Autor Thema: Wird die Bischofssynode nicht ein neues Schisma in der Kirche hervorrufen  (Gelesen 147269 mal)

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Wiederverheiratet Geschiedene: Kommt es im März 2014 zum Schisma?
5. Dezember 2013 17:12 | Mitteilung an die Redaktion
(Freiburg/Bonn) Zuerst erfolgte der Angriff durch Erzbischof Reinhard Kardinal Marx von München-Freising, dann jener von Bischof Stefan Ackermann von Trier. Im Fadenkreuz hatten beide den Präfekten der Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Gerhard Müller. Dieser hatte es gewagt, als Reaktion auf den Sonderweg der Erzdiözese Freiburg im Breisgau zum Umgang mit den wiederverheiratet Geschiedenen, die für die gesamte Weltkirche verbindliche katholische Ehelehre einzuschärfen. Glaubenspräfekt Müller hatte es nicht explizit so gesagt, aber so gemeint: Das Ehesakrament gilt auch für die Kirche in Deutschland. Und genau so haben es die deutschen Bischöfe verstanden, und einige fühlten sich ertappt, gestört und es trieb ihnen den Zorn ins Gesicht.
Glaubenspräfekt Müller erinnerte daran, daß es für die katholische Kirche keine Möglichkeit gibt, Zweitehen zu segnen und anzuerkennen, nicht einmal als Bußakt für den unschuldig geschiedenen Ehepartner, wie es die orthodoxe Kirche kennt. Eine Praxis, die jedoch einer Verdunkelung des Ehesakraments gleichkommt und daher nicht nachahmenswert sein könne.

Glaubenpräfekt bekräftigt katholische Lehre, doch deutsche Bischöfe reagieren empört
Der Kurienerzbischof hatte nichts Außergewöhnliches gesagt, vielmehr genau das, was jeder Bischof und jeder Priester zu sagen und jeder Katholik zu glauben hat, will er denn katholisch sein. Und dennoch löste die Stellungnahme Erzbischof Müllers ein Donnerwetter aus, als würde das Weltenende eintreten, jedenfalls unter dem unduldsamen progressiven Klerus. Und mancher Katholik staunte nicht schlecht, wer alles sich unter rechtgläubiger Schale als Modernist entpuppte. Der Trierer Bischof Ackermann erklärte etwa dem Trierischen Volksfreund, daß der Glaubenspräfekt gar keine Zuständigkeit habe, die Diskussion zu dieser Frage für beendet zu erklären. Raue Töne eines Bischofs, die noch rauer klingen, wenn man bedenkt, daß sie gegen und nicht für die Verteidigung der Glaubenslehre ausgesprochen werden. Damit entpuppte sich auch Bischof Ackermann als einer jener Kirchenvertreter, die sich nicht darum mühen, den Gläubigen die Richtigkeit und Menschenfreundlichkeit der göttlichen Ordnung und kirchlichen Lehre zu erläutern, sondernlieber die „konkrete Realität“ der Unordnung gegen die Glaubenslehre ausspielen. Seit wann hebt der Ungehorsam der Menschen Gottes Gesetz auf? Zum Ungehorsam gesellt manch deutscher Bischof noch den Stolz , wie er aus der Kritik an Kurienerzbischof Müller spricht. Man denke an die „Praxis“ in Bischof Gebhard Fürsts Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Freiburger Dialektik: Auf Jesus berufen, um Jesu Gesetz auszuhebeln?
Die Wortmeldungen der Rebellenbischöfe zeichnen sich durch zweideutige und extrem mißverständliche Formulierungen aus. Sie befinden sich damit ganz auf der Linie jener Handreichung, die Anfang Oktober vom Amt für Familienseelsorge der Erzdiözese Freiburg im Breisgau vorgelegt wurde. Die Worte sind undeutlich und sollen notdürftig kaschieren, was in der Praxis beabsichtigt wird. Glaubenslehre hin oder her, in der Praxis wolle man sich jedenfalls nicht mehr daran halten. Die Erzdiözese wurde bis vor kurzem vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Msgr. Robert Zollitsch geleitet, was die ganze Dimension des Ungehorsams veranschaulicht. Die Handreichung versteigt sich zu einem gewagten dialektischen Ausritt und stellt den menschlichen Ungehorsam gegen Gottes Gebot als Ausdruck der „menschlichen und respektvollen Haltung von Jesus im Umgang mit den geschiedenen Menschen und jenen, die sich entschieden haben, noch einmal standesamtlich zu heiraten“ dar. Die Handreichung beruft sich auf Jesus, um dessen eigenes Gebot auszuhebeln. Ein Widerspruch, der nicht nur einer Beleidigung des Intellekts, sondern auch einer Beleidigung Christi nahekommt. Laut „Freiburger Modell“ sollen die Wunden, Brüche und Spaltungen in den Familien nicht geheilt, sondern unterstützt werden.

Müllers Klarstellung ein Markstein, den einige Bischöfe hochmütig auszureißen versuchen
Die Klarstellung des Glaubenspräfekten stellt einen entscheidenden Markstein dar. Sie wurde auf der Internetseite des Heiligen Stuhls veröffentlicht und gilt damit als Aussage des Lehramtes. Im deutschen Episkopat, zumindest jenem Teil, der sich lautstark an die Öffentlichkeit drängte, fiel sie nicht auf fruchtbaren Boden. Der Glaubenspräfekt warnte ausdrücklich vor einer ganz konkreten Gefahr: „Durch die sachlich falsche Berufung auf die Barmherzigkeit besteht zudem die Gefahr einer Banalisierung des Gottesbildes, wonach Gott nichts anderes vermag, als zu verzeihen.“ Daher auch das negative Urteil über die Freiburger Eigenmächtigkeit, die „im Widerspruch zur Lehre und zum Lehramt der Katholischen Kirche“ steht. Eine Beurteilung, die von den Autoren bekanntlich hochmütig und ohne Einsicht zurückgewiesen wurde.

