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Gebet => Gebete => Thema gestartet von: Hildegard51 am 13. Dezember 2013, 10:34:05
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Wert der Leiden
Eine fromme Sage meldet,
Wie aus Krefelds Klösterlein
Einst ein Nönnchen ward gesendet,
Krankenpflegerin zu sein.
Liebend pflegte sie die Armen,
Gönnt sich selber keine Ruh,
Tag und Nacht ist sie geschäftig,
Bringt sie bei den Kranken zu.
Eines Tages, matt und müde,
Schreitet sie zur Kirche hin,
Dass den Kranken Heilung werde,
Darum beten ist ihr Sinn.
Am Altare kniet sie nieder,
Einsam ist´s im Heiligtum,
Nur der Schein der Gotteslampe
Sendet Dämmerlicht ringsum.
"Gott der Güte, Gott der Liebe,
Vater der Barmherzigkeit!
Sieh in Gnaden auf die Armen,
Nicht auf meine Sündigkeit!
Sieh die Not der kranken Witwe,
Sieh den Schmerz der Kinder an,
Mit der Magd auch hab Erbarmen,
Die da liegt im Fieberwahn."
Als das Nönnchen so gebetet,
Füllt die Kirche lichter Glanz,
Vor ihr steht der Welterlöser,
Um das Haupt den Dornenkranz.
Das Gesicht voll Blut, zerschlagen,
Ganz voll Wunden und entstellt
Ist der Sohn des ew´gen Gottes,
Der uns schuf, der uns erhält.
"Sieh, mein Kind", so sprach er liebvoll,
"Sieh den Weg zur Seligkeit;
Hier die Leiden, dort die Freuden,
Schmerz ist Saat der Ewigkeit.
Jene Reine, Makellose,
Die im Stalle mich gebar,
Überreich an allen Gnaden,
Auch sogleich voll Schmerz sie war.
Will ich vor der Sünd´ bewahren,
Will ich tilgen Sündenschuld,
Will ich Frömmigkeit belohnen,
Will ich spenden reiche Huld:
Sieh, da sende ich oft Leiden,
Kummer, Not und Traurigkeit;
Diese sind dann Gnadensegen,
Schätze für die Ewigkeit."
Und das Nönnchen voller Demut
Neiget tief zur Erde sich,
Preiset Gottes weise Künste,
Die da walten väterlich.
"Herr", so betet sie voll Glauben,
"Stets Dein heil´ger Will´ gescheh!
Wie in Freuden, so in Leiden,
In der Lust und in dem Weh.
Hier ist gut sein wie auf Tabor,
Doch es ruft mich meine Pflicht,
Segne uns, bevor wir scheiden,
Geh nicht mit uns ins Gericht."
Segnend war der Herr verschwunden,
Einsam war´s im Gotteshaus,
Nur vom Tabernakel strahlten
Bahnen lichten Glanzes aus.