Autor Thema: "Katechese, denn ein selbstgemachter Glaube ist wertlos."  (Gelesen 4664251 mal)

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Offline Tina 13

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« Antwort #4528 am: 21. Dezember 2016, 06:37:44 »
Wie Ochs und Esel zur Krippe im Stall von Bethlehem kamen (eine Weihnachtsgeschichte)

von Eckhard Leyser

Das wird wohl nicht einfach werden“, sagte sich Erzengel Michael und strich sich sorgenvoll über seine wallenden Locken. Er war eigens vom Erzengel Gabriel beauftragt worden, passende Tiere für den Stall zu bestimmen. Die Zeit drängte, denn die Geburt des kleinen Jesuskindes im Stall von Bethlehem stand kurz bevor. Die Hirten wie auch die drei Weisen aus dem Morgenland waren bereits unterwegs, um dem Stern von Bethlehem zu folgen, der sie zu dem Kind in der Krippe führen würde.
Erzengel Michael rief sogleich alle Tiere aus dem Umkreis zu sich, um eine Entscheidung zu treffen.

Als erster drängte sich der Löwe vor. „Ich bin der König aller Tiere und habe vor nichts Angst!“ Zum Beweis brüllte er kräftig wie es nur ein richtiger Löwe kann, so dass Engel Michael zusammenzuckte. „Ich zerreiße jeden, der dem Jesuskind zu nahe kommt!“, bekräftigte der Löwe zusätzlich. Aber Erzengel Michael schüttelte den Kopf, denn das war ihm doch zu gefährlich. Niemand sollte schließlich Angst haben oder sein Leben verlieren, wenn er die Krippe aufsuchen wollte. Er lobte den Löwen für seine Kraft und seinen Mut, betonte aber, dass alle Besucher beim Jesuskind willkommen seien und keine Angst bekommen dürften.
Er wandte sich dem Affen zu, der gleich seine Gewandtheit und Schnelligkeit vor Augen führte und flink herumturnte. Erzengel Michael zeigte sich beeindruckt, doch das war ihm viel zu unruhig.
„Nehmt doch mich“, sagte der Fuchs. „Ich bin ein raffinierter Dieb und kann für das Jesuskind alles stehlen, was es braucht!“ Doch ein solch sündhaftes Verhalten kam für Erzengel Michael überhaupt nicht in Frage. Er wies den Fuchs energisch in die Schranken und forderte ihn auf, künftig auf ehrliche Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Nun trat der Hofhund des Stallbesitzers nach vorne. „Ich bin ein guter Wachhund und habe schon einige Diebe verjagt“ sagte er voller Stolz. „Das zählt hier nicht“, gab Erzengel Michael zurück. „Hier müssen keine Diebe verjagt werden! Aber mach du nur weiterhin deine gute Arbeit.“
Leise schlich sich nun die Hauskatze nach vorne. Sie sagte in ihrem miauenden Singsang „Ich habe ein sanftes Gemüt und würde das Jesuskind abschlecken, bis es ganz sauber ist!“ Erzengel Michael schüttelte sich. „Das ist sicher gut gemeint, liebe Katze, aber das Jesuskind abschlecken, das geht nun wirklich nicht!“
In der Folge stellten sich noch viele andere Tiere vor, darunter auch eine Schlange, ein Mäuslein, eine Giraffe und ein Elefant. Die beiden letztgenannten waren eindeutig zu groß für den kleinen Stall. Sie hätten nicht einmal durch die Tür gepasst. Die Schlange hätte wohl zu große Angst ausgelöst und ein Mäuslein wäre wohl auch nicht passend gewesen. Die Schafe wollten lieber bei ihrer Herde bleiben und der Ziegenbock roch einfach zu streng. Aber Erzengel Michael fand für alle aufmunternde Worte, denn jedes Tier ist ein Geschöpf Gottes.
Schließlich wandte sich Engel Michael dem Ochsen und dem Esel zu, die ganz hinten standen und sich gar nicht nach vorne getraut hatten.
„Kommt doch einmal her“ forderte sie Erzengel Michael freundlich auf. „Warum habt ihr euch nicht vorgestellt? fragte er. „Ach Erzengel Michael,“ antwortete der Esel. „Wir haben nichts gelernt und können nur Lasten tragen und Karren ziehen. Wir jagen auch niemandem Angst ein, denn wir sind friedvolle bescheidene Geschöpfe.“ Der Esel ließ traurig seine Ohren hängen und auch der Ochse sah ganz betrübt aus.
„Ihr seid doch genau richtig“, rief Erzengel Michael freudestrahlend und klatschte in die Hände. „Das Jesuskind liebt ganz besonders die Sanftmut, die Demut und die Bescheidenheit und es hat ein Herz für alle Leidenden! Kommt nach vorne zur Krippe und leistet dem Jesuskind Gesellschaft! Gleich wird der Heiland geboren und in der Krippe liegen!“
Erzengel Michael segnete zum Abschluss Menschen und Tiere und kehrte mit rauschendem Flügelschlag wieder in den Himmel zurück.
Und so kam es, dass auch heute noch, über 2000 Jahre später, weltweit Ochs und Esel an der Krippe stehen und in harmonischer Eintracht mit den Hirten, den drei Weisen aus dem Morgenland sowie Maria und Joseph dem neu geborenen Jesuskind huldigen.

