Autor Thema: Warum rufen unsere Seelsorger uns nicht mehr zur Busse und Sühne auf?  (Gelesen 971570 mal)

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Antw:Warum rufen unsere Seelsorger uns nicht mehr zur Busse und Sühne auf?
« Antwort #152 am: 03. November 2013, 09:57:16 »
Evangelium nach Lukas 19,1-10.
Dann kam er nach Jericho und ging durch die Stadt.
Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein.
Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen mußte.
Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muß heute in deinem Haus zu Gast sein.
Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Paul VI., Papst und Bischof von Rom von 1963 - 1978
Generalaudienz vom 26.08.1970
„Zachäus wollte gerne sehen, wer dieser Jesus sei“

Die Menschen unserer Tage neigen dazu, Gott nicht mehr zu suchen… alles wird gesucht, nur Gott nicht. Man sagt: Gott ist tot, wir brauchen uns nicht mehr mit ihm zu befassen. Gott ist aber nicht tot. Er ist so vielen Menschen heutzutage verloren gegangen. Wäre es da nicht der Mühe wert, ihn zu suchen?

Nach allem wird gesucht: nach Neuem wie Altem, nach Schwierigem wie Unnützem, nach Gutem wie Schlechtem. Man könnte sagen, dass das moderne Leben durch diese Suche gekennzeichnet ist. Warum nicht Gott suchen? Ist er denn kein „Wert“, der unsere Suche verdient? Ist er denn keine Realität, die eine bessere Kenntnis fordert als es ein bloßer geläufiger Name tut? Eine bessere Kenntnis als das, was gewisse abergläubische und überspannte Formulierungen besagen, die wir entweder als falsch ablehnen müssen oder aber, weil sie nicht fehlerfrei sind, reinigen müssen? Eine bessere Kenntnis als die, die sich schon „informiert“ glaubt und dabei vergisst, dass Gott ein unaussprechliches Geheimnis ist, dass Gott für uns eine Frage des Lebens ist, des ewigen Lebens? (vgl. Joh 17,3). Ist Gott nicht, wie man sagt, ein „Problem“, das uns unter den Nägeln brennt, bei dem unser Denken, unser Gewissen, unser Schicksal auf dem Spiel steht, bei dem es unvermeidlicherweise eines Tages um unser persönliches Zusammentreffen mit ihm geht?

Und ist Gott vielleicht nicht verborgen, damit wir ihn suchen müssen? Ein spannendes, für uns entscheidendes Unterfangen? Und was, wenn Gott selber auf der Suche nach uns wäre?

Alles meinem Gott zu Ehren, in der Arbeit, in der Ruh!Gottes Lob und Ehr zu mehren, ich verlang und alles tu.

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« Antwort #153 am: 04. November 2013, 08:21:21 »
Evangelium nach Lukas 14,12-14.
Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten.
Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Theresia vom Kinde Jesu (1873-1897), Karmelitin, Kirchenlehrerin
Selbstbiographische Schriften C, 28 r-v
"Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten"

Ich habe etwas bemerkt, was ganz natürlich ist: dass Schwestern, die am heiligmäßigsten sind, am meisten geliebt werden. Man sucht das Gespräch mit ihnen, man leistet ihnen Dienste, ohne dass sie darum bitten… Die Unvollkommenen sind gar nicht gefragt. Was sie angeht, bewegt man sich zweifelsfrei innerhalb der Grenzen religiöser Höflichkeit; da man aber vielleicht Angst hat, keinen sonderlich freundlichen Ton ihnen gegenüber anzuschlagen, meidet man ihre Gesellschaft… Der Schluss, den ich daraus ziehe, ist folgender: Ich muss in der Rekreation, in der freiverfügten Zeit, die Gesellschaft derjenigen Schwestern suchen, die mir am wenigsten angenehm sind, ich muss bei den verletzten Seelen den Dienst des guten Samariters erfüllen.

