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Christsein - Mystik - Gaben, Charismen, Früchte. => Christsein im Alltag => Thema gestartet von: hiti am 12. Februar 2011, 21:35:52
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Liebe Leser/innen!
Am Nächsten kommen wir nicht vorbei, wir sollen ihn lieben.
Auch dann lieben, wenn er uns hasst.
Christus hat uns dies vorgelebt und gesagt:
"wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dann erwarten?".
Das ist ein langes Unterfangen, doch wenn wir Jesus nachfolgen wollen, müssen wir diesen Weg gehen.
Die frohe Botschaft: Gott hilft uns den Mitmenschen so zu lieben, wie er es möchte. Wir müssen nur wollen!
Und dann gelangen wir auch zur wahren Gottesliebe, zur Beziehung mit Gott.
Gottes- und Nächstenliebe gehören zusammen!
Im Zeugnis der Frau Polo steht treffend:
Und ich habe ihnen nicht beigebracht, wie man den Nächsten liebt. Denn es ist doch einfach so: Wenn ich meinen Mitmenschen nicht liebe, werde ich auch mit Unserem Herrgott nichts zu tun haben; und wenn ich selbst kein Mitleid und keine Barmherzigkeit habe und in der Praxis verwirkliche, dann kann ich auch nicht mit Gott sein; und kann so auch GOTT niemanden näher bringen oder den Glauben weitergeben. Denn Gott ist die Liebe…
Siehe: Ich und mein Nächster:
http://www.christliche-erziehung-und-schule.com/hiti/bekehrungweltfrau.htm#polo_14 (http://www.christliche-erziehung-und-schule.com/hiti/bekehrungweltfrau.htm#polo_14)
Hermann
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Aus dem Buch von Franz Jalics „Kontemplative Exerzitien“ vom Echter Verlag, welches ich gerade lese, möchte ich einen kurzen Auszug des Themas der Gottes- und Menschenbeziehung wiedergeben (mit freundlicher Genehmigung des Verlages).
Ich finde der Autor hat es sehr treffend dargelegt und vielleicht regt es den einen oder anderen Leser zum nachdenken, bzw. überdenken seiner persönlichen Gottes- und Menschenbeziehung an.
Im Evangelium spricht Jesus Christus von der Parallele der Gottes- und Menschenbeziehung (Mt. 25,31-44). Wer einen Kranken besucht, besucht Jesus Christus. Wer einem Hungernden Essen reicht, schenkt es dem Herrn. Wer einen Obdachlosen aufnimmt, beherbergt Gott selber..
Damit identifiziert Er die Beziehungen, die wir zu den Menschen haben mit der Beziehung, die wir zu Ihm haben. Er behauptet, dass alles, was wir im menschlichen Umgang erleben, sich zur gleichen Zeit mit Gott ereignet.
Wenn wir wissen wollen, wie wir zu Jesus Christus stehen, brauchen wir es nur an unseren menschlichen Beziehungen abzulesen. Jeder geht so mit Gott um wie mit seinen Mitmenschen.
Die Beziehung zu Gott unterliegt nicht selten großen Illusionen, weil wir der Ansicht sind, unsere Beziehung zu Gott hänge nur von unserer Absicht ab. Wenn wir Gott lieben wollen, meinen wir, wir lieben Ihn tatsächlich. Dies denken wir anfänglich auch in den Beziehungen zu den Menschen. Waren wir zum Beispiel ungeduldig, meinen wir, es sei zufällig geschehen. Wir sind leicht zu überzeugen, dass es sich nicht wiederholen wird. Gegen unsere Absicht passiert es zum zweiten und zum dritten Mal. Es widerfährt uns so oft, bis wir unter dem Druck der Tatsachen zugeben müssen, dass trotz bester Absichten tief in uns etwas uns daran hinderte, tatsachlich liebevoll sein zu können. Diesen Faktor nennen wir das Unterbewusste oder das Unbewusste. Unter dem Druck der Tatsachen akzeptieren wir, dass das Unbewusste unsere Beziehungen zu den Menschen beeinträchtigt.