« Letzte Änderung: 21. Dezember 2016, 06:38:28 von Tina 13 »
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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« Antwort #4529 am: 21. Dezember 2016, 06:41:19 »
Hl. Theresia vom Kinde Jesu (1873-1897), Karmelitin, Kirchenlehrerin

„Denn der Mächtige hat Großes an mir getan“ (Lk 1,49)

Ja, ich liebe Dich, Maria, die Du Dich Dienerin nennst,
Dienerin Gottes, den Du verzückst durch Deine Demut (Lk 1,38)
Diese Tugend, ganz verborgen, macht auch Dich allmächtig
Und zwingt fast die Dreieinheit, in Deinem Herzen Wohnung zu nehmen,
Wo doch der Geist der Liebe seinen Schatten warf über dich (Lk 1,35)
Der Sohn – dem Vater gleich – wurde Fleisch in Dir
Und groß wird auch die Zahl seiner sündigen Brüder sein,
Denn er wird genannt werden: Jesus, Dein Erstgeborener! (Lk 2,7)

Geliebte Mutter, meiner Winzigkeit zum Trotz
Darf ich – gleich Dir – in mir den Mächtigen besitzen.
Doch ich bebe, wenn ich meine Schwachheit sehe:
Der Reichtum der Mutter gehört dem Kinde
Und ich bin Dein Kind, liebe Mutter.
Deine Tugend, Deine Liebe – gehören sie nicht mir?
Deshalb also, wenn die weiße Hostie sich senkt in mein Herz,
Dann wähnt Dein süßes Lamm, Dein Jesus,
Sich angekommen bei seiner Ruhestatt in Dir!

Du lässt es mich spüren und es ist nicht unmöglich
In Deinen Spuren zu gehen, Königin der Erwählten.
Den engen Weg zum Himmel, ihn hast Du sichtbar gemacht,
Indem Du Dich an die demütigsten Tugenden gehalten hast.
Bei Dir, Maria, will ich klein bleiben
Denn von den irdischen Großartigkeiten
Sehe ich nur zu klar die Eitelkeiten.
Von Elisabeth, der Heiligen, die Du besucht hast,
Lerne ich, die glühende Liebe umzusetzen in die Tat.

Dort trink' ich mit verzückten Zügen, süße Königin der Engel,
Das geheiligte Lied, das Dein Herz singen muss (Lk 1,46ff.).
Du lehrst mich den Gesang des göttlichen Lobes –
Mich zu rühmen in Jesus, meinem Heiland.
Deine Worte der Liebe sind geheimnisvolle Rosen,
Die auch kommende Geschlechter einhüllen werden
In ihren Duft – denn an Dir hat der Allmächtige Großes getan
Und ich will es betrachten, um ihn darob zu benedeien.

Pourquoi je t'aime, ô Marie“ – Gedicht, Strophen 4–7
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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« Antwort #4530 am: 21. Dezember 2016, 06:45:48 »
Das Hohelied 2,8-14.

Horch! Mein Geliebter! Sieh da, er kommt. Er springt über die Berge, hüpft über die Hügel.
Der Gazelle gleicht mein Geliebter, dem jungen Hirsch. Ja, draußen steht er an der Wand unsres Hauses; er blickt durch die Fenster, späht durch die Gitter.
Der Geliebte spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!
Denn vorbei ist der Winter, verrauscht der Regen.
Auf der Flur erscheinen die Blumen; die Zeit zum Singen ist da. Die Stimme der Turteltaube ist zu hören in unserem Land.
Am Feigenbaum reifen die ersten Früchte; die blühenden Reben duften. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, so komm doch!
Meine Taube im Felsennest, versteckt an der Steilwand, dein Gesicht lass mich sehen, deine Stimme hören! Denn süß ist deine Stimme, lieblich dein Gesicht.

Psalm 33(32),2-3.11-12.20-21.

Preist den Herrn mit der Zither,
spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!
Singt ihm ein neues Lied,
greift voll in die Saiten und jubelt laut!

Der Ratschluss des Herrn bleibt ewig bestehen,
die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten.
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.

Unsre Seele hofft auf den Herrn;
er ist für uns Schild und Hilfe.
Ja, an ihm freut sich unser Herz,
wir vertrauen auf seinen heiligen Namen.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 1,39-45.

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.
Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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« Antwort #4531 am: 22. Dezember 2016, 05:57:10 »
Hl. Franziska Xaviera Cabrini, Ordensgründerin

* 15. Juli 1850 in Sant' Angelo Lodigiano bei Mailand in Italien
† 22. Dezember 1917 in Chicago in den USA

Francesca, geboren als jüngstes von 13 Kindern eines Bauern, kümmerte sich schon in ihrer Jugend um bedürftige Kinder. 1874 wurde sie Leiterin eines Pensionats in Codogno. Im Jahre 1880 gründete sie den Orden der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen, der schon im Jahr darauf päpstlich anerkannt wurde. Ihre Verehrung für Franz Xaver bewog sie, zusätzlich als Ordensnamen Xaviera anzunehmen.

Auf Bitten von Papst Leo XIII. ging Franziska Xaviera 1888 in die Vereinigten Staaten, um die caritative und religiöse Arbeit unter den italienischen Einwanderern zu organisieren. Von New York aus gründete sie in wichtigen Städten der Vereinigten Staaten und Lateinamerikas insgesamt 67 Einrichtungen als Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Klöster. Bis zu 20 Stunden täglich arbeitete sie unermüdlich und als großes Vorbild für die vielen jungen Frauen, die sich dem Orden anschlossen. In Chicago errichtete sie schließlich das Mutterhaus ihres Ordens. Mutter Cabrini erhielt im Jahre 1909 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1917 starb sie an den Folgen einer Malariaerkrankung. Sie hinterließ eine Fülle geistlicher Schriften.

