Autor Thema: Wird die Bischofssynode nicht ein neues Schisma in der Kirche hervorrufen  (Gelesen 147351 mal)

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Antw:Wird die Bischofssynode nicht ein neues Schisma in der Kirche hervorrufen
« Antwort #80 am: 24. Dezember 2014, 08:24:54 »
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Die Liste der "15 Krankheiten der Kurie"

Papst Franziskus hat bei seiner jährlichen Weihnachtsbotschaft die Kurie seiner Kirche scharf kritisiert. Die Liste seiner 15 Kritikpunkte
 
22. Dezember 2014  17:25 Uhr 


Papst Franziskus hat vor der römischen Kurie die Verwaltungsspitze des Heiligen Stuhls deutlich kritisiert und Missstände angeprangert. Er hofft, dass diese 15 Punkte im nächsten Jahr beseitigt werden. Die Kurie leide dem Papst zufolge an folgenden Schwächen:   

1) Sich unsterblich, immun oder unersetzbar zu fühlen: "Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht selbst erneuert, die nicht versucht, sich selbst zu verbessern, ist ein kranker Körper".
 
2) Zu hart arbeiten: "Eine Rast ist für diejenigen, die ihre Arbeit getan haben, notwendig, gut und sollte ernst genommen werden".
 
3) Spirituell und geistig abzustumpfen: "Es ist gefährlich, diese menschliche Empfindsamkeit zu verlieren, die einen mit denen weinen lässt, die weinen, und mit denen feiern lässt, die fröhlich sind".
 
4) Zu viel planen: "Es ist nötig, gute Pläne zu machen. Aber verfallt nicht der Versuchung, die Freiheit des Heiligen Geistes einzuschließen oder zu dirigieren, denn er ist größer und großzügiger als jeder menschliche Plan".
 
5) Ohne Koordination zu arbeiten wie ein lärmendes Orchester: "Wenn der Fuß der Hand sagt: 'Ich brauche dich nicht' oder die Hand dem Kopf sagt: 'Ich habe das Sagen'".
 
6) "Spirituelles Alzheimer": "Wir sehen es in den Leuten, die ihr Zusammentreffen mit dem Herrn vergessen haben ... in jenen, die völlig auf ihr Hier und Jetzt, ihre Leidenschaften, Launen und Manien angewiesen sind; in jenen, die Mauern um sich bauen und sich von Götzen versklaven lassen, die sie mit ihren eigenen Händen erschaffen haben".
 
7) Sich in Rivalitäten zu verlieren und zu prahlen: "Wenn das eigene Aussehen, die Farbe der Gewänder oder Ehrentitel zu den wichtigsten Zielen im Leben werden".
 
8) Das Leiden an "existenzieller Schizophrenie": "Es ist die Krankheit jener, die ein Doppelleben führen. Ein Resultat der Scheinheiligkeit, die typisch ist für mittelmäßige und fortgeschrittene spirituelle Leere, die auch akademische Titel nicht füllen können. Es ist eine Krankheit, an der oft die leiden, die den Priesterdienst aufgegeben haben und sich auf bürokratische Aufgaben beschränken und dadurch den Kontakt mit der Realität und echten Menschen verlieren".
 
9) "Terror des Geschwätzes": "Das ist die Krankheit von Feiglingen, die nicht den Mut haben, direkt zu sprechen, sondern nur hinter dem Rücken von Leuten".
 
10) Verehrung der Vorgesetzten: "Das ist die Krankheit jener, die ihre Vorgesetzten hofieren und dafür auf deren Wohlwollen hoffen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus. Sie verehren Menschen, die nicht Gott sind".
 
11) Gleichgültigkeit gegenüber anderen: "Wenn man aus Neid oder Heimtücke Freude daran findet, andere fallen zu sehen, statt ihnen aufzuhelfen und sie zu ermutigen".
 
12) Eine Trauermine aufzusetzen: "Tatsächlich sind theatralischer Ernst und steriler Pessimismus oft Symptome von Angst und Unsicherheit. Der Jünger muss höflich, enthusiastisch und glücklich sein und Freude weitergeben, wo auch immer er hingeht".
 
13) Immer mehr zu wollen: "Wenn ein Jünger versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herz mit der Ansammlung materieller Güter zu füllen, nicht weil er sie braucht, sondern weil er sich dadurch sicherer fühlt".
 
14) Die Bildung "geschlossener Kreise", die stärker seien wollen als die Gemeinschaft: "Diese Krankheit beginnt immer mit guten Absichten, aber mit der Zeit versklavt sie ihre Mitglieder, indem sie zu einem Krebsgeschwür wird, das die Harmonie des Körpers bedroht und so viel Schaden verursacht – Skandale – besonders gegenüber unseren jüngeren Brüdern".
 
15) Das Streben nach weltlichen Profiten und die Prahlerei: "Das ist die Krankheit jener, die unersättlich sind in ihren Versuchen, ihre Macht zu vervielfachen, und dabei des Rufmords, der Diffamierung und der Diskreditierung anderer fähig sind – auch in Zeitungen und Magazinen – , natürlich um sich selbst als kompetenter als andere darzustellen".
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Antw:Wird die Bischofssynode nicht ein neues Schisma in der Kirche hervorrufen
« Antwort #81 am: 25. Dezember 2014, 10:33:40 »
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Lasse ich zu, dass Gott mich lieb hat?"

Christmette vom 24. Dezember 2014 im Petersdom

 














*** 
 
» Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf « (Jes 9,1). » Da trat der Engel des Herrn zu ihnen [den Hirten] und der Glanz des Herrn umstrahlte sie « (Lk 2,9). So stellt uns die Liturgie in dieser heiligen Weihnacht die Geburt des Heilands vor Augen: als Licht, das die tiefste Dunkelheit durchdringt und sie auflöst. Die Gegenwart des Herrn mitten in seinem Volk nimmt die Last der Niederlage und die Traurigkeit der Knechtschaft und schafft Freude und Glück.
 
