg traten. Trotz unmittelbarer Suche gelang es nicht, den Schleier zu finden. Da versprach Leopold, an der Stelle, an der der Schleier gefunden werde, ein Kloster zu erbauen. Es sollte neun Jahre dauern, bis es so weit war. Leopold war sehr fromm und im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst romtreu; er nannte sich selbst einen „Sohn des hl. Petrus“. Er gründete Kirchen und Klöster. Mit seiner Gattin Agnes, einer Kaisertochter, hatte er 18 Kinder; ein Sohn, Otto, wurde Bischof von Freising; ein anderer, Konrad, Bischof von Salzburg. Leopold war ein Vorbild als Vater und Herrscher. Er war aus dem Geschlecht der Babenberger, die von 976–1246 Österreich regierten. Leopold, Luitpold ist ein altdeutscher Name und bedeutet soviel wie „der Kühne im Volk“ und damit auch Schützer des Volkes. Fünf weitere Babenberger hießen Leopold. Die Verehrung Leopolds erfolgte sofort nach seinem Tod. Im Jahr 1485 wurde er heilig gesprochen, u.a. für seine Friedenspolitik. Seine Regierungszeit 1095-1136 war die längste Friedensperiode in der österreichischen Geschichte (mit Ausnahme der Zeit nach 1945) und das ist sein besonderer Verdienst. Für Österreich bedeutend ist, dass diese Friedensperiode von Leopold dazu genützt wurde, um das Land zu stärken und die Basis für die Sonderentwicklung Österreichs zu legen (Erhebung zum Herzogtum 1156).
Echt österreichisch
Kaiser Leopold I. (1657-1705) aus dem Haus Habsburg, der schwere Zeiten durchmachte (Türkenbelagerung, Intrigen seitens Frankreich) vertraute dem hl. Leopold. 1663 erwählte der Kaiser seinen Namensvettern zum Landespatron von Österreich. Überall entstanden Kirchen und Bildstöcke zu Ehren des Schutzheiligen. Leopold wurde zum viel gebrauchten Taufnamen, ja, er wird zum spezifisch österreichischen Namen als Poldl, Poldi und Leopoldine.
Sankt Leopold – Patron der Austria.
Es war von Anfang üblich, dass die Provinzen des Franziskaner-Ordens – derzeit sind es 125 – einen Patron haben. Meistens sind es Heilige des Ordens. So hieß die Observantenprovinz, die der hl. Johannes Kapistran 1451 gegründet hatte, bis eben zum 21. Oktober 2007 „Wiener Franziskanerprovinz zum hl. Bernardin von Siena“. Die Tiroler Provinz hatte einmal schon den hl. Leopold als Patron. Die neue Provinz Austria umfasst nun ganz Österreich und Südtirol. Da der hl. Leopold schon Landespatron ist, wurde er auch Patron der neuen Provinz.
Pater Wolfgang Frühwirth OFM
Nationalassistent der Franziskanischen Gemeinschaft Österreichs