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Allgemeine Diskussionen => Allgemeine Diskussionen => Thema gestartet von: walter420 am 15. Juni 2016, 17:02:15

Titel: Kann es sein, dass Gott bereits im Leben Strafen schickt?
Beitrag von: walter420 am 15. Juni 2016, 17:02:15
Ich wollte Zeit meines Lebens nie rennen, nicht einmal nach einer Straßenbahn. Ausgedehnte Wanderungen ja, aber nicht rennen. Doch als ich dann zum Militär kam, hätte ich rennen müssen. Und überlegte krampfhaft, wie ich mich denn davor drücken könnte. Da jemand aus unserer Verwandtschaft Venenentzündung hatte, wusste ich gleich, was ich tun könnte. Ich täuschte den Stabsärzten regelmäßig Venenentzündung vor, nur um nicht rennen zu müssen. Drückte der Arzt gegen den Knöchel, fand er zwar nichts, aber ich schrie laut auf unhd machte ein schmerzverzerrtes Gesicht. Doch, wie gesagt, alles nur Schauspielerei. Beim Abrüsten dachte ich noch: Endlich vorbei, die hab ich schön gelegt.

Jahre und Jahrzehnte vergingen. Plötzlich spürte ich wirklich Schmerzen im Knöchel. Der Arzt stellte eine Venenentzündung sowie ein offenes Unterschenkelgeschwür fest. Natürlich verheilt es irgendwann wieder, aber sehr mühsam und langsam und verursacht oft starke Schmerzen. Nach einer Operation verschwindet es zwar für einige Zeit, aber ich muss jederzeit rechnen, dass es dann eben an einer anderen Stelle kommt. Und jetzt beginne ich nachzudenken: Ich habe nun genau die Krankheit, mit der ich mich in der Jugend drücken wollte. Und noch etwas: Ist das eigentlich eine Sünde, die gebeichtet gehört? Zwar schon sehr lang zurück aber noch nie gebeichtet.
Titel: Antw:Kann es sein, dass Gott bereits im Leben Strafen schickt?
Beitrag von: Logos am 15. Juni 2016, 23:56:55
Sprueche 3:12:

Denn welchen der HERR liebt, den straft er, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.

Offenbarung 3,19:

Welche ich liebhabe, die strafe und züchtige ich. So sei nun fleißig und tue Buße!

Vortäuschung, Betrug = Verstoß gegen das 8. Gebot, muss also auf jeden Fall gebeichtet werden.

Ich kenne zwar diese Krankheit nicht und ich hoffe einfach nur für Dich, dass es nicht allzu schlimm ist. Aber ich kann Dir nur raten (siehe die obigen Zitate) diese demütig und ja - dankbar! - anzunehmen. Bitte den HERRN, Dir dabei zu helfen.



Titel: Antw:Kann es sein, dass Gott bereits im Leben Strafen schickt?
Beitrag von: walter420 am 17. Juni 2016, 22:15:06
Lieber Logos!

Eine Frage hätte ich noch. Habe ich damit einen Betrug begangen? Ich habe ja niemanden um Geld oder einen Besitz betrogen, ich wollte eben nur nicht rennen. Das Bundesheer hatte ja dadurch keinen Schaden. War dies deiner Meinung nach trotzdem eine schwere Sünde? Ja es stimmt, ich habe damals gelogen, aber eigentlich niemandem geschadet.
Titel: Antw:Kann es sein, dass Gott bereits im Leben Strafen schickt?
Beitrag von: Logos am 20. Juni 2016, 02:15:49
Lieber Walter,

es ist gar nicht so selten, dass ich noch nicht mal bei mir selber genau weiß, ob es sich um eine schwere oder "nur" um eine lässliche Sünde gehandelt hat. Und in solchen Fällen ist es wohl angebracht, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, bzw. es dem Beichtvater zu überlassen.
Nach meinem ganz persönlichen, subjektiven sozusagen laienhaften Verständnis wird es kaum eine Todsünde gewesen sein. Aber jetzt mal Tacheless Walter: wir sind doch keine kleinen Buchhalter, die dem lieben GOTT eine Art Checkliste präsentieren wollen - leicht - mittel - schwer. So darf doch niemand denken, der JESUS wirklich nachfolgen will oder?

Zur schweren Sünde gehören drei Momente: eine schwerwiegende Sache, klare Erkenntnis und freie Zustimmung.

Die beiden letztgenannten Momente dürften in Deinem Fall zutreffen, was das erste betrifft: Du bist Dir nicht sicher, also kannst Du doch nichts Klügeres machen, als es bei der nächsten Beichte anzusprechen.