Auch wir sind in dieser Heiligen Nacht durch die Finsternis, welche die Erde umhüllt, zum Haus Gottes gekommen, aber wir waren geleitet von der Flamme des Glaubens, die unsere Schritte erleuchtet, und beseelt von der Hoffnung, das „helle Licht" zu finden. Wenn wir unser Herz öffnen, haben auch wir die Möglichkeit, das Wunder jenes Kindes zu betrachten, das wie die Sonne aufstrahlt aus der Höhe und den Horizont erhellt.
 
Der Ursprung der Finsternis, von der die Welt umhüllt ist, verliert sich in der Nacht der Zeiten. Denken wir an den dunklen Moment zurück, in dem das erste Verbrechen der Menschheit begangen wurde, als Kain, blind vor Neid, seinen Bruder Abel erschlug (vgl. Gen 4,8). So war der Lauf der Jahrhunderte gezeichnet von Gewalt, Krieg, Hass und Unterdrückung. Gott aber, der auf den Menschen seine Erwartungen setzte – er hatte ihn ja als sein Abbild und ihm ähnlich erschaffen –, er wartete. Er hat so lange gewartet, dass er an einem bestimmten Punkt eigentlich hätte aufgeben müssen. Aber er konnte nicht aufgeben, er konnte sich selbst nicht verleugnen (vgl. 2 Tim 2,13). Deshalb hat er geduldig weiter gewartet angesichts der Korruption von Menschen und Völkern.
 
Den Weg der Geschichte hindurch offenbart uns das Licht, welches das Dunkel durchbricht, dass Gott ein Vater ist und dass seine geduldige Treue stärker ist als die Finsternis und die Korruption. Das ist die eigentliche Botschaft der Weihnacht. Gott kennt keinen Wutanfall und keine Ungeduld; er ist immer da, wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, in der Erwartung, von weitem die Rückkehr des Sohnes zu erkennen.
 
Die Prophetie des Jesaja kündigt den Aufgang eines gewaltigen Lichtes an, welches das Dunkel durchbricht. Es wird in Bethlehem geboren und aufgenommen von den liebevollen Händen Marias, der Liebe Josephs und dem Staunen der Hirten. Als die Engel den Hirten die Geburt des Erlösers verkündeten, sagen sie: » Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt « (Lk 2,12). Das „Zeichen" ist die bis zum Äußersten getriebene Demut Gottes; es ist die Liebe, mit der er in jener Nacht unsere Schwachheit, unser Leiden, unsere Ängste, unsere Sehnsüchte und unsere Grenzen angenommen hat. Die Botschaft, auf die alle warteten, das, wonach alle tief innerlich suchten, war nichts anderes als die Zärtlichkeit Gottes: Gott, der uns mit einem von Liebe erfüllten Blick anschaut, der unser Elend annimmt, Gott, der in unser Kleinsein verliebt ist.
 
Wenn wir in dieser Heiligen Nacht das Jesuskind betrachten, wie es gleich nach der Geburt in eine Futterkrippe gelegt wird, sind wir zum Nachdenken eingeladen. Wie nehmen wir die Zärtlichkeit Gottes an? Lasse ich mich von ihm erreichen, lasse ich mich umarmen oder hindere ich ihn daran, mir nahe zu kommen. „Aber ich suche doch den Herrn", könnten wir einwenden. Das Wichtigste ist allerdings nicht, ihn zu suchen, sondern zuzulassen, dass er mich findet und mich liebevoll streichelt. Das ist die Frage, die das Christuskind uns einzig mit seiner Gegenwart stellt: Lasse ich zu, dass Gott mich lieb hat?
 
Gehen wir noch einen Schritt weiter: Haben wir den Mut, mit Zärtlichkeit die schwierigen Situationen und die Probleme des Menschen neben uns mitzutragen, oder ziehen wir es vor, sachliche Lösungen zu suchen, die vielleicht effizient sind, aber der Glut des Evangeliums entbehren? Wie sehr braucht doch die Welt von heute Zärtlichkeit!
 
Die Antwort des Christen kann nicht anders sein als jene, die Gott angesichts unseresKleinseins gibt. Das Leben muss mit Güte, mit Sanftmut angegangen werden. Wenn wir uns bewusst werden, dass Gott in unser Kleinsein verliebt ist, dass er selbst sich klein macht, um uns besser zu begegnen, können wir nicht anders, als ihm unser Herz zu öffnen und ihn zu bitten: „Herr, hilf mir, wie du zu sein; gib mir die Gnade der Zärtlichkeit in den schwierigsten Lebensumständen; gib mir die Gnade, in jeder Not nahe zu sein, die Gnade der Sanftheit in welchen Konflikten auch immer".
 
Liebe Brüder und Schwestern, in dieser Heiligen Nacht betrachten wir die Krippe. Dort hat sich das ereignet: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht" (Jes 9,1). Das einfache Volk hat das Licht gesehen; jene, die bereit waren, die Gabe Gottes anzunehmen. Nicht gesehen haben es die Überheblichen, die Stolzen, diejenigen, die die Gesetze nach ihren persönlichen Maßstäben festlegen, die in ihrer Haltung verschlossen sind. Schauen wir auf die Krippe und bitten wir im Gebet die jungfräuliche Mutter: „O
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« Antwort #82 am: 30. Dezember 2014, 08:25:06 »
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Kardinal Burke äußert sich zur Familiensynode und zur katholischen Ehelehre
Veröffentlicht: 29. Dezember 2014 | Autor: Felizitas Küble
Ein (un)heimlicher “Krieg” im Vatikan?
 
