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Priestermangel
« am: 14. Mai 2012, 11:10:46 »
Priestermangel
Eine der auffälligsten Erscheinungen in der Kirche der Gegenwart ist der Priestermangel.
Die Zahl der Priesterkandidaten und der Neupriester hat einen so niedrigen Stand erreicht, wie
er seit Jahrhunderten nicht da war. Die Zahl der Priesterweihen in den deutschen Diözesen ist
2008 erstmals auf unter 100, nämlich 95, gesunken. Um den Bestand an Priestern zu halten,
wären etwa 500 Neupriester erforderlich. Die Folgen des Priestermangels sind offensichtlich.
Pfarreien werden aufgehoben, Pfarrverbände und Pfarrbünde geschaffen. Zahlreiche Pfarrhäuser
stehen leer, werden vermietet oder abgerissen. An zahllosen Orten wohnt und wirkt kein
Priester mehr. Welches sind die Gründe für den Priestermangel?
I. Der Gläubigenmangel
Welches sind die Gründe des Priestermangels? Die Antwort lautet: Der Priestermangel ist
an erster Stelle eine Auswirkung des Gläubigenmangels, und das in doppelter Hinsicht. Einmal
wenden sich Jahr für Jahr Zehntausende katholischer Christen von der Kirche ab, werden
abständig und erklären den Kirchenaustritt. Jedes Jahr verlieren Zehntausende, vielleicht Hunderttausende
katholischer Christen den Glauben, geben die religiöse Praxis auf und verzichten
auf den Kontakt zur Kirche. Die Zahl der Taufen hat sich mehr als halbiert. Die Zahl der
sonntäglichen Gottesdienstbesucher ist um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. Es ist hier
nicht die Stelle, über die außer- und innerkirchlichen Ursachen dieser Erscheinungen zu sprechen.
In jedem Falle ist es falsch, lediglich die äußeren Verhältnisse dafür verantwortlich zu
machen. Der nachkonziliare Zusammenbruch in unserer Kirche ist eine Tatsache. Die besorgniserregenden
Erscheinungen halten seit Jahrzehnten an. Niemals ist etwas Wirksames dagegen
unternommen worden. Ich kenne keine deutsche Diözese, die eine missionarische Seelsorge
auch nur ernsthaft begonnen hätte. Eine solche Seelsorge hätte alle Anstrengungen zu
unternehmen, um die Menschen im Glauben und bei der Kirche zu halten, die Ungetauften zu
gewinnen sowie die Abständigen und Abgefallenen zum Glauben und zur Kirche zurückzuführen.
Ein Heer von Laientheologen (mit hohen Gehältern) ist in Deutschland aufgestellt
worden. Aber die Aufgaben einer míssionarischen Seelsorge sind von ihnen nicht in Angriff
genommen worden. Allzu viele nehmen an Schreibtischen Platz, bedienen Telefone und verfassen
Handreichungen für das, was andere tun sollen.

