Autor Thema: Warum rufen unsere Seelsorger uns nicht mehr zur Busse und Sühne auf?  (Gelesen 971964 mal)

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Offline vianney

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Antw:Warum rufen unsere Seelsorger uns nicht mehr zur Busse und Sühne auf?
« Antwort #888 am: 10. November 2015, 09:14:25 »
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Buch der Weisheit 2,23-24.3,1-9.
Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.
Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.
Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand, und keine Qual kann sie berühren.
In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr Heimgang gilt als Unglück,
ihr Scheiden von uns als Vernichtung; sie aber sind in Frieden.
In den Augen der Menschen wurden sie gestraft; doch ihre Hoffnung ist voll Unsterblichkeit.
Ein wenig nur werden sie gezüchtigt; doch sie empfangen große Wohltat. Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig.
Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.
Beim Endgericht werden sie aufleuchten wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen.
Sie werden Völker richten und über Nationen herrschen, und der Herr wird ihr König sein in Ewigkeit.
Alle, die auf ihn vertrauen, werden die Wahrheit erkennen, und die Treuen werden bei ihm bleiben in Liebe. Denn Gnade und Erbarmen wird seinen Erwählten zuteil.

Psalm 34(33),2-3.16-17.18-19.
Ich will den Herrn allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn;
die Armen sollen es hören und sich freuen.

Die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten,
seine Ohren hören ihr Schreien.
Das Antlitz des Herrn richtet sich gegen die Bösen,
um ihr Andenken von der Erde zu tilgen.

Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr;
er entreißt sie all ihren Ängsten.
Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen,
er hilft denen auf, die zerknirscht sind.




Evangelium nach Lukas 17,7-10.
In jener Zeit sprach Jesus: Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen?
Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich, und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken.
Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?
So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Ambrosius (um 340-397), Bischof von Mailand und Kirchenlehrer
Über das Evangelium nach Lukas 8,31-32
„Wir sind unnütze Sklaven“

Niemand soll sich dessen, was er tut, rühmen, da es einfach nur gerecht ist, dass wir dem Herrn unseren Dienst schulden […] Wir müssen, so lange wir leben, stets für unseren Herrn arbeiten. Gib also zu, dass du ein Diener bist, dem viele Dienste obliegen. Plustere dich nicht damit auf, dass du „Kind Gottes“ (1 Joh 3,1) genannt wirst: Erkennen wir das als Gnade, aber vergessen wir unsere Natur nicht! Rühme dich dessen nicht, dass du gute Dienste geleistet hast, denn du hast getan, was du tun musstest. Die Sonne erfüllt ihre Aufgabe, der Mond gehorcht, die Engel tun ihren Dienst. Der hl. Paulus, „des Herren auserwähltes Werkzeug unter den Heiden“ (Apg 9,15), schreibt: „Ich bin es nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe“ (1 Kor 15,9). Und wenn er an anderer Stelle sagt, dass er sich keiner Schuld bewusst ist, so fügt er doch hinzu: „dadurch bin ich jedoch noch nicht gerecht gesprochen“ (1 Kor 4,4). Auch wir wollen nicht um unseretwillen gelobt werden; lasst uns nicht dem Urteil Gottes vorgreifen.
Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit, in der Ruh!Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu.

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« Antwort #889 am: 11. November 2015, 08:07:39 »
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Buch der Weisheit 6,1-11.
Hört, ihr Könige, und seid verständig, lernt, ihr Gebieter der ganzen Welt!
Horcht, ihr Herrscher der Massen, die ihr stolz seid auf Völkerscharen!
Der Herr hat euch die Gewalt gegeben, der Höchste die Herrschaft, er, der eure Taten prüft und eure Pläne durchforscht.
Ihr seid Diener seines Reichs, aber ihr habt kein gerechtes Urteil gefällt, das Gesetz nicht bewahrt und die Weisung Gottes nicht befolgt.
Schnell und furchtbar wird er kommen und euch bestrafen; denn über die Großen ergeht ein strenges Gericht.
Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen, doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht.
Denn der Herrscher des Alls scheut niemand und weicht vor keiner Größe zurück. Er hat klein und groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle;
den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung.
An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte, damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt.
Wer das Heilige heilig hält, wird geheiligt, und wer sich darin unterweisen lässt, findet Schutz.
Verlangt also nach meinen Worten; sehnt euch danach, und ihr werdet gute Belehrung empfangen.