Papst Pius XI. sprach sie 1938 selig, 1946 wurde sie - als erste US-Amerikanerin - von Papst Pius XII. heiliggesprochen. Franzisca Xaviera ist die Patronin der Auswanderer.
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« Antwort #4532 am: 22. Dezember 2016, 06:03:03 »
Ludwig-Maria Gringnion de Montfort (1673-1716), Prediger, Ordensgründer

Der Herr hat Großes an mir getan

Maria lebte immer sehr zurückgezogen […] Ihre Demut war so tief, dass sie sich auf Erden zu nichts anderem stärker und dauerhafter hingezogen fühlte als zur Verborgenheit vor sich selbst und allen Geschöpfen, um so nur von Gott allein erkannt zu werden […] Gott Vater war damit einverstanden, dass sie in ihrem Leben kein Wunder wirkte, wenigstens keines, das Aufsehen erregte […] Gottes Sohn war damit einverstanden, dass sie nicht viele Worte machte, obwohl er sie an seiner Weisheit teilhaben ließ. Der Heilige Geist war damit einverstanden, dass seine Apostel und Evangelisten nur soweit von ihr sprachen, als es nötig war, um Christus bekannt zu machen, obwohl sie seine Sache ganz zu der eigenen gemacht hatte.

Maria war das herausragende Meisterwerk Gottes; sie zu kennen und sie sein eigen zu nennen, hat er sich vorbehalten. Maria ist die versiegelte Quelle und treue Braut des Heiligen Geistes, zu der nur er Zutritt hat. Maria ist das Heiligtum und der Ort der Ruhe der Heiligen Dreifaltigkeit, in der Gott herrlicher und himmlischer als an irgendeinem anderen Ort des Universums gegenwärtig ist, ohne dabei auf seine Wohnstatt bei den Cherubim und Seraphim zu verzichten; und kein Geschöpf, so rein es auch sein mag, hat hier Zutritt, ohne dazu privilegiert zu sein. Mit den Heiligen sage ich: Maria ist das irdische Paradies des neuen Adam […] Sie ist die große, erhabene Welt Gottes, ausgestattet mit Schönheit und unaussprechlichen Schätzen. In der Pracht des Allerhöchsten hat er, wie in seinem Schoß, seinen einzigen Sohn geborgen und in ihm alles, was er an Erhabenen und Kostbarem hat. Oh! Was hat doch dieser mächtige Gott Großes und zugleich Verborgenes in diesem bewundernswerten Geschöpf vollbracht! Das muss selbst sie, trotz ihrer tiefen Demut, eingestehen: „Der Mächtige hat Großes an mit getan“. Die Welt erkennt es nicht, weil sie dessen nicht fähig noch würdig ist.

Abhandlung über die echte Marienfrömmigkeit, 2−6
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« Antwort #4533 am: 22. Dezember 2016, 06:05:13 »
Erstes Buch Samuel 1,24-28.

Als sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit hinauf, dazu einen dreijährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein. So brachte sie ihn zum Haus des Herrn in Schilo; der Knabe aber war damals noch sehr jung.
Als sie den Stier geschlachtet hatten, brachten sie den Knaben zu Eli,
und Hanna sagte: Bitte, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, die damals neben dir stand, um zum Herrn zu beten.
Ich habe um diesen Knaben gebetet, und der Herr hat mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet habe.
Darum lasse ich ihn auch vom Herrn zurückfordern. Er soll für sein ganzes Leben ein vom Herrn Zurückgeforderter sein. Und sie beteten dort den Herrn an.

Erstes Buch Samuel 2,1bcde.4-5ab.6-7.8abcd.

Mein Herz ist voll Freude über den Herrn,
große Kraft gibt mir der Herr.
Weit öffnet sich mein Mund gegen meine Feinde;
denn ich freue mich über deine Hilfe.

Der Bogen der Helden wird zerbrochen,
die Wankenden aber gürten sich mit Kraft.
Die Satten verdingen sich um Brot,
doch die Hungrigen können feiern für immer.

Der Herr macht tot und lebendig,
er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf.
Der Herr macht arm und macht reich,
er erniedrigt, und er erhöht.

Den Schwachen hebt er empor aus dem Staub
und erhöht den Armen, der im Schmutz liegt;
er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen,
einen Ehrenplatz weist er ihm zu.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 1,46-56.

Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehn.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.
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« Antwort #4534 am: 23. Dezember 2016, 05:08:32 »
DIE GNADENREICHE GEBURT CHRISTI

Christus, unser Herr, wird von Maria, der Jungfrau, zu Bethlehem, in Judäa geboren -

