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römisch-katholisch => Fegefeuer Arme Seelen => Thema gestartet von: Mary am 21. Juli 2017, 09:38:25
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Für gläubige Katholiken sind die armen Seelen besondere Freunde des Lichtes. Ihnen zuliebe zünden sie, wenn sie an einer Abendandacht teilnehmen oder gemeinsam im Familienkreis den Rosenkranz für die armen Seelen beten, ihre Kerzen an, mit besonderem Eifer aber am Allerseelentag. An diesem Tag sollen die armen Seelen auf den Gräbern sitzen und sich an den "Seelenlichtlein" freuen. Diejenigen aber, die vergessen sind, warten trauernd auf ihr Licht.
Eine fromme und zugleich zweckmäßige Einrichtung des Mittelalters waren die Lichthäuschen und Laternen der Kirchhöfe, die zur Nachtzeit brannten. Sie sollten den Vorübergehenden und den Wanderern in der Ferne die geweihte Stätte der Toten anzeigen und sie veranlassen, der Verstorbenen im Gebet zu gedenken. Der Christ ist ja, wenn er es mit seinem Glauben ernst nimmt, fest davon überzeugt, dass die armen Seelen dankbar sind. Der "Scala coeli" (Himmelsstiege), die erstmals im 15. Jahrhundert gedruckt wurde, ist eine Erzählung einverleibt, die vermutlich viel älter ist. Danach soll ein Ritter nie vergessen haben, wenn er an einem Kirchhof vorbeikam, vom Pferd zu steigen und für die armen Seelen zu beten. Sie lohnen ihm diesen Dienst. Als er eines Tages, von seinen Feinden hart bedrängt, in eine Kirche flüchtete, erhoben sich die Toten aus den Gräbern und jagten seine Feinde in die Flucht. Was für ein schöner Gedanke: Es gibt eine vergeltende Hilfe der armen Seelen.
Eine Unterbrechung der Pein bringt den Seelen im Fegfeuer, nach uralten frommen Vorstellungen, der Besuch der Muttergottes am Freitag. Auf dem Weg durch das Fegfeuer wird sie von den Seelen geleitet. Ihre Kleider werden dabei von den Tränen so benetzt, dass am Samstag die Sonne wenigstens einige Stunden scheinen muss, damit die heiligste Jungfrau ihr Kleid trocknen kann. Eine Arme-Seelen-Tafel in Oberbayern verlegte den Besuch der Gottesmutter im Fegfeuer auf den Samstag:
"Den Samstag khomm ich gern daher
und hilf den Briedern, Schwestern sehr."
Wenn hier der Gottesmutter die Macht zugesprochen wird, zu gewissen Zeiten arme Seelen befreien zu können, so stattete eine uralte koptische Legende den heiligen Erzengel Michael mit dieser Macht aus, an einem Tag im Jahr die Tür des Fegfeuers zu öffnen und so viele von den armen Leidenden, als er auf seinen Flügeln tragen könne, mit sich zu führen.
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