Psalm 82(81),3-4.6-7.

„Verschafft Recht den Unterdrückten und Waisen,
verhelft den Gebeugten und Bedürftigen zum Recht!
Befreit die Geringen und Armen,
entreißt sie der Hand der Frevler!»

Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter,
ihr alle seid Söhne des Höchsten.
Doch nun sollt ihr sterben wie Menschen,
sollt stürzen wie jeder der Fürsten."




Evangelium nach Lukas 17,11-19.
Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen
und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.
Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme.
Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.
Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun?
Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?
Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Oden des Salomo (christlich-hebräischer Text, frühes 2. Jh.)
Nr. 2
„Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm“

Christus ist an meiner Seite:
ich schmiege mich an ihn, und er umfängt mich.
Ich könnte den Herrn nicht lieben, hätte er nicht mich zuerst geliebt.
Wer kann die Liebe lernen,
wenn nicht derjenige, der geliebt ist?

Ich umfasse den Geliebten, und meine Seele heißt ihn willkommen,
und wo sein Lager ist, ist meine Bleibe.
Für ihn werde ich kein Fremder mehr sein,
denn im Herrn ist kein Platz für den Hass.
An ihn bin ich gebunden wie die Geliebte,
die den gefunden hat, den sie liebte.

Weil ich den Sohn liebe,
werde ich zum Sohn.
Ja, wer sich an den schmiegt, der nicht stirbt,
wird nicht sterben.
Wer seine Freude hat an dem, der das Leben ist,
wird seinerseits das Leben haben.
Solcherart ist ohne Trug der Geist des Herrn:
er lehrt die Menschen seine Wege erkennen.
Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit, in der Ruh!Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu.

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« Antwort #890 am: 12. November 2015, 08:07:13 »
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Buch der Weisheit 7,22-30.8,1.
In der Weisheit ist ein Geist, gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, durchdringend, unbefleckt, klar, unverletzlich, das Gute liebend, scharf,
nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend und alle Geister durchdringend, die denkenden, reinen und zartesten.
Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles.
Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes und reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers; darum fällt kein Schatten auf sie.
Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Vollkommenheit.
Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Geschlecht zu Geschlecht tritt sie in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten;
denn Gott liebt nur den, der mit der Weisheit zusammenwohnt.
Sie ist schöner als die Sonne und übertrifft jedes Sternbild. Sie ist strahlender als das Licht;
denn diesem folgt die Nacht, doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit.
Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.

Psalm 119(118),89-90.91.130.135.175.
Herr, dein Wort bleibt auf ewig,
es steht fest wie der Himmel.
Deine Treue währt von Geschlecht zu Geschlecht;
du hast die Erde gegründet, sie bleibt bestehen.

Nach deiner Ordnung bestehen sie bis heute,
und dir ist alles dienstbar.
Die Erklärung deiner Worte bringt Erleuchtung,
den Unerfahrenen schenkt sie Einsicht.

Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht,
und lehre mich deine Gesetze!
Lass meine Seele leben, damit sie dich preisen kann.
Deine Entscheidungen mögen mir helfen.




Evangelium nach Lukas 17,20-25.
In jener Zeit als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte.
Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.
Er sagte zu den Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben.
Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher!
Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen.
Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Theresia vom Kinde Jesu (1873-1897), Karmelitin, Kirchenlehrerin
Autobiographisches Manuskript A, 83 v°
„Das Reich Gottes ist mitten unter euch“

Während meiner Gebetszeiten beschäftigt mich vor allem das Evangelium, in ihm finde ich alles, was meine arme, kleine Seele braucht. Da komme ich stets zu neuen Erkenntnissen und entdecke verborgene, geheimnisvolle Bedeutungen […]


Ich begreife und weiß es aus Erfahrung, dass „das Reich Gottes in uns ist“. Jesus braucht keine Bücher oder Doktoren zur Unterweisung der Seelen; er, der Gelehrteste der Gelehrten, lehrt ohne den Lärm der Worte. Nie habe ich ihn reden hören, aber ich spüre, dass er in mir ist; in jedem Augenblick führt er mich, gibt mir ein, was ich sagen oder tun soll. Es tun sich mir im Augenblick, da ich sie brauche, Erkenntnisse auf, die ich bis dahin nicht hatte, und zwar am häufigsten nicht während meiner Gebetszeiten, sondern eher mitten in der Erledigung meiner täglichen Arbeiten.
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« Antwort #891 am: 13. November 2015, 08:07:19 »
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Buch der Weisheit 13,1-9.
Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht,
sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Himmelsleuchten für weltbeherrschende Götter.
Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, als Götter ansahen, dann hätten sie auch erkennen sollen, wieviel besser ihr Gebieter ist; denn der Urheber der Schönheit hat sie geschaffen.
Und wenn sie über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wieviel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat;
denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe läßt sich auf ihren Schöpfer schließen.
Dennoch verdienen jene nur geringen Tadel. Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre.
Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen.
Doch auch sie sind unentschuldbar:
Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?