Geoffenbart der ehrwürdigen Dienerin Gottes, Maria von Jesus zu Agreda

Der Palast, den der höchste König der Könige und Herr der Herren bereitet hatte, um seinen ewigen, für die Menschen Fleisch gewordenen Sohn in der Welt zu beherbergen, war die ärmste, elendeste Höhle, in die sich Maria und Joseph zurückgezogen hatten, nachdem sie von den Herbergen ebenso wie von dem natürlichen Mitleid eben dieser Menschen ausgeschlossen worden waren. Dieser Platz war so verächtlich, dass trotz der Überfüllung der Stadt Bethlehem mit Fremden sich niemand herbei ließ, dorthin zu gehen. Den Meistern der Demut und Armut, Christus, unserem Herrn, und seiner reinsten Mutter, genügte er. Darum hat die Weisheit des ewigen Vaters ihnen diese Höhle vorbehalten und sie durch den Schmuck der Einsamkeit, Armut und Entblößung zum ersten Tempel des Lichtes eingeweiht, zum Hause der wahren Sonne der Gerechtigkeit, die für jene, die geraden Herzens sind, aus Maria, der strahlenden Morgenröte, aufgehen sollte mitten in der nächtlichen Finsternis, dem Sinnbild der Sünde, welche die ganze Welt bedeckte.
Maria und Joseph traten also in diese Höhle ein. Im Lichtglanz der sie begleiteten Engel sahen sie zu ihrem großen Troste und unter Tränen der Freude, dass die Höhle verlassen war, wie sie es wünschten. Die beiden heiligen Wanderer knieten daher nieder, um den Herrn zu lobpreisen und ihm für diese Wohltat zu danken. Sie wußten wohl, dass sie ihnen durch die geheimen Ratschlüsse der ewigen Weisheit gewährt worden war. Maria, die Himmelskönigin, hatte aber eine besonders tiefe Erkenntnis dieses Geheimnisses. In dem Augenblick, als sie den Fuß in diese Höhle setzte und dieselbe dadurch heiligte, wurde sie so von innerer Wonne überströmt, dass ihr ganzes Wesen erhoben und belebt wurde. Sie bat den Herrn, er möge mit freigebiger Hand allen Bewohnern der nahen Stadt Bethlehem es vergelten, dass diese sie von ihren Häusern weggewiesen und ihr dadurch zu dem großen Glück, das in dieser armseligen Hütte ihrer wartete, verholfen hatte. Diese Höhle bestand ganz aus natürlichen, unbehauenen Felsen, ohne jede Einrichtung oder künstliche Veränderung, so dass sie in den Augen der Menschen nur zu einem Zufluchtsort der Tiere sich eignete, während der ewige Vater sie zum Obdach und zur Wohnung seines eigenen Sohnes bestimmt hatte.
Die heiligen Engel, die die Ehrenwache ihrer Königin und Gebieterin bildeten, stellten sich nun wie die Leibgarde im Palaste des Königs in geordneten Reihen auf. Sie zeigten sich auch dem heiligen Joseph in sichtbarer, menschlicher Gestalt. Zur Erleichterung seines Kummers war es geziemend, dass auch er bei diesem Anlass sich einer solchen Gnade erfreute, indem er diese arme Höhle mit den Reichtümer des Himmels so schön geziert sah. Sein Herz wurde gestärkt, ermutigt und vorbereitet auf die Ereignisse, die an diesem so verächtlichen Ort in jener Nacht nach Gottes Willen geschehen sollten. Die große Königin, die über das zu feiernde Geheimnis bereit unterrichtet war, schickte sich an, die Höhle, die in Bälde ein Königsthron und heiliger Gnadenort sein sollte, mit eigenen Händen zu reinigen. Sie selbst wollte keine Übung der Demut unterlassen, ihrem eingeborenen Sohn aber sollte jener Akt der Verehrung und Huldigung nicht entgehen, den sie ihm unter diesen Umständen durch Ausschmückung seines Tempels vorläufig erweisen konnte.
Wegen der erhabenen Würde seiner Braut bat Joseph Maria dringend, ihn doch dieses Geschäft zu überlassen. Er begann selbst den Fußboden und die Winkel der Höhle zu reinigen. Maria ließ es sich indes nicht nehmen, die Arbeit mit Joseph zu teilen. Angesichts einer so standhaften Demut ihrer Königin waren die heiligen Engel gleichsam beschämt und leisteten in heiligem Wetteifer ihr Hilfe. Sie reinigten und säuberten in kürzester Zeit die Höhle, so dass sie ganz rein und mit Wohlgeruch erfüllt war. Dann zündete der heilige Joseph Feuer an, wozu er das Erforderliche mitgebracht hatte. Da es sehr kalt war, näherten sich Maria und Joseph dem Feuer, um sich ein wenig zu wärmen. Dann genossen sie in unaussprechlicher Freude ihrer Herzen von dem armen Mundvorrat, den sie bei sich hatten. Die Himmelskönigin war wegen der nahe bevorstehenden Geburt des göttlichen Kindes so sehr in dieses Geheimnis versenkt, dass sie nur aus Gehorsam gegen ihren Bräutigam etwas aß.
Nach dem kurzen Dankgebet besprachen sie sich noch ein wenig über die Geheimnisse des menschgewordenen Wortes, und nun erkannte die weiseste Jungfrau, dass die Stunde der gnadenreichen Geburt gekommen sei. Sie bat daum ihren Bräutigam, er möge sich zurückziehen, um ein wenig auszuruhen, denn es war bereits spät in der Nacht. Joseph gehorchte seiner Braut und bat sie, ein Gleiches zu tun. Zu diesem Zweck richtete er mit den Kleidern, die sie bei sich hatten, eine ziemlich geräumige Krippe zurecht, die auf dem Boden stand und den Tieren diente. Während Maria auf dieser Lagerstätte etwas Ruhe suchte, zog sich der hl. Joseph in eine Ecke des Eingangs zurück, wo er betete. Es währte nicht lange, da wurde er vom Geiste Gottes heimgesucht. Eine überaus liebliche, ungewohnte Kraft versetzte ihn in Verzückung. Darin wurde ihm alles geoffenbart, was während der Nacht in dieser Höhle vorging, denn er kehrte erst in dem Augenblick zum Gebrauche der Sinne zurück, als ihn die himmlische Braut rief. Dies war der Schlaf, den Joseph in jener Stunde genoß, ein Schlaf, weit tiefer und seliger als der Schlaf Adams im Paradiese.