Die französische Zeitung “Le Figaro” interviewte den US-amerikanischen Kurien-Kardinal Raymond Burke (siehe Foto). Genauer gesagt: der Vaticanist des “Figaro”, Jean Marie Guénois: hier klicken

Der Titel dieser Figaro-Ausgabe lautet übersetzt: “Der heimliche Krieg im Vatican  –  Wie Papst Franziskus die Kirche erschüttert”
 

Hier folgen Auszüge aus dem Interview mit dem theologisch konservativen Kardinal Burke:
 
Frage: Kann ein Kardinal uneins mit dem Papst sein?
 

 .
 
Kardinal Burke: Es ist sicher möglich, daß ein Kardinal mit dem Papst hinsichtlich des Procedere oder einer bestimmten pastoralen Ausrichtung nicht übereinstimmt. Andererseits ist es unmöglich, daß es eine Divergenz in Dingen der Doktrin und Disziplin der Kirche gibt. Das bedeutet, daß ein Kardinal – in bestimmten Situationen – die Pflicht hat, dem Papst zu sagen, was er wirklich denkt.


 .
 
Natürlich muß er sich immer respektvoll ausdrücken, weil der Papst das Petrinische Amt repräsentiert. Aber wenn der Papst Kardinäle um sich hat, ist es völlig in Ordnung, ihm Ratschläge zu erteilen.
 
 .
 
Frage: Ist den Differenzen bei der Synode zu viel Aufmerksamkeit gewidmet worden?
 
 .
 
Kardinal Burke: Was dabei seltsam ist: Daß jene, die das unterstützen, was die römisch-katholische Kirche schon immer gelehrt hat, beschuldigt wurden, gegen den Hl. Vater und nicht im Einklang mit der Kirche zu sein. Die Kirche hat immer theologische Dispute und starke Konfrontationen gekannt, in denen Theologen und Kardinäle ihre Meinungen vertraten…
 
Frage: Waren Sie über das, was bei der Synode passierte, geschockt?
 

Kardinal Burke: Die Synode war eine schwierige Erfahrung. Da gab es die Linie von Kardinal Kasper, hinter die sich jene gleichsam stellten, die die Synode leiteten. Tatsache ist, dass die “Relatio post disceptationem” bereits vor den Wortmeldungen der Synodenväter geschrieben worden ist  – und daß sie einer bestimmten einzelnen Meinung folgte, die die Kasper-These favorisierte.


Die Frage der Homosexualität wurde auch eingeführt, die in keinerlei Verbindung zur Ehefrage steht, um nach möglichen positiven Elementen zu suchen. Ein anderer sehr verstörender Punkt ist, dass die “Relatio post disceptationem” keinerlei Bezug zur Heiligen Schrift, zur Tradition der Kirche und nicht zur Lehre Johannes Pauls II über die ehelichen Liebe aufweist. Sie war daher sehr demotivierend.


Genauso wie die Tatsache, daß in der “Relatio Synodi” Paragraphen zur Homosexualität und den wiederverheirateten Geschiedenen verblieben sind, die keineswegs die erforderliche Stimmenmehrheit der Bischöfe erreicht hatten.
 .
 Frage: Was steht auf dem Spiel in dieser Kontroverse?
 
 .
 
Kardinal Burke: In einer Zeit voller Verwirrungen, wie wir sie z.B. in der Gender-Theorie sehen, brauchen wir die Lehre der Kirche zur Ehe. Dennoch werden wir im Gegenteil in Richtung einer Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion gedrängt. (…) Aber die Kirche muß die Ehe verteidigen und sie nicht schwächen. Die Unauflöslicheit der Ehe ist keine Strafe, kein Leid. Sie ist etwas sehr Schönes für jene, die sie leben und eine Quelle der Freude….
 
 .
 
Quelle und vollständiger Text hier: http://beiboot-petri.blogspot.de/2014/12/auch-le-figaro-interviewt-kardinal-burke.html
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« Antwort #83 am: 31. Dezember 2014, 08:21:47 »
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Zur Weihnachtsansprache von Papst Franziskus an die vatikanische Kurie
Veröffentlicht: 30. Dezember 2014 | Autor: Felizitas Küble
Von Prof. Dr. Hubert Gindert
 
Papst Franziskus hat am 22. Dez. im traditionellen Weihnachtsempfang für die römische Kurie zur Gewissenserforschung, wie sie vor dem Bußsakrament üblich ist, aufgerufen.
 

Die Medien haben daraus das gemacht, was der Medienexperte Prof. Norbert Bolz einmal so charakterisiert hat:
 
„Wenn man über Jahrzehnte die Praxis der Massenmedien beobachtet, dann weiß man… es geht auch nicht so sehr um Aufklärung, sondern um Skandale und Sensationen, um das Empörungspotential von Entscheidungen. Dieses Potential wird ausgebeutet. Das ist die Logik der Massenmedien“.
 
Wer die Überschriften zu den Kommentaren der Papstansprache liest, fragt sich, ob die Journalisten den Originaltext gelesen haben.

Die Linie der Berichterstattung gaben italienische Medien an. Das Staatsfernsehen „RAINews 24“ schrieb: „Der Papst peitscht die Kurie“.  –  Deutsche Medien zogen nach. Die „Augsburger Allgemeine Zeitung“ (23.12.2014) schrieb z.B.: “Der Papst geht mit dem Vatikan hart ins Gericht“.
 

Tatsächlich hat Papst Franziskus von den Versuchungen gesprochen, denen die Mitarbeiter der Kurie ausgesetzt sind – und hat sich selber mit einbezogen. Franziskus hat den Mitarbeitern der römischen Kurie für ihren Dienst gedankt und damit ihre Mitarbeit anerkannt.
 

