Hl. Basilius der Große, Bischof und Kirchenlehrer
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Einführung in die Person des Hl. Basileios des Großen von Prof. Dr. Konstantin Nikolakopoulos, München
Basileios der Große (329‐379 n. Chr.), eine der wichtigsten heiligen Persönlichkeiten der Alten ungeteilten Kirche, gilt als ein hervorragender Kirchenlehrer und ‐autor, begnadeter Kirchenpolitiker, Seelsorger und unermüdlicher Verfechter des orthodoxen Glaubens. Basilius wird nicht nur zu den Kirchenvätern gezählt, sondern gilt auch als der Vater des östlichen Mönchlebens. Geboren wurde er 329 in Cäsarea von Kappadokien (heute: Südosttürkei) als Sohn des begnadeten Rhetors und Advokaten Basilius und als älterer Bruder eines anderen großen Heiligen der Ostkirche, des Gregor von Nyssa. Basilius wuchs auf einem Landgut der Familie heran unter der Obhut und dem Einfluss der Mutter seines Vaters, der älteren Makrina. Von seiner kinderreichen Elternfamilie wurden außer ihm noch zwei weitere Brüder Bischöfe und die älteste Schwester eine Heilige, das Vorbild eines asketischen Lebens.
Basilius studierte Rhetorik, Grammatik und Philosophie in Cäsarea, Konstantinopel und Athen und schloss dort mit dem anderen großen Kirchenvater, Gregor von Nazianz dem Theologen, einen innigen Freundschaftsbund. 356 in die Heimat zurückgekehrt, lehrte Basilius in Cäsarea Rhetorik, beschloss aber nach seiner Taufe im selben Jahr, seine glänzende Laufbahn aufzugeben, um Einsiedler zu werden. Das geschah unter dem Einfluss seiner Schwester Makrina, die mit der verwitweten Mutter Emmelia und einigen Jungfrauen im Pontus ein Leben asketischer Frömmigkeit führte. Dabei verschenkte er seinen Besitz an die Armen und sammelte Gleichgesinnte zu klösterlicher Gemeinschaft um sich. Mit seinem Freund, Gregor von Nazianz, arbeitete Basilius zwei Mönchsregeln aus, durch die er, da sie allgemeine Annahme fanden, der Vater des morgenländischen Mönchtums wurde.
Um 364 gewann der Bischof Eusebios den talentierten Basilius als Presbyter für Cäsarea. Einige Jahre später (370) wurde er dann Bischof derselben Stadt und damit nicht nur Metropolit von ganz Kappadokien, sondern auch Exarch der politischen Diözese Pontus. Basilius verfolgte aufmerksam den Verlauf der theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit und beteiligte sich an der Bekämpfung einer der größten Irrlehren seiner Zeit, des
radikalen Arianismus, der die wesensgleiche Gottheit Jesu Christi mit Gott dem Vater ablehnte. Mit Gregor von Nazianz und seinem Bruder Gregor von Nyssa, alle drei genannt als »die drei großen Kappadokier« begründete Basilius die kirchliche Trinitätslehre. Alle drei betonten den scharfen Unterschied zwischen Οὐσία (=Wesen) und Ὑπόστασις (=Substanz, Person). Sie schufen somit die Formel: „ein Wesen, drei Personen.“
Auch auf homiletischem, liturgischem und sozialem Gebiet hat Basilius der Große Beachtliches geleistet; unter anderem prägte seine Theologie die Grundzüge eines alten Liturgieformulars, das in den späteren Jahren als „die Liturgie Basilius’ des Großen» bezeichnet wurde. Bekannt ist Basilius auch als Stifter einer großen Anstalt christlicher Liebestätigkeit, »einer neuen Stadt«, wie sie Gregor von Nazianz nennt, der „Basilias“, vor den Toren von Cäsarea mit einem Hospital, Aussätzigenasyl, Armenhaus und Hospiz.
Die Orthodoxe Kirche begeht sein Gedächtnis am 1. Januar, nämlich am Tag seines Todes im Jahre 379. Basileios ist einer der populärsten Heiligen der Ostkirche, um den sich selbst in den Städten bäuerliches Brauchtum und volkstümliche Neujahrssitten erhalten haben. In eiten Teilen des Geltungsbereichs der Ostkirche erhalten die Kinder am Festtag des hl. Basilius statt an Weihnachten Geschenke. Anlässlich des Neujahrbeginns und des
Basiliustages ziehen die Kinder mit Trommeln, Glocken und Triangeln durch die Straßen, singen Lobgesänge fürʹs Glück, die sogenannten „Kalanda“ und bekommen dafür kleine Geschenke. Einige solche traditionelle Lieder wird Ihnen unser Chor heute Abend präsentieren.
Zu den beliebtesten Basiliussitten gehört vor allem das in allen Familien, Firmen und restlichen Institutionen übliche Schneiden eines Basilius‐Kuchens aus Hefeteig, der sogenannten Vassilopitta. Eingebacken in den Kuchen ist eine Münze, früher eine Silberoder sogar Goldmünze. Dem Glücklichen, der die Münze in seinem Kuchenstück findet, soll ein glückliches Jahr beschert sein. Der Brauch mit dem Glückskuchen wird auf den Bischof Basilius in Kappadokien zurückgeführt. Dieses Land stand damals unter römischer Herrschaft. Der römische Präfekt erhob derart hohe Steuern, dass die meisten Menschen sie nicht aufbringen konnten. Da bat Bischof Basilius die Reichen des Landes, den Anteil der Armen an der Steuersumme zu spenden. Die Vermögenden unter den Kappadokiern gaben und Basilius konnte die geforderte Summe dem Präfekt überbringen. Als der Präfekt hörte, wie der Bischof dieses Gold zusammenbrachte, war er davon derart gerührt, dass er nun auf die Erhebung der Steuer verzichtete.
Das war natürlich eine gute Sache. Doch der Bischof hatte nun ein neues Problem. Er besaß eine große Zahl von Münzen und Schmuckstücken. Es war einfach nicht mehr nachvollziehbar, wer der Spender jeden Teiles war. So ließ Basilius Kuchen backen und in jeden Kuchen eine Münze oder ein Schmuckstück verstecken. Das Gebäck wurde unter den Armen von Kappadokien verteilt. So erhielten sie zu Essen und oft ein kleines Vermögen.
Im Vollzug dieses Brauchs schneidet der Hausherr das Gebäck in gleiche Teile, legt jeweils eins für Christus oder die Muttergottes und den Hl. Basilius, für das Haus und für die „Armen“ beiseite und teilt die restlichen Stücke auf die Familienmitglieder oder das Firmenpersonal auf. Wer das Stück mit der Münze bekommt, wird im neuen Jahr viel Glück haben.