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Christsein - Mystik - Gaben, Charismen, Früchte. => Barmherzigkeit => Thema gestartet von: LoveAndPray85 am 05. Juli 2011, 21:00:03

Titel: Enzyklika "Dives in misericordia" (Johannes Paul II)
Beitrag von: LoveAndPray85 am 05. Juli 2011, 21:00:03
Die Enzyklika über das göttliche Erbarmen

http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_30111980_dives-in-misericordia_ge.html (http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_30111980_dives-in-misericordia_ge.html)

 ;kreuz+
Titel: Re:Enzyklika "Dives in misericordia" (Johannes Paul II)
Beitrag von: LoveAndPray85 am 17. Dezember 2011, 08:58:14
"Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen" (Joh 14,9f.). Die Kirche bekennt das Erbarmen Gottes,
sie lebt davon in ihrer reichen Glaubenserfahrung und auch in ihrer Lehre, indem sie unablässig
Christus betrachtet und sich auf ihn ausrichtet, auf sein Leben und sein Evangelium, auf sein Kreuz
und seine Auferstehung, auf sein Geheimnis insgesamt.
Alles, was zur "Anschauung" Christi im
lebendigen Glauben und in der Lehre der Kirche gehört, bringt uns der "Anschauung des Vaters" in
der Heiligkeit seines Erbarmens näher. Die Kirche bekennt und verehrt das Erbarmen Gottes,
so will es scheinen, auf besondere Weise, indem sie sich an Christi Herz wendet.
Tatsächlich erlaubt
uns gerade die Hinwendung zu Christus im Geheimnis seines Herzens, bei diesem Thema der
Offenbarung, der erbarmenenden Liebe des Vaters, zu verweilen, das den innersten Kern der messianischen Sendung des menschgewordenen Gottessohnes ausmacht; ein zentraler Punkt und gleichzeitig der dem Menschen am leichtesten zugängliche.


(Dives in Misericordia)
Titel: Re:Enzyklika "Dives in misericordia" (Johannes Paul II)
Beitrag von: LoveAndPray85 am 17. Dezember 2011, 09:47:22
(Erbarmen und Bekehrung)

Das Erbarmen als solches ist als Vollkommenheit des unendlichen Gottes auch selbst unendlich.
Unendlich und unerschöpflich ist daher die Bereitschaft des Vaters, die verlorenen Söhne
aufzunehme, die zu sienem Hause zurückkehren. Unendlich sind die Bereitschaft und die
Macht der Vergebung
, die unablässig aus dem wunderbaren Wert des Opfers des Sohnes
hervorgehen. Keine menschliche Sünde kann diese Macht bezwingen oder auch nur einschränken.
Von seiten des Menschen kann sie nur der Mangel an gutem Willen, der Mangel an Bereitschaft
zur Bekehrung und zur Buße, also die hartnäckige Verstockung einschränken,
die sich der Gnade
und der Wahrheit widersetzt, besonders vor dem Zeugnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi.

Die Kirche bekennt und verkündet also die Bekehrung. Die Bekehrung zu Gott ist immer ein
Entdecken seines Erbarmens,
jener Liebe also, die nach dem Maßstab des Schöpfers und Vaters
langmütig und wohlwollend (vgl. 1 Kor 13,4) ist: jener Liebe, der "Gott und Vater Jesu Christi,
unseres Herrn", (2 Kor 1,3) in der Geschichte des Bundes mit den Menschen treu ist bis zum
Äußersten, bis zum Kreuz, zum Tod und zur Auferstehung des Sohnes. Die Bekehrung zu
Gott ist immer Frucht des "Wiederfindens" dieses Vaters, der voll des Erbarmens ist.


Die wahre Kenntnis Gottes in seinem Erbarmen und seiner wohlwollenden Liebe
ist eine ununterbrochene und nie versiegende Quelle der Bekehrung, die nicht als nur vorübergehender
innerer Akt zu verstehen ist, sondern als ständige Haltung, als Zustand der Seele.

Denn wer Gott auf diese Weise kennenlernt, ihn so "sieht", kann nicht anders, als in fortwährender
Bekehrung zu ihm zu leben.
Er lebt also in statu conversionis, im Zustand der Bekehrung; gerade diese Haltung stellt das
tiefste Element der Pilgerfahrt des Menschen auf dieser Erde in statu viatoris, im Zustand des Unterwegs-
seinns dar. Selbstverständlich bekennt die Kirche das Erbarmen Gottes, das im gekreuzigten und
auferstandenen Christus offenbart wurde, nicht nur mit den Worten ihrer Lehre, sondern vor allem mit
dem lebendigen Pulsschlag des ganzen Volkes Gottes. Durch dieses Lebenszeugnis erfüllt die Kirche
die dem Volk Gottes eigene Mission, die an der messianischen Sendung Christi teilhat und diese in
gewissem Sinne fortsetzt.