Das Spiel von Erzbischof Zollitsch und der fiktive „Blankoscheck“
Erzbischof Zollitsch spielt in der Sache ein wenig elegantes Spiel. Die Handreichung trägt nicht seine Unterschrift als Diözesanbischof und ist daher völlig wertlos. Veröffentlicht wurde sie wenige Tage nach seiner Emeritierung, so daß er – obwohl Diözesanadministrator bis zur Ernennung eines Nachfolgers – sich die Hände in Unschuld waschen kann. Gleichzeitig verbsäumt er aber keine Gelegenheit das Anliegen der Handreichung zu unterstützen, such indem er ankündigte, daß die Deutsche Bischofskonferenz zum Theme „klare, ja sehr klare Vorstellungen“ habe. Die Bischofskonferenz soll, geht es nach Zollitsch, Entscheidungen treffen und den Bischöfen die Möglichkeit bieten, sich hinter einem Kollektiv zu verstecken. Als Aufhänger wird eine Stelle aus dem neuen Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium genommen, in der Papst Franziskus bekundet, den Bischofskonferenzen „eine gewiße authentische Lehrautorität“ (EG 32) zu übertragen. Was das konkret bedeuten könnte, wird nicht gesagt und noch weniger wurden entsprechende Bestimmungen erlassen. Dennoch schloß Erzbischof Zollitsch umgehend daraus, daß Deutschland in Sachen wiederverheiratet Geschiedener einen Blankoscheck besitze.

500 Jahre nach Luther eine neue Kirchenspaltung?
Die deutschen Bischöfe scheinen auf einen offenen Bruch mit der katholischen Ehelehre hinzuarbeiten. Ein Bruch, der sich im März 2014 auf der Frühjahrstagung der Bischofskonferenz vollziehen dürfte. Dann müssen die Bischöfe einen neuen Vorsitzenden wählen, eine Stellung, für die sich Kardinal Marx schon länger bereithält. Dann soll, so der Wille von Zollitsch und anderer Bischöfe, die Freiburger Handreiche der Bischofskonferenz vorgelegt und von dieser für ganz Deutschland eingeführt werden. Und dies, obwohl eben diese Handreichung bereits von der Glaubenskongregation als antikatholisch entlarvt wurde, weil sie sich im offenen Widerspruch zur katholischen Glaubenslehre, zum kirchlichen Lehramt und der katholischen Tradition befindet. Wird Rom dem tatenlos zusehen? Werden alle deutsche Bischöfe sich diesem offenen Ungehorsam von Zollitsch, Marx & Co. anschließen oder werden einige mutig dagegen aufstehen? Es geht nicht um eine Frage des Geschmacks, sondern um die Frage, ob die deutsche Kirche 500 Jahre nach Luther eine weitere Kirchenspaltung hinzufügt, statt jene erste zu überwinden.

Häresie schon, Schisma nicht?
Die deutschen Bischöfe wollen kein Schisma, das würde sie vor enorme rechtliche Fragen stellen. Sie müßten eine neue Kirche gründen, die als Religionsgemeinschaft vom Staat anerkannt werden müßte. Das wäre alles kein Problem. Problematisch ist jedoch die Frage mit dem Reichskonkordat und damit der Finanzierung dieser neuen Körperschaft öffentlichen Rechts. Jeder einzelne Gläubige und derzeitige Kirchensteuerpflichtige müßte explizit den Übertritt in eine neue Zollitsch-Marx-Kirche erklären. Von den aktuellen Kirchensteuermilliarden bliebe da nur wenig übrig. Zudem hätte die neue Kirche weder Kirchengebäude noch Pfarrhäuser und Pfarrzentren. Sie wäre eine mittellose Kirche mit jener „Entweltlichung“, die von denselben Bischöfen, als Benedikt XVI. sie einforderte, sofort unter den Tisch gekehrt wurde. Nein, ein Schisma will man de jure nicht. Man möchte es nur de facto und das mit Zustimmung Roms, denn sonst darf Kardinal Marx im nächsten Konklave nicht mehr den Papst mitwählen oder sich sogar selbst darum bewerben.

Die jüngste Entwicklung läßt erahnen, unter welcher Spannung am Ende das Pontifikat Benedikts XVI. stand und mit welcher Genugtuung einige deutsche Bischöfe dessen Abtritt empfunden haben.

 Text: Giuseppe Nardi
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Kardinal Kasper bezeichnet Kritik an seinem Reformkurs als “theologischen Krieg”
Veröffentlicht: 18. September 2014 | Autor: Felizitas Küble | Abgelegt unter: GLAUBENSPRÄFEKT Gerhard Müller | Tags: Ehelehre, Familiensynode, Kardinal Gerhard Müller, Kardinal Raymond Burke, Kardinal Walter Kasper, Kirche, theologischen Krieg |16 Kommentare
Von Felizitas Küble
 
Unter dem Titel “Kasper warnt vor „theologischem Krieg“” berichtet das ORF-Fernsehen am heutigen Donnerstag (18.9.) in einem ausführlichen Artikel online über die Reaktion von Kardinal Walter Kasper auf das demnächst erscheinende Buch mehrerer Würdenträger, in welchem sich die Autoren eindeutig für die Unauflöslichkeit und Sakramentalität der Ehe aussprechen.

Dabei bekräftigen die Kirchenmänner die klassische katholische Position, wonach zB. geschieden “Wiederverheiratete” nicht zum Tisch des HERRN zugelassen sind. 

Obwohl die hochrangigen Kardinäle, darunter Gerhard Müller (Glaubenspräfekt) und Raymond L. Burke (Präfekt der Apostolischen Signatur), damit lediglich die unveränderliche Ehe-Lehre der kath. Kirche darstellen und erläutern, warnt der zeitgeistliche Kardinal Kasper allen Ernstes vor einem “theologischen Krieg”.
 