Es ist interessant, dass sich die Medien auf die sogenannten 15 „Krankheiten“ gestürzt haben, die Versuchungen und Gefährdungen der Mitarbeiter an der Kurie darstellen, aber auch für „jeden Christ, jede Kurie, Gemeinschaft, Kongregation, Pfarrei, kirchliche Bewegung“, wie der Papst an anderer Stelle seiner Rede betont.

Indem die Medien den Teil der Ansprache vor Auflistung der 15 „Krankheiten“ weglassen, in dem Franziskus deutlich macht, worum es ihm mit der „Gewissenserforschung“ ging, nämlich „uns auf das Sakrament der Versöhnung vorzubereiten“, bekommt die Ansprache eine völlig andere Richtung.
 
Die Medien stellen den Papst in Gegensatz zu seiner Kurie und versuchen ihn zu instrumentalisieren. Wenn in der Papstrede das wegfällt, was der Rede ihre Ausrichtung gibt, dann ist die Berichterstattung nicht mehr Information. Sie wird zur Desinformation, zu einem Instrument der Kirchenpolitik, die sich gegen die ungeliebte römische Kurie, das Zentrum der Universalkirche, richtet.
 
Es ist aufschlussreich, aus dem Vorspann der päpstlichen Ansprache, einige Passagen in Erinnerung zu bringen, die die Intention von Papst Franziskus verdeutlichen.
 
Papst Franziskus sagte:
 
„Ich möchte Euch herzlich danken für Euren täglichen Einsatz im Dienst für den Heiligen Stuhl, die katholische Kirche, die Teilkirchen und für den Nachfolger Petri“.
 
„Ich möchte gemeinsam mit Euch für das nun zu Ende gehende Jahr eine lebendige und tief empfundene Danksagung zum Herrn erheben….und ihn demütig um Vergebung für begangene Verfehlungen…bitten“.
 
Ich möchte, „dass diese unsere Begegnung und die Überlegungen, die ich mit Euch teilen werde, für uns alle eine Hilfe und ein Ansporn zu einer wirklichen Gewissenserforschung werden, um unser Herz auf das heilige Fest der Weihnacht vorzubereiten“.
 
„Es ist schön, sich die römische Kurie wie ein kleines Modell der Kirche vorzustellen, also wie einen ‚Leib‘, der täglich ernsthaft versucht, lebendiger, gesünder, harmonischer und in sich selbst und mit Christus vereinter zu sein“.
 
„Da die Kurie jedoch ein dynamischer Leib ist, kann sie ohne Ernährung und ohne sich behandeln zu lassen nicht leben… Ein Mitglied der Kurie, das sich nicht täglich mit dieser Speise nährt, wird ein Bürokrat (ein Formalist, ein Funktionalist, ein reiner Angestellter)…
 
Das tägliche Gebet, der regelmäßige Empfang der Sakramente, vor allem der Eucharistie und der Versöhnung, der tägliche Kontakt mit dem Wort Gottes und die in gelebte Nächstenliebe umgesetzte Spiritualität sind die lebensnotwendige Nahrung für jeden von uns“.
 
„Die Kurie ist aufgerufen, sich zu bessern, sich immer zu bessern und in Gemeinschaft, Heiligkeit und Weisheit zu wachsen, um ihre Sendung vollkommen zu verwirklichen. Und doch ist sie wie jeder Leib, wie jeder menschliche Leib, auch Leiden, Funktionsstörungen, ausgesetzt.

Und hier möchte ich einige dieser möglichen Krankheiten, Kurienkrankheiten, erwähnen…Ich glaube, dass uns der Katalog der Krankheiten….helfen wird….uns auf das Sakrament der Versöhnung vorzubereiten, das für uns alle ein guter Schritt sein wird, um uns auf Weihnachten vorzubereiten“.
 
Und dann zählt Papst Franziskus die sog. “15 Krankheiten” auf und erläutert sie:
 1.„Die Krankheit, sich ‚unsterblich‘, ‚immun‘ oder sogar ‚unentbehrlich‘ zu fühlen und die notwendigen und üblichen Kontrollen zu vernachlässigen“.
 2.„Die Krankheit des ‚Martalismus‘ (das kommt von Marta), der übertriebenen Geschäftigkeit“.
 3.„Die Krankheit der geistigen und geistlichen ‚Versteinerung‘.
 4.„Die Krankheit der übertriebenen Planung und des Funktionalismus“.
 5.„Die Krankheit der schlechten Koordinierung“.
 6.„Die spirituelle Alzheimerkrankheit: Also das Vergessen der ‚Heilsgeschichte‘, der persönlichen Geschichte mit dem Herrn, der ersten Liebe (Offb 2,4).
 7.„Die Krankheit der Rivalität und der Ruhmsucht“.
 8.„Die Krankheit der existenziellen Schizophrenie. Es ist die Krankheit derer, die ein Doppelleben führen, Frucht der typischen Hypokrisie des Mittelmäßigen und einer zunehmenden geistlichen Leere…“.
 9.„Die Krankheit des Geredes, des Gemunkels, des Klatsches“.
 10.„Die Krankheit, die Dienstherren zu vergöttlichen“.
 11.„Die Krankheit der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen“.
 12.„Die Krankheit der Leichenbittermiene. Das heißt, die Krankheit griesgrämiger und mürrischer Menschen…“
 13.„Die Krankheit des Anhäufens: Wenn der Geistliche versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herzen zu füllen, indem er materielle Güter anhäuft…“
 14.„Die Krankheit der geschlossenen Kreise, wo die Zugehörigkeit zu einem Grüppchen stärker wird als die zum Leib und in einigen Situationen zu Christus selbst“.
 15.„Die Krankheit des weltlichen Profits, des Exhibitionismus, wenn ein Apostel seinen Dienst in Macht verwandelt und seine Macht in Handelsware, um weltlichen Profit oder mehr Macht zu erhalten“    (Quelle: Die Tagespost 24.12.2014)
 
Durch die Konzentration der Berichterstattung auf die „15 Krankheiten“ entstand ein falsches Bild von der Ansprache des Papstes vor der römischen Kurie. Damit war der Meinungsmanipulation Tür und Tor geöffnet.
 
Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert ist Gründer und Vorsitzender des “Forums Deutscher Katholiken” sowie Herausgeber der kath. Monatszeitschrift
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Ein spannendes Jahr liegt vor Papst Franziskus
 
"Der Blick auf 2015"


Papst Franziskus blickt auf ein bewegtes Jahr 2014 zurück. Kurz vor dem Jahreswechsel wird im domradio.de-Interview mit Bernd Hagenkord, dem Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, ein Ausblick auf 2015 geworfen.
 
domradio.de: Wird Papst Papst Franziskus 2015 wieder so viele Reisen antreten, wie in diesem Jahr?
 
Hagenkord: In gewisser Weise schon, sowohl das Reisen wird er weiter unternehmen, als auch die Bischofssynode wieder in Angriff nehmen. Das Thema Familie wird in einer weiteren Synode aufgegriffen. Die großen Linien werden sich demnach sicherlich ins Jahr 2015 hineinziehen. 
 
domradio.de: Wie wird es im kommenden Jahr weitergehen in Sachen Kurienreform?
 
Hagenkord: Es gibt eine ganze Reihe von Kommissionen, von denen werden hoffentlich die ersten auch Ergebnisse vorlegen. Ich glaube, wir sind die Ersten, die dran sind, also die Kommunikation des Vatikans. Da gibt es eine eigene Kommission zu und da soll einiges reformiert werden. Das wird sicherlich den Vatikan, den Pressesprecher und auch das L´Osservatore Romano betreffen. Aber es wird auch sicherlich die einzelnen Abteilungen, die thematisch geordnet sind, tangieren. Wie genau das aussehen wird, steht noch nicht fest, aber es wird auf jeden Fall bis 2015 und 2016 andauern, bis das in trockenen Tüchern ist.
 
domradio.de: Gerade wird der zweite Fragebogen verschickt, um die nächste Familienbischofssynode im Oktober 2015 vorzubereiten. Was wird da zu erwarten sein?
 
Hagenkord: Ich denke mal, dass es erstmal auf die Ortskirchen ankommt. Sehr viel Zeit gibt es nicht mehr, aber ein paar Monate immerhin, sich des Themas anzunehmen, zu diskutieren, um es in die Ortskirchen und Gemeinden zu bringen. Im Oktober geht es dann hier weiter, in Rom, in einer ganz großen, ordentlichen Bischofssynode, wo je nach Katholikenzahl eines Landes delegierte Bischöfe nach Rom kommen und das debattieren werden. Das Ende, was dabei rauskommen wird, ist noch nicht klar. Der Papst hat diesen Prozess angestoßen, ohne gleich ein Ergebnis vorzugeben. Dann geht das sicherlich auch noch in den nächsten Jahren weiter. Da kann man nicht einfach den Schalter umlegen, sondern das muss auch debattiert und implementiert werden. 
 
domradio.de: Wird mit diesem Papst 2015 wieder ein Jahr der Überraschungen?
 
Hagenkord: Es würde mich überraschen, wenn es keine Überraschungen gäbe. Also wir haben den Jahresschluss nochmal erlebt. Als wir dachten, es geht so langsam das Jahr zuende, da kamen noch ein paar große Geschichten, wie zum Beispiel die Ansprache an die Kurienmitarbeiter. Dann kam die Sache mit Kuba, die komplett verborgen gewesen ist. Keiner hat das mitbekommen. Er hat eine riesen Annäherung zwischen den USA und Kuba erreicht. Sowas kann man natürlich nicht planen, das erfahren wir dann auch immer im Nachhinein. Aber ich denke, der Papst hat noch einiges vor und auf seine Art und Weise immer überraschend.
 
domradio.de: Ein kleiner Blick hinter die vatikanischen Mauern: Wie wird der Papst Silvester feiern?
 
Hagenkord: Ich glaube eher ruhig. Er ist nicht der große Partymensch. Das würde uns auch alle überraschen. Ich glaube, er wird die Jahresschluss-Vesper mit Te Deum feiern. Er wird sicherlich im Gebet verbleiben und dann am nächsten Morgen sich auf die große Messe vorbereiten. Darum denke ich nicht, dass er lange aufbleiben wird und sich mit dem Sektglas auf das Dach stellt, um dem Neuen Jahr zuzuprosten. Das ist eher nicht so seine Art. 
 
Das Gespräch führte Verena Tröster. Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.
 




(dr)
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Glaubenspräfekt Müller: “Der christliche Gott ist etwas ganz anderes als Allah”
Veröffentlicht: 2. Januar 2015 | Autor: Felizitas Küble
“Die Selbstoffenbarung Gottes nicht außer Acht lassen.”
 
Kardinal Gerhard Müller, Präfekt der römischen Glaubenskongregation, befaßte sich in dem im Jahre 2005 bei Herder erschienenen Interview-Buch “Gott und seine Geschichte” auch mit der Frage, ob der “Gott” des Islam derselbe ist wie der Gott des Christentums.


Der damalige Bischof von Regensburg schreibt unter dem Kapitel “Reden wir vom selben Gott?” zunächst, daß der Schöpfergott des Alten Testaments derselbe ist wie der Gott-Vater des Neuen Testaments  – und daß das AT durchaus offen ist für das Zeugnis von der Trinität, vom dreieinigen Gott, daß dieses nämlich “dort schon schlummert”.

Deshalb könne man sagen, daß es “im Alten Testament auf eine mögliche trinitarische Selbsterschließung Gottes hinausläuft”. 