Ebenso verhält es sich Gott gegenüber, auch wenn wir gerne glauben, dass unser Unbewusstes in der Beziehung zu Ihm keine Rolle spielt. Wir geben uns der Illusion hin, allein unsere freie Absicht bestimme unsere Beziehung zu Gott. Die Absicht, Gott zu lieben, lässt uns vordergründig glauben, Ihn wirklich zu lieben. Glauben wir den oben genannten Aussagen des Evangeliums, müssen wir einsehen, dass es nicht so ist. Das Unbewusste bestimmt ebenso unsere Beziehung zu Gott, wie es die Beziehung zu den Menschen beeinflusst.
Die einzige Weise, mit Sicherheit zu erkennen, wie wir zu Gott stehen, liegt darin, alle unsere menschlichen Beziehungen zusammenzunehmen und anzuschauen. Was in diesen Beziehungen vorhanden ist, das ist auch in unserer Beziehung zu Gott vorhanden.
Noch konkreter ausgedrückt: Wenn ich in meinem Leben zum Beispiel zu hundert Menschen in Beziehung stehe, zwanzig davon wirklich mag, zwanzig ablehne und mit sechzig eine relativ „normale“, aber auch oberflächliche Beziehung lebe, dann verhält es sich mit Gott so, dass sich in dieser Beziehung zwanzig Prozent Liebe, zwanzig Prozent Gottesablehnung und sechzig Prozent Oberflächlichkeit bzw. Beziehungsnormalität manifestiert. Das äußert sich so, dass die Existenz Gottes mir zwar in diesen sechzig Prozent fraglos ist, ich Ihn aber so entfernt erfahre, dass er in meinem Leben praktisch abwesend ist.
Solange ich einen einzigen Menschen gering schätze, verachte ich auch Gott. Das Ausmaß dieser Verachtung hängt davon ab, welchen Stellenwert die verabscheute Person unter allen meinen Beziehungen einnimmt. Die Beziehung eines Kindes zu seiner Mutter zum Beispiel kann vierzig, fünfzig oder mehr Prozent all seiner Beziehungen ausmachen. Solange ich auf einen einzigen Menschen wütend bin, wüte ich auch gegen Gott. Solange ich einen einzigen Menschen ignoriere oder beneide, ignoriere oder beneide ich auch Gott. Bin ich eifersüchtig, bin ich es auch Gott gegenüber.
Diese Identifikation von Menschen- und Gottesbeziehung ist die einzige Chance, wie der Glaube voll im Leben verankert sein kann. Viele Leute werten ihre Gottesliebe höher als ihre Beziehungen zu den Menschen. Das ist eine klare Täuschung. Sie schätzen sich gläubiger ein, als sie sind. Oft hat man mich gefragt: „Wie kann ich meinen Glauben in mein Leben umsetzen?“ Hinter dieser Frage steht die Vorstellung, einen großen Glauben zu haben, ihn aber nicht in Handlungen konkretisieren zu können. Ich habe immer geantwortet: „Du brauchst deinen Glauben nicht in den Alltag umsetzen. Du kannst an deinem Alltag ablesen, wie groß dein Glaube ist.“ Bevor wir unseren vermeintlichen Glauben in den Alltag umsetzen, müssten wir an unserer Nächstenliebe ablesen, ob wir überhaupt so viel Glauben haben. Nur dann steht er auf dem Boden. Anschließend kann man sich bemühen, beide Beziehungen, die im Grunde eins sind, miteinander wachsen zu lassen. Der Weg wird nicht leichter sein, aber die Täuschung, den Glauben schon zu leben und die Nächstenliebe noch nicht, ist zumindest ausgeschlossen.
……….
Seitdem bin ich fest davon überzeugt, dass die Hauptaufgabe des Religionsunterrichtes und der Glaubenserziehung das Vermitteln dieser Einheit von Menschen- und Gottesbeziehung ist. Solange sie nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist der christliche Glaube eine unwirksame Theorie.