Dazu kommt der erschreckende Rückgang der Empfängnis- und Geburtenfreudigkeit. In
Deutschland liegt die Geburtenrate der Frau, statistisch gesehen, bei 1,2 Kindern; zur Erhaltung
der Bevölkerung sind mindestens 2,1 Kinder erforderlich. Die Kinderlosigkeit und die
Kinderarmut unserer Ehen und Familien lassen schon rein rechnerisch keine große Erwartung
auf Priesterberufe zu. Es ist doch offensichtlich, dass dort, wo vier, fünf und mehr Kinder aufwachsen,
die Chance, dass eines sich dem Priestertum zuwendet, erheblich größer ist als in
Familien mit einem Kind oder zwei Kindern. Die große Familie war stets das Saatbeet für
Berufungen. Heute fehlen die großherzigen Eltern, die bereit sind, einer zahlreichen Kinderschar
das Leben zu geben. Es ist ausgeschlossen, die Seminare bei einer so niedrigen Geburtenrate
zu füllen. Wenn die Gatten nicht das unfruchtbare Geschlechtsleben aufgeben, ist ein
Ende des Priestermangels nicht abzusehen. Kinderlosigkeit und Kinderarmut haben mehrere
Gründe. Einer ist darin gelegen, dass der Glaube schwach geworden oder verdunstet ist. Wer
nicht mehr an Gott, den Richter und Belohner glaubt, wem das ewige Leben zweifelhaft geworden
ist, der neigt dazu, das irdische Leben zu genießen und alles zu vermeiden, was eine
Last ist. Kinder sind eine Last.
Junge Menschen, die sich fragen, ob sie Priester werden könnten, müssen von ihren Familien,
aber auch von ihrer Gemeinde getragen werden. Wo das Verständnis für das sakramentale
Priestertum fehlt, können geistliche Berufe nicht wachsen. Gut katholische Familien sind
heute seltene Ausnahmen. Die religiöse Erziehung fällt in den meisten Familien aus. Die Eltern
besitzen nichts, was sie weitergeben könnten. Sie sind mit der Daseinsvorsorge, mit Arbeit
und Beruf, mit Wohnung und Erholung derart eingedeckt, dass für Gebet und Gottesdienstbesuch,
für Sakramentenempfang und religiöse Fortbildung keine Zeit mehr bleibt. Und
aus solchen Familien sollen Priesterberufe kommen? Der mangelnde Zustrom zu den Priesterseminaren
ist auch die Auswirkung fehlender Glaubenskraft in den Pfarrgemeinden. Ich kenne
Pfarreien, die sich selbst als lebendig ausgeben und anscheinend auch von der Bistumsleitung
dafür gehalten werden. Worin bekundet sich das Leben? In zahlreichen Kreisen, Feiern und
Veranstaltungen. Ich messe die Lebendigkeit einer Gemeinde anders als die Herren Bischöfe.
Ich frage: Wie steht es um die Häufigkeit des Empfanges des Bußsakramentes, und wie viele
kinderreiche Familien gibt es in der Gemeinde? Wo diese beiden Anzeichen kirchlichen Lebens
fehlen, weigere ich mich, von einer lebendigen Gemeinde zu reden; es ist eher eine sterbende
Gemeinde, auch wenn noch so viel äußerer Betrieb gemacht wird.. Die Folge dieser
Verhältnisse ist: Es gibt zu wenige religiös hochstehende und kirchlich engagierte Jugendliche.
Der Staat war entweder nicht gewillt oder nicht fähig, der zunehmenden Verwahrlosung
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der Jugend entgegenzuwirken. Zucht und Ordnung, Disziplin und Respekt sind in der permissiven
Gesellschaft verpönt. Die heute verbreitete frühe Verführung zu geschlechtlicher Unordnung
zerstört die Keime der Berufung zum Priestertum. Die kirchlichen Jugendverbände
tragen, von Ausnahmen abgesehen, nichts für die Weckung und Förderung von Priesterberufen
bei. Wenn man in kirchlichen Jugendorganisationen Achtung vor und Liebe zum Priestertum
sucht, dann muss man zu den Pfadfindern des Pater Hönisch oder zu den Jugendlichen
der Priesterbruderschaft St. Pius X. gehen.
Der Priesterberuf kann und soll in den Jahren des Heranwachsens keimen und gedeihen.
Damit dies geschieht, ist eine gediegene religiöse Unterweisung erforderlich. Der Religionsunterricht
versagt an vielen, vielleicht an den meisten Stellen vor der Aufgabe, gründliches
religiöses Wissen und gediegene religiöse Praxis zu vermitteln; er bindet weithin nicht an
Glauben und Kirche, sondern entfernt von beiden. Die meisten Unterrichtsmittel sind entweder
unzulänglich oder geradezu glaubensgefährdend. Die Bischöfe versagen vor der Aufgabe,
den Religionsunterricht zu einem gedeihlichen Unternehmen zu machen, fast gänzlich. Die
Kirche hat in den letzten 50 Jahren fast die gesamte junge Generation verloren. Woher sonst
aber sollen Priester kommen?
II. Die Priester von heute
Die beste, ja, wie ich meine, die einzige zugkräftige Werbung für den Priesterberuf sind
gute, womöglich heiligmäßige Priester. Jugendliche und junge Männer, in denen Funken der
Berufung glimmen, schauen auf die Priester, die im Amt sind. Was sehen sie da? Es besteht
kein Zweifel, dass auch heute die Mehrzahl der Priester ein geistliches Leben führt, ihren
Dienst nach besten Kräften erfüllt und die Nachfolge des Herrn ernst nimmt. Infolge des
Priestermangels sind aber die meisten noch vorhandenen Priester überlastet. Die Seelsorge
kennt keinen Achtstundentag. Das Bild des gehetzten, von Pfarrgemeinderatssitzung und
Seelsorgegespräch zur Eucharistiefeier eilenden Pfarrers kann junge Männer schwerlich für
den Priesterberuf gewinnen. Viele Priester sind entmutigt, vereinsamt, kommen sich verlassen
vor und drohen an der Fülle ihrer Verpflichtungen zu scheitern. Ein Strom von Papier – Broschüren,
Handreichungen, Einladungen, Prospekte – ergießt sich von den Ordinariaten über
die Priester.
Es ist aber auch kein Geheimnis, wenn ich feststelle, dass viele Priester kein Vorbild für
junge Männer sind, die Priester werden möchten. Sie sind veräußerlicht, verweltlicht. Sie ha4
ben keine rechte Überzeugung mehr von ihrem Beruf, vergessen ihre Auserwählung und spotten
über ihre Würde. Entsprechend dem Verlust ihres Sendungsbewußtseins betragen sie sich.
Von der Aufgabe der geistlichen Kleidung angefangen bis in die Sprache hinein suchen sie die