Zu gleicher Zeit wurde auch die Königin der Schöpfung durch eine mächtige Stimme des Allerhöchsten aufgerufen und eine wirksame, süße Kraft erhob sie über alles Erschaffene. Sie empfand ganz ungewohnte Wirkungen der Allmacht Gottes. Diese Ekstase war eine der merkwürdigsten und wunderbarsten ihres heiligen Lebens. Der Allerhöchste verlieh ihr immer höhere Erleuchtungen und Gnaden, um sie endlich zur klaren Anschauung der Gottheit zu führen. Nach diesen Vorbereitungen lüftete sich der Schleier: Maria sah Gott in klarer, unverhüllter Anschauung, und sie schaute ihn in solcher Herrlichkeit und mit solcher Fülle der Erkenntnis, dass weder ein Engel noch ein menschlicher Verstand es erklären oder vollkommen fassen kann. Sie erhielt aufs neue die Erkenntnis der Geheimnisse der Gottheit und Menschheit ihres heiligsten Sohnes. Überdies wurden ihr noch andere, in dem unerschöpflichen Lichtquell des göttlichen Herzens verborgene Geheimnisse geoffenbart. Mir fehlen aber die Worte, die hinreichend, geeignet und treffend genug wären, um zu sagen, was ich über diese Geheimnisse im göttlichen Lichte geschaut habe. Der Reichtum und die Überfülle machen, dass ich arm werde an Worten.
Nun erklärte der Allerhöchste seiner jungfräulichen Mutter, es sei die Zeit gekommen, dass er das Heiligtum ihres Schoßes verlasse und in die Welt eintrete. Er teilte ihr auch die Art und Weise mit, wie dies geschehen sollte. Ferner erkannte Maria in dieser Vision die Gründe und erhabensten Ziele dieser geheimnisvollen Geburt, im Hinblick auf Gott als auch auf die Geschöpfe. Sie warf sich zur Erde nieder und brachte dem Herrn in ihrem und aller Geschöpfe Namen die schuldige Ehre, Verherrlichung, Danksagung und Lobpreisung dar für diese unaussprechliche Erbarmung und Herablassung seiner unermeßlichen Liebe. Sie erflehte von Gott neues Licht und neue Gnade, um das menschgewordene Wort nähren, in würdiger Weise bedienen, pflegen und erziehen zu können. Diese Bitte brachte die Mutter mit der tiefsten Demut vor. Sie achtete sich dieses Amtes, welches selbst die höchsten Seraphim nicht gebührend auszuüben vermöchten, für unwürdig. Weil sie sich aber vor dem Angesichte des Allerhöchsten so erniedrigte und ganz vernichtete, erhöhte sie der Herr und übertrug ihr aufs neue den Titel einer Mutter Gottes, mit dem Auftrag, als wahre, rechtmäßige Mutter dieses Amt auszuüben und ihn als den Sohn des ewigen Vaters und zugleich als den Sohn ihres eigenen Mutterschoßes zu behandeln.
Maria war unmittelbar vor der Geburt über eine Stunde in dieser Verzückung und klaren Anschauung Gottes gewesen. In demselben Augenblicke, als sie aus der Verzückung zurückkehrte, schaute sie, wie sich der Leib des göttlichen Kindes anschickte, das Heiligtum des Mutterschoßes zu verlassen. Diese Bewegung des Kindes verursachte aber der jungfräulichen Mutter keinen Schmerz. Im Gegenteil, sie erfüllte sie mit neuer, unaussprechlicher Wonne und brachte in ihrer Seele und in ihrem jungfräulichen Leibe erhabene, göttliche Wirkungen hervor. Maria war dem Leibe nach so vergeistigt, so schön, so glänzend, dass sie keinem menschlichen, irdischen Geschöpfe mehr glich. Ihr Antlitz strömte Lichtstrahlen aus, einer Sonne gleich. Ihr Angesicht war sehr ernst, voll wunderbarer Majestät. Ihr Herz war ganz in Liebesglut entzündet. Sie kniete an der Krippe, die Augen zum Himmel erhoben, die Hände vor der Brust gefaltet. Ihr Geist war in Gott verzückt, ihr ganzes Wesen in Gott umgestaltet. Am Schlusse der genannten Verzückung schenkte Maria der Welt den Eingeborenen des Vaters, ihren eigenen Eingeborenen, unseren Erlöser, Jesus, der wahrer Gott und Mensch ist. Es war Mitternacht, an einem Sonntag, in dem Jahre, mit dem die römische Kirche ihre Zeitrechnung beginnt.
Da über den Hergang der Geburt, soviel ich weiß, Meinungsverschiedenheit herrscht, der Gegenstand selbst aber sehr erhaben und dadurch ehrwürdig ist, habe ich die Erkenntnis meinen Obern und Gewissensführern dargelegt. Darauf wurde mir im Gehorsam befohlen, diese Geheimnisse noch einmal im himmlischen Lichte zu erforschen und Maria, meine Mutter und Lehrmeisterin, sowie auch die heiligen Engel über einige Besonderheiten zu fragen. Ich erkannte nochmals das nämliche, und es wurde mir erklärt, dass die Geburt in folgender Weise stattgefunden habe.
Am Ende der vorerwähnten Anschauung und Verzückung gebar Maria, die Sonne der Gerechtigkeit, den Sohn des ewigen Vaters, und ihren Sohn ganz makellos, schön, strahlend und rein, und zwar so, dass er sie in ihrer jungfräulichen Unversehrtheit und Reinheit noch mehr vergöttlichte und heiligte. Ohne den jungfräulichen Schoß zu öffnen, ging er aus ihm hervor wie die Strahlen der Sonne, die das Kristallglas durchdrungen, ohne es zu zerbrechen, vielmehr es noch schöner und glänzender machend. Ich will das nicht weiter ausführen. Es genügt zu wissen, dass bei der Empfängnis und Geburt des menschgewordenen Wortes von der Natur alles genommen wurde, was wesentlich und notwendig dazu gehörte, damit man von Christus in Wahrheit sagen könne, er sei empfangen, als Sohn aus der Substanz seiner allzeit jungfräulichen Mutter erzeugt und geboren worden. Alles andere aber, was für die Empfängnis und Geburt nicht wesentlich war, muß von Christus, unserem Herrn, sowie von seiner heiligsten Mutter ausgeschlossen werden, und zwar nicht bloß das, was mit der Sünde, der Erbsünde oder der aktuellen Sünde zusammenhängt, sondern auch vieles andere, was nicht notwendig war, damit die Himmelskönigin in Wahrheit die Mutter unseres Herrn und dieser in Wahrheit ihr sohn, von ihr geboren, genannt werde. Denn jene Folgen der Sünde oder der Natur gehörten nicht wesentlich zur heiligsten Menschheit unseres Herrn und ebensowenig zu seinem Amte als Erlöser und Lehrer. Wenn aber etwas für diese drei Zwecke nicht notwendig ist, und wenn andererseits das Freisein davon zur größten Glorie Jesu Christi und seiner heiligsten Mutter gereicht, so müssen beide als davon frei betrachtet werden. Und was die Wunder betrifft, die zu diesem Zwecke notwendig waren, so darf man um dieselben nicht feilschen, wo es sich um den Urheber der Natur und der Gnade und um diejenigen handelt, welche seine würdige Mutter war und dazu auserlesen, geziert und jederzeit mit Auszeichnungen und Zierden der Gnade bereichert wurde. Denn der Allmächtige hat sie zu allen Zeiten mit Gnaden und Geschenken bereichert und alles an ihr getan, was für ein bloßes Geschöpf möglich war.