Das erwähnte Werk der lehramtstreuen Kardinäle trägt den Titel: “In der Wahrheit Christi bleiben: Ehe und Kommunion in der katholischen Kirche“; es erscheint am 1. Oktober   –  und damit noch vor der geplanten vatikanischen Familiensynode.
 
Kurien-Kardinal Kasper scheint darob nun in Panik zu geraten:

„In der nächsten Synode wollen einige einen theologischen Krieg auslösen. Die Kirchendoktrin ist offen, aber einige wollen eine ‚eingefrorene‘ Wahrheit“, erklärte er gegenüber der italienischen Tageszeitung „Il Mattino“.
 
Die “Kirchendoktrin” ist in puncto Ehelehre aber alles andere als “offen”, sondern seit zweitausend Jahren stets dieselbe, denn das 6. Gebot ist ebenso zeitlos wie Christi Botschaft von der ehelichen Treue und dem unauflöslichen Eheband.

Es geht bei der christlichen Ehe um Gottes Gebote und um ein Sakrament in der Kirche des HERRN, nicht um nebensächliche Aspekte   –  daher tun jene Kardinäle gut daran, ihren theologisch konsequenten Standpunkt in einem gemeinsamen Buch zu erklären und zu bekräftigen.


Morgen beginnt feierlich die aussergewöhnliche Bischofssynode im vatikan. Es gibt offensichtlich zwei Fronten die nicht bereit sein werden nach zu geben. Lasset uns ab jetzt täglich zur Mutter der Kirche beten, dass die neuen apostel Christi sich nicht verbeissen und der heilige Geist ihnen die richtigen Haltungen gegnüber der verschiedenen Herausforderungen einflösst.

O Maria, Mutter der Kirche, Braut des Heiligen Geistes und Mutter des Wortes Gottes,
wir flehen dich an , beschütze deine katholische Kirche vor Streit, Trennung und Trennungen.
Trete vor dem Throne gottes um , wie du es immer für uns tust, Gottes Gnaden zu erflehen für die Bischöfe dieser Synode.
Bitte deinen sohn er möge jetzt seine Geist senden auf diese Vollversammlung der bischöfe au dass sie verschont bleiben vor streit und Starrsinn.Amen

Nun beten wir den schmerzhaften Rosenkranz.
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Papst Franziskus muss jetzt Farbe bekennen. Ist er wirklich der Reformer, für den man ihn gemeinhin hält? Gar der Revolutionär, der die Kirche vom Kopf auf die Füsse stellt? Die Erwartungen an den Pontifex sind riesig, wenn er am Sonntag in Rom die Weltbischofssynode eröffnen wird: Während 14 Tagen lässt er 191 Bischöfe und Kardinäle sowie 60 Fachleute aus aller Welt über Themen der Familie und Sexualmoral debattieren.

Diesmal geht es also um mehr als um die Entschlackung der Kurie, um mehr als die Säuberung der Vatikanbank. Die Weltbischofssynode geht die Gläubigen ganz unmittelbar an. Sie greift die heissen Themen auf, welche diese seit Jahrzehnten in Gewissensnot bringen: die Empfängnisverhütung und vor allem die «nicht ehelichen Lebensformen» wie gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Zweitehen, Patchworkfamilien und Alleinerziehende. Zum weltweiten Istzustand hatte der Vatikan vorausgehend eine viel gelobte Umfrage durchgeführt. Die Bestandesaufnahme hat aber nur ergeben, was für die Religionssoziologen längst Allgemeingut ist: In Fragen der Familie und Sexualität klaffen Lehre und Realität eklatant auseinander. Mit den eingetragenen Partnerschaften, den Ehen ohne Trauschein, der hohen Scheidungsquote, der Familienplanung durch Pille und Kondom widerspricht die Lebenspraxis der Durchschnittsgläubigen der Kirchendoktrin geradezu extrem.

Kondomverbot bleibt

So wird die Bischofssynode entscheidend Auskunft über den künftigen Kurs der Kirche geben. Reformer glauben, dass sich der Papst durchsetzen wird, wobei sie selbstverständlich davon ausgehen, dass er die rigide römische Familien- und Sexualmoral hinter sich lassen will. Das aber hat mehr mit Wunschdenken als mit der faktischen Amtsführung von Franziskus zu tun. Ein Blick in das 50-seitige Vorbereitungsdokument der Synode zeigt: Von reformerischem frischem Wind ist da wenig zu spüren, vielmehr vom Bedürfnis, Althergebrachtes neu festzuschreiben. Was die Verhütung durch Pille und Kondom betrifft, wird das Verbot der berüchtigten Enzyklika «Humanae vitae» von 1968 bekräftigt. Zu den gleich­geschlechtlichen Partnerschaften heisst es, trotz derer rechtlicher Anerkennung hätten sich alle nationalen Bischofs­konferenzen gegen eine Neudefinition der Ehe ausgesprochen. Der Aufruf zu einer «respektvollen, nicht verurteilenden Haltung gegenüber Menschen, die in solchen Gemeinschaften leben» folgt reflexartig. Mit Blick auf die wieder ­verheirateten Geschiedenen hält das Papier an der Unmöglichkeit des Kommunionsempfangs fest. Nur dürfe das nicht als «Ausschluss vom christlichen Leben oder von der Beziehung zu Gott» interpretiert werden.

Exakt an diesem Thema hat sich die Debatte im Vorfeld der Synode fest­gebissen – ausgelöst durch einen Theologenstreit zwischen zwei deutschen Kardinälen. Der liberalere, Kardinal Walter Kasper, plädiert für eine behutsame Öffnung hin zu einer Seelsorge der Barmherzigkeit: Im Einzelfall sollen Wiederverheiratete zu den Sakramenten zugelassen werden können. Der gestrenge Glaubenshüter Gerhard Ludwig Müller dagegen dekretiert seit Monaten – und nun auch in einem unmittelbar vor der Synode erscheinenden Buch –, dass Wiederverheiratete nicht zur Kommunion können, weil sonst gegen den Willen Jesu die Unauflöslichkeit der Ehe ausgehöhlt würde. Für Franziskus wird zum Testfall, auf welche Seite er sich schlägt. Die Reformer glauben, dass er die Position des von ihm geschätzten Kardinals Kasper übernimmt. Warum aber hat er dann den Traditionalisten Müller im Amt des Glaubenspräfekten bestätigt?