Wir verhalten uns Gott gegenüber so, wie wir mit den Menschen umgehen. Die Parallele ist mathematisch exakt, ohne Ausnahme. Nimmt man es ganz genau, müsste man von einer weiteren Komponente sprechen. Die Beziehung zu unseren Mitmenschen, die der Beziehung zu Gott gleichzusetzen ist, läuft auch parallel mit der Beziehung zu uns selbst. Lehnen wir die Mitmenschen ab, so lehnen wir auch Gott und somit auch uns selbst ab. Wer sich selbst nicht liebt, kann auch Gott, der ihm sein Leben schenkt, nicht lieben. Wenn wir uns selbst nicht lieben, woher sollen wir die Liebe zu unseren Mitmenschen nehmen? Wir können uns nicht hassen und aus vollem Herzen Gott und den Mitmenschen hingegeben sein. Wir haben nur ein Herz, mit dem wir Gott, die Menschen und uns selber lieben können. Diese Beziehungen sind untrennbar miteinander verknüpft.
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Im Prinzip mag das stimmen, was du da erzählst und übernommen hast und es gibt sicher zu denken.
Nur die Sachen mit der Selbstliebe sehe ich anders.
Ich bin der Meinung, dass die meisten Menschen, die nichts für den Nächsten und damit auch nichts für Gott übrig haben, nur sich selbst lieben und sonst nichts.
Wie erklärst du dir dann Altruismus?
Menschen, die sich selbst geben, um andere zu retten.
"Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hin gibt, für seine Freunde" (Joh 15/13)
Jesus hat sich ja auch für uns und vor allem nach dem Wunsch seines Vaters hingegeben.
Würde das einer tun, der sich zuerst selber liebt?
Ich glaube, das ist auch ein großes Problem unserer Zeit.
Die übersteigerte und regadezu unnatürliche Eigenliebe und die gleichzeitige Gleichgütigkeit gegenüber dem Nächsten und damit gegenüber Gott.
Das scheint auf einem Holz zu wachsen, wie Dummheit und Stolz......
Gruß E.
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Liebe Eglantine,
vielleicht ist mein Beitrag im falschen Thread. Denn mit dem "Ich und mein.." hat er nichts zu tun, sondern nur mit der Gottes- und Nächstenbeziehung.
Deine beschriebene Selbstliebe ist der Egoismus, den viele Menschen an den Tag legen.
Doch das hat nichts mit meinem Beitrag zu tun, denn es heißt nicht: Liebe dich mehr als den Nächsten, sei Ich-Bezogen, suche zuerst immer den Eigennutz...
Eigenliebe ist nicht automatisch mit dem krankhaften Egoismus gleichzustellen.
Es steht geschrieben:
Mt 22,39 Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Wenn ich mich nicht selbst liebe und annehme wie ich bin, wie kann ich dann Liebe weitergeben?
LG
Kristina
;mqghfgt
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Liebe Leser/innen!
Doch, eine gesunde Eigenliebe ist absolut notwendig!
Doch es darf nicht die sündige, egoistische Liebe sein!
Erst wenn ich mich als Geschöpf Gottes sehe und annehme, mich also wertvoll in den Augen Gottes sehe, was effektiv so ist, dann sehe ich auch im Nächsten diese Liebe Gottes, dann nehme ich mein Leben an, wie immer es sei, in Freude und im Leid, denn ich weiß mich getragen von der Liebe Gottes.
Voraussetzung zur wahren Gottes- und Nächstenliebe ist die WAHRE VERGEBUNG aus GANZEM HERZEN.
Sonst werde ich verbittert, depressiv und solche Menschen gibt es leider in Hülle und Fülle.
http://www.christliche-erziehung-und-schule.com/hiti/vergeben.htm (http://www.christliche-erziehung-und-schule.com/hiti/vergeben.htm)
Hermann
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Jeder muss sich selbst lieben und annehmen, weil auch Gott ihn so liebt, wie er ist.
Nur so ist er auch zur Liebe gegenüber anderen fähig.
(Das sagte kürzlich ein Priester in der Predigt.)
Hervorheben möchte ich vor allem den folgenden Absatz aus dem oben zitierten Abschnitt von Jalics:
(Das Buch habe ich auch, aber lese es nicht am Stück - diese Art von Exerzitien sind nicht so ganz mein Geschmack.)