Ein Wort, ein freundliches Lächeln reicht oft aus, um einen traurigen Menschen aufzuheitern. Ich möchte aber Liebe üben nicht nur, um dieses Ziel zu erreichen; denn ich weiß, dass ich bald entmutigt wäre. Ein Wort, das ich in bester Absicht gesagt habe, würde vielleicht falsch ausgelegt. Daher möchte ich, um meine Zeit nicht zu verschwenden, mit allen freundlich verkehren (und vor allem mit den am wenigsten liebenswerten Schwestern), um Jesus eine Freude zu machen und den Rat zu befolgen, den er im Evangelium etwa so formuliert: „Wenn du ein Essen gibst, so lade nicht deine Verwandten oder Freunde ein, sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Lade vielmehr die Armen, Krüppel und Lahmen ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Zu welchem Gastmahl könnte eine Karmelitin ihre Schwestern einladen, wenn nicht zu einem geistigen Mahl der liebenswerten und fröhlichen Barmherzigkeit?

Was mich betrifft, so kenne ich kein anderes Gastmahl, und ich möchte tun, was der hl. Paulus tat, der sich mit denen freute, die sich freuten. Er hat aber auch mit denen geweint, die traurig waren, und Tränen muss es auch bei dem Festmahl geben, das ich geben will. Immer aber will ich das Meine tun, dass sich Tränen in Freude verwandeln, denn der Herr liebt die, die Freude schenken.

(vgl. Lk 10,33; Lk 14,12-14; Mt 6,4-5; Röm 12,15; Joh 16,20; 2 Kor 9,7)
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« Antwort #154 am: 05. November 2013, 08:42:48 »
Evangelium nach Lukas 14,15-24.
Als einer der Gäste das hörte, sagte er zu Jesus: Selig, wer im Reich Gottes am Mahl teilnehmen darf.
Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein.
Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit!
Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muß jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich!
Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich!
Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen.
Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei.
Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz.
Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird.
Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Ambrosius (um 340 - 397), Bischof von Mailand und Kirchenlehrer
Kommentar zum Evangelium nach Lukas, 7, 200-203: SC 52
„Nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird“

Die zum Mahl geladenen Gäste lassen sich entschuldigen. Dabei ist das Reich Gottes für niemand verschlossen, es sei denn für den, der sich durch sein Wort selber ausschließt. Der Herr lädt in seiner Güte alle ein; aber aus Trägheit oder Unverstand bleiben wir fern. Wer es vorzieht, einen Bauernhof zu erwerben, für den ist kein Platz im Himmelreich: Zur Zeit Noachs wurden Käufer und Verkäufer durch die Flut vernichtet (Lk 17,26-28)… Das gilt auch für den, der sich entschuldigt, weil er gerade geheiratet hat; denn es steht geschrieben: „Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter und Frau gering achtet, kann nicht mein Jünger sein (Lk 14,26)“…

Nach der Zurückweisung durch die überheblichen Reichen hat sich Christus den Heiden zugewandt. Er lässt Gute wie Böse hereinkommen: die Guten, um sie größer werden zu lassen, die Bösen, um ihren inneren Zustand zu verbessern. Er lädt Arme, Kranke, Blinde ein – was uns zeigt, dass körperliche Gebrechen nicht vom Reich ausschließen…, oder dass durch Sünden verursachtes Siechtum durch die Barmherzigkeit des Herrn geheilt wird…

Er schickt also Leute aus, die auf Wegkreuzungen sich umsehen; denn „die Weisheit ruft laut auf der Straße“ (Spr 1,20). Er schickt sie auf die Marktplätze, denn er hat den Sündern sagen lassen, sie sollten die breiten Straßen verlassen, um den schmalen Weg finden zu können, der zum Leben führt (Mt 7,13). Er schickt seine Leute auf die Landstraßen, die Hecken entlang. Wer vorwärts eilt in Richtung künftiger Güter und sich nicht festhalten lässt von dem, was jetzt ist, und wer den Weg des guten Willens eingeschlagen hat – der hat die Fähigkeit, im Himmelreich anzukommen. Das gilt auch für solche, die Böses vom Guten abgrenzen können; wie man Felder durch eine Hecke voneinander abtrennt, so setzen sie der Versuchung zur Sünde den Schutzzaun des Glaubens entgegen.
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« Antwort #155 am: 06. November 2013, 08:16:04 »
Evangelium nach Lukas 14,25-33.
In jener Zeit als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte:
Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
Sonst könnte es geschehen, daß er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. José Maria Escriva de Balaguer (1902 - 1975), Priester, Gründer des Opus Dei
Homilie 01.02.1960 in Amigos de Dios, Kap. 4, 65-66
Einen Turm bauen