Frauen als Zuhörerinnen

Um die Barmherzigkeit für Wiederverheiratete wird gestritten, als sei dies das einzige Thema der Synode. Die Kirche scheint hier am meisten Spielraum für Retuschen zu haben, ohne ihre Lehre als solche ändern zu müssen. Dennoch wäre eine Reduzierung der Synode auf diese eine Kontroverse fatal. Nur die Anerkennung der neuen pluralen Beziehungsformen würde eine Abkehr von der Seelsorge des Ausschlusses bedeuten: Barmherzigkeit auch für Gleichgeschlechtliche, für Verhütende und für Konkubinatspaare. Doch das bleibt Utopie.

Eine strukturelle Frage ist, welche Befugnisse Franziskus den Bischöfen einräumt: Wird er die Bischofssynode, bisher reines Beratungsorgan des Papstes, zu einem von der Kurie unabhängigen Instrument der Kirchen­leitung aufwerten? Vorauseilender Beifall wäre verfehlt. Selbst wenn sich die Synode zu einer Pastoral der Barmherzigkeit für Wiederverheiratete durchringen sollte, wäre das nur ein Schritt in die richtige Richtung. Eine Revolution aber ist das so wenig wie der Umstand, dass Franziskus an der Synode rund ein Dutzend Frauen teilnehmen lässt: als Zuhörerinnen, nicht aber als stimmberechtigte Mitglieder. Letzteres sind nur die Bischöfe und Kardinäle, die 191 «Synodenväter». Die Kirche bleibt also im Dorf.

 (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
(Erstellt: 02.10.2014, 19:55 Uhr)
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Synode: „Großherzig, in wahrer Freiheit und in demütiger Kreativität“



 Mit einem feierlichen Pontifikalamt im Petersdom ist am Sonntag die Sonderversammlung der Bischofssynode eröffnet worden. Zwei Wochen lang debattieren die Synodenteilnehmer über die „Pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“.

Im Petersdom konzelebrierten die 191 Synodenteilnehmer: Das sind die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, die Patriarchen und einige Kurienkardinäle. Außerdem dabei eine ganze Reihe von Ehepaaren und anderen Experten, insgesamt 62 weitere Teilnehmer, die vom Papst zur Synode eingeladen worden waren.

In seiner Predigt forderte der Papst zu Großherzigkeit und demütiger Kreativität auf. Mit Blick auf das Sonntagsevangelium von den Arbeitern im Weinberg sagte er, die Bischöfe dürften nicht den Fehler machen, den Weinberg als ihr Eigentum zu betrachten und ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Gott habe einen eigenen Traum mit seinem Volk, der nicht durch die Habgier und Herrschsucht der Hirten durchkreuzt werden dürfe. Die schlechten Hirten legten den Menschen unerträgliche Lasten auf, die selber noch nicht mal mit einem Finger bewegen könnten.

„Die Synodenversammlungen sind nicht dazu da, schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist… Sie sind dazu da, den Weinberg des Herrn besser zu pflegen und zu hüten, an seinem Traum, seinem Plan der Liebe für sein Volk mitzuarbeiten. In diesem Fall verlangt der Herr von uns, uns um die Familie zu kümmern, die von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil seines Liebesplans für die Menschheit war.“

Auch für die Bischöfe könne es die Versuchung geben, aus Gier, die in uns Menschen immer vorhanden ist, den Weinberg „an sich zu reißen“.

„Der Traum Gottes kollidiert stets mit der Heuchelei einiger seiner Diener. Wir können den Traum Gottes „vereiteln“, wenn wir uns nicht vom Heiligen Geist leiten lassen. Der Geist schenkt uns die Weisheit, die über die Lehre hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten.“

Franziskus rief zur Einheit unter den Bischöfen auf:

„Liebe Mitbrüder in der Synode, um den Weinberg gut zu pflegen und zu hüten, ist es nötig, dass unsere Herzen und unsere Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus bewahrt sind durch den »Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt« (Phil 4,7). So wird unser Denken und Planen mit dem Traum Gottes übereinstimmen: sich ein heiliges Volk heranzubilden, das ihm gehört und die Früchte des Reiches Gottes bringt (vgl. Mt 21,43).“






Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/10/05/synode:_%E2%80%9Egro%C3%9Fherzig,_in_wahrer_freiheit_und_in_dem%C3%BCtiger_kreativit%C3%A4t%E2%80%9C/ted-829249
des Internetauftritts von Radio Vatikan
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Ist die Botschaft Christi kein “ehernes Gesetz”?
Veröffentlicht: 6. Oktober 2014 | Autor: Felizitas Küble | Abgelegt unter: KIRCHE + RELIGION aktuell | Tags: Christus, Ehe-Lehre, ehernes Gesetz, Familiensynode, Kardinal Burke, Kardinal Gerhard Müller, Kardinal Kasper, Kirche |5 Kommentare
Von Felizitas Küble
 
Der Deutschlandfunk zitiert am heutigen Montag, den 6. Oktober, Kardinal Walter Kasper in einem aktuellen Artikel zur römischen Familiensynode, der Papst betone angeblich “immer wieder”,  dass die “kirchliche Lehre das Evangelium ist, eine frohe Botschaft, und kein ehernes Gesetz.”   

Kasper bezieht sich dabei auf die kirchliche Ehelehre, die er hinsichtlich der Sakramentenpastoral “reformieren” will, so daß ggf. auch geschieden “Wiederverheiratete” zum Tisch des HERRN gehen könnten.
 

Kardinal Raymond Burke hat bereits in der vergangenen Woche öffentlich beanstandet, daß Kardinal Kasper sich bei seinen Wortmeldungen ständig auf den Papst beruft; schließlich sei der Pontifex nicht stumm und könne für sich selber sprechen.