Psalm 19(18),2-3.4-5ab.
Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes,
vom Werk seiner Hände kündet das Firmament.
Ein Tag sagt es dem andern,
eine Nacht tut es der andern kund,

ohne Worte und ohne Reden,
unhörbar bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.




Evangelium nach Lukas 17,26-37.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein.
Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle.
Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten.
Aber an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um.
Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart.
Wer dann auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinabsteigen, um sie zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren.
Denkt an die Frau des Lot!
Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen.
Ich sage euch: Von zwei Männern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zurückgelassen.
Von zwei Frauen, die mit derselben Mühle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zurückgelassen.
Da fragten sie ihn: Wo wird das geschehen, Herr?
Er antwortete: Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Romanos Melodos (?-um 560), Hymnendichter
Hymnus des Noach   
Gott erwartet die Zeit unserer Umkehr

Wenn ich die Drohung betrachte, die über den Schuldigen der Zeit des Noach hing, so bebe ich, ich, der ich ebenfalls abscheulicher Sünden schuldig bin [...] Der Schöpfer drohte den damaligen Menschen, denn er erwartete die Zeit ihrer Umkehr. Auch für uns wird es die letzte Stunde geben, die wir nicht kennen, auch nicht die Engel (Mt 24,36). An diesem letzten Tag wird Christus, der Herr vor aller Zeit, mit den Wolken kommen, um die Erde zu richten, wie Daniel es sah (7,13). Bevor diese letzte Stunde auf uns hereinbricht, rufen wir flehentlich zu Christus: „Rette alle Menschen vor dem Zorn, Erlöser des Universums, durch deine Liebe, die du uns entgegenbringst“ [...]


Der Freund der Menschen sieht die Bosheit, die damals herrschte, und sagt zu Noach: „Ich sehe, das Ende eines jeden Menschen ist da (Gen 6,13); denn die Erde ist voller Gewalttat. Unter deinen Zeitgenossen bist du wirklich der einzige Gerechte (Gen 7,1) [...] mach dir eine Arche aus nicht faulendem Holz [...] wie ein Mutterschoß wird sie die Samen künftiger Arten tragen. Du baue sie wie ein Haus, als Abbild der Kirche [...] Darin werde ich dich bewahren, dich, der gläubig zu mir ruft: ‚Rette alle Menschen vor dem Zorn, Erlöser des Universums, durch deine Liebe, die du uns entgegenbringst.'“


Mit Sachverstand vollendete der Auserwählte sein Werk [...] und er rief gläubig den Ungläubigen zu: „Schnell! Lasst ab von euren Sünden, werft eure Bosheit von euch, bereut! Wascht ab in Tränen den Schmutz von euren Seelen, durch den Glauben gewinnt euch die Macht unseres Gottes zurück“! Aber diese Söhne der Rebellion bekehrten sich nicht. Ihrer Verderbtheit fügten sie auch noch ihre Verstocktheit hinzu. Deshalb flehte Noach Gott unter Tränen an: „Einst ließest du mich den Schoß meiner Mutter verlassen; nun rette mich in dieser hilfreichen Arche. Denn ich schließe mich in diese Art Grab ein; aber wenn du mich rufst, verlasse ich es wieder durch deine Kraft. Darin werde ich von nun an ein Abbild der Auferstehung aller sein, wenn du deine Gerechten vor dem Feuer errettest, wie du mich in den Fluten des Bösen errettest, indem du mich aus dem Kreis der Gottlosen herausholst, mich, der gläubig zu dir, dem mitfühlenden Richter, ruft: ‚Errette alle Menschen vor dem Zorn durch die Liebe, die du uns entgegenbringst, Erlöser des Universums'.“
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« Antwort #892 am: 14. November 2015, 12:30:05 »
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Buch der Weisheit 18,14-16.19,6-9.
Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab als harter Krieger mitten in das dem Verderben geweihte Land.
Es trug das scharfe Schwert deines unerbittlichen Befehls, trat hin und erfüllte alles mit Tod; es berührte den Himmel und stand auf der Erde.
Das Wesen der ganzen Schöpfung wurde neugestaltet; sie gehorchte deinen Befehlen, damit deine Kinder unversehrt bewahrt blieben.
Man sah die Wolke, die das Lager überschattete, trockenes Land tauchte auf, wo zuvor Wasser war; es zeigte sich ein Weg ohne Hindernisse durch das Rote Meer, eine grüne Ebene stieg aus der gewaltigen Flut.
Von deiner Hand behütet, zogen sie vollzählig hindurch und sahen staunenswerte Wunder.
Sie weideten wie Rosse, hüpften wie Lämmer und lobten dich, Herr, ihren Retter.