Tatsache zu verwischen, dass sie eben nicht Menschen wie alle anderen sind, sondern Geweihte,
Christus Verähnlichte, Repräsentanten des Herrn.
Ein Teil, ein erheblicher Teil des Klerus ist religiös erschlafft. Der Gebetseifer vieler Priester
ist zurückgegangen. So bewährte, gerade für den Priester hilfreiche Frömmigkeitsformen
wie die Herz-Jesu-Verehrung und die Marien-Verehrung sind bei ihnen in Mißkredit geraten.
Nur noch wenige Priester harren in Anbetung vor dem im Tabernakel gegenwärtigen Herrn
aus, halten eine intensive innere Vorbereitung auf die Feier der heiligen Messe und eine ausgiebige
Danksagung nach der Darbringung des heiligen Opfers.
Als ein Versäumnis von ungeheurer Tragweite muss der immer seltener werdende Empfang
des Bußsakramentes durch viele Priester angesehen werden. Der Priester, der sich nicht
immerfort selbst bekehrt und geistlich erneuert – und es gibt kein wirksameres, tiefgreifenderes
Mittel der Bekehrung und Erneuerung als die gute Beichte –, ist in großer Gefahr. Es ist
die Gefahr, die Sünde leicht zu nehmen, von kleinen Sünden zu größeren zu gelangen, in der
Sünde zu verwurzeln und schließlich zu versinken.
Ebenso schlimm wie der religiöse Abbau in weiten Teilen des Klerus ist die aszetische Erschlaffung.
Aszese ist das beharrliche Ringen des von der Gnade getragenen menschlichen
Willens, um die christliche Vollkommenheit zu erlangen. Aszese verlangt Ordnung und Zucht
des geistigen und des körperlichen Lebens, Aszese fordert Bekämpfung alles dessen in uns,
das aus der Sünde stammt und zur Sünde führt, Aszese bedeutet Niederhaltung des Niederen
in uns, damit sich das Höhere frei entwickeln kann. Aszese besagt Abbruch im Erlaubten, um
das Unerlaubte meiden zu können. Jedem Christen ist Aszese notwendig, niemand aber
braucht sie mehr als der Priester. Je höher ein Wert, desto mehr ist er gefährdet, und je mehr
er bedroht ist, um so sorgsamer muss er geschützt werden. Das katholische Priestertum steht
sehr hoch, es bedarf deswegen eines besonders intensiven Schutzes. Weniges schützt das
Priestertum mehr als die Kontrolle über sich selbst, Disziplin, Beherrschung und Enthaltsamkeit.
Hier ist in den letzten Jahren viel zerstört worden. Die kirchliche Bußdisziplin ist nur
mehr ein Schatten ihrer selbst. Die aszetischen Forderungen, die das Kirchenrecht an den
Priester stellt, stehen weithin bloß noch auf dem Papier. Die Weisungen der Lehrer des geistlichen
Lebens sind fast ganz vergessen. Man braucht sich nicht zu wundern, dass bei Priestern,
welche die Aszese geringschätzen oder aufgeben, das Fleisch rebellisch wird.
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Bei so manchen Geistlichen ist in den letzten Jahren ein merkwürdiges Zurücktreten des
übernatürlichen Sinnes zu beobachten. Man gewinnt den Eindruck, es sei ihnen mehr daran
gelegen, es sich und den ihnen Anvertrauten auf der Erde möglichst angenehm zu machen,
statt sich und die anderen zum Himmel zu führen. Aus dieser Einstellung erklärt sich das ungebührliche
Wuchern des Unterhaltungsbetriebes in nicht wenigen Pfarreien zu Lasten des
geistlichen Tuns. Für das Feiern von Festen ist keine Mühe zu groß, ist keine Zeit zu lang,
sind keine Kosten zu hoch, aber der Gottesdienst wird in einer minimalen Zeit abgewickelt,
bewährte seelsorgliche Veranstaltungen fallen ganz aus, jede Anstrengung – wie kniendes
Beten – wird vermieden. Als ein Beispiel für zahllose andere sei auf den Pfarrer verwiesen,
der die bisher am Gründonnerstag übliche Anbetung des Allerheiligsten nach dem Abendgottesdienst
abschaffte und an ihrer Stelle einen Umtrunk im Pfarrheim einführte. In dieselbe
Richtung eines argen Verlustes geistlicher Potenz weisen das Vermeiden ernster und beunruhigender
Gegenstände in der Predigt und in der Erwachsenenbildung, die Nachlässigkeit in
der Vorbereitung auf das Sterben, das Fehlen von konkreten Aufrufen zum sittlichen Kampf,
das Verschweigen oder die Verkehrung der kirchlichen Lehre über die geschlechtliche Sittlichkeit
innerhalb und außerhalb der Ehe sowie das Durchgehenlassen gefährlicher Verfehlungen
– z. B. des vorehelichen Geschlechtsverkehrs – ohne entsprechende Belehrung und
Zurechtweisung.
Viele Priester arbeiten nicht mehr mit der Begeisterung, die der Heilige Geist in den Seelen
weckt. Sie betrachten ihre Tätigkeit als einen Broterwerb, als einen „Job“, und legen eine
Mentalität an den Tag, die für – schlechte – Beamte charakteristisch ist. Der Seeleneifer im
Klerus ist in den letzten 15 Jahren geringer geworden. An vielen Orten klagen die Kranken,
dass sie vernachlässigt werden. Wohl noch nie seit unvordenklichen Zeiten sind so viele
Gläubige unversehen gestorben wie heute. Die Einzelseelsorge an Armen und Verlassenen, an
Gefährdeten und Sündern liegt in nicht wenigen Pfarreien im argen. Ein Bemühen um Konversionen
gibt es fast überhaupt nicht mehr. Seelsorgliche Hausbesuche sind selten geworden.
Durch die Abhaltung von Bußandachten haben sich zahlreiche Geistliche die Tätigkeit im
Beichtstuhl, die früher oft viele Stunden in Anspruch nahm, vom Leibe geschafft. Gläubige
beschweren sich, dass geistliche Handlungen wie Beerdigungen hastig, geschäftsmäßig und
ohne innere Anteilnahme abgewickelt werden.
An dieser Stelle darf ich nicht unterlassen, auf die betrüblichen Verfehlungen von Priestern
gegen ihre Standespflichten und allgemein gegen die sittlichen Normen hinzuweisen. Es ist
eine Tatsache, dass der Priesterstand nicht mehr auf der sittlichen Höhe steht, die er noch vor
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50 Jahren einnahm. Zu viele Abfälle und Skandale haben das gläubige Volk in seinem Vertrauen
zum Priestertum erschüttert und den Feinden der Kirche willkommenes Material zur