Zudem sei die Kirche  – so Kardinal Burke  –  in ihrer Verkündigung an die Botschaft Christi gebunden, die sie nicht willkürlich ändern könne.  Näheres dazu HIER.
 

Laut “Washington-Post” bezeichnete Kardinal Kasper die wachsende innerkirchliche Kritik an seinen Thesen als “Ideologie”, wobei das Evangelium “wie eine Art Strafgesetzbuch verstanden” werde. Dies sei  – so Kasper  – “ein theologischer Fundamentalismus, der nicht katholisch ist“.
 
Ansichten von Konservativen verzerrt dargestellt
 
Mit solchen Äußerungen versucht der “Reformer” und frühere Theologieprofessor aus Tübingen, die Standpunkte seiner Kritiker verzerrt darzustellen, um sie so der allgemeinen Ablehnung preiszugeben. Wer wird ihm nicht gerne zustimmen, daß das Evangelium kein “Strafgesetzbuch” sei?
 

Allerdings haben das die theologisch konservativen Kardinäle wie Müller, Burke, de Paolis oder Pell auch gar nicht behauptet. Sie wollen aber “in der Wahrheit Christi bleiben”, wie der neue Buchtitel heißt, in dem sich führende Würdenträger für die Unauflöslichkeit der Ehe mit allen (theo-)logischen Konsequenzen aussprechen.
 
Der US-amerikanische Kardinal Raymond Burke (siehe Foto) stellte jetzt gegenüber dem „Catholic News Service“ hinsichtlich der Reformvorschläge Kardinal Kaspers erneut fest:
 
„Ich sehe nicht, wie  dies vorangetrieben werden könnte, wenn wir die Worte unseres HERRN im Matthäusevangelium ernst nehmen, wonach ein Mann Ehebruch begeht, wenn er sich von seiner Frau trennt und eine andere heiratet“ (vgl. Mt 19).
 
Der Präfekt des höchsten vatikanischen Gerichtshofes (Signatura Apostolica) fügte hinzu: „Wer in einer ehebrecherischen Verbindung lebt, kann daher nicht zu den Sakramenten zugelassen werden, bis die Situation bereinigt ist.“
 
Die heutige liturgische Tageslesung der kath. Kirche stammt aus dem Brief des hl. Paulus an die Galater (1,6 ff). Dort heißt es u.a.:
 
“Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht. Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen oder um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Wollte ich den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Diener Christi.”
 
Und die heutige Tageslesung aus dem AT (Psalm 111) verkündet: “Gottes Gebote stehen fest für immer und ewig.”

Erinnert sei auch an die klare Aussage des HERRN: “Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.”
 
Offenbar ist die Botschaft Christi eben doch ein “ehernes Gesetz” und keineswegs den Wünschen des jeweiligen Zeitgeistes unterworfen.
 
“Christus entfernt nicht die Kreuze aus unserem Leben”
 
Dies stellte auch der römische Glaubenspräfekt Gerhard Müller (siehe Foto) erneut klar – und zwar in einer Predigt Ende September in der spanischen Stadt Cordoba:

“Wir können das Evangelium und die Tradition ‘dekonstruieren’’und sie nach den Vorstellungen der heutigen Welt neu zusammenbauen, ihre Anforderungen leicht machen und sie an den brüchigen, oberflächlichen, unreifen und postmodernen Menschen anpassen.”
 
Wenn wir uns aber “der Möglichkeit entziehen, unser Leben mit dem göttlichen Wort zu konfrontieren, verlieren wir auch die Chance, die wahre Glückseligkeit zu erfahren, die Christus bringt”, warnte der vatikanische Kardinal.
 
Christus sei nicht gekommen, um die Kreuze aus dem Leben der Menschen zu entfernen, sondern “uns zu ermutigen, stets den Willen Gottes zu erfüllen”, erklärte er weiter.
 

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.
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Erste Synodenberatungen über Barmherzigkeit, Respekt und Naturrecht



  Die Versammlung der Bischofssynode nimmt Fahrt auf: Ab Montagmittag sind die Synodenteilnehmer an der Reihe, ihre Beiträge vorzutragen, sie haben jeweils vier Minuten und sind gehalten, möglichst frei zu sprechen. Unser Redaktionsleiter Pater Bernd Hagenkord, der den Beratungen der Synode hinter verschlossenen Türen folgt, fasst einige Eindrücke von Montagnachmittag und Dienstagmorgen für uns zusammen.

Das grundlegende Kapitel des Willens Gottes für die Familie war das Thema des Montagnachmittages; die Themen sind nach dem Vorbereitungsdokument geordnet, für jede Generalversammlung gibt es einen neuen Schwerpunkt. Immer wieder wurde in dieser Auftakt-Session betont, dass die Familie die Zelle der Gemeinschaft sei, der Gesellschaft, und damit auch der christlichen Kirche. Ihr komme deswegen eine grundlegende Bedeutung zu. Deswegen müsse sie auch in sozialen Zusammenhängen betrachtet werden, nicht als isolierte Größe. Sie sei der privilegierte Ort, wo nicht Konsum und Nutzen, sondern allein menschliche Beziehungen, Liebe und Hingabe zählten.

Worte und Zeugnisse

Mehrere Teilnehmer sprachen davon, dass die Sprache der Kirche nicht mehr gehört werde, und wenige würden ihre Ehe und Familie so beschreiben, wie die Kirche das tue. Um verstehbar zu sein, müsse man zunächst einmal zuhören. Das Konzil habe das vorgemacht: ehrliches, aber auch kritisches Hinhören. Wenn die Kirche der Welt nicht zuhöre, dann höre auch die Welt der Kirche nicht zu. Sprache sei aber nicht alles, fügte ein weiterer Synodenvater an: Wie Paul VI. es ausgedrückt habe, der moderne Mensch höre viel eher auf ein Zeugnis denn auf Worte. Deswegen seien es auch vor allem die Familien selbst, die zeigten, was eine christliche Familie sein könnte. Daneben brauche es eine verstärkte Katechese, die weniger theologisch und mehr biblisch geprägt sei.