Der Autor fügt sodann hinzu:

“Das ist aber etwas ganz anderes als der muslimische Gott. Die Dreifaltigkeit von Gott wird 600 Jahre später im Islam abgelehnt.  Dass Gott einen Sohn haben soll, ist für Muslime Gotteslästerung.

In mehreren Suren des Koran gibt es eine ausdrückliche Ablehnung der Trinität Gottes. Insofern ist der Gott der Christen etwas ganz anderes als Allah, der Gott der Moslems.”
 
Auf die Interview-Frage “Aber kann man nicht dennoch sagen ´Wir alle glauben an Gott´?” antwortet Bischof Gerhard L. Müller:
 
“Natürlich kann man auch auf einer philosophischen Ebene gemeinsam sagen: Es gibt nur einen Gott. Wir alle sehen in unserem Gottesverständnis nur den einen Gott. Aber durch das Verständnis der christlichen Offenbarung ist es nicht der gleiche Gott.”
 
“Gott ist ein ganz exklusives Original  –  aus Israel”
 
Auf S. 81 erklärt der bischöfliche Verfasser sodann, daß wir “nicht im eigentlichen Sinne mit den Moslems beten können”:

“Weil wir als Christen nur durch Christus zu Gott “Vater” sagen können. Wir können ja nicht die Selbstoffenbarung Gottes außer Acht lassen.(…) Diesen einen Gott, der sich selbst offenbart, den gibt es nur aus Israel. Das ist das ganz exklusive Original.“


Ähnlich hat sich der damalige Regensburger Oberhirte zwei Jahre später in einem feierlichen Pontifikalamt zum Hochfest der Erscheinung des HERRN im Dom St. Peter geäußert:
 
Bischof Müller erklärte am 6. Januar 2007 in seiner Predigt, Christen könnten allein “im Heiligen Geist durch Jesus zu Gott ‚Abba Vater’ sagen. Christen glauben an den dreifaltigen Gott und beten so zu ihm, wie er sich uns geoffenbart hat“.

Allah sei nicht identisch mit dem Gott und Vater Jesu Christi, dem einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen: 

„Die Muslime und die Christen glauben nicht an denselben Gott. Obwohl es nur einen Gott gibt, lässt der prinzipielle Gegensatz im Gottesglauben ein gemeinsames Gebet nicht zu. Ein Christ kann daher etwa in einem Wortgottesdienst und einer Andacht gemeinsam auch mit Christen anderer Konfessionen beten“. 

Dies sei jedoch nie möglich mit den Angehörigen einer Religion, die ein unvergleichbar anderes Gottesverständnis hätten.
 
Das sind erfreulich klare Stellungnahmen, wie man sie heutzutage selbst bei kirchlichen Vertretern nicht häufig antrifft: ein eindeutiges Bekenntnis zum dreieinigen Gott der christlichen Offenbarung, dem  “ganz exklusiven Original”.
 
Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster
 
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Papst Franziskus Die Sturzgefahr wächst

Papst Franziskus hat den römischen Lauf der Dinge gehörig aus dem Tritt gebracht. 2015 will der Kirchenführer das Reformtempo weiter steigern – kritisch beäugt von vielen Kardinälen und Bischöfen. Das ist nicht ohne Risiko. Ein Kommentar.
03.01.2015, von Daniel Deckers




© dpa Papst Franziskus geht es um eine grundlegende Reform des Vatikans
Jesuiten singen nicht, so heißt es seit Jahrhunderten. Statt dessen Denkfalten auf der Stirn und undurchdringliche Mienen. Was man über die Mitglieder der „Gesellschaft Jesu“ ebenfalls weiß: Wer durch die Schule der „Geistlichen Übungen“ geht, die Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert hinterlassen hat, der kann zu einer inneren Freiheit gelangen, die alle Grenzen übersteigt. Jorge Mario Bergoglio ist Jesuit, seit fast sechzig Jahren. Und seit nunmehr fast zwei Jahren Papst. Seither übersteigt er die vermeintlichen Grenzen der katholischen Kirche.

 Autor: Daniel Deckers, Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.  Folgen: .

Was für ein Jahr! Schon der Auftakt 2014 brachte den römischen Lauf der Dinge gehörig aus dem Tritt. Schluss mit Übermacht der Italiener im Kardinalskollegium, die unter seinem Vorgänger Benedikt skandalöse Ausmaße angenommen hatte. Franziskus zog Haiti Venedig vor und die Philippinen Turin. Erneuerung der Kirche von der Peripherie her. Das Finale des Jahres wurde nachgerade furios. Franziskus nutzte die Weihnachtsansprache an die Mitglieder der Kurie zu einer Bußpredigt wider den Klerikalismus, wie sie im Vatikan aus dem Mund eines Papstes noch nie zu hören war.

In der Zwischenzeit neue Töne und fremde Rhythmen in Serie. Im Frühjahr ging ein Bild um die Welt. Es zeigte Franziskus politisch unkorrekt an der Sperrmauer in Bethlehem. Im Sommer die erste Reise nach Korea und damit auf jenen Kontinent, um den Benedikt einen großen Bogen gemacht hatte. Entscheidet sich dort die Zukunft der Kirche? Nebenher wird der eine oder andere Günstling Benedikts aus Kurien- und anderen Ämtern entfernt, Franziskus besetzt Bischofsstühle höchstpersönlich mit Männern, denen er zutraut, dass sie den Geist seines Pontifikats verkörpern: sensible Hirten, nicht doktrinäre Einpeitscher. Fast nebenher eine erste grundlegende Reform der Finanzen des Vatikans. Zug um Zug wird ein jahrhundertealtes Beziehungsgeflecht zerschnitten, in dem die Kirche eher Opfer als Täter ist.