Ich stieg gerne (mit den jungen Leuten) auf einen der Türme der Kathedrale von Burgos und ließ sie den Dachfirst betrachten, ein wahres Spitzengewebe aus Stein, Ergebnis geduldiger und kostspieliger Arbeit. Im Lauf der Gespräche merkte ich ihnen gegenüber an, dass man das Wunderwerk von unten nicht sehen könne; und … fügte hinzu: Das ist die Arbeit für Gott, das ist Gottesdienst! Seine eigene Arbeit perfekt zu Ende führen, mit der Schönheit und Pracht dieser zarten Spitzen aus Stein. Da erkannten sie bei dem Anblick, der für sich selbst sprach, dass all das ein Gebet war, ein großartiges Zwiegespräch mit Gott. Diejenigen, die ihre Kräfte dieser Aufgabe widmeten, wussten sehr wohl, dass ihre Anstrengung von den Straßen der Stadt aus nicht gewürdigt werden konnte: sie galt einzig und allein Gott…

Wir sind überzeugt, dass Gott überall ist. So bestellen wir die Felder und loben den Herrn, wir durchpflügen die Meere und üben alle möglichen Berufe aus und preisen dabei seine Barmherzigkeit. So sind wir jeden Augenblick mit Gott verbunden… Vergesst aber nicht, dass ihr auch in der Gegenwart von Menschen lebt, die von euch – auch von dir – ein christliches Zeugnis erwarten.

Deshalb müssen wir, wenn wir unseren Beruf ausüben, also im menschlichen Alltag, uns so benehmen, dass wir nicht die Augen niederschlagen müssen und keinen Grund haben, uns zu schämen, wenn jemand, der uns kennt und liebt, uns bei der Arbeit sieht. Es wird uns nicht passieren, was dem Mann im Gleichnis passiert ist, der beschlossen hatte, einen Turm zu bauen. Als er das Fundament gelegt hatte, war er nicht mehr in der Lage, den Bau fertigzustellen, und alle, die ihm zusahen, begannen ihn zu verspotten und sagten: „Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.“ Ich versichere euch, dass ihr, wenn ihr das Übernatürliche nicht aus den Augen verliert, eure Arbeit krönen und eure Kathedrale fertigstellen könnt.
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« Antwort #156 am: 07. November 2013, 08:17:26 »
Evangelium nach Lukas 15,1-10.
In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und ißt sogar mit ihnen.
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, läßt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern,
und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.
Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.
Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet?
Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.
Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Ambrosius (um 340 - 397), Bischof von Mailand und Kirchenlehrer
Kommentar zum Evangelium nach Lukas, 7, 207-209
Die drei Gleichnisse über die Barmherzigkeit

Nicht ohne Grund hat uns der hl. Lukas drei aufeinander folgende Gleichnisse vorgelegt: das verlorene und wiedergefundene Schaf, die verlorene und wiedergefundene Drachme, der verlorene Sohn, der tot war und wieder ins Leben zurückkehrte. Wir sollen durch dieses dreifache Heilmittel ermutigt werden, unsere Wunden zu versorgen… Wer sind dieser Vater, dieser Hirte, diese Frau? Sind das nicht Gott Vater, Christus, die Kirche? Christus hat deine Sünden auf sich genommen und trägt dich in seinem Leib; die Kirche sucht dich; der Vater nimmt dich auf. Er bringt dich zurück wie ein Hirte; sucht dich wie eine Mutter; kleidet dich wie ein Vater. Zuerst Erbarmen, dann Hilfe, dann Versöhnung.

