Sel. Heinrich Seuse
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Neben Meister Eckhart und Johannes Tauler gehört Heinrich Seuse zur berühmten Schule der "Deutschen Mystik" des 14. Jahrhunderts. Heinrich wurde Ende des 13. Jahrhunderts bei Konstanz geboren. Sein adeliger Vater war wenig religiös, die Mutter entstammte der Familie der Seuse, deren Namen Heinrich annahm. Kaum dreizehnjährig trat Heinrich in Konstanz in den Orden des hl. Dominikus ein. Als Achtzehnjähriger erlebte er in einer Art Vision seine "geswinde ker", seine Bekehrung. Danach führte Heinrich ein strenges, asketisches Leben. Aus dem Schlüsselerlebnis seiner Bekehrung entfaltete er seine Mystik der "Ewigen Weisheit", die er später in seinem vielgelesenen Buch "Büchlein von der Ewigen Weisheit" niederschrieb. In dieser Mystik sucht er die völlige Entäußerung von den sichtbaren Dingen und die Vereinigung mit Gott durch die Kontemplation der Leiden und Vollkommenheiten Christi. Etwa von 1322 bis 1326 studierte er am Generalstudium der Dominikaner in Köln und war dort Schüler Meister Eckarts. Er wurde ein bekannter und beliebter Prediger und Beichtvater. Vor allem war er aber Seelsorger in vielen oberrheinischen Schwesternklöstern. Alle Leiden und Verleumdungen, die er besonders in den letzten Jahren seines Lebens erdulden mußte, ertrug er in großer Demut und Geduld. Seuse starb am 25. Januar 1366 in Ulm. Papst Gregor XVI bestätigte 1831 sein Verehrung. In den Wirren der Reformationszeit wurde sein Grab zerstört.
Meditationen von H. Seuse:
Die Seele gleicht einer leichten Flaumfeder: wenn sie kein Festhalten
verspürt, wird sie aus ihrer natürlichen Beweglichkeit leicht in die
Höhe zum Himmel hochgetragen; wenn sie aber mit irgend etwas
beladen ist, so sinkt sie nieder. Ebenso wird ein von schwerer
Kümmernis geläutertes Gemüt mit Hilfe geistlicher Betrachtung wie
von seinem natürlichen Adel leicht zu himmlischen Dingen
hinaufgehoben.
Die ewige Weisheit spricht:
Das ist ein würdiges Lob vor meinen göttlichen Augen, dass du mich
von Herzen mit Worten und Werken innig lobest im Leide wie in der
Freude, in aller Widerwärtigkeit ebenso, wie wenn es dir am
allerbesten geht. Denn dann meinst du mich und nicht dich.
Herr, ich erkenne wohl, dass ich wegen meiner Sünden lieber flehen
sollte als dich loben; aber dennoch, verschmähe nicht, von mir gelobt
zu werden. Herr, wenn dich nun Serafim und Kerubim und die große
Zahl der hohen Geister alle nach ihren besten Kräften loben, was
können sie damit mehr ausrichten an deiner Herrlichkeit, die kein Lob
ermessen kann, als die allerkleinste Kreatur?
Ich gehe durch Himmel und Erdreich, die Welt und den Abgrund,
Wald und Heide, Berg und Tal: sie alle zusammen singen mir zu den
herrlichen Gesang deines Lobes, Herr. Wenn ich dann sehe, wie
unbegreiflich schön du alle Dinge ordnest, die schlechten und die
guten, so werde ich wortlos, Herr, wenn ich aber daran denke, dass du
der bist, den meine Seele auserwählt hat, so möchte mein Herz vor
Loben zerspringen.
So spricht die Ewige Weisheit:
Siehe, die kleinste Gabe, die von mir ausgeht im Sakrament, hat in
Ewigkeit einen stärkeren Widerglanz als der wirkliche Sonnenschein.
Sie ist leuchtender als der Morgenstern, sie schmückt dich prächtiger
in ewiger Schönheit, als je die sommerliche Pracht das Erdreich
geschmückt hat.
Die ewige Weisheit spricht:
Du hast mich in dem Sakramente (der Eucharistie) vor dir und bei dir
wahrhaftig und eigentlich als Gott und Menschen, als Seele und Leib,
mit Fleisch und Blut, so wahr mich meine reine Mutter in den Armen
trug und so wahr ich im Himmel bin in meiner vollkommenen
Klarheit.
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