Einige Male genannt wurden auch die Unterschiede zwischen der modernen Kultur mit ihrem Individualismus und Säkularismus - keineswegs ein rein westliches Problem - und den Werten des Evangeliums. Auf der einen Seite gelte es hier, die eigenen Werte hoch zu halten. Man müsse aber auch in der modernen Kultur das Positive sehen, etwa die Würde von Mann und Frau, die Ablehnung von Gewalt und den Respekt vor Kommunikation.

Ein wichtiger Begriff war von Anfang an die Barmherzigkeit. Die Ehe bleibe ein unauflösliches Sakrament, aber die Barmherzigkeit liefere einen Schlüssel, wie die Gebote zu verstehen seien, sagte ein Teilnehmer. Es gehe nicht um eine Sammlung von Regeln, sondern um die Liebe Christi, die sich zeige. Das gelte es mehr herauszustellen, auch in der pastoralen Praxis.

Respekt

Ein Vorschlag lautete, nicht-sakramentalen Ehen, also stabile nBeziehungen und anderen Formen des Zusammenlebens, mit mehr Respekt zu begegnen. Wenn Treue und Liebe gelebt würden, dann sollte zunächst das Gute daran wertgeschätzt werden. Außerdem brauche es eine vermehrte Wertschätzung der Sexualität in der Ehe: Man spreche viel zu sehr über außerehelichen Geschlechtsverkehr.

Naturrecht

Der Dienstagmorgen begann dann mit dem Gebet - der Terz - und der Erzählung eines Ehepaares über ihre Erfahrungen in der Familienpastoral: Beides, Gebet und Erzählung, brachten Fokus in die Beratungen.

Das erste Thema an diesem Dienstag war die Frage nach dem Naturrecht: Es gehöre zum Glauben dazu, wenn der Glaube seine Verbindung mit der Vernunft nicht aufgeben wolle. Naturrecht, darunter versteht man ganz allgemein gesagt die Tatsache, dass aus der Schöpfung, unserer Natur, moralische Folgen entstehen. Zum Beispiel daraus, dass der Mensch als Mann und Frau geschaffen ist. Die Vernunft kann dem nachgehen, auch ohne den Glauben. Naturrecht bilde so eine Brücke zu Andersglaubenden und Nichtglaubenden. Dieses Fundament war das Thema, um das die Beiträge dieses Morgens kreisten.

Aber auch das ist nicht einfach eine theologische Größe, Familie ist auch eine historische Größe, wie ein Teilnehmer sagte. Man dürfe sie in den Beratungen nicht nur abstrakt betrachten. Ehe sei außerdem nicht nur die Eheschließung, wie das Kirchenrecht und die Liturgie es nahelegten, sondern wenn sie Zeugnis sein wolle, müsse man die gesamte Wirklichkeit sehen. Ehe sei ein Weg und kein Zustand.

Ein wichtiger und oft genannter Punkt: Die Ehe-Vorbereitung. Für das Ordensleben oder als Priester werde man lange vorbereitet, wenn die Ehe ein Sakrament sei, brauche es hier neue Ideen und pastoralen Einsatz. Und: Wenn die Lehre der Kirche vom Leben handle, dürfe Verkündigung nicht nur als Regeln wahrgenommen werden. Mehrfach also die Aufforderung, die Sprache und vielleicht sogar den Fokus des Sprechens von der Familie zu ändern.

Die meisten Wortmeldungen hielten sich an die vorbereiteten Statements, Zeichen sorgfältiger Vorbereitung. Es wurde offen gesprochen, die Schwierigkeiten für Familien kamen klar zur Sprache: Armut, Migration, Gewalt, Ausbeutung des Menschen, die individualistischen Vorstellungen vom Menschen, aber auch die Frage nach wiederverheirateten Geschiedenen und die Frage, ob Jesus mit seiner Aussage, was Gott verbunden habe, dürfe der Mensch nicht trennen, wirklich Autorität zum Ausschluss gegeben habe - das alles wurde besprochen. Die Erfahrungen verschiedener Kulturen kamen dabei zur Sprache, Familie sieht nicht überall gleich aus und ist nicht überall den gleichen Gefahren und Herausforderungen ausgesetzt.

Einige Male wurde bereits jetzt auf die Zeit nach der Synode, auf das Jahr der Vorbereitung bis zur kommenden Synode vom Oktober 2015, hingewiesen. In diesem Sinn weisen die Beratungen bereits jetzt über sich hinaus.

Aus der Synodenaula Pater Bernd Hagenkord für Radio Vatikan.





Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/10/07/erste_synodenberatungen_%C3%BCber_barmherzigkeit,_respekt_und_naturrecht/ted-829624
des Internetauftritts von Radio Vatikan
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Synodenväter sprachen über Familienpastoral



 Verschiedene pastorale Aktivitäten zum Thema Familie, und die Herausforderungen, vor denen die Familienpastoral heute steht: Das waren die Themen der beiden vergangenen Generalversammlungen vom Dienstag Nachmittag und Mittwoch Morgen (letztere wegen der Generalaudienz in Abwesenheit des Papstes). Die Herausforderungen für die Familienpastoral waren auch am Montag und Dienstag schon immer wieder benannt worden: Armut, Migration, Emigration, Gewalt in verschiedensten Formen, Christenverfolgung, moderne Lebens- und Arbeitsbedingungen, Polygamie, Sekten, Prostitution, Menschenhandel, Machismo und die Einflüsse der modernen Welt mit ihren Individualismen und Materialismen, sie wurden immer wieder vor allem aus der pastoralen Praxis heraus ausführlich behandelt, und sie bildeten das Schwergewicht der Beratungen.

