Autor Thema: Warum rufen unsere Seelsorger uns nicht mehr zur Busse und Sühne auf?  (Gelesen 971910 mal)

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Evangelium nach Johannes 16,23b-28.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben.das wird er euch in meinem Namen geben.
Bis jetzt habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist.
Dies habe ich in verhüllter Rede zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in verhüllter Rede zu euch spreche, sondern euch offen den Vater verkünden werde.
An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten, und ich sage nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde;
denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, daß ich von Gott ausgegangen bin.
Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Bernhard von Clairvaux (1090 - 1153), Zisterziensermönch, Abt und Kirchenlehrer
Fastenpredigten Nr.5,5
„Wenn ihr meinen Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch geben“

Immer, wenn ich über das Gebet spreche, meine ich, in eurem Herzen - und auch in meinem herzen - ein paar menschliche Gedanken zu hören: Das habe ich schon oft gehört. Wie kommt es, dass wir, während wir nie aufhören, zu beten, es so selten erleben, dass die Frucht des Gebets erscheint? Wir haben den Eindruck, vom Gebet genauso zurückzukommen, wie wir hineingegangen sind; niemand antwortet uns ein Wort, keiner gibt uns etwas; wir scheinen uns vergeblich gemüht zu haben. Aber wie sagt der Herr im Evangelium? „Richtet nicht nach dem Augenschein, sondern fällt ein gerechtes Urteil" (Joh 7,24). Was ist ein gerechtes Urteil, wenn nicht das Urteil des Glaubens? Denn „der Gerechte lebt durch den Glauben" (Gal 3,11). Folge also dem Urteil des Glaubens mehr als deiner Erfahrung, denn der Glaube irrt nicht, während die Erfahrung in die Irre führen kann.


Und welches ist die Wahrheit des Glaubens, wenn nicht jene, die der Sohn Gottes selbst verspricht: „Was auch immer ihr im Gebet erbittet, glaubt nur, dass ihr es empfangen werdet, und es wird euch zuteil werden" (Markus 11,24). Dass also keiner von euch, Brüder, sein Gebet für etwas Geringes hält! Denn ich versichere euch, derjenige, an den es gerichtet ist, hält es nicht für etwas Geringes; noch bevor es unseren Mund verlässt, lässt er es in sein Buch schreiben. Ohne den geringsten Zweifel können wir sicher sein, dass Gott uns gibt, worum wir ihn bitten, oder er wird uns etwas geben, von dem er weiß, dass es vorteilhafter für uns ist. Denn „wir wissen nicht, wie wir beten sollen" (Röm 8,26), aber Gott hat Erbarmen mit unserer Unwissenheit und vergilt unser Gebet mit Güte... Also, „freu dich innig am Herrn, dann gibt er dir, was dein Herz begehrt"(Psalm 36,4).
Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit, in der Ruh!Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu.

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Evangelium nach Johannes 17,1-11a.
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.
Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.
Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.
Sie haben jetzt erkannt, daß alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.
Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, daß ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, daß du mich gesandt hast.
Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Benedikt XVI., Papst von 2005 bis 2013
Der Gott Jesu Christi (trad. Le Dieu de Jésus Christ, Fayard 1977, p. 17)
«Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart»

Was will das sagen, der Name Gottes? Im Buch der Apokalypse trägt das Tier, der Gegenspieler Gottes, nicht einen Namen sondern eine Nummer: 666 (Apg 13,18). Das Tier ist eine Nummer und macht zu Nummern. Was das bedeutet, das wissen wir, die wir die Erfahrung der Welt der Konzentrationslager gemacht haben; ihr Schrecken kommt gerade davon, dass man die Gesichter auslöschte… Er, Gott hat Namen und ruft mit Namen. Er ist Person und sucht die Person. Er hat ein Gesicht und sucht unser Gesicht. Er hat ein Herz und sucht unser Herz. Für ihn sind wir nicht bloß Funktionierende in der großen Maschinerie der Welt, sondern gerade jene, die keine Funktion haben, sind es, welche die Seinen sind. Der Name ist es, der es möglich macht, gerufen zu werden, Gemeinschaft zu haben.