Schmähung geliefert. Doch damit nicht genug. Es war stets ein wirksames Mittel aller Feinde
der Kirche, die Fehler, Mängel und Schwächen der Geistlichen zu brandmarken, aber auch zu
übertreiben, um auf diese Weise den Glauben und die Autorität der Kirche zu treffen. Diese
Methode wird heute von allen Massenmedien angewandt.
Namentlich gescheiterte und ausgebrochene Priester fallen mit immer neuen Verdächtigungen
und Verleumdungen über die Priesterschaft her. Um ihr eigenes Versagen zu kaschieren,
geben sie ihre ehemaligen Mitbrüder als Heuchler, die ein Doppelleben führen, aus. Dabei
werden teilweise horrende Zahlen genannt, die völlig aus der Luft gegriffen sind und jeder
empirischen Basis entbehren. Selten und schwach sind die berufenen Schützer des Priesterstandes,
die Bischöfe, gegen diese unerhörten Schmähungen aufgestanden. Die Theologiestudierenden
kennen die Situation der Diffamierung und Verdächtigung der Priesterschaft. Dass
sie dadurch nicht zum Streben nach dem Priestertum ermutigt werden, liegt auf der Hand.
In den letzten 45 Jahren haben sich dramatische Vorgänge in der Priesterschaft abgespielt.
Ich erinnere an erster Stelle an die Massenflucht aus unserem Abendmahlssaal. Tausende und
Abertausende von Priestern haben ihren heiligen Beruf aufgegeben. Dieser Exodus ist das
Zeichen einer schweren Krise des Priesterstandes. Eine Elite ist abgesunken, ja zerbrochen.
Die zahllosen Skandale auf dem Absprung befindlicher und entsprungener Priester haben
Achtung und Ansehen des Priesterstandes in der Gesellschaft und beim Kirchenvolk gründlich
und nachhaltig zerstört. Bis zur Stunde lassen sich diese Versager vor die Fernsehschirme
zerren und versprühen dort ihre albernen Tiraden. Die meisten Menschen bringen den Priestern
weder Vertrauen noch Liebe, sondern Befremden, Abneigung und Verachtung entgegen.
III. Entwertung des Priestertums
Der Zusammenbruch oder das Absacken so vieler Priester wäre nicht geschehen ohne die
Wühlarbeit von Theologen. In unserer Kirche hat seit geraumer Zeit ein gigantischer Feldzug
gegen das Priestertum eingesetzt. Christus sei kein Priester gewesen, heißt es. Er habe kein
Priestertum eingesetzt. In der Urkirche habe es kein Priestertum gegeben. Der Vorsitz der
Gemeinde sei bloß menschlichen Rechtes. So schreibt der Pastoraltheologe Leo Karrer: „Den
Amtsträgern kommt somit theologisch kein Mehr zu, das den sogenannten Laien fehlte.“ Das
ist genau der Standpunkt des Protestantismus. Seelsorge ist jetzt nach ihm „ein kommunikati7
ver Prozeß zwischen Glaubenden, bei dem… alle gleichwertige Söhne und Töchter Gottes
sind“. Gleichwertig gewiß, aber nicht gleichberechtigt. Nach den vier Pastoraltheologen
Fuchs, Mette, Greinacher und Steinkamp ist für das Neue Testament kennzeichnend, „dass es
keine heilsvermittelnden Institutionen und Personen zwischen Gott und den Menschen gibt“.
Damit entfällt die göttliche Legitimation von Kirche und Priestertum.
Fuchs meint, in Notsituationen könnten auch ungeweihte „Gemeindeleiter“ den Vorsitz bei
der „Eucharistiefeier“ übernehmen. Für Harald Schützeichel bedarf es keiner Priester mehr,
„die eine Mittlerfunktion zwischen Gott und dem Volk übernehmen“. Die Gemeinde wird
zum Träger der Liturgie gemacht, so dass dem Priester nur die Vorsteherschaft oder die Moderation
bleibt. All das und vieles andere wird von wohldotierten Theologieprofessoren, die
teilweise Priester ausbilden, ohne nennenswerte Gegenwehr der Bischöfe unter das Volk gestreut.
Dass sich für ein derart degradiertes Priestertum niemand entscheiden mag, liegt auf
der Hand
IV. Nivellierung des Priestertums
Der Priestermangel ist auch eine Folge der Nivellierung des Priestertums, der Einebnung
der Stellung des Priesters als des Hirten in werkzeuglicher Abhängigkeit, aber auch in Repräsentation
des ewigen Hohenpriesters Christus. Als ein wahres Verhängnis für die Heranbildung
von Priestern erweist sich hier der Ökumenismus.
Der ökumenische Betrieb trifft das katholische Priestertum in der Wurzel. Im Namen des
Ökumenismus zwingen die deutschen Bischöfe ihre Priester, mit nichtkatholischen Religionsdienern
in gemeinsamen Gottesdiensten zusammenzuwirken. Auf diese Weise verwirren sie
die Gewissen, verdunkeln den Glauben und fördern den Übergang zum Protestantismus. Die
Entwicklung ist auch hier, wie vorauszusehen war, über die bischöflichen Vorgaben hinausgegangen.
Kanzeltausch und Interzelebration sind in deutschen Landen keine Seltenheit mehr.
Ich kenne einen katholischen Pfarrer, der den Vorabendgottesdienst am Samstag von einer
protestantischen Pastorin halten ließ. Niemals ist etwas Ernsthaftes geschehen, um die
Mißbräuche zu unterbinden. Man bedenke, was hier geschieht: Der katholische Priester, der
mit dem nichtkatholischen Religionsdiener bei religiösem Tun gemeinsam auftritt, begibt sich
damit eines Stückes seiner Identität.
Der protestantische Pfarrer ist unserer Achtung gewiß. Aber eines dürfen Sie nicht tun,
meine Herren Bischöfe! Stellen Sie ihn nicht auf dieselbe Ebene wie den katholischen Pries8
ter, denn dahin gehört er nicht. Er ist ein mit gewissen religiösen Funktionen betrauter Laie,
aber kein seinsmäßig Christus dem Hohenpriester verähnlichter Vollzieher unsagbarer Geheimnisse.
Hören Sie auf mit dem Ökumenismus, der den Priesternachwuchs erdrosselt, dem
geweihten Priester das Würdebewußtsein raubt und das gläubige Volk in die totale Verwirrung
führt! Der Teil des katholischen Volkes, der sich den Glauben bewahrt hat, will den geweihten
Priester haben, nicht den protestantischen Religionsdiener! Der Priester, der dem protestantischen
Religionsdiener gleichgestellt wird, zieht keine jungen Männer an. Der anspruchsvolle
Dienst und die hohe Lebensform, die dem Priester auferlegt sind, kann nur von
jemand übernommen werden, der von dem hohen Rang katholischen Priestertums überzeugt