Dieser Wahrheit gemäß tat es ihrer göttlichen Mutterschaft keinen Eintrag, dass Maria bei der Empfängnis und Geburt durch die Wirkung des Heiligen Geistes Jungfrau war und allzeit Jungfrau blieb. Freilich hatte die Natur dies Vorrecht ohne eie Sünde verlieren können; doch dann hätte die Mutter Gottes einer so kostbaren und einzigen Auszeichnung entbehrt. Damit dem nicht so sei hat ihr heiligster Sohn ihr diese durch seine Allmacht verliehen.
Das göttliche Kind verließ also den jungfräulichen Mutterschoß allein, ohne von irgendeiner materiellen oder körperlichen Wirkung begleitet zu sein. Es kam glorreich und verklärt zur Welt. Die unendliche Weisheit Gottes hatte im Augenblick der Geburt die Glorie der heiligsten Seele auf den Leib des göttlichen Kindes überströmen lassen und ihm die Gaben der Glorie mitgeteilt, wie dies später auf dem Tabor in Gegenwart der drei Apostel geschehen ist. Dieses Wunder war nicht erforderlich, um Mariens Jungfräulichkeit unversehrt zu bewahren. Gott hätte auch durch andere Wunder bewirken können, dass die Mutter Gottes bei der Geburt des Kindes Jungfrau blieb. Es war aber der Wille Gottes, dass die seligste Mutter ihren gottmenschlichen Sohn beim ersten Anblick verklärt schaue, damit die weiseste Mutter durch den Anblick ihres göttlichen Kindes von jener tiefen Ehrfurcht durchdrungen würde, und dass sie auf dem Wege der Erfahrung neue Erkenntnisse und Gnaden erhalte über die Erhabenheit, Majestät und Größe ihres Sohnes. Der andere Zweck dieses Wunders war, die Treue und Heiligkeit der Gottesmutter zu belohnen, damit ihre keuschen Augen, die sich ihrem heiligsten Sohne zulieb für alles Irdische geschlossen hatten, ihn gleich bei seiner Geburt in so großer Glorie erblickten und mit dieser Wonne den Lohn ihrer unverletzten Treue empfingen.
Der heilige Evangelist Lukas berichtet, die jungfräuliche Mutter habe ihren erstgeborenen Sohn nach seiner Geburt in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt. Wer ihn, nachdem er den jungfräulichen Schoß verlassen, in die Hände Mariens gelegt habe, sagt der Evangelist nicht, weil es nicht zu seinem Plan gehörte. Die Vollzieher dieser Handlung waren aber die beiden erhabenen heiligen Himmelsfürsten Michael und Gabriel. Sie waren bei dem Geheimnis in menschlicher Gestalt gegenwärtig, und in dem Augenblick, da das menschgewordene Wort mit eigener Kraft den jungfräulichen Mutterschoß durchdringend, ans Licht trat, nahmen sie es, in geziemender Entfernung weilend, mit unaussprechlicher Ehrfurcht in ihre Hände auf. Und ähnlich wie der Priester dem Volke die heilige Hostie zur Anbetung zeigt, so hielten die beiden himmlischen Diener der Mutter Gottes ihr in Glorie strahlendes Kind vor Augen. Dies alles geschah aber in ganz kurzer Zeitspanne. Als die heiligen Engel das göttliche Kind seiner Mutter entgegenhielten, schauten Sohn und Mutter einander an, wobei die Mutter das Herz des Kindes mit Liebe verwundete und zugleich selbst in Verzückung geriet. Dann sprach der König des Himmels, noch auf den Händen der Himmelsfürsten getragen, zu seiner Mutter: "Mutter, werde mir ähnlich. Für das menschliche Leben, das du mir gegeben, will ich dir ein neues, erhabeneres Leben der Gnade verleihen, ein Leben, welches zwar das eines bloßen Geschöpfes bleiben, allein dem meinigen, der ich Gott und Mensch bin, durch vollkommene Nachahmung ähnlich sein soll." Die weiseste Mutter antwortet: "Ziehe mich! So wollen wir dir nacheilen, dem Geruche deiner Salben nach" (Hohel 1,3). Hier gingen nun viele Geheimnisse des Hohenliedes in Erfüllung. Zwischen dem göttlichen Kinde und seiner jungfräulichen Mutter fanden die dort berichteten Zwiegespräche statt, wie: "Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein, und sein Verlangen gaht nach mir. Siehe, du bist schön, meine Freundin, und deine Augen sind Taubenaugen. Siehe, du bist schön, mein Geliebter." - Noch viele andere geheimnisvolle Dinge geschahen damals, die ich aber übergehe, weil ich sonst dieses Hauptstück über Gebühr ausdehnen müßte.
Bei den Worten, die die heiligste Mutter aus den Munde ihres geliebten Sohnes vernahm, wurden ihr zugleich die inneren Akte seiner heiligsten, mit der Gottheit vereinigten Seele sichtbar, damit sie dies nachahme und ihm auf diese Weise ähnlich werde. Dies war eine der größten Gnadenauszeichnungen, die die treueste, glückseligste Mutter von ihrem gottmenschlichen Sohn erhielt. Von da an war er das lebendige Vorbild, welches sie in ihrem eigenen Leben abprägte, und zwar mit aller Ähnlichkeit, die zwischen ihr, einem bloßen Geschöpf, und Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist, möglich war.
Zu gleicher Zeit erkannte und fühlte die Himmelskönigin die Gegenwart der heiligsten Dreifaltigkeit und hörte die Stimme des ewigen Vaters, welcher sprach: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe" (Matth 17,5). Inmitten so erhabener Geheimnisse ganz in Gott ungewandelt, antwortete Maria: "Ewiger Vater, höchster Gott, Herr und Schöpfer des Weltalls, gib mir aufs neue die Erlaubnis und deinen Segen, um den Ersehnten der Völker in meine Arme aufzunehmen, und lehre mich, als Mutter und treue Dienerin, deinen göttlichen Willen zu erfüllen!"
Darauf hörte sie eine Stimme, welche sprach: "Nimm deinen eingeborenen Sohn in deine Arme, pflege ihn und wisse, dass du ihn mir aufopfern mußt, wenn ich dies von dir verlange. Nähre ihn als Mutter, und ehre ihn als wahren Gott!" Darauf erwiderte die Mutter: "Sieh hier das Werk deiner Hände. Schmücke mich mit deiner Gnade, damit ich ihm würdig diene. Möge es keine Verwegenheit sein, dass ein niedriges Geschöpf seinen Herrn und Schöpfer auf den Händen trage und ihn mit Milch nähre."