Das ist der Grund, weshalb Christus der wahre Mose ist, die Vollendung der Namensbeziehung. Er kommt nicht, um als Namen ein neues Wort zu bringen. Er tut mehr: Er selbst ist das Angesicht Gottes; er selbst ist der Name Gottes. Er ist die Möglichkeit für Gott selbst, mit „du“ angerufen zu werden, als Person angerufen zu werden, als Herz. Sein Eigenname «Jesus» führt den geheimnisvollen Namen aus dem brennenden Dornbusch (Ex 3,14) zu seinem Ziel. Jetzt zeigt sich in aller Klarheit, dass Gott nicht aufgehört hat, zu sprechen; dass er seine Rede nicht vorläufig unterbrochen hat. Denn der Name Jesus enthält in seiner hebräischen Form das Wort «Jahwe» und fügt diesem noch etwas anderes hinzu «Gott rettet». Jahwe, das heißt «Ich bin der ich bin», will jetzt, also von Jesus an sagen: «Ich bin der, der euch rettet». Sein Sein ist Heil.
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Evangelium nach Johannes 16,29-33.
In jener Zeit sagten die Jünger zu Jesus: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen.
Jetzt wissen wir, daß du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, daß du von Gott gekommen bist.
Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt?
Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.
Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Rafael Arnáiz Barón (1911 – 1938), spanischer Zisterzienser
Geistliche Schriften, 20.01.1937
"Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt"

„(Der Knecht:) Mein Herr und Gott! Mir wird so klar, wie sehr ich Geduld benötige; denn mir begegnet im Leben viel Widriges. Was auch immer ich unternehme, um Frieden zu haben – Kampf und Schmerz bleiben mir im Leben nicht erspart.- (Der Herr:) Genauso ist es, mein Kind; aber es ist auch gar nicht mein Wille, dass du einen Frieden suchst, der keiner Versuchung ausgesetzt ist und keine Widerstände kennt. Gerade dann glaube den Frieden gefunden zu haben, wenn du durch vielerlei Trübsale und Prüfungen geläutert und erprobt wirst“ (Thomas von Kempten, Nachfolge Christi, 3. Buch, 12. Kapitel)...

Wie sehr täuschen wir uns manchmal, wenn wir den wahren Frieden, der aus Gott kommt, suchen! ... Denn wir suchen oft nicht den Frieden, der aus Gott kommt, sondern vielmehr einen Frieden, wie er in der Welt verstanden wird... Wenn die Welt auf die Suche nach Frieden geht, dann denkt sie an Stille, Ruhe, an Liebe ohne Leiden, die im Grunde verkappter Egoismus ist. Der Mensch sucht diesen Frieden, um sich wohlzufühlen, um nicht leiden zu müssen; er sucht einen Frieden nach menschlichem Maßstab, einen gefühlsbetonten Frieden, einen Frieden, den man sich vorstellt, wie ein in Sonne getauchtes Kloster, mit Zypressen und Vögelchen; einen Frieden ohne Versuchungen und ohne Kreuz...