ist.
V. Versuchte Ersetzung der Priester durch Laien
Die deutschsprachigen Bischöfe beginnen, den Priester als Haupt und Leiter der Gemeinde
in immer weiterem Umfang durch Nichtgeweihte zu ersetzen. Im Bistum St. Gallen werden
schon manche Pfarreien von Pastoralassistenten geleitet. In der Diözese Linz stehen Pfarrassistenten
neunzehn Pfarreien vor. Die Initiative „Wir sind Kirche“ propagiert die in Eigenverantwortung,
d.h. ohne priesterliches Haupt geleitete Gemeinde. Nach diesem Modell hat der
Priester auf dem Papier lediglich die Dienstaufsicht über den Pfarrbeauftragten, und es bleiben
ihm jene sakramentalen Vollzüge, die ohne Weihe nicht ausgeübt werden können. Das ist
alles. Durch den Einsatz hauptamtlicher Laien auf fast allen Gebieten kirchlicher (und pfarrlicher)
Tätigkeit, der für Dauer gedacht ist, wird die Verfassung der Kirche auf kaltem Wege
radikal deformiert. Nicht mehr das priesterliche Haupt der Gemeinde ist das prägende Prinzip,
sondern der laikale Pfarrbeauftragte. Wenn nichtgeweihte Personen eine Pfarrei selbständig
leiten, wird das priesterlich-hierarchische Wesen der Kirche in der Wurzel zerstört. Die sakramentale
Vergegenwärtigung Christi durch das priesterliche Haupt fehlt in einer solchen
Gemeinde. Eine Personalpolitik, die den Priester durch andere Personen zu ersetzen versucht,
macht den Priester scheinbar immer mehr entbehrlich. Ein nichtpriesterliches Amt mit priesterlichen
Aufgaben ist jedoch ein Widerspruch in sich selbst. Der Unterschied zwischen dem
Amt aufgrund von Weihe und kirchlicher Tätigkeit Nichtgeweihter ist unüberbrückbar. Wer
Gemeindeleitung und Vorsitz in der Feier des eucharistischen Opfersakramentes trennt, der
verletzt die notwendige Zusammengehörigkeit beider Dienste. Wer nicht Christus durch das
Weihesakrament verähnlicht wurde, ist unfähig, ihn der Gemeinde zu repräsentieren; er kann
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dies weder bei der Eucharistie noch in der Gemeindeleitung. In der Pfarrei des Pfarrbeauftragten
zeichnet sich die Gefahr ab, dass eine Gemeinde entsteht, die ohne den entscheidenden
Vollzug der Kirche, die Feier des eucharistischen Opfers, auskommt. Völlig richtig ist gesagt
worden, dass auf diese Weise „die sakramentale Grundstruktur der Kirche unterlaufen und
letztlich zerstört wird“.
Mit Sorge, teilweise mit Angst sehen viele Priesterkandidaten ihrem künftigen Dienst entgegen,
den sie mit theologisch ausgebildeten Laien teilen müssen. Es gibt ohne Zweifel im
kirchlichen Dienst stehende Laien, die aus echtem Glauben und in guter Absicht für Gott und
die Kirche arbeiten. Ihnen sei für ihr Wirken eigens gedankt. Doch die Schwierigkeiten mit
hauptamtlichen Laien sind zu zahlreich, als dass sie geleugnet werden könnten. Sie wollen
sich vom Priester nichts sagen lassen, handeln eigenmächtig, nehmen sich unerlaubte Freiheiten
heraus, bestehen auf strenger Einhaltung der Dienstzeit. Angesichts des massiven Einsatzes
von Gemeinde- und Pastoralassistenten fragen sich viele Priesterkandidaten, ob sie unbedingt
Priester werden sollen, wenn sie als theologisch ausgebildete Laien beinahe dasselbe tun
können.
VI. Die Macht der Räte
Besorgnis und Angst der Priesterkandidaten richten sich auch auf die Räte, die ihnen an die
Seite gestellt werden, mit denen sie rechnen müssen und zusammenwirken sollen. Ein schwerer
Schlag gegen den Leitungsdienst der Priester war die Einrichtung des Pfarrgemeinderates.
Sie geht nur scheinbar auf das Zweite Vatikanische Konzil zurück. Dort heißt es: „In den Diözesen
sollen nach Möglichkeit beratende Gremien eingerichtet werden, welche die apostolische
Tätigkeit der Kirche… unterstützen“ (AA 26). Das Konzil dachte an Gruppen kompetenter
und selbstloser Laien, die dem Priester bei seinen mannigfachen Aufgaben hilfreich zur
Seite stehen. Ihm schwebten Arbeitsgemeinschaften vor, wie sie sich in den letzten Jahren
spontan in Form der Initiativkreise gebildet haben. Die deutschen Bischöfe haben die Anregung
des Konzils mißverstanden und ein perfektes Rätesystem von der Pfarrei bis zur Diözese,
ja bis zur Bischofskonferenz aufgebaut. Davon schreibt ein Konzilsperitus, dass das Konzil
an einen derartigen Aufbau einer anderen Hierarchie „nicht im Traume“ gedacht habe. Das
ist einer der vielen Fälle, in denen man Folgerungen aus den Beschlüssen des Konzils gezogen
hat, die nicht den Texten, sondern den Wünschen und Erwartungen von Interessenten entsprechen.
Die Einrichtung des Rätesystems war und ist ein Anschlag auf den Priester als des Rep10
räsentanten Christi, des Hauptes einer jeden Gemeinde. Es ist offensichtlich, dass hier das
protestantische Modell des Presbyteriums Pate gestanden hat. Jesus hat aber nicht angeordnet,
dass die Herde den Hirten, sondern dass der Hirt die Herde weiden soll. Der Priester ist nicht
der Gemeinde verantwortlich, sondern dem Herrn, der ihn zum Hirten bestellt hat. Wenn man
die Priester den Gremien ausliefert, dann braucht man sich über Mangel an Priesterkandidaten
nicht zu wundern. Denn den Priestern wird durch die Räte häufig ihr Dienst erschwert und
verleidet. Die deutschen Bischöfe räumen immerhin ein, dass es „nicht selten… zu Spannungen
zwischen Priestern und den Gremien“ kommt.
VII. Das Ungenügen der Priesterseminare
Trotz der beklagenswerten Verhältnisse, in denen das Priestertum und die Priesterschaft in
unserer Kirche sich befinden, gibt es noch einzelne junge Männer, die es wagen, in ein Priesterseminar
einzutreten. Was finden sie dort vor? Meine Bemerkungen über die Priesterseminare
stehen unter dem Vorbehalt: soweit mein Blick reicht, also soweit es die mir zur Verfügung
stehenden Informationen gestatten. Das Priesterseminar ist die Ausbildungsstätte für
