Forum ZDW
Christsein - Mystik - Gaben, Charismen, Früchte. => Ehe und Familie => Thema gestartet von: walter420 am 02. Dezember 2014, 10:24:07
-
Ich würde gerne wissen, ob mein Zustand, so wie er derzeit ist, auch Sünde ist.
Gleich vorweg: Unsere Ehe ist gut, Ehebruch werde ich also keinen zu beichten haben.
Aber es geht bei mir in den extrem umgekehrten Fall. Ich liebe meine Frau sehr und seit unserer Hochzeit (immerhin auch schon 8 Jahre) interessieren mich auch im rein gesellschaftlichen Leben meine anderen Mitmenschen nicht mehr.
Nur mehr meine Frau ist wichtig. Das wirkt sich besonders in meiner Arbeit aus.
Jeder, der in der Arbeit was von mir will, ist mir nur lästig. Und wehe, da kommt ein Kunde knapp vor Dienstende. Der fällt mir besonders lästig, ich will ja pünktlich Schluss machen können. Und wenn ich in der Arbeit mit meiner Frau telefonieren will, braucht mich jemand anderer erst gar nicht anzusprechen. Muss dazu auch sagen, dass meine Frau seit längerer Zeit arbeitslos ist und sich daher während meiner Arbeitszeit ziemlich einsam fühlt.
Dabei heißt es doch, man soll Gott für jeden Tag danken, doch von Herzen kommt das bei mir nur an Wochenenden und Feiertagen. Da ja Arbeitstage eine erzwungene Trennung von meiner Frau bringen, treibe ich oft nur die Zeit, um diese Tage schnell wieder los zu sein. Hier liegt doch die nächste Sünde: Zeit ist ein Geschenk Gottes, egal, wie man sie gerade verbringen muss. Also ist das ständige Treiben der Arbeitstage doch auch Sünde?
Mir sagte mal ein Priester: Die Treue gilt natürlich nur einer, aber die christliche Nächstenliebe gilt allen. Mein Nächster ist immer der/diejenige, der gerade neben mir steht und von mir was braucht.
-
Den Worten dieses Priesters ist nichts hinzuzufügen!
Jeder Mensch - theoretisch jeder der über 7 Milliarden - hat einen Anspruch auf unsere Nächstenliebe. Und wer es dann konkret wird, das bestimmen nicht (immer) wir, wie Dir schon dieser Geistliche erklärt hat.
Dass Du Deine Zeit am liebsten mit Deiner Frau verbringst ist nicht nur natürlich, sondern sollte auch so sein. Aber bitte nicht um diesen Preis - das eine muss man von dem anderen auseinanderhalten.
Der Herr sagt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." Und umgekehrt; das heißt also, hast Du einen Kunden oder Kollegen nur noch schnell loswerden wollen (und zwar nur weil dieser Dir lästig ist und nicht weil z.B. Deine Frau plötzlich schwer erkrankt ist), dann hast Du für JESUS keine Zeit gehabt. So "einfach" ist es...
Es reicht nicht, dann und wann, wenn es uns gerade danach ist, in irgendeiner Form Nächstenliebe zu üben. Wir müssen alles so hinnehmen, wie es kommt, sprich wer gerade vorbeikommt usw. Dass wir alle auch nur schwache Menschen sind und dies nicht immer gelingen will, ist eine andere Sache. Aber es geht um die grundsätzliche innere Haltung, um den Vorsatz, um das sich Mühe geben wollen...