Heute jedoch lobe ich aus dem Grunde meines Herzens diesen Gott, der mich dermaßen liebt... Er liebt mich mit meinem Schwächen, meinen Sünden, meinen Tränen und meiner Freude; er möchte mich in jenem Frieden wissen, von dem Thomas von Kempten [in seiner Nachfolge Christi] spricht... Wie groß ist Gott! Der Frieden in meiner Seele gleicht nun dem Frieden eines Menschen, der von niemanden etwas einfordert. Was eine solche Seele im Leben ersehnt, ist nur noch das Verlangen, in Übereinstimmung mit Seinem Willen zu leben; und dieses Verlangen ist ruhig und klar, voll Frieden trotz des Schmerzes, Gott noch nicht schauen zu können. Wenn wir bei Ihm am Kreuz stehen, werden wir oft bittere Tränen weinen. Denn dann merken wir, dass wir immer noch von unserem Eigenwillen beherrscht sind, unzählige Schwächen, Fehler, Sünden haben, und das kann uns nichts anderes als mit Reue erfüllen... Überall herrschen Kampf und Schmerz, doch Jesus befindet sich im Zentrum von allem, ans Kreuz festgenagelt, und er ermuntert die Seele, ihm nachzufolgen. Mitten in der Schlacht, die wir in der Welt zu bestehen haben, ist Jesus da, ganz ruhig und klar, der zu uns spricht: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen“ (Joh 8,12).
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Privatbotschaft der Muttergottes vom 2. Juni 2014 an die Seherin Mirjana Dragicevic-Soldo
„Liebe Kinder! Ich rufe euch alle und nehme euch als meine Kinder an. Ich bete, dass ihr mich annehmt und als Mutter liebt. Ich habe euch alle in meinem Herzen vereint, ich bin zu euch herabgestiegen und segne euch. Ich weiß, ihr wollt Trost und Hoffnung von mir, weil ich euch liebe und für euch fürspreche. Ich ersuche von euch, dass ihr euch mit mir in meinem Sohn vereint und meine Apostel seid. Damit ihr das könnt, rufe ich euch von neuem auf, dass ihr liebt. Es gibt keine Liebe ohne Gebet – es gibt kein Gebet ohne Vergebung, denn die Liebe ist Gebet – Vergebung ist Liebe. Meine Kinder, Gott hat euch geschaffen, um zu lieben, ihr aber liebt, um zu vergeben. Jedes Gebet, das aus Liebe kommt, vereint euch mit meinem Sohn und mit dem Heiligen Geist; der Heilige Geist aber erleuchtet euch und macht euch zu meinen Aposteln, Apostel, die alles, was sie tun, im Namen Gottes tun werden. Sie werden mit Werken beten und nicht nur mit Worten, weil sie meinen Sohn lieben und den Weg der Wahrheit begreifen, der ins ewige Leben führt. Betet für eure Hirten, damit sie euch immer reinen Herzens auf dem Weg der Wahrheit und Liebe führen können, dem Weg meines Sohnes. Ich danke euch.“
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Evangelium nach Johannes 17,6a.11b-19.
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.
Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.
Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.
Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst.
Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.
Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.
Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.
Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Sel. Teresa von Kalkutta (1910-1997), Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe
Jesus, the Word to be spoken, ch. 12, 21-22
"Damit sie meine Freude in Fülle haben"

Jesus kann ganz und gar unsere Seele ausfüllen, sobald sie sich voll Freude ihm überlässt. „Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger“, pflegte Franz von Sales zu sagen. Die Hl. Teresa von Avila machte sich nur dann Sorgen um ihre Schwestern, wenn sie bemerkte, dass eine unter ihnen die Freude verlor.

Den Kindern, den Armen, allen, die leiden und einsam sind, schenkt ein frohes Lächeln; bietet ihnen nicht nur eure tatkräftige Hilfe an, sondern euer Herz. Möglicherweise werden wir nicht in der Lage sein, viel zu schenken, aber immer können wir die Freude verschenken, die aus einem Herzen strömt, was Gott liebt. Liebe ist sehr mitteilsam. Seid also voll Freude, wenn ihr mit Armen zusammen seid.
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Evangelium nach Johannes 17,20-26.
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.
Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind,
ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, daß du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich.
Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.
Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, daß du mich gesandt hast.
Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Theresia vom Kinde Jesu (1873-1897), Karmelitin, Kirchenlehrerin
Selbstbiographie, C, 34-35
„Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin“