Nicht dass Du mich jetzt irgendwie falsch verstehst - sicher will ich Dir kein schlechtes Gewissen einreden - nur dieses hat sich offensichtlich bei Dir gemeldet, wenn  Du ja selbst den damaligen Vorfall mit der jetzigen Krankheit in Verbindung bringst(?) Und was Deine Einwände bzgl. etwaigem Schaden betrifft: schwer sündigen kann ich doch auch nur in Gedanken, ohne dass überhaupt je ein Mensch davon erfährt, was ich denke oder?
Titel: Antw:Kann es sein, dass Gott bereits im Leben Strafen schickt?
Beitrag von: walter420 am 22. Juni 2016, 17:13:53
Lieber Logos!
Ja du hast Recht. Der Beichtspiegel hat mir die Augen geöffnet. Meine bisherige Lebensanschauung war die: Ich war doch immer anständig, ich hatte ja nicht viel vom Leben, bin immer an der Gesellschaft vorbeigegangen. Ich hatte eine strenge Mutter, die mir kaum Freunde erlauben wollte, habe meinen Vater schon als Kind verloren, danach meine Mutter auch frühzeitig durch eine Krankheit, war lange Zeit allein, fand erst sehr spät die Frau zum Heiraten, hatte aber dennoch vorher nie eine andere Freundin. Somit müsste doch alles ok sein.
Doch dann durch den Beichtspiegel und die Geschichte der Gloria Polo gingen mir die Augen auf. Ohne Buße wäre ich verloren. Es stimmt zwar, was ich vorhin geschrieben habe, aber gerade dadurch kamen viele Sünden speziell beim 8. Gebot zusammen. Und es gibt mannigfaltige Gründe, warum der Mensch lügt.
Lügen um Freiheiten zu bekommen, die man sonst nicht hätte:
Eben weil mir meine Mutter keine Freunde erlauben wollte, waren Lügen wie Förderstunden, Lernen gehen usw an der Tagesordnung. Doch wie heißt es. Eine Sünde bleibt nicht allein, sondern gebiert weitere. So folgte das
Lügen aus Angst
Fiel ich bei einer Prüfung durch, gestand ich nie, dass ich nichts gelernt habe, sondern der Professor war dann der megaschlechte. Ich erfand dann Sachen, die er nie gesagt oder getan hat, nur um den Zorn meiner Mutter zu beruhigen.
Lügen aus Angeberei
Eben weil ich keine Freundin hatte, erfand ich Frauengeschichten, die niemals stattgefunden haben, nur um nicht verspottet zu werden.
Lügen um etwas Ungeliebtes nicht tun zu müssen (siehe Bundesheer)
Lügen aus Trotz (als ich einmal eine wirklich nur harmlose Bekannte hatte und meine Mutter wieder mal drein fahren wollte sagte ich ihr, wir wären schon verlobt. Ausserdem gab ich eine ganz falsche Adresse an, wo Leute mit dem gleichen Nachnamen wohnten).
Lügen um jemanden Lästigen loszuwerden (kommt besonders im Beruf bei Kunden oder dem Chef vor)
Falsche Versprechungen machen, um nicht streiten zu müssen, obwohl man weiß, dass man es nicht machen will oder auch gar nicht kann, z.B. wegen schlechter Finanzen im Moment. Zuerst bedingungslos zu allem ja sagen, aber wenns ernst wird, im letzten Moment abspringen.
Ich weiß, auf meine widrige Lebenssituation könnte ich mich einmal vor Gott nicht ausreden. Das 8. Gebot heißt bedingungslos, man soll nicht lügen. Ein „außer“ gibt es nicht.
Titel: Antw:Kann es sein, dass Gott bereits im Leben Strafen schickt?
Beitrag von: Ein_Katholik am 11. Juli 2016, 08:47:02
Lieber Logos!

Eine Frage hätte ich noch. Habe ich damit einen Betrug begangen? Ich habe ja niemanden um Geld oder einen Besitz betrogen, ich wollte eben nur nicht rennen. Das Bundesheer hatte ja dadurch keinen Schaden. War dies deiner Meinung nach trotzdem eine schwere Sünde? Ja es stimmt, ich habe damals gelogen, aber eigentlich niemandem geschadet.

Naja, du hast als Wehrpflichtiger einen Sold erhalten, obwohl du nicht gerannt bist, wie man dir als Arbeitsauftrag aufgetragen hat.
Der Truppenarzt kostet auch Geld, obwohl er zwar ständig auf Abruf bereit ist, bedeutet es ja nicht, dass du, da du ihn vermutlich häufig benötigt hast, von wichtigeren Dingen abgehalten haben könntest.
Ansonsten kann es auch sein, dass die Truppe sich an dir orientierten musste. Man also auf bestimme Ausbildungsschwerpunkte verzichtete, weil du gerade krank geschrieben warst, das aber auch machen solltest und so weiter.

Das würde mir so spontan einfallen, ändern kannst du es aber sowieso nicht mehr, aber ich wollte eben auf deine Frage nach einem möglichen Betrug Möglichkeiten aufzeigen, was darunter fallen könnte.