Zum ersten Mal in mehreren Beiträgen war auch das Ehenichtigkeitsverfahren der Kirche Thema; es könne keine Lösung für alle Probleme sein, aber für die Paare, die das betrifft, wäre es eine große Hilfe und für die Kirche eine Notwendigkeit, wenn diese Verfahren, die eine Ehe für ungültig erklären und so eine sakramentale Ehe möglich machen, vereinfacht und verkürzt würden. Dorthin gehört auch die Frage, wie mit der Frage der kirchlichen Rechtsprechung im Rahmen der Ökumene, vor allem mit der Orthodoxie, umgegangen wird: Verschiedene Kirchen kennen verschiedene kirchenrechtliche Regeln, das schaffe einerseits Verwirrung, andererseits Reibungen, weil Ehen und Familien verschiedener Konfessionen sozusagen dazwischen stehen.

„Wir können doch gar nicht zurück“

Die Synodenteilnehmer berichteten immer wieder aus ihrer eigenen Praxis, von pastoralen Initiativen in den Bistümern oder Gebieten der Bischofskonferenz. Besonders traten dabei Aktionen hervor, die nicht für, sondern von Familien getragen werden. So etwa Verbände oder Gemeinschaften von Ehepaaren, die anderen Ehepaaren helfen. Solche Initiativen gelte es zu fördern, war der Tenor.

Was auch deutlich wurde bei den Beratungen, war die unterschiedliche Bewertung des modernen Freiheitsbegriffes. Sehen ihn einige als Ausdruck der Gottesebenbildlichkeit und damit als etwas Gutes, sehen ihn andere als Einfallstor für die Menschen gefährdende Ideologien. In einigen Staaten auf der Erde versuchten Regierungen, über Gesetzgebung den Begriff von „Familie“ zu ändern, das sei Ausdruck dieser Ideologien, die durch das Tor dieser falsch verstandene Freiheit einfielen. Aber wir könnten doch gar nicht zurück, hieß es von den Vertretern der ersten Linie, die Sehnsucht nach einer Vergangenheit helfe nicht weiter, die Kirche müsse die positiven Seiten schätzen und prägen lernen.

Ein weiteres Thema war der scheinbare Gegensatz von Pastoral und Lehre. Im Vorfeld der Versammlung der Bischofssynode war immer wieder gesagt worden, man wolle die Lehre nicht verändern, sondern pastoral sein. Dazu hieß es, dass die Lehre Ausdruck des Willens und Auftrages Jesu sei, nichts was die Kirche sich erschaffen habe. Ein weiterer Kommentar betonte, die Lehre müsse sich entwickeln.

Eine ganze Reihe weiterer Themen möchte ich an dieser Stelle nur anreißen, um die Bandbreite dessen anzudeuten, was genannt wurde: Die Frage der Verbindung der Glaubensschwäche der Moderne und der Abnahme stabiler Ehen; Familie als Hauskirche; die Lehre Jesu über die Familie; geschiedene Wiederverheiratete; die Evangelisierung und immer und immer wieder die Ehevorbereitung.

Wenig Idealisierung, große Bandbreite

Die Synodenteilnehmer zeigen einen großen Realismus, wenn es um das Thema Ehe und Familie geht, da ist wenig Idealisierung. Gleichzeitig hört man viel Positives, viel Hoffnung, um es geistlich auszudrücken. Realismus und Hoffnung, mit diesen beiden Worten lassen sich die Beratungen an diesen beiden Tagen gut charakterisieren.

Die Stimmung ist ruhig und ohne Druck - sicherlich auch ein Ergebnis der Entscheidung, nicht eine, sondern zwei Synoden samt einem Jahr Zwischenzeit zu haben, darüber zu sprechen. So nehmen sich die Teilnehmer Zeit, Erfahrungen zu sammeln, aus ihren Kirchen zu berichten, zu reflektieren und zu sprechen. Noch greift die Dynamik einer Beratung in Gruppen nicht, aber das wird sicherlich in der kommenden Woche in den Kleingruppen kommen. Bisher zeigt sich die große Breite der Erfahrungen und Reflexionen zum Thema Pastoral und Familie.

Aus der Synodenaula Pater Bernd Hagenkord für Radio Vatikan.








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Kardinal Müller wünscht Offenheit für die Synode: “Gläubige haben ein Recht darauf”
Veröffentlicht: 9. Oktober 2014 | Autor: Felizitas Küble | Abgelegt unter: GLAUBENSPRÄFEKT Gerhard Müller | Tags: Familiensynode, Geheimhaltung, Kardinal Gerhard Müller, Medien, Offenheit |Hinterlasse einen Kommentar
Manche wissen es nicht, aber die Geheimhaltung bei der laufenden Synode in Rom, welcher Bischof was gesagt hat, sorgte nicht nur für Unmut bei Journalisten. Auch Kirchenexperten haben darauf hingewiesen, dass dies im Gegensatz zum Verfahren bei früheren Synoden steht. 

Das von Papst Franziskus ausdrücklich gewünschte “offene Wort” ist also nur teilweise ernst zu nehmen. In der “Tagespost” schrieb Guido Horst treffend dazu: “Die vatikanische Informationspolitik ist so gestaltet, dass niemand versteht, was in der Synodenaula wirklich vor sich geht”.
 
Warum darf ausgerechnet bei dieser Synode niemand draußen erfahren, welcher Bischof was gesagt hat? 

In diesem Zusammenhang ist ein aktuelles Interview mit Kardinal Müller (siehe Foto), dem Präfekten der Glaubenskongregation, sehr aufschlussreich:

Er sprach sich nämlich ausdrücklich dafür aus, die Stellungnahmen der einzelnen Bischöfe zu veröffentlichen, weil die Gläubigen das Recht hätten, den Standpunkt ihres Bischofs zu kennen. Das zeigt, dass auch im Vatikan nicht alle Leute mit der jetzigen Regelung glücklich sind.
 
