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Empfehlungen => Kalenderereignisse => Thema gestartet von: velvet am 18. November 2012, 14:13:19

Titel: Hl. Korbinian Missionar, Bischof von Freising
Beitrag von: velvet am 18. November 2012, 14:13:19
Hl. Korbinian Missionar, Bischof von Freising

(http://donatus-brand.kibac.de/medien/957a955d-cd44-4e74-bc67-766806ca5654/korbinian.jpg)

Johannes Goldner schreibt in dem Büchlein Bayerische Heilige: „Wir heutigen Menschen haben in unserer technisierten Arbeitswelt eine weitgehend realistisch ausgerichtete Lebensanschauung. Unsere Vorfahren dagegen waren mit ihren Sehnsüchten nach einem besseren Leben in einer anderen, unsichtbaren Welt ausgerichtet. Für sie verfügten die Heiligen über unerklärliche Kräfte. Wenn wir einige Heilige aus dem Dunkel der Geschichte hervortreten lassen, so vermögen sie – auch heute noch – unsere Aufmerksamkeit zu wecken.“ - Zu den frühen bayerischen Heiligen zählt Korbinian.

Was wir über Korbinian wissen, hat Arbeo von Freising  aus lebendiger Tradition schon wenige Jahrzehnte nach dessen Tod aufgeschrieben. Sein Bericht ist also geschichtlich fundiert. Für die keltische Herkunft Korbinians spricht auch die Bitte des Virgil von Salzburg, seinen Lebenslauf aufzuschreiben.

Der Name Korbinian heißt nach Alfred Läpple nach dem lateinischen Wort Corvinus, kleiner Rabe. Er kann aber auch aus dem Keltischen stammen und  vielleicht Freund des Kummers oder Befreier von Sorgen bedeuten. Jedenfalls wurde der Heilige um 680 in Melun bei Chartrês südlich von Paris, geboren. Sein fränkischer Vater Waltekis starb kurz darauf, seine irische Mutter Corbiniana, als er dreizehn war. In der Taufe erhielt er den Namen seines Vaters, wurde aber später stets nach seiner Mutter Korbinian genannt. In seiner Jugend baute er sich in der Nähe seines Heimatortes bei einer Kapelle zum hl. Germanus eine Zelle und soll dort 14 Jahre als Einsiedler gelebt haben. Als es sich herumgesprochen hatte und immer mehr Menschen seinen Rat  erfragten, pilgerte er um 709/710 nach Rom, um den Papst um einen ruhigeren Ort zu bitten. Dort weihte ihn Papst Konstantin I. zum Bischof, erteilte ihm die Predigterlaubnis und riet ihm, sich der Missionsarbeit zu widmen, weil am Rande des Frankenreiches noch viele Heiden lebten. Auf seinem Rückweg gründete Korbinan in Kuens oder Kains bei Meran in Südtirol ein kleines Kloster mit unbekannter Regel. Da er aber mit seinen Erfolgen unzufrieden war und glaubte, versagt zu haben, zog er 714 ein zweites Mal nach Rom, um sich durch den Papst von seinem Amt entbinden zu lassen. Dabei führte ihn sein Weg durch Schwaben und Bayern. Unterwegs machte er jedoch durch seine Gestalt und seine wortgewaltige, eindringliche Sprache großen Eindruck auf die Menschen, sodass sich viele bekehrten. Der alte Herzog Theodo II. von Regensburg nahm ihn an seinem Hof freundlich auf. Sein Sohn Grimoald und er wollten ihn als Bischof behalten und versuchten, ihn zum Bleiben zu bewegen. Er ließ sich aber nicht aufhalten, versprach jedoch, bald wiederzukommen. Auf seinem beschwerlichen Weg über den Brenner wurde sein Lasttier von einem Bären angefallen. Nach der Bärenlegende zwang er daraufhin das wilde Tier, sein Gepäck auf seinem Rücken zu schleppen. Papst Gregor II. ging allerdings nicht auf seine Bitten ein und schickte ihn zurück nach Bayern. Auf der Rückreise von Rom ließ er sich tatsächlich auf Bitten des Herzogs Grimoald in Freising nieder, wurde so zum 1. Bischof von Freising und begann seine in ganz Bayern erfolgreiche Missionsarbeit.