Ich möchte dir sagen können, o mein Gott: „Ich habe dich auf Erden verherrlicht, ich habe das Werk vollendet, das zu vollbringen du mir aufgetragen hast; ich habe deinen Namen kundgetan denen, die du mir gegeben hast… Mein Vater, ich wünsche, dass, wo ich sein werde, auch diese mit mir seien, die du mir gegeben hast, und dass die Welt erkenne, dass du sie geliebt hast, so wie du mich selber geliebt hast“ (Joh 17,4f). Ja, Herr, das ist es, was ich dir nachsprechen möchte, bevor ich in deine Arme fliege. Ist es vielleicht Vermessenheit? Doch nein, seit langem hast du mir erlaubt, dir gegenüber kühn zu sein. Wie der Vater des verlorenen Sohnes zu seinem Ältesten, so sprachst du zu mir: „Alles, was mein ist, ist dein“ (Lk 15,31). Deine Worte, o Jesus, sind also mein, und ich kann mich ihrer bedienen, um auf die Seelen, welche eins sind mit mir, die Gunsterweise des himmlischen Vaters herabzuziehen…

Deine Liebe umsorgte mich seit meiner Kindheit, sie wuchs mit mir heran, und nun ist sie ein Abgrund, dessen Tiefe ich nicht auszuloten vermag. Liebe zieht Liebe an; darum, mein Jesus, stürzt die meine dir entgegen und möchte den Abgrund, der sie anzieht, ausfüllen. Aber ach, sie ist nicht einmal ein Tautropfen, verloren im Ozean! Um dich zu lieben, wie du mich liebst, muss ich mir deine eigene Liebe ausleihen, dann erst finde ich Ruhe. O mein Jesus, vielleicht ist es Täuschung, aber mir scheint, es sei nicht möglich, dass du eine Seele mit mehr Liebe erfüllst, als du die meine erfüllt hast. Darum wage ich dich zu bitten, jene, die du mir gegeben hast, so zu lieben, wie du mich selber geliebt hast. Wenn ich dann dereinst im Himmel entdecken sollte, dass du sie mehr liebst als mich, so will ich mich darüber freuen, und ich anerkenne schon jetzt, dass diese Seelen deine Liebe weit mehr verdienen als die meine. Hienieden aber kann ich mir keine größere Unermesslichkeit an Liebe vorstellen als jene, mit der es dir gefallen hat, mich umsonst, ohne jegliches Verdienst meinerseits, so verschwenderisch zu beschenken.

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Evangelium nach Johannes 21,1.15-19.
In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Augustinus (354 - 430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer
Predigt 46, über die Hirten, § 30
„Liebst du mich?“

Ich sehe alle guten Hirten in dem einen Hirten (Joh 10,14). Eigentlich sind die guten Hirten nicht mehrere; sie sind einer, in einem einzigen. Wenn es ihrer mehrere wären, wären sie voneinander getrennt,… Wenn der Herr seine Herde Petrus anvertraut hat, dann deshalb, weil er in ihm die Einheit zur Geltung bringen wollte. Die Apostel waren mehrere, aber nur zu einem von ihnen wird gesagt: „Weide meine Schafe“… Wenn Christus diesem einen seine Schafe wie einem „alter ego“ anvertraut hat, so wollte er wirklich mit ihm eins werden. Der Erlöser sollte das Haupt sein, Petrus sollte den Leib der Kirche (Kol 1,18) darstellen… Als er ihm seine Schafe anvertraute – was sagte er da zu Petrus, damit er sie nicht ungerührt in Empfang nähme? „Petrus, liebst du mich?“ Und Petrus erwiderte: „Ich liebe dich.“ Ein zweites Mal: „Hast du mich lieb? Und wieder: „Ich liebe dich.“ Ein drittes Mal: „Hast du mich lieb?“ Und Petrus antwortet zum dritten Mal: „Ich liebe dich.“ Das bedeutete: die Liebe stark machen, um die Einheit zu sichern.