Schluss mit Lebenslügen und Doppelmoral

Im Herbst die erste Synode seit Menschengedenken, in der sich Bischöfe und Kardinäle in Anwesenheit des Papstes in freier Diskussion üben müssen. Zur Vorbereitung hatte das Kirchenvolk weltweit dokumentieren müssen, wie tief in Sachen Ehe und Familie die Kluft zwischen Lehre und Leben ist. Schluss mit Lebenslügen und Doppelmoral. Wenige Wochen später zollte das Europaparlament dem Mann vom Ende der Welt von weit links bis weit rechts Respekt wie noch keinem Kirchenführer zuvor. Wenigstens einer, der Europa und seine Werte noch nicht aufgegeben hat. Kurz vor Weihnachten hat Präsident Obama allen Grund, dem Argentinier zu danken. Franziskus persönlich hat die historische Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba vermittelt.

So viel Bewegung macht schwindelig. Mehr noch: Die Sturzgefahr wächst, im eigentlichen wie im übertragenen Sinn. Seine Schritte wirken von Mal zu Mal unsicherer, aber der Rhythmus des Jahres 2015 dürfte kaum ein anderer werden, der Takt noch schneller. Bei aller äußeren Ruhe wirkt Franziskus wie ein Getriebener. Vor wenigen Wochen ist er 78 Jahre alt geworden.

Sri Lanka, die Philippinen, Frankreich, Afrika, Lateinamerika und die Vereinigten Staaten will der Papst besuchen. Die Ernennung neuer Kardinäle im Februar muss ein weiterer Schritt auf dem Weg der personellen Erneuerung sein, auch die Bischofsernennungen, nicht zu vergessen die Reform der Kurie, im Oktober steht der mutmaßlich alles entscheidende zweite Teil der Bischofssynode über Ehe und Familie an.

Entmystifizierung des Papstamtes

Alles entscheidend! Das denken sich auch die Kardinäle und Bischöfe, denen Franziskus mittlerweile eher als Hasardeur denn als Erneuerer vorkommt, als einer, der die Würde des Papstamtes in den Schmutz zieht und die Herzstücke der Lehre der Kirche wie die über die Unauflöslichkeit der Ehe im Namen der Barmherzigkeit dem alles zersetzenden Zeitgeist ausliefert. Wie viele es sind, ist schwer zu ermessen. Sollen sie sich ohne Not zu erkennen geben, solange die Zeit eher gegen Franziskus arbeitet als gegen sie?

Ihre erste Stunde schlägt im Herbst 2015. Sollte über das Synodendokument wieder Punkt für Punkt abgestimmt werden, reichte eine Sperrminorität von einem Drittel und einer Stimme, um alles zu Makulatur zu machen, was nach Franziskus aussieht. Übers Jahr, im Dezember 2016, würde Franziskus 80 Jahre alt. Zwei Mal schon hat er öffentlich mit dem Amtsverzicht à la Benedikt geliebäugelt. Aus seiner Sicht ist ein solcher Schritt unausweichlich, um das Papstamt unwiderruflich zu entmystifizieren. Daher fürchten seine Gegner den Amtsverzicht noch mehr als dass sie ihn herbeisehnen.

Wenn aber nicht die Zeit für Franziskus arbeitet, wer oder was dann? Sicher viele Jesuiten, sehr viele. Sie haben sich noch nie zu erkennen gegeben. Sicher auch Bischöfe und Kardinäle. Zu erkennen sind sie kaum. Bleiben die zahllosen Christen weltweit, die Tag um Tag darum beten, dass die Tage von Franziskus noch lange nicht gezählt sein mögen.
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Linkskatholiken bereiten sich aktiv auf die römische Familiensynode 2015 vor
Veröffentlicht: 20. Januar 2015 | Autor: Felizitas Küble
 Mathias von Gersdorff
 

Einer der wichtigsten Akzente im Pontifikat von Papst Franziskus ist die Ehe- und Familienpastoral. 


Um die Anforderungen unserer Zeit zu analysieren und zu besprechen, berief er eine „kleine“ Bischofsversammlung ein, die im Oktober 2014 stattfand. Diese Synode sollte eine „große“ Familiensynode vorbereiten, die im Oktober 2015 durchgeführt wird.
 
Wie hier schon im vergangenen September beschrieben, werden beide Familiensynoden vom Linkskatholizismus als willkommene Anlässe genutzt, wieder aktiv für ihre revolutionäre „Vision“ von Kirche und Lehramt zu werben.
 
Speerspitze des deutschen Links- oder Reformkatholizismus ist die Bewegung „Wir sind Kirche“. Seit etwa 20 Jahren kämpft sie für eine egalitäre Kirche und dient einer liberalen Auffassung von Moral: Schleifung der Unterschiede zwischen Laien und Priestern, Abschaffung des Zölibats, Akzeptanz außerehelicher Sexualität, Akzeptanz der Wiederheirat nach Scheidung, Verständnis für Abtreibung usw.
 
“Reformkatholische” sind ideologisch auf dem neuesten Stand
 
Somit propagiert „Wir sind Kirche“ innerhalb des Katholizismus sämtliche Positionen, die im säkularen Bereich diverse Organisationen und Aktivisten der sexuellen Revolution im Geiste der 1968er-Bewegung vertreten.
 
Wegen der durch Kardinal Kasper neu entflammten Diskussion über eine mögliche kirchliche Neubewertung von wiederverheirateten geschiedenen Katholiken kamen alle Themen von „Wir sind Kirche“ auf den Tisch. Lange Zeit war von dieser sog. „Basisbewegung“ kaum etwas zu hören. In gewisser Weise hat Kardinal Kasper sie wieder aus der Versenkung geholt.
 