Jede Einzelheit passt zu jedem von ihnen: der Erlöser kommt zu Hilfe, die Kirche steht bei, der Vater versöhnt. Die Barmherzigkeit des göttlichen Wirkens ist immer dieselbe, aber die Gnade unterscheidet sich nach unseren Verdiensten. Das müde gewordene Lamm wird vom Hirten zurückgeholt, die verlorene Drachme wird gefunden, der Sohn kehrt um, zurück zu seinem Vater, mit tiefer Reue über seine Verirrung, die er nun von sich weist…

Freuen wir uns dann doch über dieses Schaf, das sich in der Gestalt Adams verirrt hat und von Christus auf die Schultern genommen wird. Die Schultern Christi, das sind die Querbalken des Kreuzes: hier habe ich meine Sünden abgeladen, auf dem edlen Galgen des Kreuzes habe ich geruht.
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« Antwort #157 am: 08. November 2013, 08:15:47 »
Evangelium nach Lukas 16,1-8.
In jener Zeit sagte Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.
Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.
Doch - ich weiß, was ich tun muß, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.
Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?
Er antwortete: Hundert Faß Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib «fünfzig».
Dann fragte er einen andern: Wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib «achtzig».
Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Hl. Theresia vom Kinde Jesu (1873-1897), Karmelitin, Kirchenlehrerin
Brief 142
Die Börse der Liebe

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken“, sagt der Herr (Jes 55,8). Verdienstvoll ist es nicht, viel zu tun oder viel zu geben, sondern viel anzunehmen, viel zu lieben. Es heißt, dass es seliger sei, zu geben als zu nehmen (Apg 20,35), und das stimmt auch. Wenn aber Jesus auch das Seligmachende des Gebens für sich in Anspruch nehmen will, wäre es nicht schön, nein zu sagen. Lassen wir ihn alles, was er will, nehmen und geben. Die Vollkommenheit besteht darin, seinen Willen zu tun; und den Menschen, der sich ihm ganz ausliefert, nennt Jesus selbst „Mutter, Schwester“ und seine ganze Familie (Mt 12,50). Und an anderer Stelle (Joh 14,23) sagt er: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen“. Wie leicht ist es doch, Jesus zu gefallen und sein Herz zu entzücken; man braucht ihn nur zu lieben, ohne auf sich selbst zu achten, ohne die eigenen Fehler einer allzu kritischen Prüfung zu unterziehen.

Deine Therese schwebt im Augenblick nicht über den Wolken; Jesus aber lehrt sie, aus allem, was sie in sich vorfindet, dem Guten wie dem Schlechten, Nutzen zu ziehen. Er lehrt sie, an der Börse der Liebe zu spielen; oder vielmehr: er spielt für sie, ohne ihr zu sagen wie; denn das ist seine Sache und nicht die Thereses; ihre Sache ist es, sich hinzugeben, ohne irgendeinen Vorbehalt, sogar ohne von der Freude zu wissen, wie viel die Börse ihr einbringt…

Die Seelenführer ermutigen allerdings dazu, Fortschritte in Richtung Vollkommenheit zu machen und lassen uns sehr viele tugendhafte Handlungen vollbringen; und sie haben Recht damit. Mein Seelenführer Jesus lehrt mich nicht, meine Handlungen zu zählen; er lehrt mich alles aus Liebe zu tun, ihm nichts zu verweigern, glücklich zu sein, wenn er mir eine Gelegenheit gibt, ihm zu beweisen, dass ich ihn liebe. Das alles aber geschieht ganz friedlich, indem ich mich ihm überlasse. Es ist Jesus, der alles macht; ich mache nichts.
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« Antwort #158 am: 09. November 2013, 10:42:28 »
Evangelium nach Johannes 2,13-22.
Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen.
Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um.
Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.
Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen läßt du uns sehen als Beweis, daß du dies tun darfst?
Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, daß er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Origenes (um 185 - 253), Priester und Theologe
Homilien zum Buch Josua, Nr. 9, 1-2; PG 12, 871-872
Ein lebendiger Stein sein

Wir alle, die wir an Christus Jesus glauben, werden nach den Worten der Schrift als „lebendige Steine“ bezeichnet: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, die durch Christus Jesus geistige Opfer darbringt, um Gott zu gefallen“ (1 Petr 2,5).