Jesus allein ist also der Hirte in seinen Hirten, und sie sind es nur in ihm… Nicht um Unheil anzukündigen, sagte Gott durch seinen Propheten: „Ich selber werde meine Schafe weiden“, so als hätte er niemanden, dem er sie anvertrauen könnte. Als Petrus noch am Leben war und die Apostel noch auf Erden weilten, sagte da dieser einzigartige Hirte, in dem alle Hirten vereint sind, nicht: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten?“ (Joh 10,16). Alle Hirten müssen sich also in dem einen Hirten finden; alle müssen nur mit seiner Stimme zu den Schafen sprechen… Alle müssen in voller Übereinstimmung mit ihm die gleiche Sprache sprechen. „Ich ermahne euch, Brüder, seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch“ (1 Kor 1,10). Diese Stimme, die keine Spaltung mehr kennt und frei ist von aller Häresie, sie muss von den Schafen gehört werden, damit sie dem Hirten folgen, der zu ihnen sagt: „Meine Schafe hören auf meine Stimme und folgen mir“ (Joh 10,27).



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Evangelium nach Johannes 21,20-25.
In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir! Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte,  diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?
Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?
Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, daß er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!
Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, daß er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?
Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist.
Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müßte.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Jean-Pierre de Caussade (1675 - 1751), Jesuit
Die Hingabe an die göttliche Vorsehung, Kap. 11, § 191 f
„Die ganze Welt könnte die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste“

Von Anbeginn der Welt lebt Jesus Christus in uns; unser ganzes Leben lang wirkt er in uns…; er hat in sich selbst ein nie endendes Leben begonnen und setzt es in seinen Heiligen fort… Wenn „die ganze Welt all das nicht fassen kann“, was man über Jesus schreiben könnte, über das, was er getan oder gesagt hat, über sein inneres Leben; wenn das Evangelium uns davon nur mit einigen wenigen Strichen berichtet; wenn die erste Stunde so unbekannt und fruchtbringend ist: wie viele Evangelien müssten geschrieben werden, um die Geschichte des mystischen Lebens Jesu Christi in jedwedem Augenblick festzuhalten, wodurch die Wunder ins Unendliche und ewig vervielfacht werden? Denn alle Zeiten sind eigentlich nichts anderes als eine Geschichte seines göttlichen Tuns. Der Heilige Geist ließ einige Augenblicke dieser ausgedehnten Zeitdauer durch Männer von tadellosem und unbestrittenem Charakter festhalten. Er ließ in der Heiligen Schrift einige Tropfen dieses Meeres sammeln; er ließ uns erkennen, auf welch geheime und unbekannte Art und Weise er Jesus Christus der Welt offenbart hat…

Der Rest der Geschichte dieses göttlichen Handelns, der in dem ganzen mystischen Leben besteht, das Jesus bis zum Ende des Zeiten in den heiligen Seelen führt, ist allein Gegenstand unseres Glaubens… Der Heilige Geist schreibt Evangelien nur noch in den Herzen; alles Tun, jeder Augenblick des Lebens der Heiligen ist Frohbotschaft des Heiligen Geistes; die heiligen Seelen sind das Papier, ihre Leiden und Taten sind die Tinte. Mit der Feder seines Handelns schreibt der Heilige Geist ein lebendiges Evangelium. Man wird es erst am Tag der Herrlichkeit lesen können oder es veröffentlichen: wenn es dem Druck des irdischen Lebens nicht mehr unterliegt.

Welch schöne Geschichte, welch schönes Buch der Heilige Geist jetzt schreibt! Es vergeht kein Tag, an dem nicht seine Buchstaben zusammengefügt werden, Tinte fließt, Bögen von Papier damit gefüllt werden. Wir jedoch sind in der Nacht des Glaubens: das Papier ist schwärzer als die Tinte…; es ist die Sprache der anderen Welt, für uns unverständlich. Wir können dieses Evangelium erst im Himmel lesen.
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La Salette 1846



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