Trotz ihrer Inaktivität ist „Wir sind Kirche“ ideologisch nicht in der Zeit stehengeblieben. Sie haben im Arbeitspapier „Texte und Arbeitshilfen zur Familien-Synode 2014-2015“ komplett die Entwicklungen der sexuellen Revolution der letzten Jahre übernommen.
 
Modernisten wollen alle Ebenen unterwandern
 

So treten sie heute für eine positive Bewertung der Homosexualität und von homosexuellen Partnerschaften ein, sie fordern eine positive Bewertung für das „breite Spektrum sexueller Beziehungen unterschiedlicher Intensität und Ausdrucksformen“, sie fordern die Akzeptanz von künstlichen Verhütungsmitteln usw.

Diese Forderungen finden sich in einem Positionspapier mit dem Namen „Sexualität als lebenspendende Kraft“, was schon vieles über die Gesinnung der Autoren sagt.
 
Auch ihre Auffassung von Familie unterscheidet sich kaum noch von jener der Gender-Ideologen:
 
„Ehrlich bemühte Christinnen und Christen in Sachen Familie und Partnerschaften finden sich in unterschiedlichen Lebens‐ und Familienformen: gut gelebte Ehen mit und ohne Kinder, gescheiterte Ehen und Partnerschaften, gelingende zweite Ehen, alleinerziehende Mütter und Väter, Patchwork‐Familien, homosexuelle Partnerschaften mit und ohne Kinder, Singles in familienähnlichen Netzwerken…“
 
„Wir sind Kirche“ beschränkt sich aber nicht bloß darauf, Forderungen zu stellen und Arbeitspapiere zu redigieren. Sie will in allen Ebenen aktiv werden, um eine revolutionäre Kirche einzurichten.
 

Eine Liste mit fast zwanzig „Aktionsmöglichkeiten vor Ort“ erklärt den Anhängern, wie sie die Ansichten der Bewegung bekannt machen können. Ein „Synoden-Fahrplan“ erläutert die wichtigsten Etappen bis zur Synode und koordiniert die bundesweiten Aktivitäten, um die größtmögliche Wirkung zu erreichen.
 
Sexuelle Revolution in die Kirche integrieren?
 

Kurz: „Wir sind Kirche“ hat eine regelrechte Kampagne organisiert mit dem Ziel, die sexuelle Revolution in der Familiensynode 2015 in die katholische Kirche einzuführen.


Diese Bewegung steht in Deutschland natürlich nicht alleine da. Eine Schar von subventionierten Theologen leistet die intellektuelle Vorarbeit, um die katholische Ehe- und Sexualmoral zu demontieren. Sie publizieren in renommierten Verlagen wie Herder oder Patmos (eine Auswahl hier).

In ihren Schriften werden so gut wie alle Thesen der sexuellen Revolution in theologischer Sprache wiedergegeben, inklusive der letzten Ausprägungen der Gender-Ideologie. Die Aktivisten von „Wir sind Kirche“ brauchen diese Bücher nur zu lesen, um genügend Argumente für ihren Propagandafeldzug zu sammeln. Kurz: In Deutschland existiert eine gut geölte Maschinerie zur Zerstörung essentieller Bereiche des katholischen Lehramtes.
 
Fast unnötig zu sagen, daß wenige im deutschen Episkopat den unverschämten Forderungen von „Wir sind Kirche“ widersprechen. Viele unterstützen sogar die Implementierung von Kardinal Kaspers Vorstellungen zur Familienpastoral.

Daß diese schon mehrmals widerlegt wurden, u. a. durch Kardinal Ratzinger, als er noch Glaubenspräfekt war, spielt keine Rolle. Auf Biegen und Brechen wollen die Progressisten die katholische Kirche dem modernen Zeitgeist anpassen.

Diese Situation ist natürlich nicht neu. Neu ist allerdings die Entschlossenheit, mit der man die katholische Ehe- und Sexualmoral über Bord werfen will.
 
Katholiken aus Polen, Kroatien und Afrika stützen uns
 

Daß in Deutschland die katholische Kirche nicht schon längst einen Sonderweg eingeschlagen hat, ist maßgeblich in Deutschland lebenden Gläubigen aus Kroatien, Polen oder Afrika zu verdanken. Ohne diese Katholiken würde vielerorts, vor allem in Großstädten, überhaupt kein Glaubensleben mehr existieren.

Zudem werden sie immer aktiver und mischen sich inzwischen auch in kirchenpolitische Angelegenheiten ein. Der hierzulande noch herrschende Laien- und Rätekatholizismus von Reformkatholiken, der in den entscheidenden Ämtern sitzt und über großzügige finanzielle Mittel verfügt, bekommt allmählich Konkurrenz. 


Hoffnung für die katholische Kirche in Deutschland kommt aus Ländern und Regionen, in denen der Glaube noch nicht so stark verdunstet wie bei uns: Polen, Asien, Afrika.

Von dort sowie aus den USA kam bei der Familiensynode im Oktober 2014 der größte Widerstand gegen die Demontage der Ehe- und Sexualmoral. Treibende Kraft war ein Teil des deutschen Episkopats, der sich den Thesen Kardinal Kaspers anschloß.
 
Aber Hoffnung kommt auch von deutschen Katholiken selbst. Lange Zeit haben sie es zugelassen, daß sich der linksliberale moderne Geist in der Kirche ausbreitet. Doch auch diese Katholiken werden aktiver und organisieren sich.
 
Wie diese Auseinandersetzung ausgehen wird, ist noch ungewiß. Eines ist sicher: Die katholische Kirche in Deutschland geht turbulenten Zeiten entgegen. „Doch am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“ hat die Gottesmutter in Fatima versprochen. O Maria, ohne Erbsünde empfangen, bitte für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen.
 
Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Initiative “Kinder in Gefahr” und die Internetseite “Kultur und Medien online”
 

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung “Junge Freiheit" 












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