"Wenn ich in meinem Leben zum Beispiel zu hundert Menschen in Beziehung stehe, zwanzig davon wirklich mag, zwanzig ablehne und mit sechzig eine relativ „normale“, aber auch oberflächliche Beziehung lebe, dann verhält es sich mit Gott so, dass sich in dieser Beziehung zwanzig Prozent Liebe, zwanzig Prozent Gottesablehnung und sechzig Prozent Oberflächlichkeit bzw. Beziehungsnormalität manifestiert. Das äußert sich so, dass die Existenz Gottes mir zwar in diesen sechzig Prozent fraglos ist, ich Ihn aber so entfernt erfahre, dass er in meinem Leben praktisch abwesend ist."
Genau diesen Aspekt hat einmal ein Priester bei der Predigt aufgegriffen
und seitdem ging mir das nicht mehr aus dem Kopf.
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Hallo LoveAndPray85,
so wie Jalics die Gottes- und Nächstenliebe erklärt, habe ich es noch nie gesehen und hat ein überdenken an mich und meine Nächsten nach sich gezogen.
Ich habe erst angefangen zu lesen, aber es soll seine Zeit brauchen, um in sich zu gehen.
So bin ich gespannt, welche Themen und vor allem seine Erläuterung der Sichtweise
im Laufe des Buches noch kommen werden.
LG
Kristina
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Liebe Mitglieder, auch ich bin der Meinung, wie es bei kath.net geschrieben steht.
Es sollen erst mal die "Reichen von Griechenland" ihrem Staat unter die Arme greifen und zahlen.
Andere immer zahlen lassen stößt meiner Meinung nach, auch gegen die Nächstenliebe.
http://www.kath.net/detail.php?id=31960 (http://www.kath.net/detail.php?id=31960)
Liebe Grüße
kleineMaria
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Tag Freunde :-)
Auch wenn Love&pray das jetzt nicht mehr lesen kann aber als ich eben diesen Absatz lass war ich begeistert denn er beschriebt so viel was Freundschaften angeht.
Der Pfarrer der diese Predigt hielt hat so unendlich recht.
Das ist fast schon etwas zum "inne halten" und reflektieren.
"Wenn ich in meinem Leben zum Beispiel zu hundert Menschen in Beziehung stehe, zwanzig davon wirklich mag, zwanzig ablehne und mit sechzig eine relativ „normale“, aber auch oberflächliche Beziehung lebe, dann verhält es sich mit Gott so, dass sich in dieser Beziehung zwanzig Prozent Liebe, zwanzig Prozent Gottesablehnung und sechzig Prozent Oberflächlichkeit bzw. Beziehungsnormalität manifestiert. Das äußert sich so, dass die Existenz Gottes mir zwar in diesen sechzig Prozent fraglos ist, ich Ihn aber so entfernt erfahre, dass er in meinem Leben praktisch abwesend ist.".
bin beeindruckt.
Gine
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Dazu die schöne Bibelstelle:
Römer, 13,9-10
"Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."
Denn Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung
;ksghtr
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fckjc Hallo Andal,
ja und genau da hapert es bei mir noch gewaltig.
Ich ertappe mich wie ich zu Menschen die mir schlecht gesonnen sind es einfach noch nicht schaffe dennoch echte, freie Liebe in meinem Inneren diesen Menschen gegenüber zu empfinden.
Auch spüre ich wie ich entweder "gruselige" Gefühle hege bei manchen (z.B. dieses Freimaurerehepaar lassen nicht locker..) da bekomme ich totale Gruselgefühle und ich bete zu Jesus er möge mir helfen .
Aber auch bei Menschen wo ich definitiv weiss, dass sie schlecht über mich reden, da ertappe ich mich dass ich Gedanke habe wie .."...doo** K**"". Ja ich weiss ich sollte das nicht, es ist so schwer sich dann beim selbst ertappen auch noch zu korrigieren in den Gedanken und Gefühlen.
Ohjejeje.....ich stehe noch sowas von am Anfang.... :-((
deine Gine
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Liebe Gine,
in Sachen Nächstenliebe stehen auch langjährige Katholiken noch am Anfang ihres Weges.
Wieviele Katholiken gibt es doch unter uns, die auf Demütigungen mit Zorn und Aggression reagieren? Und wie sollte ich mich davon selbst ausnehmen?
Nein, gerade hier müssen wir jeden Tag allesamt hinzulernen und begreifen, dass wir durch erlittene Erniedrigungen vom falschen Stolz reingewaschen werden können.
Liebe Grüße
Andal
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