Psalm 105(104),2-3.36-37.42-43.
Singt dem Herrn und spielt ihm,
sinnt nach über all seine Wunder!
Rühmt euch seines heiligen Namens!
Alle, die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen.

Er erschlug im Land jede Erstgeburt,
die ganze Blüte der Jugend.
Er führte sein Volk heraus mit Silber und Gold;
in seinen Stämmen fand sich kein Schwächling.

Denn er dachte an sein heiliges Wort
und an Abraham, seinen Knecht.
Er führte sein Volk heraus in Freude,
seine Erwählten in Jubel.




Evangelium nach Lukas 18,1-8.
In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind!
Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht;
trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht.
Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt.
Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?
Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Thomas von Aquin (1225-1274), Dominikaner, Theologe und Kirchenlehrer
Compendium theologiae, 2. Teil, Kap. 1
Allezeit beten und darin nicht nachlassen

Zwischen der Bitte an Gott und der an einen Menschen gibt es einen Unterschied. Die Bitte an einen Menschen verlangt zuvor einen bestimmten Grad von Vertrautheit, durch die man zu dem Zugang hat, an den sich unsere Bitte richtet. Die Bitte an Gott hingegen macht uns selbst zu Vertrauten Gottes. Dabei erhebt sich unsere Seele zu ihm, spricht auf liebevolle Art mit ihm und betet ihn im Geist und in der Wahrheit an (Joh 4,28).

Diese im Gebet erworbene Vertrautheit regt den Menschen dazu an, sich wieder voll Vertrauen dem Gebet zuzuwenden. Deshalb heißt es im Psalm: „Ich rufe dich an; denn du, Gott erhörst mich“ (Ps 17,6). Durch ein erstes Gebet in den vertrauten Umgang mit Gott aufgenommen, bittet der Psalmist später mit gesteigertem Vertrauen. So ist eifriges und beharrliches Bitten im Gebet Gott nicht lästig, sondern vielmehr willkommen. Denn „man soll allezeit beten“, sagt das Evangelium, „und nicht nachlassen“ (Lk 18,1); und an anderer Stelle lädt uns der Herr ein zu bitten: „Bittet, dann wird euch gegeben, klopft an, dann wird euch geöffnet“ (Mt 7,7).
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« Antwort #893 am: 15. November 2015, 09:40:16 »
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Buch Daniel 12,1-3.
In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist.
Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu.
Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.

Psalm 16(15),5.8.9-10.2.11.
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher;
du hältst mein Los in deinen Händen.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.

Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele;
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis;
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen.

Ich sage zum Herrn: «Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein.»
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.




Brief an die Hebräer 10,11-14.18.
Jeder Priester - des Alten Bundes - steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können.
Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt;
seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden.
Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt.
Wo aber die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Sündopfer mehr.

Evangelium nach Markus 13,24-32.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen;
die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.
Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.
Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.
Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft.
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Ephräm (um 306-373), Diakon in Syrien, Kirchenlehrer
Evangelienkommentar oder Diatessaron, 18,5
„Der Menschensohn wird zu einer Stunde kommen, in der ihr es nicht erwartet"

Um jede schamlose Frage nach dem Zeitpunkt seiner Wiederkunft zu verhindern, sagt Jesus: „Doch […] jene Stunde kennt niemand […], nicht einmal der Sohn“ (Mt 24,36) und an anderer Stelle: „Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren“ (Apg 1,7). Er hat es vor uns verborgen, damit wir wachen und damit jeder von uns dessen eingedenk sei, dass diese Wiederkunft sich während seines Lebens ereignet. Wenn nämlich die Zeit seines Kommens offenbart worden wäre, so wäre seine Wiederkunft eitel: die Nationen und Jahrhunderte, in denen sie stattfindet, hätten sich nicht nach ihr gesehnt. Er hat deshalb bezeugt, dass er kommt, aber nicht den Augenblick angezeigt. Und so dürsten alle Generationen und alle Jahrhunderte nach ihm.


