Hl. Gatianus
(http://medieval.mrugala.net/Enluminures/Divers/Missel%20a%20l%27usage%20de%20la%20cathedrale%20de%20Tours%20(1475-1500)%20-%20Saint%20Gatien%201er%20eveque%20de%20Tours%20.jpg)
Die Päpste waren zu jeder Zeit darauf bedacht, den Auftrag zu vollziehen, welchen der göttliche Heiland den Aposteln gab mit den Worten: „Gehet hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16, 15) So sandte auch der heilige Papst Fabian um das Jahr 250 sieben Bischöfe nach Gallien, damit sie dort das Christentum sowohl ausbreiten, als auch, wo es bereits Fuß gefasst hatte, pflegen und befestigen möchten. Unter diesen Bischöfen war neben dem heiligen Dionysius, Bischof von Paris, und dem heiligen Saturninus, Bischof von Toulouse, der heilige Gatian, der seinen bischöflichen Sitz zu Tours aufschlug. Er war der erste Bischof dieser Stadt, in deren Gegend das Heidentum damals noch üppig wucherte. Ein dornenvolles Arbeitsfeld war da dem Heiligen angewiesen, allein glühend von Liebe zu Gott und den Seelen ging er mutvoll an sein Tagewerk; keine Mühen, keine Leiden konnten ihn aufhalten in seinem Streben, Seelen zu retten. Mit Feuereifer verkündete Gatian das heilige Evangelium, und durch Gebet und Werke der Buße rief der den Tau des göttlichen Segens auf den ausgestreuten Samen der christlichen Lehre herab, dass dieser die reichsten Früchte brachte. Gar viele Heiden bekehrten sich.
Satan jedoch, der Feind alles Guten, ließ den frommen Diener Gottes nicht ungestört wirken, sondern fachte gegen ihn Verfolgungen an, so dass Gatian oft gezwungen war, in unterirdischen Höhlen mit seinen Gläubigen die heiligen Geheimnisse zu feiern. Erbitterte Götzendiener strebten ihm nach dem Leben, und der heilige Bischof musste sich, um der Todesgefahr zu entgehen, verborgen halten. Nicht fürchtete er den Tod, sondern er wollte selbst auf die Freuden des Himmels länger verzichten, um für die Verherrlichung Gottes und das Heil der Seelen noch mehr wirken zu können. Fünfzig volle Jahre arbeitete Gatian im Weinberg des Herrn, unermüdlich tätig, bis Gott ihn zur ewigen Ruhe rief. Seine Reliquien wurden viele Jahre in der Kathedrale von Tours hoch verehrt, und der heilige Bischof Martinus pflegte vor ihnen in großer Not des Heiligen Fürbitte anzurufen. Im Jahr 1562 wurden sie von den Hugenotten entweiht und verbrannt.
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Anwendung: Gatian rettete sein Leben, um noch länger im Weinberg des Herrn arbeiten zu können. Welchem Stand auch immer wir angehören, unsere Seele ist auch ein Weinberg Gottes, in den der Herr uns zur Arbeit sendet. Aber da meinen manche, schon Feierabend machen zu dürfen, bevor sie recht zu arbeiten angefangen. Sind wir bisher saumselig gewesen, so bessern wir uns, denn vielleicht ist für uns die elfte Stunde da!
Gebet: Verzeihe uns, o Herr, die bisherige Saumseligkeit und sporne uns durch deine Gnade an, alles mit Gewinn noch einzubringen, was wir versäumt haben. Amen.
Quelle: P. Philibert Seeböck,