Sein Verhältnis zum Herzog war gut, bis er ihm seine unrechtmäßige Ehe mit seiner Blutverwandten, der Herzogin Piltrudis vorwarf. Korbinian floh vor dem Herzogspaar, um einem Mordanschlag der Herzogin zu entgehen in seine Einsiedelei nach Kuens an der Passer bei Meran. Nachdem Herzog Grimoald in einer Fehde mit den Franken gefallen und Piltrud in der Verbannung war, wurde er von dessen Nachfolger, dem Herzog Hugibert wieder zurückgerufen. Das Volk empfing den Bischof mit Jubel und er fand Rechtfertigung und Anerkennung. Auf einen kleinen Berg im Westen von Freising neben einem alten Kastell baute er eine kleine Kirche zu Ehren des hl. Stephan, aus der später die Benediktinerabtei Weihenstephan hervorging.

Dass Korbinian auch zornig sein konnte, zeigt folgende überlieferte Szene: „Als Korbinian zum herzoglichen Tisch geladen war und der Herzog seinem Lieblingshund ein Stückchen Brot zuwarf, das Korbinian vorher gesegnet hatte, war der Bischof nicht mehr zu halten: Er stieß den Tisch mit Geschirr und Speisen mit seinen Füßen um und verließ unter Zorn die herzogliche Burg.“

Korbinian starb am 8. September  725 oder 730. Zunächst wurde sein Leib – entgegen seinem Willen – in der Domkirche von Freising beigesetzt. Aber ein 30 Tage dauernder Regen soll die Leute bewogen haben, ihn gemäß seinem Wunsch in Kuens neben dem Grab des hl. Valentin in der Zenoburg bei Meran beizusetzen. Sofort soll der Regen aufgehört haben. Als Ende des 8. Jhs. Bischof Arbeo von Freising Anspruch auf die Reliquien des Heiligen erhob, kehrten sie auf Umwegen über Passau und Regensburg am 20. 11. 765 oder 769 wieder heim nach Freising. Noch heute ruhen sie in der Unterkirche des Domes im goldenen Schrein auf dem Sarkophag des Korbiniansaltares. Korbinian ist einer der wenigen Heiligen, der drei Gedächtnistage hat: Im römischen Martyrologium ist sein Fest am 8. 9. ; im Bistum Bozen-Brixen ist der 9. 9. sein Gedenktag und in der Erzdiözese München-Freising feiert man den Patron der früheren Bischofsstadt Freising  und der ganzen Erzdiözese München und Freising am 20.11. dem Tag seiner Überführung mit einer Reliquienprozession. Bleibt noch festzuhalten, dass Freising die Ursprungstätte dieses Bistums war, da der Bischofssitz erst 1821 nach München verlegt wurde.

Die Wallfahrt zu seinem Grab begann bald nach der Überführung des Heiligen in den Freisinger Dom. Aus dem 10. Jh. stammt eine Predigt zum Korbinianfest mit dem Hinweis auf Wunder. Aus dem 12. Jh. gibt es einen ersten überlieferten Wunderbericht. Bis zum 16. Jh. gilt die Berührung seines Grabes als Kultübung. Im 19. Jh. wird die Korbinian Wallfahrt wiederbelebt und seit 1941 gibt es die traditionelle Wallfahrt der Diözesanjugend. - Dargestellt wird er als Mönch oder als Bischof mit Buch, Stab und Kirche und meistens auch mit einem lastentragenden Bären.

Peter Stockmeier schreibt: „Korbinian zählt nicht zu den großen Gestalten der Kirchengeschichte; er war weder Reformer noch Organisator wie vielleicht Bonifatius. Die Verbundenheit der Freisinger Kirche mit ihrem ersten Bischof zeigt allerdings auch dem abwägenden Historiker, wie sehr sich Land und Volk ihm als Missionar und Helfer verpflichtet wussten.“