Was materielle Steine betrifft, wissen wir aber, dass darauf geachtet wird, für die Grundmauern zuerst die härtesten und widerstandsfähigsten Steine zu nehmen, damit man darauf vertrauen kann, dass sie das Gewicht des ganzen Gebäudes aushalten. Als nächstes verwendet man Steine von etwas weniger guter Beschaffenheit und setzt sie ganz nahe an die Steine des Fundamentes und so weiter, entsprechend der Festigkeit der Steine… bis zum Dach. Wir müssen erkennen, dass das auch für die lebendigen Steine gilt, von denen sich manche an den Grundmauern unseres geistigen Gebäudes befinden. Was sind das für Steine, diese Steine in den Grundmauern? „Die Apostel und Propheten“; so lehrt es Paulus im Epheserbrief (2,20): „Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut, der Schlussstein ist Christus Jesus selbst“.

Um dich, lieber Hörer, zum Bau dieses Gebäudes stärker zu motivieren, damit du ein Stein nahe am Fundament sein kannst, musst du wissen, dass Christus selbst das Fundament des Baues ist, den ich beschreibe. Das bestätigt der Apostel Paulus: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3,11). Selig sind also diejenigen zu nennen, die geistige und heilige Gebäude auf einem so edlen Grund gebaut haben.
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« Antwort #159 am: 10. November 2013, 10:13:58 »
Evangelium nach Lukas 20,27-38.
In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn:
Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterläßt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.
Da nahm sie der zweite,
danach der dritte, und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben.
Schließlich starb auch die Frau.
Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen.
Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.
Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind.
Daß aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.
Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.


Auszug aus der liturgischen Übersetzung der Bibel



Kommentar zum heutigen Evangelium :

Theodor von Mopsvestia (? - 428), Bischof und Theologe
Kommentar zum Evangelium nach Johannes, Buch 2; CSCO 116, S. 55-56
„Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden“

Adam ist die Grundlage unserer gegenwärtigen Beschaffenheit, Christus, unser Herr, aber die unserer zukünftigen. Wie Adam der erste sterbliche Mensch war und demzufolge seinetwegen alle sterblich sind, so ist Christus der erste von den Toten Auferstandene und hat den Keim der Auferstehung denen hinterlassen, die nach ihm kommen. Wir treten durch leibliche Geburt in dieses sichtbare Leben ein, und deshalb sind wir alle vergänglich; im zukünftigen Leben aber werden wir durch die Kraft des Heiligen Geistes umgestaltet werden, und deshalb werden wir als Unvergängliche auferstehen.

Das wird erst geschehen, wenn dieser Keim des Lebens sich entfaltet; schon jetzt aber wollte Christus, unser Herr, uns auf symbolische Weise in dieses neue Leben hineinversetzen, und zwar dadurch, dass er uns die Taufe gab als Neugeburt in ihm selber. Diese geistige Geburt ist schon die Vorabbildung der Auferstehung und der Wiedergeburt, die sich voll in uns verwirklichen können, wenn wir in jenes Leben hinübergehen. Deshalb wird die Taufe auch Wiedergeburt genannt…

Wenn der Apostel Paulus vom zukünftigen Leben spricht, möchte er seinen Zuhörern Mut machen, indem er sagt: „Nicht nur die Schöpfung, sondern auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unseren Herzen und warten auf die Erlösung unseres Leibes“ (Röm 8,23). Denn wenn wir auch schon jetzt als Erstlingsgabe den Geist haben, so erwarten wir doch, wenn uns das Glück der Auferstehung geschenkt wird, ihn in ganzer Fülle zu empfangen.
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La Salette 1846



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