Priester. In manchen Diözesen dient es gleichzeitig der Heranbildung von Laientheologen.
Dieses Nebeneinander ist schädlich für den Beruf angehender Priester. Es beruht auf dem
grundlegenden Irrtum, dass Priester und Laien im wesentlichen dasselbe tun, mit dem einzigen
Unterschied, dass der eine geweiht ist, der andere nicht. Manche, vielleicht viele Regenten,
also Leiter der Priesterseminare, sind ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Es fehlt ihnen an
den erforderlichen Kenntnissen und Erfahrungen. Der Mainzer Bischof Lehmann sagte mir
einmal von dem Leiter seiner Priesterbildungsstätte, er habe das Priesterseminar verwaltet wie
ein Notar. Das soll wohl heißen: bürokratisch, umständlich, kleinkariert, ohne Feuer und Begeisterung,
ohne mitreißenden Schwung. Die (hoffentlich segensreiche) Einwirkung der Diözesanbischöfe
auf die Alumnen ist vielerorts durchaus unzureichend. Den glühenden Eifer für
die Sache Christi, den sie selbst nicht haben, können sie anderen nicht vermitteln. Die Aszese,
also die Einübung in die Tugenden, hat nicht genügenden Stellenwert in den Seminarien. Der
Fernseher in den Zimmern, der Schlüssel zum Haus, die Freiheit zu Besuchen, die Abwesenheiten
an Wochenenden sind für Konzentration, Sammlung und Innerlichkeit der Priesterkandidaten
schädlich. Wer nicht spätestens im Priesterseminar lernt, eine feste Tagesordnung
einzuhalten und diszipliniert zu leben, der lernt es überhaupt nicht, und dieser Mangel hat
schwerwiegende Folgen für das Leben und Wirken des Priesters. Dazu kommt die progres11
sistische Gehirnwäsche als Mittel der Auslese. Wer im Verdacht steht, das Priestertum in dem
Sinne anzustreben, wie es die Kirche immer gelehrt und in jüngster Zeit Johannes Paul II. unüberhörbar
herausgestellt hat, ist in Gefahr, einer rückwärts gerichteten Frömmigkeit oder gar
mangelnder Gemeinschaftsfähigkeit geziehen zu werden. Wer in hergebrachter Weise glaubt,
kommt in den Ruch des Fundamentalismus. Man wirft den Kandidaten vor, sie könnten nicht
auf Menschen zugehen, seien Dialogverweigerer, hätten ein vorkonziliares Priesterbild, mißachteten
die Kompetenz der Laien. Das oberste Gebot für angehende Priester scheint zu sein,
mit Räten und Verbänden zurechtzukommen. Unbequeme Kandidaten werden durch fadenscheinige
Begründungen oder gar durch verleumderische Beschuldigungen aus der Bahn geworfen.
Ich bezweifle, dass es in Deutschland auch nur eine Handvoller theologischer Studienstätten
gibt, die garantiert gläubige, fromme, seeleneifrige Priester auszubilden imstande
sind.
VIII. Die theologischen Fakultäten
Das Priesterseminar ist für die geistliche und charakterliche Formung der Priesterkandidaten
zuständig. Ihre wissenschaftliche Ausbildung erfolgt an theologischen Fakultäten und
Hochschulen. Wie sieht sie aus?
Der Zustand in der katholischen Glaubenswissenschaft ist heute katastrophal. Was hier auf
weite Strecken betrieben wird, ist nicht die denkerische Bemühung um die Offenbarung Gottes
und den Glauben der Kirche, sondern unwissenschaftliches Gerede, seichte Ideologie, ja
Verrat an der Wahrheit. Die Theologie ist weithin ein Tummelplatz für oberflächliche Plauderer
und bösartige Kritik geworden. Eine bestimmte Spielart der progressistischen Theologie
zerstört sogar den Glauben und mit dem Glauben die Grundlage des sittlichen Lebens und der
Gottesverehrung. Man täusche sich nicht. Es geht bei der gegenwärtigen Auseinandersetzung
in der Kirche nicht bloß um diese oder jene Glaubenswahrheit und ihre Interpretation; es geht
vielmehr heute um das Gesamt von Christentum und Kirche, ob es überhaupt eine unveränderliche,
zeitlose Wahrheit, ob es überhaupt einen Gottmenschen, ob es überhaupt eine verbindliche
Glaubensgemeinschaft gibt.
An manchen Fakultäten lehren Theologen, die mit der Kirche, ihrer Ordnung und ihrem
Recht in ständigem Konflikt leben, die das eine oder andere Dogma leugnen, die mit dem katholischen
Glauben mehr oder weniger zerfallen sind, ja, die glaubensmäßig und religiös geradezu
den Boden unter den Füßen verloren haben. Unhaltbare Thesen werden aufgestellt, die
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angeblich neu sind, in Wirklichkeit aber bei protestantischen Autoren nachgelesen werden
können. Es gibt heute katholische Theologen, die ihre „Berühmtheit“ ausschließlich der Tatsache
verdanken, dass sie mit ebenso großer Unverfrorenheit wie Zungenfertigkeit heterodoxes
Lehrgut vortragen. Der Neuheitseffekt dieser Aufstellungen beruht allein darin, dass sie
bis zu der Zeit, in der das kirchliche Lehramt seine Funktion wahrnahm, keine Daseinsberechtigung
in der katholischen Kirche hatten. Manche dieser „Gelehrten“ reden verantwortungslos
daher und fügen der Kirche schwersten Schaden zu. Ohne Kontakt mit der Seelsorge und ohne
Verständnis für deren Erfordernisse tragen sie ihre unausgegorenen Vorstellungen den regelmäßig
zur Kritik nicht fähigen Studierenden vor und richten ungeheure Verwüstungen in den
Seelen an. Statt aufzubauen, reißen sie ein. Mit gehässigen Unterstellungen fallen sie über den
Heiligen Vater her, hämisch und höhnisch untergraben sie seine Autorität; sie wissen, dass sie
nichts riskieren, denn kein Bischof geht gegen sie vor, wie sie es verdient hätten. Ich wage die
Behauptung: Die Mehrzahl der Theologieprofessoren in unseren Landen richtet mehr Schaden
als Nutzen an.
Angesichts des bestehenden Lehrchaos in der „katholischen“ Theologie ist eine sehr große
Zahl der Theologiestudierenden ratlos, wie es weitergehen soll. Die Folge ist regelmäßig, dass
viele das Ziel, Priester zu werden, aufgeben. Denn niemand will sein Leben auf ein Fundament
bauen, das angeblich schwankend ist, niemand mag große Opfer für eine Sache bringen,
die, wie es scheint, auf morschen Pfeilern steht. Hier und nirgendwo anders liegt die Hauptursache
