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römisch-katholisch => Der Tod / Das persönliche-besondere Gericht / Das Jüngste Gericht => Thema gestartet von: Admin am 20. Januar 2015, 09:05:10
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Wie sie sterben
Aus dem Volkskalender für Freiburg und Wallis 1942
Wenn es die Menschen nur wüßten, wie viel heiliges Streben und heldenhaftes Wollen unsere Klöster bergen!
Der Strafanstaltspfarrer Stephan Berghoff hat ein Buch geschrieben über das tapfere leiden und frohe Sterben von Ordensschwestern. Er hat so viele arme Pfarrkinder im Gefängnis, die immer nur Schwäche und Sünde sahen und kaum noch an reine gute Menschen glauben. Hier konnte er seinen Gefangenen eine andere Welt zeigen. Hören wir, was eine Krankenschwester ihm berichtet:
„Sie fragten soeben, ob die Schwestern vor dem Sterben Angst hätten. Da fällt mir eine Begebenheit ein, die ich im Jahre 1923 erlebte. Unsere Krankenabteilung war überfüllt. Wir wußten nicht, wohin mit den vielen schwerkranken Schwestern. Auf einem Zimmer lagen drei Schwestern, alle so dreißig Jahre alt.
Eines Morgens sagte eine von ihnen, Schwester Ludgera, zu mir: ,Schwester, sollen wir drei nicht eine Novene halten, daß wir bald sterben? Dann haben Sie Platz. Ich habe mich mit Schwester Aventina und Cassilda abgesprochen. Wir können doch nichts mehr leisten.
Ich war überrascht und sagte ihnen, ihr Leiden brächte größeren Segen als Arbeiten. Da bestürmten mich alle drei: ,Gestatten Sie uns doch bitte diese Novene.
Schließlich sagte ich halb im Schmerz: ,Na, meinetwegen.'
Die Schwestern begannen die neuntägige Andacht am Samstag. Am nächsten Dienstagmorgen sagte ich zur Schwester Oberin: ,Schwester Ludgera gefällt mir nicht. Sie muß die heilige Ölung empfangen. Die drei haben ausgemacht, daß sie innerhalb neun Tagen sterben.' Schwester Oberin antwortete mir: ,Davon weiß ich ja nichts. Nun, wenn es Gottes Wille ist, dann tritt es ein, sonst nicht.' In der folgenden Nacht starb Schwester Ludgera. Vor ihrem Tode lachte sie still vor sich hin und bemerkte: ,Die Kaffeemühle geht so herum. Nach mir kommt Schwester Aventina dran.'
Am Freitagmorgen veränderte sich Schwester Aventina plötzlich. Ich holte schnell den Priester, der die heilige Ölung gab. Der Priester war noch nicht wieder in seinem Zimmer, da war Schwester Aventina tot. Vor ihrem Tode bat sie mich kindlich: ,Schwester, gehen Sie bitte mit meinem Begräbnis. Ich habe ja weder Vater noch Mutter noch Geschwister.' Ich versprach es ihr.
Am Montagmorgen, am letzten Tage der Novene, wurde Schwester Aventina begraben. Vor dem Begräbnis sagte Schwester Oberin zu mir: ,Schwester Cassilda gefällt mir nicht. Bleiben Sie bei ihr.' Das hörte Schwester Cassilda. Sie rief: Schwester Oberin, unsere Schwester muß mit zum Begräbnis gehen. Sie hat es der Schwester Aventina versprochen. Ich warte mit dem Sterben, bis unsere Schwester zurück ist.' Ich ging mit zum Begräbnis, aber nicht mit zum Totenamt in die Kirche. Eine Schwester holte mich, Schwester Cassilda sei sehr schlecht. Als ich an ihr Bett trat, sagte sie: ,Schwester, ich meine, jetzt ist es Zeit. Holen Sie bitte den Herrn Pater. Dann beten wir noch ein wenig.' Nach einer Viertelstunde war sie tot." -
„ S i e sehen, Hochwürden, unsere Schwestern haben keine Angst vor dem Sterben, sie beten den Tod herbei. Der Vater im Himmel erfüllt seinen Kindern ihre Bitten."
„Und dann, Herr Pfarrer", fuhr die Krankenschwester fort, „wissen wir auch schon mal, daß eine Schwester in den Himmel gekommen ist. Oder wissen Sie eine andere Erklärung, wenn ich Ihnen folgendes erzähle:
Eine Schwester kam zum Mutterhaus, um Exerzitien zu machen. Sie sah so krank aus den Augen, dass wir gleich den Arzt kommen ließen. Er untersuchte sie genau und sagte mir hinterher: ,Nur noch vierzehn Tage.' Von Tag zu Tag wurde die Kranke schwächer.
Sie bekam die heilige Ölung. Ich mußte ihr sagen, wie es um sie stand und begann: ,Liebe Schwester, ich glaube, daß der liebe Gott von Ihnen ein Opfer verlangt.' Da schaute sie mich mit ihren reinen, großen Augen an und sagte: ,Ich sterbe doch nicht?' Ich antwortete: ,Bringen Sie dem lieben Gott Ihr junges Leben zum Opfer.
Sie sollen sehen, wie der liebe Gott es Ihnen lohnt.
Da sprach sie mit fester Stimme vor sich hin: ,Ich will mich ergeben. Lieber Gott, Dir ergeb' ich gänzlich mich, ja, Dir leb' und sterbe ich.
Es war in einem der Kriegsjahre. Auch in unser Mutterhaus war bittere Not eingezogen. Wir Schwestern waren bei der armseligen Kost nicht mehr sicher auf den Beinen. Nachher haben wir uns mit Lebertran geholfen. Ich klagte dieser kranken Schwester eines Tages:
,,Es ist ein Elend! Das Lazarett haben wir voll Soldaten, und keine Briketts sind da, kein Koks, kein Grieß. Nebenan liegt die arme Schwester, und ich kann ihr nicht einmal ein Stücklein Weißbrot geben. Da gab mir die todkranke Schwester die Hand und versicherte in allem Ernst: ,Schwester, ich helfe Ihnen.
Nachmittags drei Uhr war die Schwester gestorben. Vor vier Uhr knarrten Karren über den Hof. Wir hatten Briketts, Koks und Grieß geliefert bekommen. Punkt vier Uhr — die Schwestern waren im Gebete — schellte es. Ich ging zur Pforte. Ein Bäckerjunge reichte mir ein prächtiges Weißbrot hinein. Wir Schwestern haben vor Freude geweint. Wir wußten, unsere Schwester ist im Himmel. Sie hat ihr Wort gehalten."
So erzählte die gute, alte Schwester dem Strafanstaltspfarrer.
Andächtig saß er vor ihr, lauschte und war ergriffen von der schönen Welt, in die sie ihn schauen ließ.