Quelle und vollständiger Text hier: http://kreuzknappe.blogspot.de/2014/10/kardinal-muller-schiet-jetzt-im.html
 


Aus der Synodenaula: Wiederverheiratete Geschiedene und die Kommunion



 Pater Bernd Hagenkord bietet einen Blick hinter die Kulissen der Bischofssynode und der diskutierten Themen von Mittwochabend und Donnerstagvormittag. Aus der Synodenaula für Radio Vatikan:

„Pastoral-schwierige Situationen“ - Unter dieser Überschrift finden sich all die Fragen aus der Praxis, die bereits im Vorfeld der Versammlung der Bischofssynode, wie auch in den Medien besondere Aufmerksamkeit gefunden haben und weiterhin finden. Das Vorbereitungsdokument Instrumentum Laboris nennt in diesem Kapitel die wiederverheirateten Geschiedenen und ihr Zugang zu den Sakramenten, nichteheliche Lebensgemeinschaften, ledige Mütter, dann aber auch die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Die Liste der Wortmeldungen war so lang, dass sowohl der Mittwochnachmittag als auch der Donnerstagvormittag diesem Feld gewidmet waren.

Wiederverheiratete Geschiedene
Bereits bei der Kardinalsversammlung im Februar dieses Jahres hatte auf Bitten des Papstes Kardinal Walter Kasper einen Vortrag gehalten, in dem er die Frage nach der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten aufgeworfen hatte. Hierbei geht es um Vergebung und die Botschaft des Evangeliums, aber auch um die Glaubwürdigkeit dessen, wofür die Kirche einsteht.

Viele Beiträge bezogen sich auf diese Problematik, der wiederverheirateten Geschiedenen. Es gab kaum einen Beitrag an diesem Donnerstagmorgen, der nicht auf irgendeine Weise Bezug darauf nahm. Einige Wortmeldungen bezogen sich direkt auf die von Kardinal Kasper gestellte Frage. Spirituelle Kommunion, also das Mitfeiern der Messe ohne den Empfang der Eucharistie, wurde debattiert, und verschiedene pastorale Konzepte der Begleitung angesprochen und empfohlen, vor allem dort, wo sich Betroffene untereinander helfen und begegnen können. Immer wieder wurden auf andere kulturelle und religiöse Kontexte hingewiesen, auf Ökumene vor allem mit der Orthodoxie, auf interreligiöses Zeugnis und traditionelle vorchristliche Kulturen und ihr Eheverständnis. Andere Religionen erwarten von Christen Klarheit.
Es gab aber auch bemerkbare Ablehnung im Zuge des heutigen Treffens: Die Medizin sei schlimmer als die Krankheit, sagte ein Synodenteilnehmer. Ein Thema, das offen ist und offen bleibt; allein das ist schon ein Erfolg der Synode, wie es ein Teilnehmer formulierte.

Ehenichtigkeitsverfahren
Eine sehr technische Frage, denn sie betrifft nicht immer einfach zu verstehende kirchenrechtliche Fragen, ist das Ehenichtigkeitsverfahren. Von vielen wurde das Verfahren als zu kompliziert wahrgenommen, zu umständlich und lang. Die Vorschläge zur Änderung reichten von der Einführung schnellerer mündlicher Verfahren bis hin zum Wegfall der zweiten Instanz. Bislang braucht eine Ehenichtigkeit zwei übereinstimmende Urteile. Man könnte auch mehr Richter beschäftigen, etwa qualifizierte Laien und vieler mehr. Dagegen standen aber Argumente, dass gerade die Komplexität sicher stelle, dass es nicht zu einer verkappten „katholischen Scheidung“ komme und dass nach der Wahrheit, nicht nach schnellen Lösungen gesucht werde, immerhin ginge es um ein Sakrament. Papst Franziskus hatte direkt vor der Synode eine Kommission einberufen, die genau diese Fragen studieren soll. Dafür bietet die Synodenversammlung viel Material.

Neben den Themen des Ehenichtigkeitsverfahren und der wiederverheirateten Geschiedenen wurden Themen aufgegriffen, wie die immer wieder debattierten Polygamie, die Frage nach dem langen Zusammenleben vor der Ehe oder nach einer Pastoral für die Väter, nach gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und deren gesetzlicher Anerkennung .

Im Zuge der heutigen Versammlung wurden auch die dahinter liegenden Haltungen deutlicher: Man dürfe nicht in einen Legalismus verfallen, hieß es immer wieder. Teilweise wurden pastorale Erfahrungen als Argumente genützt, oft waren die Beiträge aber auch sehr technisch, vor allem wenn es um einzelne Canones des Kirchenrechtes ging. Aber genau hier entscheidet sich ja meistens die Praxis.

Armut
Immer wieder sehr deutlich und mit viel Engagement wurde die Frage der Armut genannt. Pastoral schwierige Situationen entstünden manchmal erst durch Armut, Ausbeutung, Migration und Ausbeutung. Eines der wichtigsten Themen der vergangenen Tage kehrte somit auch in diesen Generalversammlungen wieder.

Ein weites Feld, das engagiert debattiert wurde. Verstärkt lösen sich nun vor allem in der offenen Debatte die Beiträge vom Text und reagieren auf Vorredner. Die Diskussion wird offener, vor allem in der letzten Stunde am Abend, in der ohne vorbereitete Rednerliste auf Wortmeldung hin gesprochen wird. Es wurde kontrovers debattiert, ohne Polemik und respektvoll, aber durchaus klar und deutlich. Ein Zeichen dafür, dass die Aufforderung des Papstes, offen zu sprechen, als auch die Vertraulichkeit der Text-Beiträge Früchte trägt. Gleichzeitig wird aber schon jetzt klar, dass es keine schnelle Lösung für all diese Fragen geben wird, sondern dass die Kirche sicherlich das kommende Jahr brauchen wird, um all das in Breite und Tiefe aufzugreifen. Wie gesagt, dass die Frage gestellt und offen ist, ist schon ein gutes Ergebnis.

(rv 09.10.2014 ord)







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