Nun hob das göttliche Kind das Wunder der Verklärung auf, oder vielmehr, es setzte jenes Wunder fort, das die Gaben der Glorie seinem heiligsten Leibe vorläufig noch entzog und sie in seiner Seele zurückhielt. So zeigte sich das göttliche Kind in seinem natürlichen, leidensfähigen Zustand. Seine reinste Mutter betete es in tiefer Demut und Ehrfurcht auf den Knien an und empfing es in dieser Stellung aus den Händen der heiligen Engel. Da sie es nun in ihren Händen sah, sprach sie zu ihm: "Meine süßeste Liebe, Licht meiner Augen, Leben meiner Seele, sei willkommen in dieser Welt, du Sonne der Gerechtigkeit, um die Finsternis der Sünde und des Todes zu verbannen. Wahrer Gott vom wahren Gott, erlöse deine Diener. Alles Fleisch möge das Heil schauen. Nimm mich zu deinem Dienste an und ersetze meine Unfähigkeit, dir zu dienen." Darauf wandte sich die weiseste Mutter an den ewigen Vater, um ihm ihren Sohn aufzuopfern: "Allerhöchster Schöpfer der ganzen Welt, siehe hier den Altar und das deinen Augen wohlgefällige Opfer! Schaue mit Barmherzigkeit auf das Menschengeschlecht! Verdienen wir auch deinen Zorn, so ist es doch jetzt Zeit, dass die Gerechtigkeit ruhen und die Barmherzigkeit ihre Größe zeigen möge. Deswegen hat sich das göttliche Wort mit dem sündigen Fleisch bekleidet (Röm 8,3) und ist der Bruder der Menschen geworden. Auf diesen Titel hin erkenne ich sie als meine Kinder und bitte für sie aus dem tiefsten Grunde meines Herzens. Allmächtiger Herr, du hast mich zur Mutter deines Eingeborenen gemacht, ohne dass ich es verdiente, denn diese Würde überragt alle Verdienste der Geschöpfe. Aber ich verdanke sie zum Teil auch den Menschen, weil sie die Veranlassung meines unaussprechlichen Glückes geworden sind. Um ihretwillen bin ich ja Mutter des Wortes, das leidensfähiger Mensch und Erlöser aller geworden ist. Ewiger Vater, nimm meine Wünsche und Bitten an."
Die Mutter der Barmherzigkeit, wandte sich auch an alle Menschen: "Nun mögen die Betrübten sich trösten, die Traurigen sich freuen, die niedergeschlagenen Mut fassen, die Verwirrten sich beruhigen, die Toten auferstehen, die Gerechten sich freuen, die Heiligen jubeln,die himmlischen Geister neue Wonne empfinden, die Propheten und Patriarchen in der Vorhölle sich trösten! Alle Geschlechter mögen den Herrn loben und preisen, der seine Wunder erneuert hat. Kommt, kommt, ihr Armen! Nahet euch ihr Kleinen und fürchtet euch nicht; denn ich halte den in meinen Händen als ein sanftes Lamm, der Löwe genannt wird, den Allmächtigen, der schwach geworden, den Unüberwindlichen, der überwunden ist. Kommet zum Leben. Nahet eurem Heile! Eilet zur ewigen Ruhe, denn ich habe dies für alle in Händen! Umsonst werdet ihr es empfangen, ohne Neid teile ich es aus! Seid nicht träge, seid nicht schweren Herzens, o Menschenkinder! Du aber, süßes Gut meiner Seele, erlaube mir, von dir den Kuss zu empfangen, nach dem alle Geschöpfe sich sehnen" (Hohel 1,1). Bei diesen Worten näherte die glückliche Mutter ihre heiligen und keuschesten Lippen dem göttlichen Kinde, es mit zärtliche Liebe zu liebkosen, wie es als wahres Kind solches von seiner Mutter erwartete.
Indem Maria das Kind auf ihren Armen hielt, war sie gleichsam der Altar oderTabernakel, vor dem die zehntausend Engel in menschlicher Gestalt ihren menschgewordenen Schöpfer anbeteten. Und da auch die allerheiligste Dreifaltigkeit bei der Geburt des fleischgewordenen Wortes in besonderer Weise gegenwärtig war, war der Himmel sozusagen von seinen Bewohnern verlassen; denn der ganze himmlische Hof hatte sich zur heiligen Grotte begeben, um den Schöpfer in seinem neuen, fremden Gewande anzubeten. Dann stimmten die heiligen Engel zu seinem Preise jenen neuen Lobgesang an: "Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!" (Luk 2,14). Sie wiederholten ihn voll Staunen über die großen Wunder, die sie sahen, sowie über die unaussprechliche Weisheit, Gnade, Demut und Schönheit einer zarten Jungfrau von fünfzehn Jahren, die die würdige Bewahrerin und Dienerin so erhabener Geheimnisse war.
Nun war es Zeit, dass sie ihren Bräutigam rief. Dieser war in einer hohen Verzückung, in der ihm alle Geheimnisse dieser hochheiligen Geburt geoffenbart wurden. Nun sollte er mit seinen Sinnen das menschgewordene Wort sehen, berühren, anbeten und ehren, bevor ein anderer Sterblicher dies tun durfte. Er war ja zum treuen Verwalter dieses so erhabenen Geheimnisses auserwählt. Er trat aus der Ekstase, und das erste, was er erblickte, war das göttliche Kind in den Armen seiner jungfräulichen Mutter. Da betete er es mit tiefster Demut unter Tränen an. Er küßte seine Füße mit so großer Freude und Bewunderung, dass er das Leben darob verloren hätte, wenn es ihm nicht durch Gottes Allmacht erhalten worden wäre. Nachdem der hl. Joseph das Kind angebetet hatte, bat Maria das Kind um Erlaubnis, sich setzen zu dürfen, denn bisher war sie gekniet. Der hl. Joseph reichte ihr die mitgebrachten Windeln. Mit unaussprechlicher Ehrfurcht, Andacht und Sorgfalt wickelte Maria das Kind. Dann legte sie es auf göttliche Eingebung in die Krippe, wie der heilige Evangelist Lukas sagt (Luk 2,7). Sie hatte zuvor ein wenig Stroh und Heu hineingelegt. Dann kam auf göttliche Fügung ein Ochs von den naheliegenden Gefilden in raschem Laufe herbei. Er nahte sich dem Eselchen, das der Himmelskönigin als Lasttier gedient hatte. Maria befahl den Tieren, ihrem Schöpfer Anbetung und Huldigung darzubringen. Sie warfen sich gehorsam vor dem Kinde nieder, erwärmten es mit ihrem Hauch und leisteten ihm so die Huldigung, welche die Menschen ihm verweigerten. Auf wunderbare Weise erfüllte sich die Prophezeiung: "Es kennt der Ochs seinen Eigentümer, und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber kannte ihn nicht, und sein Volk verstand es nicht" (Js 1,3).
« Letzte Änderung: 23. Dezember 2016, 05:09:56 von Tina 13 »
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