Dennoch hat er die Zeichen für sein Kommen erläutert; doch ihre Erfüllung erkennt man nicht. Im ständigen Wechsel, in dem wir leben, gab es diese Zeichen schon und sie sind vorbeigegangen oder dauern noch an. Seine letzte Wiederkunft ist tatsächlich mit seiner ersten zu vergleichen: die Gerechten und die Propheten erwarteten ihn sehnlich. Sie dachten, er würde zu ihrer Zeit erscheinen. Desgleichen sehnt sich jeder treue Christ danach, ihn zu seiner Zeit empfangen zu dürfen, zumal Jesus nicht deutlich den Tag verkündet hat, an dem er wiederkommen würde. So kann niemand sich einbilden, dass Christus, der Herrscher ist über Anzahl und Zeiten, einem Gesetz der Zeit oder irgendeiner Stunde unterstellt wäre.
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« Antwort #894 am: 16. November 2015, 07:59:58 »
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Erstes Buch der Makkabäer 1,10-15.41-43.54-57.62-64.
In jenen Tagen ging aus den Nachfolgern Alexanders des Großen ein besonders gottloser Spross hervor, Antiochus Epiphanes, der Sohn des Königs Antiochus. Er war als Geisel in Rom gewesen und trat im Jahr 137 der griechischen Herrschaft die Regierung an.
Zu dieser Zeit traten Verräter am Gesetz in Israel auf, die viele (zum Abfall) überredeten. Sie sagten: Wir wollen einen Bund mit den fremden Völkern schließen, die rings um uns herum leben; denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, geht es uns schlecht.
Dieser Vorschlag gefiel ihnen
und einige aus dem Volk fanden sich bereit, zum König zu gehen. Der König gab ihnen die Erlaubnis, nach den Gesetzen der fremden Völker zu leben.
Sie errichteten in Jerusalem eine Sportschule, wie es bei den fremden Völkern Brauch ist,
und ließen bei sich die Beschneidung rückgängig machen. So fielen sie vom heiligen Bund ab, vermischten sich mit den fremden Völkern und gaben sich dazu her, Böses zu tun.
Damals schrieb der König seinem ganzen Reich vor, alle sollen zu einem einzigen Volk werden
und jeder solle seine Eigenart aufgeben. Alle Völker fügten sich dem Erlass des Königs.
Auch vielen Männern aus Israel gefiel der Gottesdienst, den er angeordnet hatte; sie opferten den Götterbildern und entweihten den Sabbat.
Am fünfzehnten Kislew des Jahres 145 ließ der König auf dem Brandopferaltar den unheilvollen Gräuel aufstellen; auch in den Städten Judäas ringsum baute man Altäre.
Vor den Haustüren und auf den Plätzen opferte man Weihrauch.
Alle Buchrollen des Gesetzes, die man fand, wurden zerrissen und verbrannt.
Wer im Besitz einer Bundesrolle angetroffen wurde oder zum Gesetz hielt, wurde aufgrund der königlichen Anordnung zum Tod verurteilt.
Dennoch blieben viele aus Israel fest und stark; sie aßen nichts, was unrein war.
Lieber wollten sie sterben, als sich durch die Speisen unrein machen und den heiligen Bund entweihen. So starben sie.
Ein gewaltiger Zorn lag auf Israel.

Psalm 119(118),53.61.134.150.155.158.
Zorn packt mich wegen der Frevler,
weil sie deine Weisung missachten.
Auch wenn mich die Stricke der Frevler fesseln,
vergesse ich deine Weisung nicht.

Erlöse mich aus der Gewalt der Menschen;
dann will ich deine Befehle halten.
Mir nähern sich tückische Verfolger;
sie haben sich weit von deiner Weisung entfernt.