für den zunehmenden Priestermangel, hier die Hauptwurzel für die Zölibatskrise.
IX. Die Rolle der Bischöfe
Geführte schauen auf den Führer, um von ihm geführt zu werden. Soldaten blicken auf ihre
Offiziere, um von ihnen mit Kampfesmut erfüllt zu werden. Priesterkandidaten richten ihr
Auge auf ihren Bischof, der ihnen Wegweiser, Vorbild, Ansporn und Stütze sein soll. Was
sehen sie dort? Ich denke nicht daran, auch nur über einen der deutschen Bischöfe den Stab zu
brechen. Aber es muss erlaubt sein, Fragen zu stellen. Der Bischof soll seinen Priestern voranleuchten
an Tugenden. Wie viele Bischöfe gibt es im deutschen Sprachraum, die durch ihre
Heiligkeit die Priester anspornen, die sie durch ihre Demut rühren, die sie mit ihrer Frömmigkeit
mitreißen? Wie viele Bischöfe treten den Hetzern in den Medien furchtlos entgegen? Wie
viele Bischöfe, die eine überdurchschnittliche Gottes- und Nächstenliebe ausstrahlen? Wie
viele Bischöfe, die mit ihrem verzehrenden Seeleneifer ihre Priester anstecken? Wie viele
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Bischöfe, die ihre Bistümer rastlos durcheilen, um den Glauben zu stärken, die Treue zur Kirche
zu festigen, die Ergebenheit gegen den Heiligen Vater zu vertiefen? Wo ist der Bischof,
der in den einzelnen Pfarreien und Ortschaften erscheint, dem Pfarrer einen Sonntagsgottesdienst
abnimmt, der sich in den Beichtstuhl setzt, der die Kranken besucht?
Die Priester sind Seelsorger. Was sie umtreibt, ist die Sorge für die Seelen. Sie haben aber
auch selbst eine unsterbliche Seele, die der Sorge bedarf. Wer nimmt sie wahr? Der Seelsorger
der Priester ist der Diözesanbischof. Sie sind ihm als seine wichtigsten Mitarbeiter anvertraut.
Er hat sie nicht nur in ihrem Dienst zu leiten, sondern sie auch zum Himmel zu führen. Wie
sieht die Sorge der meisten deutschen Diözesanbischöfe für ihre Priester aus? Zumeist kläglich.
Die lächerlichen Priestertage, die in vielen Bistümern veranstaltet werden, dienen als
Alibi dafür, dass die bischöfliche Sorge für die Priester gleich Null ist; sie bewirken nichts, sie
richten niemanden auf, sie retten keinen einzigen. Wo ist der Bischof, der seine Priester an Ort
und Stelle besucht, der Zeit für sie hat, der sie anhört und tröstet? Ein deutscher Bischof beklagte
sich, dass ein Priester, der seinen Beruf aufgegeben hat, nicht zu ihm gekommen sei.
Richtig wäre, dass er zu ihm gegangen wäre.
Ich kenne Bischöfe, die ihre Herde sträflich vernachlässigen, aber dafür ihre Hobbies pflegen.
Ich kenne Bischöfe, die ihren Bischofsstuhl in der Hauptsache dazu benutzen, um auf
einer erhöhten Bühne ihren professoralen Liebhabereien nachzugehen; nur ein Bruchteil der
Zeit und der Kraft wird für die unmittelbare Seelsorge verwendet. Ich kenne Bischöfe, die
stets, aber auch nur bei Gelegenheiten erscheinen, wo die Vertreter der Massenmedien anwesend
sind und sie mit Ton und Bild aufnehmen. Die stille, unbeobachtete Seelsorge fällt aus.
Dazu kommt der sichtbare oder getarnte Widerstand von Bischöfen gegen die höchste Autorität
in der Kirche. Wenn Weisungen aus Rom kommen, kann man sicher sein, dass deutsche
Bischöfe Ausstellungen daran erheben. Wir wissen, wer die Wahl des Kardinals Ratzinger
zum Papst verhindern wollte und wer sich heute schwer tut, seinen Weisungen zu folgen.
Eine Kirche, in der Bischöfe gegen den Papst stehen, zieht Jugendliche nicht an. Sie wollen
nicht mit Oberhirten zusammen sein, deren geheime oder offene Opposition gegen das
Papstamt sie kennen. Junge Männer, die Priester werden wollen, lehnen es ab, sich in Uneinigkeit
und Meinungsverschiedenheiten verstricken zu lassen. Sie mögen sich nicht an eine
Diözese binden, die Abweichungen von der Lehre und der Ordnung der Kirche erlaubt oder
übersieht. Niemand mag sich einer Organisation anvertrauen, deren Leitung unaufhörlich über
den Grund stöhnt, auf dem sie steht.
Geradezu erschütternd ist die Solidarität der Bischöfe im Versagen. Aus gläubigen Priestergemeinschaften
stünden Seelsorger zur Verfügung. Kein einziger deutscher Bischof hat
ihnen meines Wissens bis zur Stunde eine Pfarrei übertragen. Diese Priestergemeinschaften
schicken ihre Mitglieder in die USA, wo sie großzügig aufgenommen werden. Die Türen der
deutschen Pfarrhäuser bleiben ihnen verschlossen. Wir haben in Deutschland eine Unzahl von
theologischen Bildungsstätten mit dem entsprechenden Personal. Nach meinem Urteil würde
die Hälfte davon ausreichen, um den Bedürfnissen von Forschung und Lehre Genüge zu tun.
Aber kein Bischof ist bereit, dieser Einsicht Folge zu geben, die Aufhebung von Fakultäten in
Angriff zu nehmen. Dazu kommt eine erschreckende Selbstsicherheit. Ein Priester, der mehrere
Jahre Kaplan eines deutschen Bischofs war, erklärte mir: „Der läßt sich von niemand etwas
sagen.“ Vermutlich gibt es noch mehr von der Sorte. Der Kardinal Šeper, Präfekt der Glaubenskongregation,
der es wissen mußte, hat einst den Satz geprägt: „Die Krise der Kirche ist
eine Krise der Bischöfe.“ An der Richtigkeit dieser Feststellung, hat sich bis heute nichts geändert.
Schluß
Vielleicht fragen Sie mich zum Schluß: Sie haben die Ursachen des Priestermangels geschildert.
Aber wie kann er behoben werden? Die Antwort lautet: indem die Ursachen beseitigt
werden. Der Mangel an Berufungen läßt sich umkehren durch Menschen, die ein glaubwürdiges
Zeugnis für ihren Glauben ablegen und mit Begeisterung für Gott und die Kirche
arbeiten. Wenn wir uns bekehren, können Wunder geschehen. Beten wir, rufen wir, flehen wir
zum Herrn mit Weinen, Fasten und Wehklagen. Ich bin überzeugt: Wenn die Menge unserer
Leiden erfüllt ist, wenn die Zahl unserer Gebete voll, wird Gott die Wende herbeiführen, auf
die wir gläubigen Christen hoffen.
Prof. Dr. Georg May