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« Antwort #4535 am: 23. Dezember 2016, 05:16:17 »
Hl. Johannes von Krakau

Kanoniker, Pilger
* 23. Juni 1390 in Kęty in Polen
† 24. Dezember 1473 in Krakau in Polen

In dem Dorf Kety bei Krakau 1390 geboren (daher sein latinisierter Beiname Cantius), fiel der Bauernsohn Johannes an der Universität durch seine Frömmigkeit und hervorragende Auffassungsgabe auf. Nach dem Studium der Theologie und der Priesterweihe folgten eine Lehrtätigkeit an der Jagellonen-Universität und eine kurze Zeit als Pfarrer von Olkusz. Später lehrte er wieder als Professor an der Universität, war zugleich Stiftskanonikus und Pfarrer. Insgesamt unternahm er vier Wallfahrten nach Rom und Jerusalem. Sein erster Biograph rühmt seine tiefe Demut und Nächstenliebe; er habe seinen Besitz den Armen gegeben und viele Werke der Buße getan. Johannes starb am 24. Dezember 1473 in Krakau. 1676 wurde er durch Papst Clemens X. seliggesprochen, Papst Clemens XIII. sprach ihn 1767 heilig gesprochen.
Ps 77,14-15 Gott, dein Weg ist heilig. / Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott? Du allein bist der Gott, der Wunder tut, / du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

 

La Salette 1846



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