Fern bleibt den Frevlern das Heil;
denn sie fragen nicht nach deinen Gesetzen.
Wenn ich Abtrünnige sehe, empfinde ich Abscheu,
weil sie dein Wort nicht befolgen.




Evangelium nach Lukas 18,35-43.
Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder an der Straße und bettelte.
Er hörte, dass viele Menschen vorbeigingen, und fragte: Was hat das zu bedeuten?
Man sagte ihm: Jesus von Nazaret geht vorüber.
Da rief er: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
Die Leute, die vorausgingen, wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Als der Mann vor ihm stand, fragte ihn Jesus:
Was soll ich dir tun? Er antwortete: Herr, ich möchte wieder sehen können.
Da sagte Jesus zu ihm: Du sollst wieder sehen. Dein Glaube hat dir geholfen.
Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen. Da pries er Gott und folgte Jesus. Und alle Leute, die das gesehen hatten, lobten Gott.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Johannes Chrysostomus (um 345-407), Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer
Homilien zum Evangelium nach Matthäus, Nr. 66,1
„Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“

Schauen wir doch diese Blinden im Matthäusevangelium an: sie taugen mehr als viele von denen, die gut sehen. Sie hatten keinen, der sie hätte führen können, sie konnten nicht sehen, dass Jesus in ihre Nähe kam; und doch taten sie alles, zu ihm hinzukommen. Sie fingen laut zu schreien an; man wollte sie zum Schweigen bringen: da schrien sie noch lauter. So ist es mit energischen Menschen: wer sie aufhalten will, verstärkt nur ihre Entschiedenheit.

Christus lässt es zu, dass man sie zum Schweigen bringen will, damit ihre Entschlossenheit deutlicher zu Tage tritt und man erkennt, dass sie es wirklich wert sind geheilt zu werden. Deshalb fragt er sie auch nicht nach ihrem Glauben, wie er es so oft tut. Ihr Schreien und ihr Kraftaufwand, an ihn heranzukommen, genügten ihm als Beweis ihres Glaubens. Mach dir, lieber Freund, dadurch bewusst, dass wir, wenn wir mit ganzem Herzen auf Gott zugehen, trotz unserer Erbärmlichkeit und unseres Elends, durch uns selbst erreichen können, um was wir bitten. Schau nur diese beiden Blinden an: sie hatten nur einen Jünger, der sich ihrer annahm, viele geboten ihnen zu schweigen; und doch ist es ihnen gelungen, die Hindernisse zu überwinden und zu Jesus zu gelangen. Der Evangelist wist auf keinerlei außergewöhnliche Eigenschaften in ihnen hin: ihre Entschlossenheit hat alles ersetzt.

Machen wir es ihnen doch nach! Auch wenn Gott uns nicht gleich gewährt, worum wir ihn bitten; auch wenn noch so viele Leute versuchen, uns vom Gebet abzubringen: hören wir nicht auf, ihn anzuflehen! Denn so ziehen wir am sichersten Gottes Gunst auf uns.
Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit, in der Ruh!Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu.

Offline vianney

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Antw:Warum rufen unsere Seelsorger uns nicht mehr zur Busse und Sühne auf?
« Antwort #895 am: 17. November 2015, 08:04:53 »
 ;mloda ;ksghtr