Hemma

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Antw:Priestermangel
« Antwort #1 am: 15. Juni 2012, 21:29:47 »

Im Wiener Stefansdom wurden heute 6 Diakone zu Priestern geweiht.
Weitere 22 Priesteramtskandidaten werden zu Peter und Paul und in der 2. Jahreshälfte geweiht.

http://mobil.kathpress.at/site/nachrichten/database/47430.html


In meiner Diözese verlassen gleich 5 Priester ihre Pfarren und wenden sich (vorübergehend) anderen Aufgaben zu.
http://www.kleinezeitung.at/kaernten/sanktveit/3028346/neue-aufgaben-locken-kaerntner-priester-weg.story

Beten wir für die Neupriester und die Priester im Amt, dass sie ihren Aufgaben treu bleiben!

Offline amos

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Antw:Priestermangel
« Antwort #2 am: 16. Juni 2012, 15:34:01 »
Liebe velvet, herzlichen Dank für Deinen Beitrag zum Thema: "Priestermangel".

Dieser Beitrag entspricht voll und ganz meiner Meinung. Die Frage für mich ist jedoch, was kann man letztendlich dagegen unternehmen?
Ich glaube, wir können nichts unternehmen, solange unsere Gesellschaft nicht "umkehrt"!

Herr, erbarme dich unser.

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
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velvet

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Antw:Priestermangel
« Antwort #3 am: 16. Juni 2012, 16:27:57 »
Lieber amos,

ja leider, denn ein Priester sollte sich ja zu seinem Beruf berufen fühlen um seelenführer zu werden!

velvet

Offline vianney

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Antw:Priestermangel
« Antwort #4 am: 16. Juni 2012, 18:07:56 »
Hallo ,

Erstmals Danke für diese hervorragende Analyse: sie ist leider zerschmetternd für unsere Kirche und Bischöfe . Irgendwo habe ich mal gelesen " das Volk kriegt die Priester die es verdient" und im gleichen Text" Gott hat diese Völker sich selbst überlassen so dass keine Berufungen entstehen"

Meines Erachtens ist der Hauptgrund des Priesterausbleiben die Erkrankung unserer Familien: Wird der Glaube und somit Gott in einer Familie an erster Stelle gesetzt, so kann sie nur Keimzelle für Priester und Ordensmenschen sein.
. Bischof hin, Bischof her, für unsere Familien sind wir Selbst verantwortlich: niemand verbietet das Kinderkriegen , beeinflusst die Sorgfalt der moralischen Erziehung, die Auswahl des Umgangs unserer Kinder, das Umfeld das sie sich erschaffen, die Schulen und der Geist der dort unseren Kindern vermittelt wird, und letztendlich die Bereitschaft der Eltern ihre Kinder ihrer Berufung nachgehen zu können. Herrscht dort nicht die Bereitschaft der Eltern Gott einen Diener/in zu opfern so können auch viele Berufungen scheitern.

Ich selbst hatte mit 18 die Überzeugung gewonnen, Priester zu werden aber es scheiterte an meinen Eltern die absolut vermeiden wollten dass ein eventueller Hohn über sie käme, sollte ich später nicht zurechtkommen und eine Partnerschaft dem Priestertum bevorziehen. Ich musste Arzt werden und habe es mein Leben lang bereut. Ich bete heute für meine Eltern dass Gott ihnen diesen Fehler nicht anrechne.

Zudem kommt noch der Mammon: 99% der Jugendlichen werden auf das schnelle Geld getrimmt, und 99% der jungen Mädchen werden in die Karrierebahn geleitet der Gleichberechtigungs wegen! Da ist kein Platz mehr fûr einen armen Priester oder ein/e Ordensberufung, geschweige denn für ein Leben in der  Klausur.

Zuletzt liegt es mit grösster Sicherheit am Mangel an Gebet: Wollen wir Priesterberufungen erwecken, so muss unser Gebet das Herz Gottes so demütig und bittend erreichen dass er Junge Männer und Frauen mit der Gnade einer Berufung beschenkt und den Mut diese zu leben. Wenn ich auf die Petrusbruderschaft blicke, so fällt mir dort auf wie tiefsinnig die Priesterkandidaten sind, und es sind nicht wenige. Unsere Bischöfe sollten sich daran ein Vorbild nehmen, und die Seminare in Weltentzogenheit gestalten damit die Priester nicht in die Rolle des Animators einer Messe ausgebildet werden, sondern als Vorsteher einer Glaubensgemeinschaft im Leben der Heiligen Sakramente.

Deshalb rufe ich euch alle auf jeden Tag einen Rosenkranz allein für neue Berufungen zu beten.

in caritas dei                                             ;ghjghg

dominique
 
Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit, in der Ruh!Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu.

velvet

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Antw:Priestermangel
« Antwort #5 am: 16. Juni 2012, 18:33:37 »
Lieber Dominique,

ich stimme dir vollkommen zu bis auf diesen Satz:

Zitat
Ich selbst hatte mit 18 die Überzeugung gewonnen, Priester zu werden aber es scheiterte an meinen Eltern die absolut vermeiden wollten dass ein eventueller Hohn über sie käme, sollte ich später nicht zurechtkommen und eine Partnerschaft dem Priestertum bevorziehen. Ich musste Arzt werden und habe es mein Leben lang bereut. Ich bete heute für meine Eltern dass Gott ihnen diesen Fehler nicht anrechne.

Glaube nicht, dass es an Deinen Eltern liegt, Du wurdest Arzt, weil es Gott so wollte und vielleicht geschieht irgendwann etwas in deinem Leben, wodurch Dir klar werden wird warum. Glaube mir Gottes Pfade sind meistens erst im Nachhinein plausibel. Du kannst doch in Deinem Leben beides verbinden, denn Patienten spüren ob ein Arzt ein mitfühlendes Herz hat oder nur einen Job macht.
Tag für Tag habe ich mit ca. 150 Ärzten zu tun und ich sehe sehr wohl die Unterschiede, ob einer nur an seiner Karriere interessiert ist, oder Arzt aus Berufung geworden ist und wirklich den Menschen helfen will. In unserer auf Erfolg und Geld ausgerichteten Zeit ist es sehr wohltuend das Menschliche in einem Arzt zu erkennen. Also hänge nicht der Vergangenheit nach und sehe es nicht als Fehler Deiner Eltern, sondern sieh nach vorne und mach das Beste daraus!

velvet
« Letzte Änderung: 16. Juni 2012, 21:15:50 von velvet »

Offline amos

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Antw:Priestermangel
« Antwort #6 am: 17. Juni 2012, 12:17:14 »
Lieber Dominique, der Hauptgrund ist nicht nur die Erkrankung unserer Familien, sondern die Erkrankung der gesamten Menschheit, was natürlich ersteres zur Folge hat!

Wieso kommt es zum Mangel am Gebet? Meiner Meinung nach, aufgrund einer falsch verstandenen und gelebten Lebensphilosophie, welche vorwiegen auf Konsum orientiert ist! Was zur Folge hat, daß Seele immer mehr abhanden kommt, und somit zwangsläufig Glaube und Gebet. Es fehlt einfach an der erforderlichen Sensibilisierung. Das sieht man ja schon im zwischenmenschlichen Bezug. Die Kommunikation ist vorwiegend "kopflastig" getragen, und weniger aus der Gefühlsebene. Hieraus resuliert mangelndes Einfühlungsvermögen und Verständnis für den Mitmenschen.

Wir sehen, es muß sich noch vieles ändern! Packen wir's an!

Es grüßt Dich herzlich und wünscht Dir Gottes Segen, Amos :)
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