Zweites Buch der Makkabäer 6,18-31.
In jenen Tagen war unter den angesehensten Schriftgelehrten Eleasar, ein Mann von hohem Alter und edlen Gesichtszügen. Man sperrte ihm den Mund auf und wollte ihn zwingen, Schweinefleisch zu essen.
Er aber zog den ehrenvollen Tod einem Leben voll Schande vor, ging freiwillig auf die Folterbank zu
und spuckte das Fleisch wieder aus. In solcher Haltung mussten alle herantreten, die sich standhaft wehrten zu essen, was man nicht essen darf - nicht einmal um des geliebten Lebens willen.
Die Leute, die bei dem gesetzwidrigen Opfermahl Dienst taten und die den Mann von früher her kannten, nahmen ihn heimlich beiseite und redeten ihm zu, er solle sich doch Fleisch holen lassen, das er essen dürfe, und es selbst zubereiten. Dann solle er tun, als ob er von dem Opferfleisch esse, wie es der König befohlen habe.
Wenn er es so mache, entgehe er dem Tod; weil sie alte Freunde seien, würden sie ihn mit Nachsicht behandeln.
Er aber fasste einen edlen Entschluss, wie es sich gehörte für einen Mann, der so alt und wegen seines Alters angesehen war, in Würde ergraut, der von Jugend an vorbildlich gelebt und - was noch wichtiger ist - den heiligen, von Gott gegebenen Gesetzen gehorcht hatte. So erklärte er ohne Umschweife, man solle ihn ruhig zur Unterwelt schicken.
Wer so alt ist wie ich, soll sich nicht verstellen. Viele jungen Leute könnten sonst glauben, Eleasar sei mit seinen neunzig Jahren noch zu der fremden Lebensart übergegangen.
Wenn ich jetzt heucheln würde, um eine geringe, kurze Zeit länger zu leben, würde ich sie irreleiten, meinem Alter aber Schimpf und Schande bringen.
Vielleicht könnte ich mich für den Augenblick der Bestrafung durch die Menschen entziehen; doch nie, weder lebendig noch tot, werde ich den Händen des Allherrschers entfliehen.
Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen.
Der Jugend aber hinterlasse ich ein leuchtendes Beispiel, wie man mutig und mit Haltung für die ehrwürdigen und heiligen Gesetze eines schönen Todes stirbt. Nach diesen Worten ging er geradewegs zur Folterbank.
Da schlug die Freundlichkeit, die ihm seine Begleiter eben noch erwiesen hatten, in Feindschaft um; denn was er gesagt hatte, hielten sie für Wahnsinn.
Als man ihn zu Tod prügelte, sagte er stöhnend: Der Herr mit seiner heiligen Erkenntnis weiß, dass ich dem Tod hätte entrinnen können. Mein Körper leidet qualvoll unter den Schlägen, meine Seele aber erträgt sie mit Freuden, weil ich ihn fürchte.
So starb er; durch seinen Tod hinterließ er nicht nur der Jugend, sondern den meisten aus dem Volk ein Beispiel für edle Gesinnung und ein Denkmal der Tugend.

Psalm 3,2-3.4-5.6-7.
Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger;
so viele stehen gegen mich auf.
Viele gibt es, die von mir sagen:
„Er findet keine Hilfe bei Gott.“

Du aber, Herr, bist ein Schild für mich,
du bist meine Ehre und richtest mich auf.
Ich habe laut zum Herrn gerufen;
da erhörte er mich von seinem heiligen Berg.

Ich lege mich nieder und schlafe ein,
ich wache wieder auf, denn der Herr beschützt mich.
Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht,
wenn sie mich ringsum belagern.




Evangelium nach Lukas 19,1-10.
In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt.
Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein.
Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste.
Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Johannes Tauler (um 1300-1361), Dominikaner in Straßburg
Predigt 68
„Zachäus, komm schnell herunter“

Im Evangelium steht, dass Zachäus unseren Herrn sehen wollte, aber zu klein dazu war. Was tat er da? Er kletterte auf einen dürren Feigenbaum. So macht es der Mensch immer noch. Er will den sehen, der Wunder tut und in ihm einen rechten Sturm entfacht; dafür ist er aber nicht groß genug, er ist zu klein. Was also ist zu tun? Er muss auf den dürren Feigenbaum klettern. Der dürre Feigenbaum steht für den Tod der Sinne und der Natur, und für das Leben des inneren Menschen, dem Gottes Aufmerksamkeit gilt.

Was sagt unser Herr zu Zachäus? „Komm schnell herunter!“ Du musst herabsteigen. Du darfst kein bisschen Trost aus all deinen Eindrücken im Gebet ziehen, du musst vielmehr hinunter steigen in dein reines Nichts, deine Armut, deine Ohnmacht […] Wenn du noch irgendeine natürliche Bindung hast, so gehört dir das Licht, das dir die Wahrheit gebracht hat, noch nicht, es ist noch nicht dein Eigentum geworden; Natur und Gnade sind noch beide am Werk, du hast noch nicht völlig losgelassen […] es ist noch nicht die ganze Reinheit. Deshalb heißt Gott einen solchen Menschen heruntersteigen; d.h. er ruft ihn auf zum ganzen Verzicht, zur völligen Ablösung von der Natur und von allem, was noch irgendwie zu ihr gehört. „Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein; heute ist diesem Haus Heil widerfahren.“ Möge dieses ewige Heute uns widerfahren!
Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit, in der Ruh!Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu.

 

La Salette 1846



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